Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Harmonische Wellen: Größen und Wellenfunktion
So liest du eine harmonische Welle: Größen, Phase, Laufrichtung und die beiden Diagrammarten.
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Kurz gesagt
Eine harmonische Welle breitet eine sinusförmige Schwingung aus. Ihre Geschwindigkeit ist c=\lambda f. Im Momentbild liest du die Wellenlänge an der Ortsachse ab; im Zeitverlauf eines Punktes die Periodendauer an der Zeitachse.
Eine harmonische Welle entsteht, wenn sich eine sinus- oder kosinusförmige Schwingung räumlich ausbreitet. Jeder erfasste Punkt schwingt periodisch und gegenüber anderen Orten mit verschobener Phase. Wird die Störung erst am Ursprung gestartet, beginnen weiter entfernte Punkte nach ihrer jeweiligen Laufzeit zu schwingen. Du lernst, die charakteristischen Größen einer harmonischen Welle zu verknüpfen, eine Wellenfunktion zu lesen und zwischen räumlichem Momentbild und zeitlichem Schwingungsverlauf zu unterscheiden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Schwingung ist die wiederkehrende Bewegung eines Punktes um seine Gleichgewichtslage. Eine Welle entsteht, wenn sich diese Bewegung durch die Kopplung benachbarter Punkte räumlich fortpflanzt.
Die Punkte des Mediums wandern nicht mit einem Wellenberg durch den gesamten Raum. Sie schwingen an ihrem Ort, während sich die Störung und ihre Energie ausbreiten. Bei einer Querwelle auf einem Seil kann die Störung entlang der x-Achse laufen, während die Seilpunkte in y-Richtung schwingen.
Definition
Harmonische Welle
Eine harmonische Welle ist eine räumlich fortschreitende Schwingung, deren Auslenkung sich mit einer Sinus- oder Kosinusfunktion beschreiben lässt.
Merke: Lokale Schwingung und räumliche Ausbreitung sind nicht dasselbe: Ein Punkt schwingt an seinem Ort, während sich der Wellenzustand von Ort zu Ort fortpflanzt.
Teste dich
Die Amplitude A ist der größte Betrag der Auslenkung; diese liegt zwischen -A und +A. Die Periodendauer T ist die Zeit einer Schwingung. Die Frequenz f zählt Schwingungen pro Sekunde.
f=\frac{1}{T}
Ihre Einheit ist Hertz: 1\,\mathrm{Hz}=1\,\mathrm{s}^{-1}. Die Wellenlänge \lambda ist der Abstand benachbarter Punkte gleicher Phase, etwa zweier Wellenberge. In einer Periodendauer legt die Welle eine Wellenlänge zurück. Für die Ausbreitungsgeschwindigkeit c gilt:
c=\frac{\lambda}{T}=\lambda f
Die Kreisfrequenz \omega beschreibt die zeitliche, die Kreiswellenzahl k die räumliche Phasenänderung.
\omega=\frac{2\pi}{T}=2\pi f
k=\frac{2\pi}{\lambda}
Damit folgt c=\omega/k.
| Größe | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| A | maximale Auslenkung | abhängig von der Auslenkungsgröße |
| T | Dauer einer Schwingung | \mathrm{s} |
| f | Schwingungen pro Sekunde | \mathrm{Hz} |
| \lambda | räumliche Periode | \mathrm{m} |
| \omega | zeitliche Phasenänderung | \mathrm{s}^{-1} |
| k | räumliche Phasenänderung | \mathrm{m}^{-1} |
| c | Ausbreitungsgeschwindigkeit | \mathrm{m/s} |
Beispiel
- 1Gegeben sind \lambda=0{,}50\,\mathrm{m} und T=0{,}25\,\mathrm{s}. Der Zusammenhang lautet c=\lambda/T:
- 2c=\frac{0{,}50\,\mathrm{m}}{0{,}25\,\mathrm{s}}=2{,}0\,\mathrm{m/s}
- 3Die Welle breitet sich mit 2{,}0\,\mathrm{m/s} aus. Das Ergebnis ist plausibel: In einer Sekunde vergehen vier Perioden, also werden vier Wellenlängen beziehungsweise 2{,}0\,\mathrm{m} zurückgelegt.
Teste dich
Für eine harmonische Welle in positive x-Richtung ist eine mögliche Wellenfunktion:
y(x,t)=A\sin(kx-\omega t+\varphi_0)
Dabei ist y(x,t) die Auslenkung am Ort x zur Zeit t, A die Amplitude und \varphi_0 die Anfangsphase. Der Ausdruck kx-\omega t+\varphi_0 ist die dimensionslose Phase: k hat die Einheit \mathrm{m}^{-1} und \omega die Einheit \mathrm{s}^{-1}.
Dieselbe Laufrichtung kann mit anderer Phasenwahl beschrieben werden:
y(x,t)=A\sin\left(2\pi\left(\frac{t}{T}-\frac{x}{\lambda}\right)\right)
Bei Orts- und Zeitterm mit verschiedenen Vorzeichen läuft die Welle in positive x-Richtung; bei gleichen Vorzeichen in negative. Das gilt auch für Kosinus. Für kx-\omega t=\text{konstant} muss x mit der Zeit wachsen.
Im Momentbild ist t fest: Die waagerechte Achse zeigt den Ort x, und der Abstand benachbarter Wellenberge ist \lambda. Im Zeitverlauf ist x fest: Die waagerechte Achse zeigt t, und der Abstand aufeinanderfolgender Maxima ist T. In beiden Bildern ist die Amplitude der größte Betrag der Auslenkung.
Punkte im Abstand \lambda sind phasengleich: Ihre Phasen unterscheiden sich um 2\pi. Im Abstand \lambda/2 beträgt die Phasendifferenz \pi; ihre Auslenkungen haben außer beim gemeinsamen Nulldurchgang entgegengesetzte Vorzeichen.
Merke: Momentbild: Bei festem t liest du \lambda auf der Ortsachse ab. Zeitverlauf: Bei festem x liest du T auf der Zeitachse ab.
Teste dich
Eine erst zu t=0 am Ursprung gestartete Störung erreicht einen Ort x_1 nach \Delta t=x_1/c. Eine sinusförmige Funktion beschreibt die Schwingung dort erst ab dem Eintreffen; davor bleibt der Punkt in Ruhe.
Eine harmonische Welle transportiert Energie. Die Intensität I ist die pro Zeit und Fläche transportierte Energie. Für eine ebene, fortschreitende harmonische mechanische Welle in einem idealisierten verlustfreien, nichtdispersiven Medium mit Massendichte \rho gilt:
I=\frac{1}{2}\rho c\omega^2A^2
Bei gleichem Medium und gleicher Ausbreitungsgeschwindigkeit folgt I\propto\omega^2A^2. Wenn nur die Amplitude oder nur die Kreisfrequenz verdoppelt wird, vervierfacht sich die Intensität.
Beispiel: Wellenfunktion und Laufzeit
- 1Gegeben sind A=1{,}0\,\mathrm{cm}, c=7{,}5\,\mathrm{mm/s}, \omega=\frac{\pi}{2}\,\mathrm{s}^{-1} und x_1=5{,}25\,\mathrm{cm}. Gesucht sind T, f, \lambda und der Zeitverlauf an x_1.
- 2In SI-Einheiten gilt A=0{,}010\,\mathrm{m}, c=0{,}0075\,\mathrm{m/s} und x_1=0{,}0525\,\mathrm{m}.
- 3T=\frac{2\pi}{\omega}=\frac{2\pi}{\pi/2\,\mathrm{s}^{-1}}=4{,}0\,\mathrm{s}
- 4f=\frac{1}{T}=\frac{1}{4{,}0\,\mathrm{s}}=0{,}25\,\mathrm{Hz}
- 5\lambda=cT=0{,}0075\,\mathrm{m/s}\cdot4{,}0\,\mathrm{s}=0{,}030\,\mathrm{m}
- 6Für positive x-Richtung und Anfangsphase null fasse den dimensionslosen Klammerausdruck als u zusammen:
- 7u=\frac{t}{4{,}0\,\mathrm{s}}-\frac{x}{0{,}030\,\mathrm{m}} y(x,t)=0{,}010\,\mathrm{m}\,\sin(2\pi u)
- 8\Delta t=\frac{x_1}{c} \Delta t=\frac{0{,}0525\,\mathrm{m}}{0{,}0075\,\mathrm{m/s}}=7{,}0\,\mathrm{s}
- 9Nach dem Eintreffen gilt für die verstrichene Zeit \tau=t-7{,}0\,\mathrm{s}: y(x_1,t)=0{,}010\,\mathrm{m}\,\sin\left(2\pi\frac{\tau}{4{,}0\,\mathrm{s}}\right) Vorher bleibt der Punkt bei diesem Startmodell in Ruhe.
- 10Bei t=8{,}0\,\mathrm{s} ist seit dem Eintreffen eine Viertelperiode vergangen; die Auslenkung ist dann +0{,}010\,\mathrm{m}.
Beispiel: Intensität bei veränderter Kreisfrequenz
- 1Welle 1 und Welle 2 sind ebene fortschreitende Wellen im gleichen idealisierten verlustfreien, nichtdispersiven Medium. Beide besitzen die Amplitude 2A und dieselbe Ausbreitungsgeschwindigkeit. Welle 1 hat die Kreisfrequenz \omega, Welle 2 die Kreisfrequenz \omega/2.
- 2I_1\propto(2A)^2\omega^2=4A^2\omega^2
- 3I_2\propto(2A)^2\left(\frac{\omega}{2}\right)^2=A^2\omega^2
- 4Damit ist I_1=4I_2. Beide Wellen besitzen dieselbe Amplitude; die halbierte Kreisfrequenz von Welle 2 senkt ihre Intensität auf ein Viertel.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Harmonische Wellen
Verbindet
lokale Schwingung; räumliche Ausbreitung
Besitzt Größen
Amplitude A; Periodendauer T und Frequenz f; Wellenlänge \lambda und Geschwindigkeit c
Wird beschrieben durch
Phase kx-\omega t+\varphi_0; c=\lambda f=\omega/k
Wird dargestellt als
Momentbild bei festem t; Zeitverlauf bei festem x
Überträgt
Energie; Intensität proportional zu \omega^2A^2
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Phase und Ausbreitung
- 1Eine harmonische Welle hat T=0{,}60\,\mathrm{s} und \lambda=0{,}90\,\mathrm{m}. Gesucht sind die Ausbreitungsgeschwindigkeit und die Phasendifferenz im Abstand 0{,}225\,\mathrm{m}.
- 2c=\frac{\lambda}{T}=\frac{0{,}90\,\mathrm{m}}{0{,}60\,\mathrm{s}}=1{,}5\,\mathrm{m/s}
- 3\Delta\varphi=2\pi\frac{\Delta x}{\lambda} \Delta\varphi=2\pi\frac{0{,}225\,\mathrm{m}}{0{,}90\,\mathrm{m}}=\frac{\pi}{2}
- 4Die Punkte sind um ein Viertel der Wellenlänge versetzt; das entspricht einer Viertelperiode der Phase.
Fehler finden
Momentbild einer Seilwelle prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile verwechselt Ort und Zeit. Richtig ist \lambda=0{,}72\,\mathrm{m}; eine Periodendauer lässt sich erst aus einem Zeitverlauf bestimmen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Frequenz ist der der Periodendauer. Im Momentbild liest du ab. Punkte im Abstand einer halben Wellenlänge schwingen .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback