Mathematik · Klasse 13 · aktualisiert
Normalverteilung: Glockenkurve verstehen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
Die Normalverteilung beschreibt Messwerte, die sich glockenförmig um den Mittelwert häufen. Du deutest \mu und \sigma und berechnest Wahrscheinlichkeiten.
0 von 12 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Die Normalverteilung ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung mit symmetrischer Glockenkurve. Der Erwartungswert \mu legt die Lage fest, die Standardabweichung \sigma die Breite. Wahrscheinlichkeiten sind Flächen unter der Kurve: Mit z=\frac{x-\mu}{\sigma} standardisierst du und liest \Phi(z) ab.
Viele gleichartige Kerzen brennen nicht alle gleich lang. Die meisten Brenndauern liegen nahe am Durchschnitt, sehr kurze oder sehr lange sind selten. Solche Messwerte beschreibt oft die Normalverteilung mit ihrer Glockenkurve. Hier lernst du, was \mu und \sigma bedeuten, warum Wahrscheinlichkeiten Flächen sind und wie du sie durch Standardisierung berechnest oder mit den Sigma-Regeln schätzt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Zufallsgröße ordnet dem Ergebnis eines Zufallsvorgangs eine Zahl zu, zum Beispiel einer zufällig gewählten Kerze ihre Brenndauer. Ein Histogramm solcher Messwerte kann an eine Glocke erinnern. Die Normalverteilung ist stetig: Die Zufallsgröße kann jeden reellen Wert in einem Bereich annehmen. Zwischen 48 g und 49 g liegen zum Beispiel noch 48,1 g, 48,12 g und unendlich viele weitere Werte. Die Glockenkurve hat ihren Gipfel beim Erwartungswert \mu, dem theoretischen Mittelwert. Dort liegt auch ihr Symmetriezentrum. Nach links und rechts fällt sie ab und nähert sich der waagerechten Achse. Die gesamte Fläche unter ihr beträgt 1, also 100 %. Die Standardabweichung \sigma beschreibt die typische Streuung um \mu. Ihr Quadrat \sigma^2 heißt Varianz. Oft schreibt man X \sim N(\mu,\sigma^2): Dann steht als zweiter Parameter die Varianz. Prüfe bei anderen Schreibweisen, ob \sigma oder \sigma^2 gemeint ist.
Definition
Normalverteilung
Eine Normalverteilung ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung mit einer symmetrischen, glockenförmigen Dichtekurve. Sie ist durch den Erwartungswert \mu und die Standardabweichung \sigma>0 vollständig bestimmt.
| Änderung | Wirkung auf die Glocke |
|---|---|
| größeres \mu | verschiebt sich nach rechts |
| kleineres \mu | verschiebt sich nach links |
| größeres \sigma | wird breiter und flacher |
| kleineres \sigma | wird schmaler und höher |
Beispiel: Zwei Abfüllmaschinen (fiktives Modell)
- 1Beide füllen Packungen im Mittel mit 500 g: gleiches \mu, gleicher Mittelpunkt.
- 2Maschine A schwankt weniger: kleineres \sigma, schmale und hohe Glocke.
- 3Maschine B schwankt mehr: größeres \sigma, breite und flache Glocke.
Teste dich
Die Höhe der Kurve an einer Stelle ist keine Wahrscheinlichkeit. Erst die Fläche unter der Kurve über einem Intervall gibt an, wie wahrscheinlich Werte in diesem Intervall sind. Die Verteilungsfunktion F sammelt die Fläche links einer Grenze. Für ein Intervall von a bis b mit a<b ziehst du die kleinere linke Fläche von der größeren ab: P(a\le X\le b)=F(b)-F(a). Weil die Normalverteilung stetig ist, gilt für jeden einzelnen Wert P(X=a)=0. Das heißt nicht, dass der Messwert unmöglich ist. Ein einzelner Punkt hat nur keine Fläche. Bei realen Messungen fragst du deshalb nach einem Intervall, etwa von 59,5 kg bis 60,5 kg. Ob du die Grenzen einschließt oder nicht, ändert die Wahrscheinlichkeit nicht.
Definition
Verteilungsfunktion
F(b)=P(X\le b) ist die gesamte Fläche unter der Dichtekurve links von b.
Merke: Wahrscheinlichkeit = Fläche über einem Intervall, nie die Höhe der Kurve an einer Stelle.
Teste dich
Für jede Kombination aus \mu und \sigma bräuchtest du eine eigene Tabelle. Deshalb rechnest du einen Wert x in einen z-Wert um. Er gibt an, wie viele Standardabweichungen x vom Erwartungswert entfernt liegt: z=0 heißt genau bei \mu, z=1 eine Standardabweichung darüber, z=-2 zwei Standardabweichungen darunter. Ist X normalverteilt, dann ist Z=\frac{X-\mu}{\sigma} standardnormalverteilt, mit Erwartungswert 0 und Standardabweichung 1. Ihre Verteilungsfunktion heißt \Phi, es gilt \Phi(z)=P(Z\le z). Wegen der Symmetrie ist \Phi(-z)=1-\Phi(z).
Definition
z-Wert
z=\frac{x-\mu}{\sigma} misst den Abstand von x zum Erwartungswert in Standardabweichungen.
Beispiel: Kerze mit \mu=40 h und \sigma=7 h: Brenndauer von 33 bis 47 Stunden (fiktives Modell)
- 1z_1=\frac{33-40}{7}=-1 und z_2=\frac{47-40}{7}=1
- 2Tabelle: \Phi(1)\approx0{,}84134
- 3Symmetrie: \Phi(-1)=1-\Phi(1)\approx1-0{,}84134=0{,}15866
- 4P(33\le X\le47)\approx0{,}84134-0{,}15866=0{,}68268
- 5Ergebnis: ungefähr 68,27 %, passend zum Intervall von \mu-\sigma bis \mu+\sigma
Teste dich
Symmetrische Bereiche um \mu liefern schnelle Näherungen, ganz ohne Tabelle. Je weiter ein Wert von \mu entfernt liegt, desto ungewöhnlicher ist er. Mathematisch reicht die Normalverteilung über alle reellen Zahlen. Brenndauern oder Füllmengen können aber nicht negativ sein. Dort ist sie nur ein Näherungsmodell, und die Wahrscheinlichkeit für unmögliche Werte muss vernachlässigbar klein sein. Die Normalverteilung passt als Modell, wenn eine stetige Messgröße untersucht wird und die Daten ungefähr einen einzigen Gipfel haben, links und rechts vom Mittelwert ähnlich verlaufen, sich nahe am Mittelwert häufen und nach außen seltener werden. Starke Schiefe, mehrere getrennte Gipfel oder feste Grenzen mit vielen Randwerten sprechen dagegen. Misst du etwa die Durchmesser vieler Schrauben aus einem stabilen Herstellungsprozess und das Histogramm ist annähernd symmetrisch mit einem Gipfel, lohnt es sich, die Normalverteilung zu prüfen. Ein Beweis ist das aber nicht.
| Bereich | Anteil der Werte |
|---|---|
| \mu-\sigma bis \mu+\sigma | ungefähr 68 % |
| \mu-2\sigma bis \mu+2\sigma | ungefähr 95 % |
| \mu-3\sigma bis \mu+3\sigma | ungefähr 99,7 % |
Merke: Eine Glockenform im Histogramm ist ein Hinweis auf eine Normalverteilung, aber kein Beweis. Viele Daten allein machen Werte nicht normalverteilt, und ein ungewöhnlicher Wert ist nicht automatisch falsch.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Normalverteilung
Form
stetig, glockenförmig und symmetrisch, Gesamtfläche 1.
Parameter
\mu bestimmt Mittelpunkt und Gipfel, \sigma Breite und Höhe.
Wahrscheinlichkeit
Fläche unter der Dichtekurve, P(X=a)=0.
Berechnung
mit z=\frac{x-\mu}{\sigma} standardisieren und \Phi-Werte abziehen.
Schnellschätzung
68 %, 95 % und 99,7 % in \mu\pm\sigma, \mu\pm2\sigma und \mu\pm3\sigma.
Modellprüfung
Situation und Histogramm gemeinsam beurteilen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Packungen mit \mu=500 g und \sigma=4 g: Wie viele wiegen mindestens 506 g?
- 1z=\frac{506-500}{4}=1{,}5
- 2Gesucht ist die rechte Fläche: P(X\ge506)=1-\Phi(1{,}5)
- 3Tabelle: \Phi(1{,}5)\approx0{,}93319
- 4P(X\ge506)\approx1-0{,}93319=0{,}06681
- 5Etwa 6,7 % der Packungen wiegen mindestens 506 g.
Fehler finden
\mu=60, \sigma=5: Wie groß ist P(X\ge65)? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3\Phi(1) ist die Fläche links von 65, also P(X\le65). Gesucht ist die rechte Fläche: P(X\ge65)=1-\Phi(1)\approx1-0{,}84134=0{,}15866.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der Parameter bestimmt die Lage der Glocke. Ein größeres \sigma führt zu einer Kurve. Der höchste Punkt liegt bei .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback