Mathematik · Klasse 13 · aktualisiert
Dichtefunktion: Bedingungen, Flächen und Beispiele
Eine Dichtefunktion verteilt Wahrscheinlichkeit über Intervalle. Du lernst, eine Dichte zu prüfen und Wahrscheinlichkeiten als Flächen zu berechnen.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Eine Dichtefunktion f beschreibt die Verteilung einer stetigen Zufallsgröße. Sie muss überall nichtnegativ sein und insgesamt die Fläche 1 haben. Wahrscheinlichkeiten sind Flächen: P(a\le X\le b)=\int_a^b f(x)\,dx. Ein einzelner Wert hat die Wahrscheinlichkeit 0.
Stell dir vor, du misst eine Laufzeit beliebig genau. Zwischen 12 und 13 Sekunden liegen unendlich viele mögliche Werte. Deshalb verteilt man die Wahrscheinlichkeit nicht auf einzelne Zahlen, sondern auf Intervalle. Eine Dichtefunktion beschreibt, wie sich die Wahrscheinlichkeit einer stetigen Zufallsgröße verteilt. Entscheidend ist nicht die Höhe an einem Punkt, sondern die Fläche unter dem Graphen über einem Intervall.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Bei einer stetigen Zufallsgröße X fragst du nicht „Wie wahrscheinlich ist genau 12,4 Sekunden?“, sondern „Wie wahrscheinlich liegt die Zeit zwischen 12 und 13 Sekunden?“. Die Antwort ist eine Fläche unter dem Graphen der Dichte. Ein großer Wert von f(x) bedeutet: In der Umgebung von x liegt vergleichsweise viel Wahrscheinlichkeit. Die Höhe f(x) selbst ist aber keine Wahrscheinlichkeit. Sie darf sogar größer als 1 sein, solange die Gesamtfläche 1 bleibt.
Definition
Dichtefunktion
Eine Funktion f ist eine Wahrscheinlichkeitsdichte, wenn f(x)\ge0 für alle betrachteten Werte gilt und die gesamte Fläche unter ihrem Graphen 1 ist: \int_{-\infty}^{\infty} f(x)\,dx=1. Für ein Intervall von a bis b gilt dann P(a\le X\le b)=\int_a^b f(x)\,dx.
Beispiel: Dichte mit Werten über 1: f(x)=2 auf [0;0{,}5], sonst f(x)=0
- 1Die Dichte ist überall \ge 0, aber höher als 1.
- 2Gesamtfläche: \int_0^{0{,}5}2\,dx=2\cdot0{,}5=1
- 3Beide Dichtebedingungen sind erfüllt.
Teste dich
Bei einer vorgegebenen Funktion brauchst du immer beide Prüfungen. Eine nichtnegative Funktion kann die falsche Gesamtfläche haben. Eine Funktion mit Integral 1 kann stellenweise negativ sein. Als Beispiel dient f(x)=-\frac{2}{9}x^2+\frac{2}{3}x für 0\le x\le3, außerhalb von [0;3] sei f(x)=0. Für die Nichtnegativität faktorisierst du den Term. Für die Gesamtfläche brauchst du eine Stammfunktion F und integrierst über [0;3], denn außerhalb liegt keine Fläche.
Beispiel: Ist f(x)=-\frac{2}{9}x^2+\frac{2}{3}x auf [0;3] eine Dichte?
- 1Schritt 1, faktorisieren: f(x)=\frac{2}{9}x(3-x)
- 2Auf [0;3] sind x\ge0 und 3-x\ge0, also f(x)\ge0. Außerhalb ist f(x)=0.
- 3Schritt 2, Stammfunktion: F(x)=-\frac{2}{27}x^3+\frac{1}{3}x^2
- 4\int_0^3 f(x)\,dx=F(3)-F(0)=(-2+3)-0=1
- 5Beide Bedingungen stimmen: f ist eine Dichtefunktion.
Merke: Dichte-Test: zuerst überall f(x)\ge0 prüfen, dann die Gesamtfläche \int f(x)\,dx=1. Erst wenn beides stimmt, liegt eine Dichte vor.
Teste dich
Verwende dieselbe Dichte. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit, dass X mindestens 2 beträgt. Da außerhalb von [0;3] keine Dichte liegt, integrierst du von 2 bis 3: P(X\ge2)=\int_2^3\left(-\frac{2}{9}x^2+\frac{2}{3}x\right)dx. Schneller geht es mit der Verteilungsfunktion F(x)=P(X\le x)=\int_{-\infty}^{x}f(t)\,dt. Sie sammelt die gesamte Wahrscheinlichkeit links von x. Die Integrationsvariable heißt hier t, damit sie nicht mit der oberen Grenze x verwechselt wird. Für ein Intervall ziehst du zwei gesammelte Flächen voneinander ab: P(a\le X\le b)=F(b)-F(a). Bei unserer Dichte ist die Stammfunktion F von oben zugleich die Verteilungsfunktion auf [0;3], denn F(0)=0 und links von 0 liegt keine Fläche. Prüfe am Ende: Eine Wahrscheinlichkeit liegt immer zwischen 0 und 1. Ein negatives Ergebnis oder eines über 1 zeigt sicher einen Rechen- oder Modellfehler.
Definition
Verteilungsfunktion
Die Verteilungsfunktion F(x)=P(X\le x) gibt die Fläche unter der Dichte links von x an. Sie steigt von 0 bis 1, und es gilt P(a\le X\le b)=F(b)-F(a).
Beispiel: P(X\ge2) für die geprüfte Dichte
- 1F(3)=-\frac{2}{27}\cdot27+\frac{1}{3}\cdot9=1
- 2F(2)=-\frac{16}{27}+\frac{4}{3}=\frac{20}{27}
- 3P(X\ge2)=F(3)-F(2)=1-\frac{20}{27}=\frac{7}{27}\approx0{,}259
- 4Im Kontext: Mit etwa 25{,}9\,\% Wahrscheinlichkeit ist X mindestens 2.
Teste dich
Für eine stetige Zufallsgröße gilt an jedem einzelnen Punkt P(X=x)=0. Ein Punkt hat keine Breite und damit keine Fläche unter dem Dichtegraphen. Das heißt nicht, dass der Wert unmöglich ist. Eine Messung kann durchaus genau 2 anzeigen. Im idealisierten stetigen Modell hat das Ereignis „exakt 2 und sonst nichts“ trotzdem die Wahrscheinlichkeit 0. Weil einzelne Randpunkte nichts beitragen, ist es bei stetigen Zufallsgrößen egal, ob die Intervallgrenzen dazugehören: P(2<X<3)=P(2\le X\le3).
| Größe | Bedeutung | Wert für die Dichte von oben |
|---|---|---|
| f(2) | Höhe des Graphen, keine Wahrscheinlichkeit | \frac{4}{9} |
| P(X=2) | Punktwahrscheinlichkeit | 0 |
| P(2\le X\le3) | Fläche über dem Intervall | \frac{7}{27} |
Merke: Nicht verwechseln: f(x) ist eine Dichtehöhe, P(X=x) eine Punktwahrscheinlichkeit. Bei stetigen Verteilungen ist P(X=x)=0, auch wenn f(x)>0 ist.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Dichtefunktion
Bedingungen
f(x)\ge0 und Gesamtfläche 1
Dichtewert
Höhe des Graphen, darf größer als 1 sein
Intervall
P(a\le X\le b)=\int_a^b f(x)\,dx
Einzelwert
P(X=x)=0 bei stetigen Zufallsgrößen
Verteilungsfunktion
F(x)=P(X\le x), also P(a\le X\le b)=F(b)-F(a)
Prüfung
Ergebnis zwischen 0 und 1 und im Kontext deuten
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bestimme k so, dass f(x)=kx auf [0;2] eine Dichte ist, und berechne P(X\le1)
- 1Bedingung 1: Für k>0 ist f(x)=kx\ge0 auf [0;2].
- 2Bedingung 2: \int_0^2 kx\,dx=\frac{k}{2}\cdot2^2=2k
- 32k=1, also k=\frac{1}{2}
- 4P(X\le1)=\int_0^1\frac{1}{2}x\,dx=\frac{1}{4}\cdot1^2=\frac{1}{4}
- 5Mit 25\,\% Wahrscheinlichkeit ist X höchstens 1.
Fehler finden
P(X\le0{,}5) für die Dichte f(x)=3x^2 auf [0;1] In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Höhe f(0{,}5) ist keine Wahrscheinlichkeit. Richtig ist die Fläche: P(X\le0{,}5)=\int_0^{0{,}5}3x^2\,dx=0{,}5^3=0{,}125.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Eine Dichte muss überall sein. Ihre Gesamtfläche beträgt . Eine Intervallwahrscheinlichkeit berechnest du als .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback