Mathematik · Klasse 7–8 · aktualisiert
Gesetz der großen Zahlen einfach erklärt
Bei vielen Versuchen pendelt sich die relative Häufigkeit nahe der Wahrscheinlichkeit ein. Du lernst, was das Gesetz sagt und was nicht.
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Kurz gesagt
Das Gesetz der großen Zahlen besagt: Wiederholst du ein Zufallsexperiment sehr oft, liegt die relative Häufigkeit eines Ergebnisses sehr wahrscheinlich nahe bei seiner Wahrscheinlichkeit. Bei einer fairen Münze pendelt sich der Kopfanteil bei 0,5 ein. Einen Ausgleich früherer Würfe gibt es nicht.
Wirfst du eine Münze viermal, kann durchaus dreimal Kopf kommen. Wirfst du sie tausendmal, landet der Kopfanteil meist ziemlich nah bei der Hälfte. Genau das beschreibt das Gesetz der großen Zahlen. Es garantiert aber weder eine gleichmäßige Annäherung noch einen Ausgleich früherer Ergebnisse.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Wirfst du eine faire Münze, hat „Kopf“ die Wahrscheinlichkeit P(\text{Kopf})=0{,}5. Das ist ein theoretischer Wert. Was wirklich passiert, zählst du in einer Versuchsreihe: Die absolute Häufigkeit ist die Zahl der Treffer, die relative Häufigkeit ist ihr Anteil an allen Versuchen. Nach wenigen Würfen kann der beobachtete Anteil deutlich von 0,5 abweichen.
Definition
Relative Häufigkeit
Die relative Häufigkeit gibt an, welchen Anteil ein Ereignis A an allen Versuchen hat: h_n(A)=\frac{H_n(A)}{n}. Dabei ist H_n(A) die absolute Häufigkeit von A und n die Anzahl aller Versuche.
Beispiel: Vier Münzwürfe, dreimal Kopf
- 1Absolute Häufigkeit: H_4(\text{Kopf})=3
- 2Relative Häufigkeit: h_4(\text{Kopf})=\frac{3}{4}=0{,}75
- 3Das weicht deutlich von 0,5 ab.
- 4Bei nur vier Würfen ist das normal und kein Widerspruch zum Gesetz.
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Bei unabhängigen Wiederholungen unter gleichen Bedingungen werden große Abweichungen zwischen h_n(A) und P(A) mit wachsendem n immer unwahrscheinlicher. Die relative Häufigkeit stabilisiert sich nahe der Wahrscheinlichkeit. Ein fairer Würfel zeigt eine Sechs mit Wahrscheinlichkeit \frac{1}{6}\approx0{,}167. In kurzen Serien schwankt der Anteil der Sechsen stark, in langen liegt er meist näher bei \frac{1}{6}. „Annäherung“ heißt aber nicht, dass es mit jedem Wurf besser wird: Die Abweichung kann zwischendurch wieder wachsen. Wichtig sind auch die Grenzen: Die Versuche müssen zum Modell passen, also unabhängig sein und dieselbe Wahrscheinlichkeit haben. Eine große Stichprobe beseitigt keine systematischen Messfehler, und eine verzerrte Auswahl wird durch ihre Größe nicht repräsentativ. Das Gesetz sagt auch nicht voraus, welches Einzelergebnis als Nächstes kommt.
Merke: Viele Versuche machen eine deutliche relative Abweichung unwahrscheinlicher. Bei endlich vielen Versuchen machen sie sie nicht unmöglich.
Teste dich
Viele glauben, nach vielen Kopfwürfen müsse bald Zahl kommen. Das stimmt nicht: Bei unabhängigen Würfen verändert die bisherige Folge die Wahrscheinlichkeit des nächsten Wurfs nicht. Selbst nach zehnmal Kopf bleibt bei einer fairen Münze P(\text{Kopf})=P(\text{Zahl})=0{,}5. Die frühen Ergebnisse werden nicht ausgeglichen, sondern von den vielen späteren Würfen „verdünnt“. Die absolute Differenz kann deshalb wachsen, während die relative Abweichung kleiner wird.
Beispiel: Vorsprung und Anteil beim Münzwurf
- 1Nach 4 Würfen: 3-mal Kopf, 1-mal Zahl
- 2Vorsprung: 3 − 1 = 2, Kopfanteil: 3 : 4 = 0,75
- 3Nach 100 Würfen: 53-mal Kopf, 47-mal Zahl
- 4Vorsprung: 53 − 47 = 6, Kopfanteil: 53 : 100 = 0,53
- 5Der Vorsprung ist gewachsen, der Anteil liegt trotzdem näher bei 0,5.
Teste dich
Zur Vertiefung: Bei n unabhängigen Versuchen mit Trefferwahrscheinlichkeit p ist die Trefferzahl X_n binomialverteilt, X_n\sim\operatorname{Bin}(n,p), mit E(X_n)=np und \operatorname{Var}(X_n)=np(1-p). Für die relative Häufigkeit R_n=\frac{X_n}{n} folgt E(R_n)=p und \operatorname{Var}(R_n)=\frac{p(1-p)}{n}. Die Varianz misst die Streuung. Wächst n, geht sie gegen null: Die Werte von R_n drängen sich um p. Mit der Tschebyscheffschen Ungleichung gilt für jede Toleranz \varepsilon>0: P(|R_n-p|\geq\varepsilon)\leq\frac{p(1-p)}{n\varepsilon^2} Die rechte Seite geht für n\to\infty gegen null. Das ist die Kernaussage des schwachen Gesetzes für Bernoulli-Versuche. „Fast sicher“ beim starken Gesetz heißt übrigens nicht „ausnahmslos“: Eine unendliche Folge nur aus Sechsen ist denkbar, hat aber die Wahrscheinlichkeit null.
Definition
Schwaches und starkes Gesetz
Beim schwachen Gesetz geht für jede feste Toleranz die Wahrscheinlichkeit einer zu großen Abweichung gegen null (Konvergenz in Wahrscheinlichkeit). Das starke Gesetz sagt etwas über den ganzen langfristigen Verlauf: Für fast alle unendlichen Ergebnisfolgen nähern sich die Mittelwerte dem Erwartungswert (fast sichere Konvergenz). Das starke Gesetz schließt das schwache ein.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Gesetz der großen Zahlen
Beobachtung
Die relative Häufigkeit stabilisiert sich nahe bei der Wahrscheinlichkeit
Kein gerader Weg
Zwischendurch sind größere Abweichungen möglich
Kein Ausgleich
Unabhängige nächste Versuche behalten ihre Wahrscheinlichkeit
Mathematischer Grund
Die Varianz \frac{p(1-p)}{n} der relativen Häufigkeit geht gegen null
Grenzen
Mehr Daten beheben keine systematischen Fehler oder verzerrte Auswahl
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Sechsen beim Würfeln: kurze und lange Versuchsreihe
- 1Wahrscheinlichkeit einer Sechs: 1 : 6 ≈ 0,167
- 2Nach 60 Würfen 14 Sechsen: 14 : 60 ≈ 0,233
- 3Nach 600 Würfen 104 Sechsen: 104 : 600 ≈ 0,173
- 4Abstand zu 0,167: 0,233 − 0,167 = 0,066 und 0,173 − 0,167 = 0,006
- 5Die lange Reihe liegt viel näher an der Wahrscheinlichkeit, aber nicht genau darauf.
Fehler finden
Nach 10 Würfen einer fairen Münze kam 8-mal Kopf In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Würfe sind unabhängig, die Münze hat kein Gedächtnis. Auch beim 11. Wurf ist P(\text{Zahl})=0{,}5. Das Gesetz betrifft nur den Anteil über sehr viele Würfe.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Gesetz betrifft vor allem Größen und Mittelwerte. Eine große Stichprobe verringert zufällige Schwankungen, beseitigt aber keine Fehler. Für den nächsten unabhängigen Versuch liefert das Gesetz .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback