Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Wissenstransfer im Mittelalter einfach erklärt
Du lernst, wie Menschen im Mittelalter Wissen bewahrten, übersetzten und veränderten und wie du Aussagen darüber prüfst.
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Kurz gesagt
Wissenstransfer bedeutet, Wissen zu bewahren und weiterzugeben. Im Mittelalter geschah das durch Gespräche, Unterricht und handgeschriebene Bücher. Beim Auswählen, Übersetzen und Ordnen konnten Menschen Wissen auch verändern.
Wenn du etwas erklärst, wählst du passende Wörter und wichtige Informationen aus. So gibst du Wissen weiter und gestaltest zugleich, wie andere es verstehen. Auch im Mittelalter hing Lernen davon ab, welche Menschen, Sprachen und Bücher jemand erreichen konnte.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Wissenstransfer bedeutet mehr, als Informationen unverändert weiterzureichen. Menschen bewahren Wissen, wählen daraus aus und ordnen es. Sie übersetzen Texte auch in andere Sprachen. Dadurch können neue Leser etwas verstehen und das Wissen anders verwenden.
Ein Wörterbuch zeigt das besonders gut: Es bietet Übersetzungen und ordnet Wörter zu einem Hilfsmittel. Wer damit lernt, muss nicht jedes Wort erneut von einem anderen Menschen übersetzen lassen. Die Anordnung und die gewählten Sprachen prägen also, wie das Wissen genutzt werden kann.
Definition
Wissenstransfer
Menschen bewahren Wissen und geben es weiter. Dabei können sie es auswählen, übersetzen und neu ordnen.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Lernhilfe gestalten
- 1Ein Schüler sammelt Wörter, die er noch nicht versteht.
- 2Er schreibt verständliche Übersetzungen dazu und ordnet die Wörter.
- 3So entsteht aus ausgewählten Informationen eine Lernhilfe, die er wieder benutzen kann.
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Eine Handschrift ist ein von Hand geschriebener Text oder ein handgeschriebenes Buch. Handschriften bewahrten Texte. Beim Abschreiben wird ein vorhandener Text von Hand noch einmal geschrieben. Das ist etwas anderes als das Übersetzen in eine andere Sprache. Durch Abschreiben konnten Texte auch an andere Orte gelangen. Daneben gaben Menschen Wissen mündlich weiter. Nicht jedes Wissen brauchte ein Buch.
Klöster waren Gemeinschaften, in denen Menschen ein religiöses Leben führten. Schreiben und Lernen gehörten dort zu wichtigen Tätigkeiten. In Schreibwerkstätten wurden Texte hergestellt. Klöster waren wichtige Lernorte, aber es gab auch andere.
Schulen vermittelten unter anderem Latein. Diese Sprache war für Geistliche wichtig, also für Menschen mit religiösen Aufgaben. Später sammelten auch Universitäten, also Hochschulen, und ihre Bibliotheken gelehrte Texte und gaben sie weiter. Gelehrte Texte sind hier Texte zum Lernen und Forschen. Eine Bibliothek ist eine Büchersammlung. In Heidelberg gehen Teile der heutigen Bestände auf Bibliotheken der 1386 gegründeten Universität und ihrer Fachbereiche zurück. Dass Bücher Gespräche ersetzten, lässt sich aus diesen Buchbeständen nicht schließen.
Klöster, Schulen und Universitäten darfst du nicht als Einrichtungen beschreiben, die überall gleichzeitig vorhanden oder allen Menschen gleich zugänglich waren.
| Weg oder Lernort | Beitrag zum Wissenstransfer |
|---|---|
| Handschriften | Texte bewahren und durch Abschreiben an weiteren Orten verfügbar machen |
| Klöster | Schreiben und Lernen ermöglichen; Texte in Schreibwerkstätten herstellen |
| Schulen | Unter anderem die für Geistliche wichtige lateinische Bildung vermitteln |
| Universitäten und Bibliotheken | Später zur Sammlung und Weitergabe gelehrter Texte beitragen |
Merke: Wissen wurde schriftlich und mündlich weitergegeben. Klöster waren wichtige, aber nicht die einzigen Lernorte.
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Beda lebte in England und schrieb eine Geschichte der Kirche. Um 680 kam er mit sieben Jahren in das Kloster Wearmouth. Danach lebte er in der Klostergemeinschaft Wearmouth–Jarrow. Dort lernte und schrieb er. Schon als Kind erhielt er Unterricht und konnte eine große Büchersammlung nutzen.
Benedict Biscop hatte auf Reisen auf dem europäischen Festland Bücher für diese Gemeinschaft gekauft. Seine Reisen brachten also Texte zu Beda. Beda selbst verbrachte sein Leben in der Klostergemeinschaft. Hier erkennst du, wie Beziehungen das Lernen erweitern konnten: Ein Mensch beschaffte Bücher, die ein anderer an seinem Wohnort nutzen konnte.
Beda sprach von zu Hause aus Altenglisch. Latein musste er lernen. In der Klosterbibliothek standen ihm christliche Texte und Bücher über Grammatik, also über Sprachregeln, zur Verfügung. Seine Geschichte der Kirche schrieb er auf Latein.
Das Medium, also der Träger des Wissens, war hier das handgeschriebene Buch. Die Klostergemeinschaft bot Unterricht und Zugang zu Büchern. Das gelernte Latein half Beda, Texte zu verstehen, und machte seine eigenen Schriften für andere lateinkundige Leser zugänglich. Die überwiegend christliche Bücherauswahl prägte, welches Wissen ihm zur Verfügung stand. Das erklärt Bedas Bedingungen; es beschreibt nicht das Leben aller Menschen im Mittelalter.
Merke: Bei Beda wirkten mehrere Dinge zusammen: handgeschriebene Bücher, gelerntes Latein, Unterricht im Kloster und Bücher aus Biscops Reisen.
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Um 1250 stellten Mönche der Ramsey Abbey, eines englischen Klosters, gemeinsam mit jüdischen Gelehrten ein hebräisches Wörterbuch zusammen. Mönche sind Männer, die in einer religiösen Klostergemeinschaft leben. Gelehrte beschäftigen sich gründlich mit Wissen. Das Wörterbuch enthält Übersetzungen von mehr als 3.500 hebräischen Wörtern ins Lateinische und mittelalterliche Französische. Diese Angaben stammen aus einer Beschreibung der British Library, einer Bibliothek, die das erhaltene Buch vorstellt. Hier untersuchen wir nicht das mittelalterliche Buch selbst.
Das Wörterbuch belegt eine Zusammenarbeit an einem bestimmten Ort. Es zeigt außerdem, wie mehrere Sprachen in einer Lernhilfe verbunden wurden. Die Übersetzungen konnten das Wissen für Menschen mit anderen Sprachkenntnissen nutzbar machen.
Aus diesem Fall folgt aber nicht, dass alle Mönche Hebräisch konnten. Ebenso wenig beweist er, dass Menschen unterschiedlicher Religion überall friedlich miteinander lebten. Ein einzelnes Beispiel trägt keine Aussage über alle Orte und Menschen.
Manche Behauptungen sind nicht bloß unbelegt, sondern widersprechen unserem Wissen: Wissen gab es nicht nur in Klöstern. Schulen, später auch Universitäten sowie die mündliche Weitergabe zeigen weitere Wege. Prüfe deshalb bei jeder Aussage: Für welchen Ort, welche Menschen und welche Zeit gibt es einen Beleg?
Merke: Ein belegtes Beispiel darfst du beschreiben. Für eine Behauptung über alle Menschen oder alle Orte brauchst du weitere Belege.
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Alles auf einen Blick
Wissenstransfer im Mittelalter
Veränderung
Auswählen, Übersetzen und Ordnen können Wissen für neue Leser nutzbar machen.
Weitergabe
Handschriften bewahrten Texte; Abschreiben brachte sie an weitere Orte. Wissen wurde auch mündlich vermittelt.
Lernorte
Klöster, Schulen und später Universitäten trugen auf unterschiedliche Weise zum Wissenstransfer bei.
Lernbedingungen
Bei Beda wirkten Unterricht, Bücherzugang, gelerntes Latein und Biscops Reisen zusammen.
Belege
Ein Beispiel von einem Ort erlaubt keine Aussage über alle Menschen im Mittelalter.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie brachten Biscops Reisen Wissen zu Beda?
- 1Aufgabe: Erkläre, wie Beda Texte von anderen Orten nutzen konnte, obwohl er sein Leben in der Klostergemeinschaft verbrachte.
- 2Bedingung feststellen: Beda hatte in der Klostergemeinschaft Zugang zu einer großen Büchersammlung.
- 3Beziehung untersuchen: Benedict Biscop kaufte auf Reisen auf dem europäischen Festland Bücher für diese Gemeinschaft.
- 4Zusammenhang erklären: Durch Biscops Reisen gelangten Bücher in Bedas Lernumgebung. Beda musste dafür nicht selbst zu den Herkunftsorten der Bücher reisen.
- 5Grenze beachten: Damit erklärst du Bedas Zugang zu Texten. Du weißt dadurch noch nicht, welche Bücher anderen Menschen zur Verfügung standen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Wörterbuch aus Ramsey In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage erweitert einen örtlichen Beleg auf alle Orte. Richtig: Dieses Wörterbuch belegt eine Zusammenarbeit an einem bestimmten Ort.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das hebräische Wörterbuch der Ramsey Abbey entstand um . Die Universität, auf deren Bibliotheken Teile der Heidelberger Bestände zurückgehen, wurde gegründet. Beda sprach von zu Hause aus .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback