Geschichte · Klasse 5–10 · aktualisiert
Mittelalter: Epoche, Alltag und Wandel verstehen
Du lernst, wann und wo das Mittelalter war, wie Menschen zusammenlebten und warum sich diese lange Zeit nicht mit einem einzigen Bild erklären lässt.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Das Mittelalter ist ein Abschnitt der europäischen Geschichte ungefähr zwischen 500 und 1500. Im deutschsprachigen Überblick unterscheidet man häufig Früh-, Hoch- und Spätmittelalter. Das Leben unterschied sich je nach Zeit, Ort und gesellschaftlicher Gruppe.
Denkst du beim Mittelalter an Bauern, Burgen oder Städte? Allein reicht keines dieser Bilder aus. Du lernst eine lange Zeit kennen, in der Menschen sehr unterschiedlich lebten und sich vieles veränderte.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Das Mittelalter wird in der europäischen Geschichte ungefähr zwischen 500 und 1500 eingeordnet. Solche großen Zeitabschnitte heißen Epochen. Sie helfen dir, Ereignisse und Veränderungen zeitlich zu ordnen.
Diese Einteilung passt nicht in gleicher Weise auf die ganze Welt. Verschiedene Regionen entwickelten sich unterschiedlich. Auch innerhalb Europas lebten nicht alle Menschen zur selben Zeit auf dieselbe Weise.
Definition
Epoche
Eine Epoche ist ein großer Zeitabschnitt, mit dem wir Geschichte ordnen. Seine Grenzen werden im Rückblick festgelegt.
Teste dich
Im deutschsprachigen Überblick unterscheidet man häufig drei Teile. Das Frühmittelalter reicht etwa vom 6. Jahrhundert bis zum Anfang oder zur Mitte des 11. Jahrhunderts. Das Hochmittelalter folgt darauf und reicht bis ungefähr 1250. Das Spätmittelalter reicht anschließend bis ungefähr 1500.
Im Frühmittelalter entstanden nach dem Ende des weströmischen Kaisertums neue Reiche, zum Beispiel das Frankenreich. Das weströmische Kaisertum bezeichnet die Herrschaft der Kaiser im westlichen Teil des Römischen Reiches. Andere Reiche bestanden weiter, darunter das Byzantinische Reich. Im Hochmittelalter wuchsen Handel und Städte. Im Spätmittelalter gab es wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen neben schweren Krisen. Dazu gehörte die Pest, eine schwere Krankheit.
Die drei Teile sind eine Hilfe beim Ordnen. Sie bedeuten nicht, dass zuerst alles aufstieg, dann alles besonders gut war und schließlich alles verfiel. Auch innerhalb eines Teils gab es große Unterschiede.
| Teil | Ungefähre Zeit | Ein Merkmal |
|---|---|---|
| Frühmittelalter | Etwa 6. Jahrhundert bis Anfang/Mitte 11. Jahrhundert | Neue Reiche entstanden; andere bestanden weiter. |
| Hochmittelalter | Danach bis ungefähr 1250 | Handel und Städte wuchsen. |
| Spätmittelalter | Danach bis ungefähr 1500 | Entwicklungen und schwere Krisen bestanden nebeneinander. |
Merke: Die drei Teile beschreiben keine feste Folge von Aufstieg, bester Zeit und Verfall.
Teste dich
Ein Stand war eine gesellschaftliche Gruppe mit bestimmten Rechten, Pflichten und einem Rang. Rang meint die damalige Einordnung in die Gesellschaft, nicht den Wert eines Menschen. Die Zugehörigkeit hing häufig von der Geburt ab, konnte sich aber verändern. Geistliche waren Menschen mit religiösen Aufgaben in der Kirche.
Eine christlich geprägte Vorstellung teilte die Gesellschaft in drei Gruppen: Geistliche sollten beten. Die Kämpfenden, vor allem Adlige, sollten Schutz bieten und Krieg führen. Die Arbeitenden sollten für die Versorgung sorgen. Adlige gehörten zum Adel, einem Stand mit besonderem Rang. Dieses Modell zeigte eine gewünschte Ordnung. Es beschrieb nicht das ganze Leben aller Menschen. Bauern konnten frei, abhängig oder unfrei sein. Freilassung machte einen Bauern nicht automatisch adlig.
Herrschaft beruhte auch auf persönlichen Bindungen. Ein Lehnsherr überließ einem Vasallen ein Lehen, also einen Besitz zur Nutzung. Der Vasall schuldete Treue und Dienste wie Rat, Kriegsdienst oder die Bewachung einer Burg. Der Herr musste den Lehnsbesitz sichern und Beistand leisten, also Hilfe geben. Diese Beziehung erfasste nicht alle Menschen.
Kirchliche Aufgaben und Herrschaft konnten zusammenkommen. Ruprecht war Bischof von Straßburg, also ein hochgestellter Geistlicher. Ein Lehnbrief vom 6. April 1451 hält fest, dass er eine Vergabe eines Lehens erneuerte. Geistliche konnten also zugleich Herrschaft außerhalb ihrer religiösen Aufgaben ausüben. Es gab aber auch Konflikte: Um die Besetzung kirchlicher Ämter stritten kirchliche und andere Herrscher.
Davon musst du die Grundherrschaft unterscheiden. Dabei übte ein Herr Macht über Menschen aus, die auf seinem Boden lebten. Bauern schuldeten je nach Verhältnis Abgaben oder Dienste. Abgaben konnten Erzeugnisse oder Geld sein. Auch kirchliche Einrichtungen konnten Grundherren sein. Doch nicht alle Bauern lebten unter dieser Form von Herrschaft.
Frondienste waren geforderte Arbeit ohne Lohn. Für das Gebiet der Schweiz sind im frühmittelalterlichen Zusammenhang Pflügen, Säen, Ernten und Transporte genannt, meist an wenigen Tagen im Frühjahr und Herbst. Solche Arbeiten waren etwas anderes als die beschriebenen Pflichten eines Vasallen.
Definition
Lehnsbindung
Eine persönliche Beziehung zwischen einem Lehnsherrn und einem Vasallen. Mit dem überlassenen Lehen waren Treue, Dienste und Pflichten des Herrn verbunden.
Merke: Die Kirche gehörte zur Gesellschaft und konnte selbst Herrschaft ausüben. Das Bild dreier Stände und die Lehnsbindungen erklären aber nicht das Leben aller Menschen.
Teste dich
Das Wort „dunkel“ kann den Eindruck erwecken, im Mittelalter hätten die Menschen kaum etwas gewusst oder gekonnt. Dazu passen viele Entwicklungen nicht. Klöster, also religiöse Gemeinschaften, bewahrten und bearbeiteten Wissen. Das taten auch Gelehrte aus dem Byzantinischen Reich und der arabisch-islamischen Welt. Damit sind hier Gebiete gemeint, die von arabischer Sprache und dem Islam, einer Religion, geprägt waren. Im Hochmittelalter entstanden Universitäten, an denen gelehrt und gelernt wurde.
Auch städtische Arbeit erforderte besondere Fähigkeiten. Braunschweig, Nürnberg und Dinant waren im Spätmittelalter Zentren für Gebrauchsgeräte aus Messing, einem Metallgemisch. Metallverarbeitung und Handel gehörten somit ebenfalls zum Mittelalter. Das Leben bestand nicht allein aus bäuerlicher Arbeit.
Solche Leistungen beseitigten Gewalt, Verfolgung und Seuchen nicht. Wer das Mittelalter erklären will, muss Können und Krisen gemeinsam betrachten. Außerdem kommt es darauf an, welchen Ort, welche Zeit und welche Gruppe man untersucht.
Beispiel: Messinggeräte aus Städten
- 1Braunschweig, Nürnberg und Dinant waren im Spätmittelalter Zentren der Herstellung von Gebrauchsgeräten aus Messing.
- 2Solche Geräte zeigen: Menschen beherrschten besondere Verfahren der Metallverarbeitung.
- 3Das Beispiel ergänzt das Bild vom bäuerlichen Leben um städtisches Handwerk und Handel.
Teste dich
Die Grenzen einer Epoche werden im Rückblick festgelegt. Veränderungen erreichten verschiedene Regionen und Lebensbereiche unterschiedlich schnell. Deshalb war nicht plötzlich mit dem Jahreswechsel 1500 das ganze Leben anders.
Welche Grenze hilfreich ist, hängt von deiner Frage ab. Wenn du politische Herrschaft untersuchst, kann 476 ein wichtiger Einschnitt sein. Wenn du untersuchst, wie Texte verbreitet wurden, ist der Buchdruck um 1450 wichtig. Bei religiösen Veränderungen kannst du auf die Reformation ab 1517 achten. Reformation nennt man eine Bewegung zur Veränderung der Kirche.
Auch Gegenstände zeigen, dass Entwicklungen über eine Zeitgrenze hinausgingen. Eine Schüssel um 1520 veranschaulicht die Fortsetzung der Herstellung von Messinggeräten. Handwerkliche Entwicklungen brachen nicht am Jahreswechsel 1500 ab.
Du solltest daher erklären, warum eine Grenze zu deiner Frage passt. Ein Datum kann eine wichtige Veränderung markieren. Es beweist keinen gleichzeitigen Wechsel aller Lebensverhältnisse.
Merke: Eine Zeitgrenze muss zur untersuchten Frage passen. Verschiedene Lebensbereiche veränderten sich unterschiedlich schnell.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Mittelalter
Zeit und Raum
Das Mittelalter wird in Europa ungefähr zwischen 500 und 1500 eingeordnet.
Teilphasen
Im deutschsprachigen Überblick unterscheidet man häufig Früh-, Hoch- und Spätmittelalter. Die Abfolge bedeutet keinen zwangsläufigen Verfall.
Zusammenleben
Stände hatten unterschiedliche Rechte und Pflichten; Lehnsbindungen verbanden einzelne Menschen. Geistliche konnten auch Herrschaft ausüben.
Unterschiede
Bäuerliche Arbeit, städtisches Handwerk und die Beschäftigung mit Wissen gehörten zum Mittelalter.
Zeitgrenzen
Welche Grenze sinnvoll ist, hängt von der Frage ab. Das Leben änderte sich nicht überall gleichzeitig.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bäuerliche Arbeit und Vasallenpflichten unterscheiden
- 1Aufgabe: Ordne das Pflügen für einen Herrn im frühmittelalterlichen Gebiet der Schweiz ein.
- 2Tätigkeit bestimmen: Genannt werden dort Pflügen, Säen, Ernten und Transporte, meist an wenigen Tagen im Frühjahr und Herbst.
- 3Beziehung prüfen: Es geht um geforderte, nicht entlohnte bäuerliche Arbeit. Solche Arbeiten heißen Frondienste.
- 4Abgrenzen: Die beschriebenen Vasallenpflichten umfassten etwa Rat, Kriegsdienst oder Burgbewachung. Das gemeinsame Wort „Dienst“ macht die Beziehungen nicht gleich.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Stellung von Bauern In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die Aussage setzt Freilassung mit dem Wechsel in den Adel gleich. Richtig: Freilassung machte einen Bauern nicht automatisch adlig.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der Lehnbrief zu Bischof Ruprecht von Straßburg stammt vom 6. April . Für die Untersuchung der Verbreitung von Texten ist der Buchdruck um wichtig. Bei religiösen Veränderungen kann die Reformation ab eine Grenze markieren.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback