Geschichte · Klasse 7–11 · aktualisiert
Humanismus: Menschenbild und Wandel der Renaissance
Du lernst, was Renaissance-Humanismus bedeutet, welches Menschenbild er prägte und wie er Neues mit mittelalterlichen Grundlagen verband.
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Kurz gesagt
Der Renaissance-Humanismus war eine Bildungsbewegung innerhalb der Renaissance. Humanisten wollten durch antike Texte, sprachliche Bildung und gutes Handeln menschliche Fähigkeiten entfalten. Die Renaissance bezeichnet den umfassenderen kulturellen Wandel.
Macht Wissen einen Menschen auch zu einem besseren Menschen? Humanisten verbanden beides miteinander. Sie suchten Vorbilder in der Antike und wollten Bildung verändern. Dabei waren sie stärker auf Leistungen des Mittelalters angewiesen, als ihre Kritik an dieser Zeit vermuten lässt.
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4 Abschnitte
Der Renaissance-Humanismus war eine Bildungsbewegung mit einem besonderen Interesse an Sprache und Literatur. Er begann um die Mitte des 14. Jahrhunderts mit dem Dichter Francesco Petrarca. Die Stadt Florenz war ein herausragendes Zentrum. Im 15. und 16. Jahrhundert verbreitete sich die Bewegung über den größten Teil Europas.
Humanisten wollten die Bildung verändern. Wissen und gutes Handeln sollten zusammengehören und die menschlichen Fähigkeiten entfalten. Dafür nahmen sie sich Texte und Autoren der Antike zum Vorbild. Mit Antike ist hier das griechische und römische Altertum gemeint.
Humanismus und Renaissance sind deshalb keine austauschbaren Begriffe. Renaissance bezeichnet den umfassenderen kulturellen Wandel. Der Renaissance-Humanismus war eine Bewegung innerhalb dieses Wandels, deren Schwerpunkt auf Bildung und Wissen lag. Seine Ideen wirkten auch auf die Kunst. Dennoch gehört nicht jede Veränderung der Renaissance speziell zum Humanismus.
Definition
Renaissance-Humanismus
Eine Bildungsbewegung innerhalb der Renaissance. Sie wollte menschliche Fähigkeiten durch sprachliche Bildung, antike Vorbilder und gutes Handeln entfalten.
Merke: Renaissance ist der umfassendere Begriff. Der Humanismus gehört dazu und hat seinen Schwerpunkt in der Bildungs- und Wissenschaftsreform.
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Humanisten wollten antike Werke möglichst in ihrer unverfälschten Form lesen. Ihr lateinischer Leitsatz „ad fontes“ bedeutet „zu den Quellen“. Eine Quelle ist hier ein überlieferter Text aus der Vergangenheit. Humanisten suchten Handschriften, also von Hand geschriebene Texte, in Bibliotheken. Sie veröffentlichten, übersetzten und erläuterten wiedergefundene Werke. Der Buchdruck machte diese Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.
Das Lesen sollte Wissen vermitteln und zugleich das Handeln verbessern. Sprache und Literatur standen deshalb im Mittelpunkt. Im Unterricht hatte Latein den Vorrang; Griechisch spielte daneben eine deutlich kleinere Rolle. Mathematik und Naturwissenschaft wurden oft vernachlässigt oder ganz missachtet. Antike Vorbilder führten also nicht dazu, dass alle Fächer gleich viel Aufmerksamkeit erhielten.
Zur Arbeit mit alten Texten gehörte auch die kritische Prüfung: War ein Text echt? In welche Zeit gehörte er? Humanisten erkannten, dass sich Sprache im Laufe der Zeit verändert. Sie ordneten Texte deshalb geschichtlich ein. Der humanistische Gelehrte Lorenzo Valla wies etwa nach, dass die Konstantinische Schenkung eine mittelalterliche Fälschung war. Dieses Schriftstück gab sich als Urkunde aus, in der der römische Kaiser Konstantin dem Papst Silvester I., einem Kirchenoberhaupt, eine Schenkung machte.
Auch über Nachahmung wurde gestritten. Manche Humanisten wollten eng bei den antiken Vorbildern bleiben. Andere befürchteten, dass zu strenge Nachahmung eigene schöpferische Leistungen behindere. Bewunderung für die Antike schloss Fragen und Widerspruch also nicht aus.
Definition
Kritische Prüfung
Du prüfst einen überlieferten Text auf seine Echtheit und ordnest ihn in seine Zeit ein. Ein alter Text ist nicht schon deshalb glaubwürdig, weil er als bedeutend gilt.
Beispiel: Valla prüft eine angebliche Schenkungsurkunde
- 1Die Konstantinische Schenkung gab sich als Urkunde Kaiser Konstantins für Papst Silvester I. aus.
- 2Lorenzo Valla wies nach, dass sie eine mittelalterliche Fälschung war.
- 3Das Beispiel zeigt: Humanistische Arbeit mit Texten konnte die Echtheit eines angesehenen Schriftstücks widerlegen.
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Ein Menschenbild beschreibt Vorstellungen davon, was Menschen auszeichnet und wozu sie fähig sind. Das humanistische Ideal verband Bildung mit Tugend. Tugend meint hier gutes, verantwortliches Handeln. Viel Wissen allein machte nach diesem Ideal noch keinen vorbildlichen Menschen aus.
Viele Humanisten blickten zuversichtlich auf menschliche Fähigkeiten. Sie betonten, dass Menschen sprechen, forschen, erfinden und ihre Welt gestalten können. Bildung sollte helfen, diese Möglichkeiten zu entfalten. Verbreitet war die Vorstellung, ein Mensch könne sich selbst formen wie ein Bildhauer ein Kunstwerk. Damit war gemeint: Er kann an seinen Fähigkeiten und seinem Verhalten arbeiten.
Dieses Vertrauen war jedoch keine einheitliche Meinung aller Humanisten. Manche betonten die Schwäche, Unvernunft und Vergänglichkeit des Menschen. Darüber wurde gestritten. Das zuversichtliche Menschenbild überwog, doch es gab auch Zweifel an den menschlichen Möglichkeiten.
Viele Humanisten grenzten sich von einem Menschenbild ab, das besonders in Mönchsorden verbreitet war. Dort standen menschliche Sündhaftigkeit und das Bedürfnis nach Erlösung im Vordergrund: Der Mensch galt als jemand, der gegen Gottes Gebote verstößt und Gottes Rettung braucht. Humanisten kannten menschliches Leid ebenfalls. Sie richteten ihren Blick aber stärker auf Leistungen und Möglichkeiten im Leben.
Definition
Humanistisches Bildungsideal
Bildung sollte Wissen und gutes Handeln verbinden. Menschen sollten ihre Fähigkeiten entwickeln und an ihrem Verhalten arbeiten.
Merke: Das zuversichtliche Menschenbild überwog. Manche Humanisten betonten jedoch menschliche Schwächen. Die Bewegung war in dieser Frage nicht einig.
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Ein Bruch bedeutet eine deutliche Veränderung; Kontinuität bedeutet, dass etwas fortbesteht. Bedeutende Humanisten lehnten die vorhergehenden Jahrhunderte ab und sahen ihre eigene Zeit als Neubeginn. Ihre Abwertung des Mittelalters war eine Sichtweise, kein neutrales Urteil über die ganze Zeit.
Es gab Veränderungen: Sprache und historische Prüfung gewannen im Bildungswesen an Gewicht. Zugleich bauten Humanisten auf mittelalterlichen Leistungen auf. Der weitaus größte Teil der bis heute erhaltenen antiken Literatur wurde durch die Abschreibarbeit mittelalterlicher Mönche gerettet. Die von Humanisten gefundenen Handschriften waren in der Regel mittelalterliche Kopien, keine antiken Originale.
Auch bei ihrer Schrift griffen italienische Humanisten auf das Mittelalter zurück. Ihre neue Handschrift beruhte auf einer frühmittelalterlichen Schriftform. Sie wurde nicht aus einer antiken Schriftart entwickelt.
Die Kunst zeigt ebenfalls Neues und Fortbestehendes. Der antike Autor Vitruv hatte über Architektur, also die Gestaltung von Bauwerken, geschrieben. Sein Werk war im gesamten Mittelalter bekannt. Neu und folgenreich war die intensive Beschäftigung damit im 15. und 16. Jahrhundert in vielen kulturellen Zentren Italiens. Humanisten und Künstler übernahmen seine Begriffe, Ideen und Maßstäbe für Schönheit.
Auch das Christentum verschwand nicht aus dem Humanismus. Die meisten Humanisten konnten ihre Bewunderung für die Antike mit ihrem Christentum gut vereinbaren. Frühere Forscher deuteten das anders: Der Historiker Jacob Burckhardt betrachtete den Humanismus als eine Bewegung ohne Gottesglauben. Der Humanismusforscher Paul Oskar Kristeller sah dagegen ein zurückgehendes Interesse an Religion. Neuere Forschung betont die unterschiedlichen religiösen Haltungen der Humanisten.
Wie stark Bruch oder Kontinuität überwogen, bleibt eine Frage der Forschung. Forscher über das Mittelalter weisen auf ältere Grundlagen hin. Ein begründetes Urteil berücksichtigt beides: Humanisten veränderten Bildung und den Umgang mit Texten, nutzten dabei aber mittelalterliche Überlieferungen. Ihre eigene Begeisterung für den Neubeginn reicht als Beweis für einen vollständigen Bruch nicht aus.
| Bereich | Veränderung | Fortbestehende Grundlage |
|---|---|---|
| Literatur | Humanisten suchten und erschlossen verschollene antike Werke. | Mittelalterliche Mönche hatten den weitaus größten Teil der erhaltenen antiken Literatur gerettet. |
| Schrift | Italienische Humanisten entwickelten eine neue Handschrift. | Sie ahmten eine frühmittelalterliche Schriftform nach. |
| Architektur | Vitruv wurde im 15. und 16. Jahrhundert in vielen kulturellen Zentren Italiens intensiv gelesen. | Vitruv war im gesamten Mittelalter bekannt. |
Merke: Prüfe bei einem Urteil über Wandel sowohl Veränderungen als auch fortbestehende Grundlagen. Die Ablehnung des Mittelalters durch Humanisten ersetzt diese Prüfung nicht.
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Alles auf einen Blick
Humanismus
Einordnung
Der Renaissance-Humanismus war eine Bildungsbewegung innerhalb des umfassenderen Wandels der Renaissance.
Antikenbezug
Humanisten suchten unverfälschte antike Texte und nahmen sie zum Vorbild für Bildung und Handeln.
Prüfung
Die Beschäftigung mit alten Texten umfasste auch Fragen nach Echtheit und geschichtlicher Einordnung.
Menschenbild
Bildung und Tugend gehörten zusammen. Zuversicht überwog, doch manche Humanisten betonten menschliche Schwächen.
Wandel
Neue Bildungsziele und Arbeitsweisen verbanden sich mit mittelalterlichen Grundlagen und fortbestehendem Christentum.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie konnte die Arbeit mit antiken Medizintexten Zweifel wecken?
- 1Aufgabe: Erkläre, wie die genaue Beschäftigung mit antiken Medizintexten das Vertrauen in ihre Autoren verändern konnte.
- 2Ausgangspunkt: An den Abteilungen für Medizin an Universitäten wurde die Rückkehr zu unverfälschten griechischen Quellen gefordert.
- 3Beobachtung: Beim Erschließen der Texte zeigten sich stärkere Widersprüche zwischen antiken Autoren, als zuvor deutlich geworden war.
- 4Zusammenhang: Gerade das genaue Lesen erschütterte daher das Vertrauen in die antiken Vorbilder.
- 5Ergebnis: Diese Entwicklung trug dazu bei, dass im Verlauf der Frühen Neuzeit zunehmend Beobachtungen an die Stelle der Berufung auf antike Autoren traten. Die Frühe Neuzeit ist die Zeit nach dem Mittelalter.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Handschrift italienischer Humanisten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt eine antike mit einer mittelalterlichen Grundlage. Richtig: Die neue Handschrift italienischer Humanisten beruhte auf einer frühmittelalterlichen Schriftform.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Mit Petrarca begann der Renaissance-Humanismus um die Mitte des . Im humanistischen Unterricht hatte den Vorrang. Die neue Handschrift italienischer Humanisten beruhte auf einer Schriftform.
Karteikasten
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