Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Geschichtsdarstellung analysieren und beurteilen
Du lernst, wie Geschichtsdarstellungen entstehen und wie du ihre Auswahl, Perspektive, Aussagen und Belege prüfst.
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Kurz gesagt
Eine Geschichtsdarstellung erklärt und deutet Vergangenheit. Wissenschaftliche Darstellungen stützen sich auf geprüfte Quellen. Du beurteilst ihre Aussagen, Belege, Perspektive und Auslassungen; sie sind kein unmittelbares Abbild des Geschehenen.
Ein Schulbuch, ein Museum und ein Geschichtsvideo können dasselbe Thema unterschiedlich zeigen. Sie wählen Inhalte aus und ordnen sie für ihr Publikum. Du kannst untersuchen, wie dadurch ein bestimmtes Bild der Vergangenheit entsteht und wie überzeugend es begründet ist.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Vergangenheit ist das frühere Geschehen. Eine Quelle ermöglicht uns, etwas darüber zu erfahren. Dazu gehören etwa Texte, Bilder, Gegenstände und teilweise mündliche Berichte. Historiker prüfen solche Quellen und entwickeln daraus wissenschaftliche Geschichtsdarstellungen: Sie erklären Zusammenhänge und begründen Schlussfolgerungen. Eine solche Darstellung ist eine mögliche Rekonstruktion, also ein begründeter Versuch, vergangenes Geschehen zu erschließen. Sie ist kein unmittelbares Abbild der Vergangenheit. Nicht jede Geschichtsdarstellung erfüllt wissenschaftliche Anforderungen: Es gibt auch Angebote ohne fachliche Qualitätskontrolle.
Wissenschaftliche Fachtexte über Geschichte heißen auch Sekundärliteratur. Ob ein Text als Quelle oder als Fachliteratur dient, hängt jedoch von deiner Frage ab. Ein altes Geschichtswerk kannst du als Fachliteratur über sein Thema lesen. Untersuchst du dagegen, wie sein Autor über Geschichte dachte, wird das Werk selbst zur Quelle.
Auch eine Quelle liefert nicht ungeprüft die Wahrheit. Du fragst etwa, wer sie hergestellt hat, ob sie echt ist und wie glaubwürdig ihre Angaben sind. Ein früher verfasster Bericht ist nicht grundsätzlich zuverlässiger als ein späterer. Entscheidend sind auch die verwendeten Informationen und die Zuverlässigkeit des Berichterstatters.
Definition
Geschichtsdarstellung
Eine Erklärung und Deutung vergangenen Geschehens. Eine wissenschaftliche Geschichtsdarstellung stützt sich auf geprüfte Quellen und nachvollziehbare Argumente.
Beispiel: Eine Münze untersuchen
- 1Eine alte Münze ist ein Gegenstand, aus dem du Kenntnisse über Vergangenheit gewinnen kannst.
- 2Damit kann sie als Quelle dienen.
- 3Eine begründete Erklärung mithilfe solcher Funde ist eine Geschichtsdarstellung.
Teste dich
Ein Geschichtsbild ist eine Vorstellung von Vergangenheit. Es entsteht nicht allein durch einzelne Angaben. Autoren wählen aus, was sie behandeln und was sie auslassen. Sie ordnen Angaben und stellen Zusammenhänge her. Dadurch lenken sie, was Leser für wichtig halten und wie sie Ereignisse verstehen.
Auch die Perspektive wirkt mit: Welche Frage stellt ein Autor? Welche gesellschaftliche Stellung, politischen oder religiösen Überzeugungen beeinflussen seinen Blick? Forschung hängt auch von Fragen der Gegenwart ab. Eine Perspektive macht eine Darstellung aber nicht wertlos. Wissenschaftliche Aussagen müssen sich anhand von Quellen und Argumenten überprüfen lassen.
Zielgruppe und Medienform prägen ebenfalls die Auswahl. Wissenschaftliche Darstellungen wenden sich an ein Fachpublikum und setzen Fachkenntnisse voraus. Populärwissenschaftliche Darstellungen richten sich an ein breites Publikum. Sie vereinfachen und veranschaulichen; häufig fehlen detaillierte Nachweise. Dazu gehören auch Schulbuchtexte.
In Museen erhalten Gegenstände einen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang. In Videos wirken zusätzlich Bilder, Musik, Sprecher und die Zusammenstellung einzelner Aufnahmen. Du prüfst sowohl gezeigte als auch ausgelassene Inhalte. Musik kann die Wirkung beeinflussen, ersetzt aber keinen historischen Beleg.
Beispiel: Die Ordnung im Museum untersuchen
- 1Ein Museum stellt Gegenstände in einen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang.
- 2Prüfe, welche Gegenstände gemeinsam gezeigt werden und welches Thema sie verbindet.
- 3Frage anschließend, welche Aspekte dadurch hervortreten und welche fehlen.
Merke: Auswahl und Perspektive gehören zur Geschichtsdarstellung. Entscheidend ist, ob Aussagen und Begründungen überprüfbar sind.
Teste dich
Eine Sachangabe behauptet etwas über einen überprüfbaren Sachverhalt: etwa, wer handelte, wo etwas geschah oder wann ein Text erschien. Dass ein Satz sachlich klingt, beweist seine Richtigkeit noch nicht. Auch Sachangaben brauchen eine Prüfung.
Eine Deutung erklärt Bedeutung oder Zusammenhänge. Sie kann etwa begründen, warum eine Entscheidung wichtig war. Eine begründete Deutung verbindet geprüfte Angaben mit nachvollziehbaren Argumenten. Dass zwei Ereignisse nacheinander stattfanden, reicht allein nicht als Begründung dafür, dass das erste das zweite verursachte.
Eine unbelegte Behauptung hat keinen erkennbaren Nachweis für das Behauptete. Fehlt ein Beleg, ist die Aussage dadurch noch nicht widerlegt. Du kannst sie aber ohne weitere Prüfung nicht als gesichert übernehmen. Achte außerdem darauf, ob ein Beleg wirklich die konkrete Aussage stützt.
Wissenschaftliche Texte nennen genaue Fundstellen, oft in Fußnoten: Das sind Anmerkungen am unteren Seitenrand. Sie sollen dir ermöglichen, verwendete Quellen zu finden und die Argumentation nachzuprüfen. Fußnoten erleichtern die Kontrolle; sie garantieren keine sachliche Richtigkeit. Auch Quellen selbst können Fehler enthalten.
Beim Vergleich verschiedener Deutungen prüfst du deshalb deren Begründungen. Frage, ob wichtige Belege fehlen, Gegenargumente berücksichtigt werden und die Schlussfolgerungen passen. Lassen sich gegensätzliche Erklärungen mit dem verfügbaren Material nicht entscheiden, hältst du diese Grenze fest.
| Art der Aussage | Prüffrage |
|---|---|
| Sachangabe | Lässt sich die Angabe anhand geeigneter Belege bestätigen? |
| Begründete Deutung | Tragen die Belege und Argumente die vorgeschlagene Erklärung? |
| Unbelegte Behauptung | Welcher Nachweis fehlt, um die Aussage überprüfen zu können? |
Merke: Unbelegt bedeutet nicht bereits widerlegt. Umgekehrt macht eine sachliche Formulierung eine Behauptung noch nicht zu einer gesicherten Angabe.
Teste dich
Beginne mit einer Leitfrage, also der Frage, die deine Untersuchung beantworten soll. Verschaffe dir einen Überblick und kläre schwierige Wörter. Bei der formalen Analyse untersuchst du Autor, Textgattung, Thema, Veröffentlichungszeit und -ort, Anlass, Zielgruppe und Absicht. Unterscheide dabei die Zeit des behandelten Geschehens von der Zeit, in der der Text entstand.
Für die Inhaltsanalyse gliederst du den Text in Sinnabschnitte und hältst ihre Hauptaussagen fest. Arbeite die zentrale These, also die wichtigste Behauptung, sowie Argumente und Belege heraus. Prüfe auch die Sprache: Beschreibt sie sachlich, fordert sie zu etwas auf oder greift sie andere scharf an? Solche Formulierungen können Hinweise auf Absichten und Überzeugungen geben.
Ordne die Aussagen in ihren historischen Zusammenhang ein. Prüfe dann sachliche Richtigkeit, passende Belege und logische Schlüssigkeit. Frage nach wesentlichen Auslassungen. Vergleiche nach Möglichkeit andere Darstellungen desselben Gegenstands und lege fest, welche Aspekte sinnvoll vergleichbar sind. Bei Streitfragen untersuchst du die unterschiedlichen Begründungen, bevor du urteilst.
Nenne deine Kriterien ausdrücklich. Ein Sachurteil prüft zum Beispiel historische Korrektheit und die Schlüssigkeit einer Erklärung. Ein Werturteil bewertet aus heutiger Sicht anhand benannter Werte, etwa Menschlichkeit oder Meinungsfreiheit. Sach- und Werturteile lassen sich nicht immer eindeutig trennen. Ein nachvollziehbares Werturteil beruht gewöhnlich auf vorherigen Sachurteilen. Heutige Werte darfst du nicht uneingeschränkt auf die Vergangenheit übertragen.
Beantworte zum Schluss die Leitfrage und benenne offene Fragen. Bei einem Geschichtsvideo gehst du ebenfalls vom Beschreiben über das Analysieren zum Beurteilen. Zusätzlich untersuchst du unter anderem Herkunft des Bildmaterials, Musik, Sprecher, Gestaltung und Quellenhinweise. Ohne das konkrete Bild-, Ton- und Quellenmaterial kannst du seine Qualität nicht abschließend prüfen.
Merke: Ein Urteil braucht benannte Kriterien und eine Begründung. Halte fest, was du prüfen konntest und welche Fragen offenbleiben.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Geschichtsdarstellung
Unterscheidung
Quellen ermöglichen Kenntnisse über Vergangenheit; Darstellungen erklären und deuten sie.
Perspektive
Auswahl, Ordnung und Standpunkt prägen ein Geschichtsbild.
Belege
Sachangaben und Deutungen müssen überprüft werden. Unbelegt bedeutet noch nicht widerlegt.
Analyse
Untersuche formale Angaben, Inhalt, Sprache und historischen Zusammenhang.
Urteil
Benenne Kriterien, begründe deine Bewertung und halte offene Fragen fest.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: Was beweisen Fußnoten?
- 1Zu prüfen ist der Satz: „Meine Geschichtsdarstellung ist richtig, weil sie genaue Fußnoten enthält.“
- 2Behauptung erkennen: Der Verfasser leitet sachliche Richtigkeit aus dem Vorhandensein genauer Nachweise ab.
- 3Leistung bestimmen: Genaue Fundstellen helfen, die verwendeten Quellen zu finden und Aussagen nachzuprüfen.
- 4Grenze feststellen: Erst die Prüfung zeigt, ob die Quellen zuverlässig sind und die Schlussfolgerungen tragen.
- 5Urteil formulieren: Die Nachweise machen die Argumentation überprüfbar. Ihre bloße Anwesenheit beweist noch keine sachliche Richtigkeit.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Zuverlässigkeit von Berichten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht das frühere Verfassen zu einer Garantie für höhere Zuverlässigkeit. Richtig: Ein früher verfasster Bericht ist nicht grundsätzlich zuverlässiger als ein späterer.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Darstellungen, die Kenntnisse historischer Methoden und Begriffe voraussetzen, richten sich an ein . Hauptaussagen einzelner Sinnabschnitte erschließt du bei der . Bewertest du Aussagen aus heutiger Sicht anhand von Menschlichkeit, formulierst du ein .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback