Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Weiße Rose: Widerstand gegen die NS-Diktatur
Du lernst Mitglieder, Motive und Aktionen der Weißen Rose kennen und unterscheidest ihre damalige Wirkung von späterer Erinnerung.
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Kurz gesagt
Das Bild ist eine schematische Illustration. Die Wandaufschrift „Freiheit für den Geist!“ ist eine frei formulierte Veranschaulichung, kein historisches Zitat. Die Weiße Rose war ein Münchner Freundeskreis, der mit Flugblättern und Wandaktionen Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur leistete.
Ein Flugblatt kann weitergegeben werden, eine Wandaufschrift erreicht Menschen auf der Straße. Für die Weiße Rose waren solche Aktionen gefährlich. Du untersuchst, warum ihre Mitglieder trotzdem handelten und wie sich ihre Wirkung beurteilen lässt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Weiße Rose war ein Freundeskreis in München mit Unterstützern in weiteren Städten. Zu ihrem Kern gehörten die Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und Kurt Huber. Zur Geschichte der Gruppe gehören also mehr Menschen als die beiden Geschwister.
Mehrere Motive trugen zu ihrem Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur bei: ihr Gewissen, gelesene Texte, religiöse und humanistische Überzeugungen sowie die Kenntnis deutscher Verbrechen. Ihre Motive lassen sich nicht auf einen einzigen Fronteinsatz reduzieren.
Die Weiße Rose rief zu passivem Widerstand auf. Gemeint war, der Diktatur Unterstützung zu verweigern. Das bedeutete nicht, untätig zu bleiben. Die frühen Flugblätter forderten auch Sabotage, also die gezielte Störung von Abläufen. Wenn ihre Flugblatt- und Wandaktionen als gewaltfrei bezeichnet werden, beschreibt das diese Aktionen. Daraus folgt nicht, dass alle geforderten Handlungen ungefährlich waren oder die Gruppe Gewalt grundsätzlich ablehnte.
Definition
Passiver Widerstand
Bei der Weißen Rose bezeichnet dieser Aufruf die Verweigerung von Unterstützung für die Diktatur. Er bedeutet keine Untätigkeit.
Beispiel: Einen Begriff genau verstehen
- 1Du untersuchst den Ausdruck „passiver Widerstand“.
- 2Das Wort „passiv“ könnte dich an bloßes Abwarten denken lassen.
- 3Bei der Weißen Rose ging es jedoch darum, der Diktatur Unterstützung zu verweigern.
Teste dich
Hans Scholl und Alexander Schmorell stellten im Juni/Juli 1942 vier Flugblätter mit jeweils ungefähr 100 Exemplaren für ausgewählte Empfänger her. Das fünfte und sechste Flugblatt wurden im Januar/Februar 1943 in mehreren Tausend Exemplaren vervielfältigt. Größere Auflagen, also mehr hergestellte Exemplare, und Helfer erweiterten die Verbreitung. Damit entstand aber keine Massenbewegung.
Flugblätter boten Platz für ausführlichere Argumente. Empfänger konnten sie weitergeben. Dafür mussten Papier beschafft, die Blätter hergestellt und transportiert werden. Papierbeschaffung, Herstellung und Weitergabe waren gefährlich.
Im Februar 1943 brachten Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf in München Wandparolen an, also kurze politische Botschaften. Dazu gehörten „Freiheit“, „Nieder mit Hitler“ und „Massenmörder Hitler“. Diese belegten Aufschriften unterscheiden sich vom frei formulierten Wortlaut im Bild über dieser Erklärung. Die Wandanschriften sollten ein breiteres Publikum erreichen. Zu den Verfolgern der Weißen Rose gehörte die Gestapo: Sie verhaftete Hans und Sophie Scholl und ließ die Wandparolen entfernen.
Beim Vergleich musst du Ziel, mögliche Reichweite und Risiko auseinanderhalten. Flugblätter ermöglichten ausführliche Argumente und Weitergabe; Wandanschriften richteten kurze Botschaften an ein breiteres Publikum. Bei den Flugblättern sind Gefahren bei Papierbeschaffung, Herstellung und Weitergabe belegt. Aus der Entfernung der Wandanschriften allein lässt sich das persönliche Risiko der Beteiligten nicht genauer bestimmen. Auch lässt sich daraus nicht ableiten, welche Form insgesamt wirksamer war.
| Form | Kommunikationsmöglichkeit | Aufwand, Gefahr und Reaktion |
|---|---|---|
| Flugblätter | Ausführlicher argumentieren; Weitergabe durch Empfänger | Papierbeschaffung, Herstellung und Weitergabe waren gefährlich. |
| Wandanschriften | Kurze Botschaften für ein breiteres Publikum | Gestapo ließ sie entfernen; das persönliche Risiko ist damit nicht genauer bestimmt. |
Merke: Mehr Exemplare erweiterten die Verbreitung. Sie beweisen weder eine Massenbewegung noch die Überlegenheit einer Widerstandsform.
Teste dich
Am 18. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl bei der Flugblattverteilung in der Münchner Universität festgehalten. Die Gestapo verhaftete sie. Am 22. Februar 1943 verurteilte der Volksgerichtshof, das hier urteilende Gericht der nationalsozialistischen Diktatur, die Geschwister und Christoph Probst zum Tode. Die Diktatur ließ sie noch am selben Tag hinrichten.
Am 19. April 1943 verurteilte der Volksgerichtshof Alexander Schmorell, Kurt Huber und Willi Graf zum Tode. Die Diktatur ließ Schmorell und Huber am 13. Juli 1943 hinrichten, Graf am 12. Oktober 1943.
Du musst drei Schritte unterscheiden: Bei einer Verhaftung wird ein Mensch festgenommen. Ein Urteil ist die Entscheidung eines Gerichts. Mit der Vollstreckung wird die Strafe ausgeführt, hier durch die Hinrichtung. Bei den Geschwistern Scholl und Probst lagen Urteil und Hinrichtung am selben Tag. Bei Schmorell, Huber und Graf lagen Monate dazwischen.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 18. Februar 1943 | Gestapo verhaftet Hans und Sophie Scholl. |
| 22. Februar 1943 | Todesurteile gegen Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst. |
| 22. Februar 1943 | Hinrichtung der Geschwister Scholl und von Christoph Probst. |
| 19. April 1943 | Todesurteile gegen Alexander Schmorell, Kurt Huber und Willi Graf. |
| 13. Juli 1943 | Hinrichtung von Alexander Schmorell und Kurt Huber. |
| 12. Oktober 1943 | Hinrichtung von Willi Graf. |
Teste dich
Die Aktionen der Weißen Rose stürzten die nationalsozialistische Diktatur nicht. Wer nur danach fragt, ob die Gruppe die Herrschaft beendete, stellt deshalb keinen unmittelbaren politischen Erfolg fest. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Botschaften ohne weitere Wirkung blieben.
Die Unterstützer Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn vervielfältigten das sechste Flugblatt weiter. Über Kontakte gelangte es ins Ausland. Die britische Luftwaffe warf es 1943 über Deutschland ab. Das zeigt eine weitere Verbreitung, aber keinen Sturz der Diktatur durch die Aktionen.
Später wurden Straßen und Schulen nach Mitgliedern benannt. Solche Benennungen gehören zur Erinnerung an die Weiße Rose. Sie sagen nicht, wie viele Menschen damals die Flugblätter lasen oder den Widerstand unterstützten. Zur Erinnerung gehört der ganze Kreis mit seinen Mitgliedern und Unterstützern, nicht nur Hans und Sophie Scholl.
Für ein begründetes Urteil nennst du zuerst deinen Maßstab: Geht es um die damalige Verbreitung, den unmittelbaren politischen Erfolg oder die spätere Erinnerung? Danach führst du passende Belege an. So kannst du die Weiterverbreitung und die Erinnerung anerkennen, ohne daraus einen damaligen politischen Sieg zu machen.
Merke: Verbreitung, politischer Erfolg und spätere Erinnerung sind verschiedene Wirkungsebenen. Ein Beleg für eine Ebene beantwortet nicht jede andere Frage.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Weiße Rose
Kreis
Zur Weißen Rose gehörten mehrere Mitglieder in München und Unterstützer in weiteren Städten.
Motive
Gewissen, Lektüre, Überzeugungen und Kenntnis deutscher Verbrechen trugen zum Widerstand bei.
Aktionen
Flugblätter ermöglichten ausführliche Argumente, Wandanschriften sollten ein breiteres Publikum erreichen.
Verfolgung
Verhaftung, Todesurteil und Hinrichtung müssen zeitlich unterschieden werden.
Wirkung
Weitere Verbreitung und spätere Erinnerung bedeuten keinen damaligen Sturz der Diktatur.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Entwicklung der Flugblattverbreitung erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, was sich zwischen den frühen und den späteren Flugblättern an der Verbreitung änderte.
- 2Ausgangspunkt festhalten: Im Juni/Juli 1942 entstanden vier Flugblätter mit jeweils ungefähr 100 Exemplaren für ausgewählte Empfänger.
- 3Veränderung beschreiben: Das fünfte und sechste Flugblatt wurden im Januar/Februar 1943 in mehreren Tausend Exemplaren vervielfältigt.
- 4Zusammenhang erklären: Größere Auflagen und Helfer erweiterten die Verbreitung.
- 5Grenze nennen: Daraus entstand keine Massenbewegung. Die höhere Auflage allein belegt auch nicht, wie viele Leser die Gruppe unterstützten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Schmorell, Huber und Graf In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die Aussage verwechselt Todesurteil und Hinrichtung. Richtig: Am 19. April 1943 wurden Schmorell, Huber und Graf zum Tode verurteilt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die ersten vier Flugblätter entstanden im Juni/Juli . Die Gestapo verhaftete die Geschwister Scholl am . Willi Graf wurde am hingerichtet.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback