Zum Inhalt springen

Geschichte · Klasse 11–13 · aktualisiert

Auschwitzprozesse: Verlauf, Urteile und Bedeutung

Du lernst, wie der erste Frankfurter Auschwitzprozess entstand, wie Beweise geprüft wurden und wie sich seine Urteile und seine Wirkung beurteilen lassen.

0 von 9 Aufgaben gelöst

Auschwitzprozesse: Verlauf, Urteile und Bedeutung

Kurz gesagt

Im ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 untersuchte das Gericht persönliche Schuld an Verbrechen in Auschwitz. Zeugenaussagen, Dokumente und eine Ortsbesichtigung dienten als Beweise. Der Prozess brachte Wissen über die Verbrechen an ein breiteres Publikum.

Was ein Gericht einer bestimmten Person nachweisen kann, ist eine andere Frage als die nach der Bedeutung eines Prozesses für die Gesellschaft. Am ersten Frankfurter Auschwitzprozess untersuchst du diesen Unterschied. Dabei lernst du auch Überlebende kennen, die selbst Beweise sammelten und die Aufarbeitung voranbrachten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Den Anstoß für Ermittlungen in Stuttgart gab der Auschwitz-Überlebende Adolf Rögner. Am 1. März 1958 zeigte er Wilhelm Boger an. Boger gehörte zur SS, deren Lagerorganisation für Terror und Vernichtung in Auschwitz verantwortlich war. Er trug dort den Rang Oberscharführer und arbeitete in der Vernehmungsabteilung der Politischen Abteilung des Lagers Auschwitz. Dort wurden Verhöre und Ermittlungen durchgeführt.

Die Politische Abteilung, auch Abteilung II genannt, war Teil der SS-Lagerorganisation. Sie hatte eine führende Rolle im Terror- und Vernichtungssystem: Sie bekämpfte den Widerstand der Häftlinge und überwachte den Massenmord an Juden. Ihr Leiter unterstand dem Lagerkommandanten und dem Reichssicherheitshauptamt, einer übergeordneten Befehlsstelle. Boger war nicht der Leiter dieser gesamten Abteilung. Seine Zugehörigkeit benennt seinen institutionellen Zusammenhang; sie ersetzt keinen Beweis für einzelne Straftaten.

Im Januar 1959 erhielt Fritz Bauer, der hessische Generalstaatsanwalt, Dokumente über gezielte Tötungen von Auschwitz-Häftlingen durch SS-Angehörige. Bauer erreichte, dass die Zuständigkeit beim Landgericht Frankfurt gebündelt wurde. Er brachte das Verfahren voran, war aber nicht der urteilende Richter. Hermann Langbein, Überlebender und Mitbegründer des Internationalen Auschwitzkomitees, half beim Sammeln von Beweisen und Zeugenaussagen. Überlebende trugen damit aktiv zur Aufarbeitung bei.

Im April 1963 wurde Anklage erhoben. Die Hauptverhandlung begann am 20. Dezember 1963 gegen zunächst 22 Personen.

Definition

SS-Lagerorganisation

Damit sind hier die Strukturen gemeint, in denen Angehörige der SS das Lager organisierten. Dazu gehörte die Politische Abteilung mit ihrer Verantwortung für Terror und Massenmord.

Beispiel: Bauers Dokumente als Ausgangspunkt

  1. 1Bauer erhielt schriftliche Unterlagen über gezielte Tötungen von Häftlingen durch SS-Angehörige.
  2. 2Er setzte sich für die gebündelte Zuständigkeit in Frankfurt ein.
  3. 3So lassen sich das Sammeln von Hinweisen und die Organisation eines Gerichtsverfahrens unterscheiden.

Teste dich

LeichtWie unterstützte Hermann Langbein das Zustandekommen des Verfahrens?

Alles auf einen Blick

Auschwitzprozesse

  • Entstehung

    Rögners Anzeige, Dokumente, gebündelte Zuständigkeit und die Unterstützung durch Überlebende brachten das Verfahren voran.

  • Beweise

    Zeugenaussagen, schriftliche Unterlagen und die Ortsbesichtigung ermöglichten sich ergänzende Prüfungen.

  • Schuldnachweis

    Institutionelle Verantwortung ersetzte nicht den Nachweis persönlicher Schuld an angeklagten Taten.

  • Rechtliche Einordnung

    Eine Verurteilung wegen Beihilfe bedeutete keine moralische Entlastung.

  • Bedeutung

    Gerichtliche Entscheidungen und öffentliche Wirkung müssen nach unterschiedlichen Kriterien beurteilt werden.

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Die Verbindung der Beweismittel erklären

  1. 1Aufgabe: Erkläre, warum Zeugenaussagen, Dokumente und örtliche Befunde gemeinsam geprüft werden mussten.
  2. 2Beiträge bestimmen: Zeugen schilderten beobachtete Verbrechen. Schriftliche Unterlagen konnten helfen, Personen und Vorgänge zuzuordnen.
  3. 3Prüfmöglichkeiten verbinden: Befunde am Ort ermöglichten zusätzliche Prüfungen. Zusammen konnten die Beweismittel Aussagen stützen oder neue Fragen aufwerfen.
  4. 4Grenze benennen: Kein einzelner Quellentyp ersetzte die gesamte Beweisaufnahme. Auch der zeitliche Abstand machte Zeugenaussagen nicht wertlos.
  5. 5Ergebnis formulieren: Die Verbindung verschiedener Beweismittel erweiterte die Möglichkeiten, Aussagen zu überprüfen.

Fehler finden

Prüfe die Aussagen zu Hofmeyers Urteilsbegründung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.

Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Rögners Anzeige gegen Boger brachte 1958 Ermittlungen in in Gang. Die Anklage wurde im April erhoben. Bei der Urteilsverkündung im August 1965 betrafen die Entscheidungen Angeklagte.

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Auschwitzprozesse

LeichtWelche Rolle hatte Adolf Rögner bei der Entstehung des Verfahrens?
MittelWas beschreibt Bogers gerichtlichen Schuldspruch?
SchwerWelches Urteil über die regelmäßige Medienberichterstattung ist begründet?

Weiterlesen in Geschichte