Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Holocaust: Verfolgung, Massenmord und Erinnerung
Du lernst, wie die Verfolgung zum Holocaust eskalierte, wer beteiligt war und wie du Tatorte und Verfolgungsgeschichten unterscheidest.
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Kurz gesagt
Der Holocaust, auch Shoah genannt, war der Völkermord an etwa sechs Millionen europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland, seine Verbündeten und Mitwirkenden. Die Verfolgung verschärfte sich durch konkrete Entscheidungen bis zum organisierten Massenmord.
Wie konnte aus Ausgrenzung und Entrechtung organisierter Massenmord werden? Du untersuchst Entscheidungen, Tatorte und die Beteiligung verschiedener Menschen. Dabei geht es auch um einzelne Leben und darum, wie Erinnerung unterschiedliche Verfolgungsgeschichten sichtbar machen kann.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ab 1933 grenzte das nationalsozialistische Regime, kurz NS-Regime, jüdische Menschen durch Gesetze, Boykotte und Gewalt aus. Boykotte bedeuteten hier, jüdische Geschäfte gezielt zu meiden. Die Nürnberger Gesetze von 1935 und spätere Verordnungen verschärften die Entrechtung, also den Entzug von Rechten. Bei den Novemberpogromen 1938 kam es im ganzen Reich zu offener Gewalt gegen jüdische Menschen, ihre Geschäfte, Wohnungen und Synagogen, also jüdische Gebetshäuser. Die NS-Führung billigte diese Gewalt. Ausgrenzung und Gewalt hatten aber bereits vorher begonnen.
Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg in Europa. Durch die Besetzung weiterer Gebiete gerieten mehr jüdische Menschen unter deutsche Herrschaft. Ab 1939/40 entstanden dort Gettos: erzwungene, meist abgetrennte Wohnbezirke. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion, einen damaligen Staat, im Juni 1941 weiteten deutsche Einheiten Massenerschießungen bis zur Ermordung ganzer jüdischer Gemeinden aus.
Ab Ende 1941 betrieben die Täter eigens eingerichtete Tötungszentren. 1942 weitete sich der systematische Mord aus. Auf der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 stimmten Vertreter der SS, der nationalsozialistischen Partei und von Ministerien die weitere Durchführung und Ausweitung des bereits begonnenen Völkermords ab. Die SS war eine nationalsozialistische Organisation, die Verbrechen organisierte und verübte. Die Konferenz war nicht der Beginn des Holocaust. Die Verbrechen dauerten bis 1945 an.
Diese Eskalation war keine zwangsläufige Entwicklung. Verantwortliche trafen Entscheidungen und setzten sie um. Auch verlief die Verfolgung nicht überall in derselben Reihenfolge.
Definition
Eskalation
Eine Eskalation ist eine Verschärfung. Hier bezeichnet sie die Ausweitung der Verfolgung bis zum organisierten Massenmord.
Merke: 1935 verschärfte sich die Entrechtung; 1938 nahm die offene Gewalt reichsweit zu. Beide hatten früher begonnen. 1942 bezeichnet die Ausweitung des systematischen Mordes, nicht die Eröffnung der ersten Tötungszentren.
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Gettos, auch Ghettos geschrieben, waren erzwungene, meist abgetrennte Wohnbezirke. Dort sperrten die Täter jüdische Menschen unter lebensgefährlichen Bedingungen ein. Konzentrationslager, abgekürzt KZ, dienten der Haft, dem Terror und vielfach der Zwangsarbeit. Zwangsarbeit bedeutet, Menschen gegen ihren Willen zur Arbeit zu zwingen. Auch in Konzentrationslagern ermordeten die Täter Menschen.
Vernichtungslager oder Tötungszentren waren auf massenhaften Mord ausgerichtet. Auschwitz verband ein Konzentrationslager mit einem Tötungszentrum. Deshalb musst du die Aufgaben eines konkreten Ortes prüfen: Nicht jedes Konzentrationslager war ein Vernichtungslager.
Einsatzgruppen waren dagegen keine Lager. Es waren bewegliche Einheiten von SS und Polizei, die Massenerschießungen verübten. Auch andere Polizeieinheiten, Teile der Wehrmacht, also des deutschen Militärs, und lokale Helfer beteiligten sich an Massenerschießungen.
| Begriff | Kennzeichen |
|---|---|
| Getto | Erzwungener, meist abgetrennter Wohnbezirk; lebensgefährliche Bedingungen für eingesperrte jüdische Menschen. |
| Konzentrationslager | Haft, Terror und vielfach Zwangsarbeit; auch hier wurden Menschen ermordet. |
| Vernichtungslager | Auf massenhaften Mord ausgerichtetes Tötungszentrum. |
| Einsatzgruppe | Bewegliche Einheit von SS und Polizei, die Massenerschießungen verübte. |
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Hitler und die NS-Führung trugen zentrale politische Verantwortung. SS und Polizei organisierten und verübten Verbrechen. Auch außerhalb dieser Organisationen wirkten Menschen mit: Ministerien, Behörden und Bahnmitarbeiter ermöglichten Deportationen, also die gewaltsame Verschleppung von Menschen. Einzelne Menschen denunzierten Verfolgte: Sie meldeten sie bei den Verfolgern. Andere profitierten von geraubtem Eigentum. Wieder andere halfen Verfolgten.
Die Bezeichnung Zuschauer reicht deshalb für ein Urteil nicht aus. Prüfe konkret: Was tat jemand? Welche Aufgabe hatte er? Was wusste er nachweislich? Welche Möglichkeiten und Risiken bestanden? Menschen wussten unterschiedlich viel. Das macht weder alle unschuldig noch alle gleichermaßen schuldig. Du musst die jeweilige Beteiligung untersuchen.
Auch bei Dokumenten musst du fragen, wer sie verfasste. Eichmann, der Verfasser des Protokolls der Wannsee-Konferenz, fasste die Besprechung zusammen. Dieses Protokoll ist eine Täterquelle. Es gibt nicht neutral wieder, wie die Verfolgten das Geschehen erlebten.
Beispiel: Redaktionelle Anwendung: Beteiligung genauer benennen
- 1Einzelne Menschen meldeten Verfolgte bei den Verfolgern; andere profitierten von geraubtem Eigentum.
- 2Beide Handlungen dürfen nicht hinter der ungenauen Bezeichnung Zuschauer verschwinden.
- 3Für ein genaueres Urteil prüfst du zusätzlich die Aufgabe, das nachweisbare Wissen, die Möglichkeiten und die Risiken des Einzelnen.
Merke: Ein begründetes Urteil verbindet konkrete Handlungen mit nachweisbarem Wissen und Handlungsmöglichkeiten. Es verteilt Schuld nicht pauschal auf eine ganze Bevölkerung.
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Holocaust und Shoah bezeichnen denselben Völkermord: Das nationalsozialistische Deutschland, seine Verbündeten und Mitwirkenden ermordeten etwa sechs Millionen europäische Juden. Shoah ist ein hebräisches Wort für Katastrophe oder Untergang. Das Wort Holocaust stammt aus dem Griechischen und hatte ursprünglich eine Bedeutung im Bereich religiöser Brandopfer. Manche lehnen diese Verbindung ab. Der Mord war kein religiöses Opfer.
Die Nationalsozialisten begingen außerdem den Völkermord an Sinti und Roma. Sie verfolgten und ermordeten unter anderem Menschen mit Behinderungen und politische Gegner. Weitere Gruppen wurden verfolgt. Die Gründe, Maßnahmen und zeitlichen Abläufe der Verfolgung unterschieden sich. Du kannst diese Unterschiede erklären, ohne das Leid verschiedener Menschen gegeneinander aufzurechnen.
Jüdische Menschen hatten Familien, Berufe, Überzeugungen und eigene Entscheidungen. Eine Opferzahl kann diese Leben nicht abbilden. Eine Biografie, also eine Lebensbeschreibung, macht ein einzelnes Leben sichtbar. Sie erklärt aber nicht den gesamten Völkermord.
Für deine Untersuchung von Erinnerung kannst du verschiedene Zugänge verbinden: Eine Gedenkstätte kann einen Tatort und konkrete Verantwortliche dokumentieren; eine Biografie zeigt ein einzelnes Leben. Prüfe jeweils, welche Menschen vorkommen, welche Belege genutzt werden und was offenbleibt. So lassen sich einzelne Lebensgeschichten und die Untersuchung der Verbrechen ergänzen.
Merke: Unterschiedliche Verfolgungsgeschichten zu untersuchen bedeutet nicht, Leid zu bewerten oder gegeneinander aufzurechnen. Eine Opferzahl ersetzt keine Lebensgeschichte.
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Alles auf einen Blick
Holocaust
Eskalation
Entscheidungen verschärften die Verfolgung bis zum organisierten Massenmord; der Verlauf war nicht zwangsläufig oder überall gleich.
Tatorte
Gettos, Konzentrationslager und Tötungszentren hatten unterschiedliche Funktionen. Einsatzgruppen waren bewegliche Einheiten.
Verantwortung
Hitler und die NS-Führung trugen zentrale politische Verantwortung. Die Beteiligung anderer Menschen muss konkret untersucht werden.
Verfolgte Gruppen
Unterschiedliche Gründe, Maßnahmen und Zeitverläufe müssen sichtbar bleiben, ohne Leid gegeneinander aufzurechnen.
Erinnerung
Lebensbeschreibungen können die Untersuchung von Tatorten und Verantwortlichen ergänzen. Ein einzelnes Leben erklärt nicht den gesamten Völkermord.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Aufgabe der Wannsee-Konferenz zeitlich einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, welche Rolle die Wannsee-Konferenz für den Holocaust spielte.
- 2Vorher einordnen: Ab Ende 1941 wurden bereits eigens eingerichtete Tötungszentren betrieben.
- 3Handlung bestimmen: Am 20. Januar 1942 stimmten Vertreter von SS, Partei und Ministerien die weitere Durchführung und Ausweitung des Völkermords ab.
- 4Ergebnis formulieren: Die Konferenz koordinierte den bereits begonnenen Völkermord. Sie war nicht dessen Beginn.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Entrechtung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Das Wort „begannen“ verwechselt eine Verschärfung mit dem Beginn. Richtig: Die Nürnberger Gesetze von 1935 und ihre Folgeverordnungen verschärften die Entrechtung.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das NS-Regime grenzte jüdische Menschen ab durch Gesetze, Boykotte und Gewalt aus. Der deutsche Überfall auf Polen am 1. September begann den Zweiten Weltkrieg in Europa. Die Verbrechen des Holocaust dauerten bis an.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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