Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Volksaufstand am 17. Juni 1953 einfach erklärt
Du lernst, warum der Aufstand vom 17. Juni 1953 entstand, wie er sich ausbreitete und wie er niedergeschlagen und später gedeutet wurde.
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Kurz gesagt
Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 war eine Massenerhebung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), dem ostdeutschen Staat. Arbeiterproteste weiteten sich zu politischen Protesten aus. Sowjetisches Militär schlug den Aufstand unter Beteiligung der DDR-Sicherheitskräfte nieder.
Mehr arbeiten, ohne entsprechend mehr Lohn zu bekommen: Dagegen protestierten Bauarbeiter in Ost-Berlin. Doch bald ging es auch um freie Wahlen und einen Regierungswechsel. Du untersuchst, warum der Protest über den Streit um Arbeitsbedingungen hinausging.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
In der Deutschen Demokratischen Republik, kurz DDR, dem ostdeutschen Staat, herrschte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, kurz SED, diktatorisch. Sie unterdrückte Widerstand. Zugleich verschlechterten sich die Lebensbedingungen. Beides erzeugte längerfristig Unzufriedenheit.
Die Regierung förderte die Schwerindustrie, also etwa die Herstellung von Stahl und großen Maschinen. Das ging zulasten der Versorgung mit Konsumgütern, also Waren für den täglichen Bedarf. Preiserhöhungen und die Kollektivierung verschärften die Versorgungslage. Kollektivierung bedeutete hier, einzelne Bauernwirtschaften in gemeinsame Betriebe zusammenzuführen. Bauern und kleine Gewerbebetriebe wurden zudem durch höhere Abgaben unter Druck gesetzt, ihre Selbstständigkeit aufzugeben.
Der unmittelbare Auslöser war die Erhöhung der Arbeitsnormen im Mai 1953 um rund zehn Prozent. Eine Arbeitsnorm legte fest, welche Leistung Arbeiter für ihren Lohn erbringen sollten. Sie sollten nun mehr leisten, ohne entsprechend mehr Lohn zu erhalten.
Im Juni nahm die SED unter Druck der Sowjetunion, des mächtigen Staates im Osten, einige Maßnahmen zurück. Diesen Wechsel nannte sie „Neuer Kurs“. Doch zunächst hielt sie an den höheren Arbeitsnormen fest. Die längerfristigen Ursachen erklären die verbreitete Unzufriedenheit; die Normenerhöhung erklärt den konkreten Anlass des Arbeiterprotests.
Definition
Ursache und Auslöser
Eine längerfristige Ursache lässt Unzufriedenheit wachsen. Ein unmittelbarer Auslöser bringt einen konkreten Protest in Gang.
Beispiel: Versorgungsprobleme im Alltag
- 1Obst und Gemüse wurden nicht in ausreichender Menge produziert.
- 2Vor den Geschäften bildeten sich lange Schlangen.
- 3Solche Schwierigkeiten beim Einkauf gehörten zur längerfristigen Unzufriedenheit.
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Am 16. Juni 1953 streikten Bauarbeiter in der Ost-Berliner Stalinallee gegen die höheren Arbeitsnormen. Sie legten also ihre Arbeit nieder. Der Protestzug wuchs. Noch am selben Tag nahm die SED die Normenerhöhung zurück. Das beendete die Bewegung jedoch nicht: Zu sozialen Anliegen kamen politische Forderungen nach freien Wahlen, dem Rücktritt der Regierung, der Freilassung politischer Gefangener und nationaler Einheit, also der Einheit Deutschlands.
Am 17. Juni demonstrierten Menschen in vielen Orten der DDR. Arbeiter blieben die Hauptträger. Auch die Landbevölkerung und städtische Mittelschichten beteiligten sich. In Gera stürmten Demonstranten eine Untersuchungshaftanstalt und befreiten Inhaftierte.
Es gab keine zentrale Führung und keine einheitliche Strategie. Die Entwicklung unterschied sich von Ort zu Ort. In einigen Städten entstanden jedoch gemeinsame Organisationen mehrerer Betriebe, die Demonstrationen koordinierten. Dazu gehörte Leipzig. Örtliche Zusammenarbeit bedeutete also keine zentrale Leitung des gesamten Aufstands.
Die Bezeichnung „Arbeiteraufstand“ betont den Ausgangspunkt und die tragende Gruppe. „Volksaufstand“ hebt die breitere Beteiligung und die politischen Ziele hervor. Beide Begriffe können zusammenpassen. Daraus folgt nicht, dass alle Beteiligten dieselben Ziele gleich stark verfolgten.
Merke: Die Rücknahme des unmittelbaren Auslösers beendete den Aufstand nicht. Die Forderungen gingen inzwischen über die Arbeitsnormen hinaus.
Definition
Politische Massenerhebung
Viele Menschen protestieren und verlangen Veränderungen an der politischen Ordnung. Beim Aufstand vom 17. Juni gehörten dazu freie Wahlen und der Rücktritt der Regierung.
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Die Sowjetunion verhängte in weiten Teilen der DDR den Ausnahmezustand. Damit galten besondere militärische Befugnisse. Sowjetisches Militär mit Panzern schlug den Aufstand unter Beteiligung der DDR-Sicherheitskräfte nieder. Bei der Niederschlagung töteten die eingesetzten Kräfte Menschen. In Leipzig befahl der SED-Funktionär Paul Fröhlich Angehörigen der Polizei und der Staatssicherheit, also der politischen Geheimpolizei, den Gebrauch ihrer Schusswaffen. Infolge dieses Befehls erschossen sie Dieter Teich und die Rentnerin Elisabeth Bröcker.
Viele Menschen wurden verhaftet und später verurteilt. Die SED-Herrschaft blieb bestehen. Das militärische Eingreifen zeigte ihre Abhängigkeit von der Sowjetunion. In einzelnen Betrieben dauerten Proteste noch bis in den Juli hinein, erreichten aber nicht mehr annähernd die Stärke des 17. Juni. Die SED baute anschließend Überwachung und Unterdrückung aus, um weitere Unruhen früher zu erkennen und zu bekämpfen.
Die SED behauptete, der Westen habe den Aufstand gesteuert. Das war Propaganda: eine politische Botschaft, die von der eigenen Verantwortung ablenken sollte. Sie verdeckte die inneren Ursachen wie Unterdrückung und Versorgungsprobleme. Westliche Einflüsse sind kein Beleg dafür, dass der Westen den Aufstand plante und steuerte.
In der Bundesrepublik Deutschland, dem westdeutschen Staat, wurde der 17. Juni zum „Tag der deutschen Einheit“. Er blieb dort bis 1990 gesetzlicher Feiertag. Danach blieb der 17. Juni ein Gedenktag. Auch in der Bundesrepublik wurde der Aufstand unterschiedlich gedeutet: Der Politiker Konrad Adenauer verband ihn mit seiner Westbindungspolitik, also der engen Verbindung der Bundesrepublik mit westlichen Staaten. Der Politiker Willy Brandt betonte dagegen die Verbindung sozialer und nationaler Ziele eines Arbeiteraufstands. Erinnerung war damit auch mit politischen Anliegen der jeweiligen Zeit verbunden.
Merke: Unterscheide das Ereignis von seiner politischen Deutung. Die Behauptung der SED über eine westliche Steuerung ist keine belegte Erklärung des Aufstands.
| Blick auf den Aufstand | Was wurde betont? |
|---|---|
| SED-Propaganda | Die unbelegte Behauptung einer Steuerung durch den Westen. |
| Konrad Adenauer | Die Verbindung mit seiner Politik der Westbindung. |
| Willy Brandt | Die Verbindung sozialer und nationaler Ziele eines Arbeiteraufstands. |
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Alles auf einen Blick
Volksaufstand 17. Juni 1953
Ursachen
Unterdrückung und schlechtere Lebensbedingungen erzeugten längerfristig Unzufriedenheit.
Auslöser
Die Arbeitsnormen stiegen im Mai 1953 um rund zehn Prozent, ohne entsprechend mehr Lohn.
Ausweitung
Aus Arbeiterprotesten wurden auch Forderungen nach politischer Freiheit; weitere Gruppen beteiligten sich.
Niederschlagung
Sowjetisches Militär griff unter Beteiligung der DDR-Sicherheitskräfte ein. Die SED blieb an der Macht.
Deutungen
Die SED lenkte mit Propaganda von den inneren Ursachen ab. Auch westdeutsche Politiker setzten unterschiedliche Schwerpunkte.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum beseitigte der Neue Kurs den unmittelbaren Auslöser zunächst nicht?
- 1Aufgabe klären: Untersuche, welche Maßnahmen die SED zurücknahm und welche Belastung zunächst bestehen blieb.
- 2Veränderung feststellen: Unter sowjetischem Druck nahm die SED im Juni einige Maßnahmen zurück.
- 3Grenze erkennen: Die höheren Arbeitsnormen blieben zunächst bestehen. Arbeiter sollten weiterhin mehr leisten, ohne entsprechend mehr Lohn zu erhalten.
- 4Ergebnis formulieren: Der Neue Kurs beseitigte den unmittelbaren Auslöser zunächst nicht, weil die Normenerhöhung vorerst bestehen blieb.
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Prüfe die Aussagen zum Gedenken an den Aufstand In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt die beiden deutschen Staaten. Richtig: In der Bundesrepublik blieb der 17. Juni bis 1990 gesetzlicher Feiertag.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Im Mai 1953 wurden die Arbeitsnormen um rund Prozent erhöht. Noch am Juni 1953 nahm die SED die Normenerhöhung zurück. In der Bundesrepublik blieb der 17. Juni bis gesetzlicher Feiertag.
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