Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Berliner Mauer: Bau, Grenzsystem und Fall erklärt
Du lernst, warum die Berliner Mauer entstand, wie das Grenzsystem funktionierte und weshalb Mauerfall und Wiedervereinigung verschiedene Ereignisse waren.
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Kurz gesagt
Die Berliner Mauer sollte die Flucht aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), dem ostdeutschen Staat, verhindern. Ab August 1961 entstand ein Grenzsystem. Am 9. November 1989 öffneten sich unter dem Druck der Bevölkerung die Übergänge; innerhalb eines Jahres folgte die Wiedervereinigung.
Eine Straße, die du gestern noch überqueren konntest, ist plötzlich gesperrt. Mit der Abriegelung Berlins wurden solche Trennungen Wirklichkeit. Du untersuchst, warum die politische Führung die Grenze schloss und wie Menschen später ihre Öffnung durchsetzten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, war der ostdeutsche Staat. Sie war eine Diktatur: Die Führung der herrschenden Partei bestimmte, ohne dass die Bevölkerung frei über die Regierung entscheiden konnte. Westlich von ihr lag die Bundesrepublik Deutschland. Berlin war ebenfalls geteilt: in Ost-Berlin und West-Berlin. Die Sowjetunion war ein Staat, der die Gruppe der östlichen Staaten anführte. Die Vereinigten Staaten führten die westlichen Mächte an. Ihr politischer Konflikt wird Kalter Krieg genannt. Die Berliner Mauer wurde zu einem sichtbaren Zeichen dieses Konflikts.
Vor dem Mauerbau flohen viele Menschen aus der DDR über Berlin in den Westen. Darunter waren oft gut ausgebildete junge Leute. Ihr Weggang verschärfte den Arbeitskräftemangel und bedrohte die Wirtschaft und den Bestand der DDR. Die Führung wollte diese Flucht stoppen. Der behauptete Schutz vor einer Bedrohung aus dem Westen verdeckte diesen Hauptzweck. Die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik außerhalb Berlins war bereits mehr als neun Jahre zuvor mit Sperren gesichert worden, um die Flucht zu stoppen.
Die sowjetische Führung beschloss Anfang August 1961 die Abriegelung. Wenige Tage später folgte eine Weisung der DDR-Regierung. Auf Anweisung der DDR-Parteiführung wurde die Grenze geschlossen. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begannen bewaffnete Kräfte der DDR, Straßen und Schienenwege nach West-Berlin abzuriegeln. Zunächst entstanden Sperren aus Stacheldraht, Zäunen und an einigen Stellen Mauern. Das spätere Grenzsystem war noch nicht fertig.
Der Historiker Peter Brandt deutet den Mauerbau als Verfestigung der deutschen Teilung. Damit beschreibt er die historische Bedeutung des Baus; der unmittelbare Zweck war, die Flucht aus der DDR zu verhindern.
Definition
Abriegelung
Bei einer Abriegelung werden Wege gesperrt und bewacht, damit Menschen eine Grenze nicht einfach überqueren können.
Merke: Unterscheide die behauptete Abwehr einer Bedrohung aus dem Westen vom Hauptzweck des Mauerbaus: Die DDR-Führung wollte die Flucht ihrer Bürger verhindern.
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Die Berliner Mauer trennte Ost- und West-Berlin. Sie umschloss außerdem West-Berlin vollständig und sperrte dessen Verbindungen zum Umland in der DDR. Davon zu unterscheiden ist die innerdeutsche Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR außerhalb Berlins.
Das Grenzsystem entstand in mehreren Etappen. Auf die erste Abriegelung folgte der Ausbau mit festen Mauern. Im Juni 1962 kam die sogenannte Hinterlandmauer hinzu: eine zusätzliche Sperre auf der Seite der DDR beziehungsweise Ost-Berlins. Über Jahrzehnte wurden die Anlagen weiter ausgebaut. Sie sahen nicht an jedem Ort gleich aus.
Im späteren Ausbau gehörten mehrere Hindernisse und Einrichtungen zusammen. Ein mit Signaldraht versehener Zaun löste bei Berührung Alarm im zuständigen Wachturm aus. Über Kontrollwege konnten Grenzsoldaten Verstärkung heranholen. Auf einem bearbeiteten Bodenstreifen ließen sich Spuren erkennen. Beleuchtung und Postentürme erleichterten die Überwachung. Dazu kamen über weite Strecken Stacheldrahthindernisse und Gräben sowie die Mauer nach West-Berlin. An der Berliner Mauer gab es keine Minenfelder, also Flächen mit ausgelegten Sprengkörpern. Auch Selbstschussanlagen, die Schüsse selbsttätig auslösen konnten, wurden dort nicht aufgebaut. Beides gab es jedoch an der innerdeutschen Grenze zur Bundesrepublik.
Der Ausbau griff tief in das Leben der Bewohner ein. Auf der Südseite der Bernauer Straße standen Häuser auf Ost-Berliner Gebiet, während der Bürgersteig zu West-Berlin gehörte. Hauseingänge wurden zugemauert; die Bewohner erreichten ihre Wohnungen nur noch über Hinterhöfe. Später wurden auch Fenster nach Westen zugemauert. Trotz der Sperren versuchten Menschen zu fliehen, und Fluchten gelangen.
Grenzsoldaten schossen auf Menschen, die fliehen wollten. Das Grenzgesetz von 1982 erlaubte den Schusswaffeneinsatz zur Verhinderung eines Grenzdurchbruchs als äußerste Gewaltmaßnahme gegen Menschen. Diese Regelung wird meist als Schießbefehl bezeichnet. Vor hohen Feiertagen oder Staatsbesuchen wurde der Schusswaffeneinsatz ausdrücklich untersagt, um negative Berichte in westlichen Medien zu vermeiden. Menschen wurden bei Fluchtversuchen erschossen: Polizisten der Transportpolizei töteten etwa den 24-jährigen Günter Litfin am 24. August 1961 am Humboldthafen. Im Jahr 1966 wurden zwei Kinder im Alter von 10 und 13 Jahren im Grenzstreifen durch Schüsse getötet.
| Teil des Grenzsystems | Funktion |
|---|---|
| Zaun mit Signaldraht | Bei Berührung Alarm im zuständigen Wachturm auslösen |
| Kontrollweg | Grenzsoldaten ablösen und Verstärkung heranholen |
| Bearbeiteter Bodenstreifen | Spuren sichtbar machen |
Beispiel: Die Häuser an der Bernauer Straße
- 1Auf der Südseite der Bernauer Straße grenzten Häuser auf Ost-Berliner Gebiet an einen Bürgersteig in West-Berlin.
- 2Zugemauerte Hauseingänge unterbrachen den direkten Weg auf diesen Bürgersteig.
- 3Die Bewohner konnten ihre Wohnungen nur noch über die Hinterhöfe erreichen.
- 4Später zugemauerte Fenster erschwerten weitere Fluchtversuche.
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Der Mauerfall hatte eine längere Vorgeschichte. Die Historiker Andreas Suter und Manfred Hettling verweisen auf Veränderungen in den östlichen Staaten. Dazu zählen Solidarność, eine Bewegung in Polen, also ein Zusammenschluss von Menschen, und Reformen des sowjetischen Politikers Gorbatschow. Reformen sind Veränderungen an bestehenden politischen oder gesellschaftlichen Regeln. Die Historiker beziehen auch die Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in ihre Erklärung ein.
In der DDR forderten immer mehr Menschen Freiheit und freie Reisen. Demonstrationen erhöhten den Druck auf die Führung. Zugleich verließen viele DDR-Bürger das Land über andere Staaten. Protest und Flucht gehören zu den Ursachen der Öffnung. Die Friedliche Revolution bezeichnet hier den politischen Umbruch, den Bürger mit ihren Protesten vorantrieben.
Der unmittelbare Anlass folgte am Abend des 9. November 1989. Günter Schabowski, ein Mitglied der DDR-Parteiführung, stellte auf einer Pressekonferenz neue Reiseregeln vor. Reisen sollten beantragt und kurzfristig genehmigt werden können. Schabowski erklärte auf Nachfrage jedoch, die Regelung gelte sofort. Über die vorgesehene Sperrfrist bis zum nächsten Morgen war er nicht ausdrücklich informiert worden. Diese Frist sollte festlegen, bis wann die Nachricht noch zurückgehalten werden sollte.
Westliche Rundfunk- und Fernsehsender meldeten daraufhin die Öffnung der Mauer, obwohl die Übergänge noch nicht geöffnet waren. Mehrere Tausend Ost-Berliner gingen zu den Grenzübergängen und verlangten die sofortige Öffnung. Weder die Grenztruppen noch die zuständigen Passkontrolleinheiten oder die sowjetische Armee in Berlin waren darüber informiert. Deshalb bestand die Gefahr, dass bewaffnete Kräfte eingreifen könnten.
An der Bornholmer Straße ließ der verantwortliche Leiter Harald Jäger gegen 23:30 Uhr eigenmächtig den Übergang öffnen und die Passkontrollen einstellen. Unter dem Druck der Menschen und ohne Unterstützung seiner Vorgesetzten sah er darin den Ausweg. Bis Mitternacht waren alle Grenzübergänge im Berliner Stadtgebiet offen.
Schabowskis Erklärung allein erklärt deshalb nicht den ganzen Mauerfall. Die längerfristigen Veränderungen, die Proteste, die Fluchtbewegung und das Handeln der Menschen an den Übergängen gehören ebenfalls dazu.
Definition
Ursache und Anlass
Ursachen erklären, warum sich eine Lage entwickelt. Ein Anlass ist der unmittelbare Auslöser eines Ereignisses. Beim Mauerfall traf Schabowskis Erklärung auf eine bereits zugespitzte Lage.
Merke: Die Nachricht von einer offenen Grenze kam vor der tatsächlichen Öffnung. Erst danach verlangten Menschen an den Übergängen, passieren zu dürfen.
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Mit Mauerfall ist die Öffnung der Grenzübergänge am 9. November 1989 gemeint. Die deutsche Wiedervereinigung bedeutete dagegen das Ende der staatlichen Teilung Deutschlands und der DDR. Sie folgte innerhalb eines Jahres nach der Maueröffnung. Eine offene Grenze allein machte aus den beiden Staaten noch keinen gemeinsamen Staat.
Die Forderungen nach Freiheit und die Proteste hatten zur Öffnung beigetragen. Die Historiker Andreas Suter und Manfred Hettling verstehen die Maueröffnung als besonders sichtbares Symbol für den Zusammenbruch des DDR-Sozialismus im Herbst 1989. Der Mauerfall eröffnete den Weg zur Wiedervereinigung; er war nicht schon ihr Abschluss.
Auch das Grenzsystem verschwand nicht in einer Nacht. Nach dem 9. November wurde die Mauer zunächst weiter bewacht. Unkontrollierte Übertritte durch den Mauerstreifen wurden meist verhindert. Zugleich entstanden zusätzliche Übergänge. Am 13. Juni 1990 begann in der Bernauer Straße der offizielle Abriss. Am 1. Juli 1990 endeten die Bewachung der Mauer und sämtliche Grenzkontrollen.
Nach dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung entstanden Gedenkstätten. Sie erinnern an die deutsche Teilung und die Todesopfer an der Berliner Mauer. Damit halten sie auch die Folgen des Grenzsystems für Menschen im Gedächtnis.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Mauerfall | Öffnung der Grenzübergänge am 9. November 1989 |
| Mauerabriss | Entfernung der Grenzbauten; der offizielle Abriss begann am 13. Juni 1990 |
| Wiedervereinigung | Ende der staatlichen Teilung und der DDR innerhalb eines Jahres nach der Maueröffnung |
Merke: Grenzöffnung, Abriss und Wiedervereinigung sind verschiedene Vorgänge. Sie hängen zusammen, geschahen aber nicht gleichzeitig.
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Alles auf einen Blick
Berliner Mauer
Baugrund
Die DDR-Führung wollte die Flucht stoppen, die Arbeitskräfte kostete und den Staat schwächte.
Grenzsystem
Sperren, Überwachung und Kontrollwege wirkten zusammen. Grenzsoldaten schossen auf Menschen, die fliehen wollten.
Ursachen
Proteste, Freiheitsforderungen und Flucht erhöhten den Druck auf die DDR-Führung.
Anlass
Schabowskis Erklärung zu Reiseregeln löste den Andrang an den Übergängen aus.
Unterscheidung
Grenzöffnung, Mauerabriss und Wiedervereinigung waren verschiedene Vorgänge.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Aus einer Mauer wurde ein Grenzsystem
- 1Aufgabe: Erkläre am Zusammenspiel von Signalzaun und Kontrollweg, warum eine einzelne Betonwand das Grenzsystem nicht ausreichend beschreibt.
- 2Teile bestimmen: Zum späteren Ausbau gehörten ein Zaun mit Signaldraht und Wege für Grenzsoldaten.
- 3Funktionen erklären: Bei Berührung löste der Signaldraht Alarm im zuständigen Wachturm aus. Die Wege dienten unter anderem dazu, Verstärkung heranzuholen.
- 4Zusammenhang formulieren: Hindernisse und Überwachung halfen Grenzsoldaten, Fluchtversuche zu erkennen und zu verhindern. Dabei schossen Grenzsoldaten auf Menschen, die fliehen wollten.
- 5Ergebnis begrenzen: Das System wurde über Jahrzehnte ausgebaut und sah nicht an jedem Ort gleich aus.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Zeit nach der Maueröffnung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Aussage setzt die Grenzöffnung mit dem Ende der Bewachung und Kontrollen gleich. Richtig: Die Bewachung der Mauer und sämtliche Grenzkontrollen endeten am 1. Juli 1990.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Abriegelung der Straßen und Schienenwege nach West-Berlin begann in der Nacht zum . Die im Juni 1962 hinzugekommene Hinterlandmauer lag auf der Seite . Der offizielle Abriss der Mauer begann in der Bernauer Straße am .
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