Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
DDR: Geschichte, Alltag und Ende der SED-Diktatur
Du lernst, wie die DDR entstand, wie die SED herrschte, wie Menschen lebten und wie Flucht und friedliche Proteste zum Ende des Staates beitrugen.
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Kurz gesagt
Die DDR, die Deutsche Demokratische Republik, bestand von 1949 bis 1990 im Osten Deutschlands. Die kommunistische Partei SED beherrschte Staat und Gesellschaft. Friedliche Proteste und Massenflucht trugen 1989 zum Machtverlust der Partei bei.
Ein sicherer Arbeitsplatz und Kinderbetreuung konnten den Alltag erleichtern. Gleichzeitig konnten Menschen wegen ihrer politischen Meinung überwacht und verfolgt werden. An der DDR untersuchst du, wie soziale Leistungen und eine Diktatur nebeneinander bestanden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Nach dem Zweiten Weltkrieg teilten die Hauptsiegermächte Deutschland 1945 in Besatzungszonen auf. Das waren Gebiete, die unter der Verwaltung einer Siegermacht standen. Im Osten lag die Sowjetische Besatzungszone. Dort bestimmte bis zur Staatsgründung 1949 die Militärverwaltung der Sowjetunion, einer der Siegermächte, die Entwicklung.
Die sowjetische Militärverwaltung veränderte bereits vor der Staatsgründung die politische Ordnung. Sie setzte die erzwungene Vereinigung zweier Parteien zur SED durch. Diese kommunistische Partei wurde später zur herrschenden Partei der DDR. Die spätere Machtstellung der SED hatte damit eine Vorgeschichte in der Besatzungszeit.
Am 7. Oktober 1949 entstand die DDR. Wenige Monate zuvor war bereits die Bundesrepublik Deutschland gegründet worden. Aus der Aufteilung in Besatzungszonen waren zwei deutsche Staaten hervorgegangen. Die DDR blieb auch nach ihrer Gründung in ihrer staatlichen Selbstständigkeit gegenüber der Sowjetunion eingeschränkt.
Die Berliner Mauer entstand erst 1961, also lange nach der Staatsgründung. Sie wurde zum Symbol der deutschen Teilung. Staatsgründung und Mauerbau waren unterschiedliche Schritte in der Geschichte dieser Teilung.
Definition
Besatzungszone
Ein Gebiet, das nach dem Krieg von einer Siegermacht verwaltet wurde. Die spätere DDR entstand aus der Sowjetischen Besatzungszone.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| 1945 | Die Hauptsiegermächte teilen Deutschland in Besatzungszonen auf. |
| 7. Oktober 1949 | Die DDR wird wenige Monate nach der Bundesrepublik gegründet. |
| 1961 | Die Berliner Mauer entsteht. |
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In der DDR lag die entscheidende politische Macht bei der SED. Ihr Politbüro, der engste Führungskreis der Partei, war das tatsächliche Machtzentrum. Selbst die Regierung musste sich ihm unterordnen. Andere Parteien bestanden zwar weiter, mussten sich aber ebenfalls der SED unterordnen. Ihre Existenz bedeutete deshalb keinen freien Wettbewerb um die Macht.
Bei allen Wahlen vor 1990 gab es eine gemeinsame Einheitsliste mit Kandidaten der beteiligten Parteien und Organisationen. Die vorhandenen Parteien waren nicht gesondert wählbar. Auch einzelne Personen konnten die Wähler nicht auswählen. Bereits bei der ersten Wahl zur Volkskammer, dem Parlament der DDR, 1950 wurden die Ergebnisse umfangreich gefälscht. Aus solchen Wahlergebnissen lässt sich nicht ablesen, wie viele Menschen die SED tatsächlich unterstützten.
Zur Herrschaft gehörten Zensur und Verfolgung. Zensur bedeutet hier, dass der Staat kontrollierte und begrenzte, was etwa Zeitungen, Bücher, Radio und Fernsehen veröffentlichen durften. Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi, überwachte besonders politisch Andersdenkende. Die Stasi schüchterte Gegner ein; zu ihren Methoden gehörten auch Haft und Folter. Bei Fluchthelfern und Überläufern aus den eigenen Reihen ließ sie auch Entführungen und Morde ausführen.
Die Staatsführung begrenzte außerdem die Reisefreiheit stark. Sie wollte damit verhindern, dass vor allem qualifizierte Arbeitskräfte das Land verließen. Die DDR war eine Diktatur: Die SED beherrschte die politischen Entscheidungen, freie politische Wahlmöglichkeiten fehlten, und staatliche Stellen verfolgten Gegner.
Definition
SED-Diktatur
Herrschaft der SED, in der andere Parteien untergeordnet waren und Bürger keine freie politische Auswahl bei Wahlen hatten. Staatliche Überwachung und Verfolgung sicherten diese Herrschaft.
Merke: Der Name eines Staates und die Zahl seiner Parteien zeigen noch nicht, ob er demokratisch ist. Entscheidend sind die tatsächliche Machtverteilung, freie Wahlmöglichkeiten und politische Rechte.
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In der Planwirtschaft der DDR legte der Staat mit Fünfjahresplänen fest, was produziert und wie Waren verteilt werden sollten. Löhne und Preise wurden in der Regel staatlich festgelegt. Zu diesem Wirtschaftssystem gehörte Arbeitsplatzsicherheit. Dinge des täglichen Bedarfs wurden hauptsächlich durch staatliche Zuschüsse verbilligt. Grundlegende Konsumgüter waren meist ausreichend vorhanden. Manche Konsumgüter, vor allem Importartikel, blieben jedoch knapp; die Auswahl war wesentlich kleiner als in der damaligen Bundesrepublik.
Die SED setzte ab 1971 verstärkt auf Wohnungsbau, Konsum und soziale Leistungen. Wohnungen wurden vom Staat zugeteilt. Dabei zählten unter anderem die Kinderzahl, die soziale Stellung sowie Mitgliedschaft und Position in der SED. Trotz vieler Neubauten gab es auch in den 1980er Jahren lange Wartezeiten auf Neubauwohnungen. So verband sich Unterstützung im Alltag mit staatlichen Entscheidungen über persönliche Lebensmöglichkeiten.
Kinderkrippen und Kindergärten erleichterten Frauen die Verbindung von Beruf und Familie. Die Förderung ihrer Berufstätigkeit sollte zugleich den Bedarf an Arbeitskräften decken. Frauen blieben in Leitungspositionen allerdings deutlich unterrepräsentiert. Im Alltag trugen sie zumeist eine doppelte Belastung durch Beruf sowie Haushalt und Familie.
Soziale Leistungen kosteten Geld. Die erweiterten Konsumangebote und sozialen Leistungen seit 1971 erhöhten die staatlichen Schulden. Auch steigende Importe aus dem Westen, die nicht durch entsprechende Exporte ausgeglichen wurden, vergrößerten die Verschuldung. Die Versorgung hatte also wirtschaftliche Grenzen.
Menschen arbeiteten, gründeten Familien und gestalteten ihre Freizeit innerhalb dieser Ordnung. Soziale Sicherheit bedeutete aber keine politische Freiheit: Die staatliche Kontrolle von Veröffentlichungen und die Überwachung Andersdenkender bestanden daneben weiter. Persönliche Alltagserfahrungen und die politische Ordnung müssen deshalb gemeinsam betrachtet werden.
Beispiel: Die Kaffeekrise Ende der 1970er Jahre
- 1Die Parteiführung wollte weniger Kaffee importieren, um ausländisches Geld einzusparen.
- 2In der Bevölkerung gab es breite Proteste gegen diese Maßnahmen.
- 3Die Führung musste die Maßnahmen zurücknehmen. Hier zeigte sich ein Konflikt zwischen staatlichen Sparplänen und Konsumwünschen.
Merke: Arbeitsplatzsicherheit und Kinderbetreuung erleichterten das Leben. Sie beseitigten weder Warenknappheit noch staatliche Überwachung und politische Verfolgung.
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Die massenhafte Abwanderung bedrohte den Bestand der DDR, weil überdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen gingen. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 sperrten bewaffnete Kräfte der DDR die Grenze rings um West-Berlin ab. Daraus entstand die Berliner Mauer. Auch die innerdeutsche Grenze wurde mit Minen, Selbstschussanlagen und bewaffneten Grenzsoldaten ausgebaut. DDR-Grenzsoldaten schossen gezielt auf Flüchtlinge. An der innerdeutschen Grenze wurden mehrere hundert Flüchtlinge beim Versuch getötet, die Sperren zu überwinden.
Opposition bedeutet politischen Widerspruch und Widerstand gegen die Herrschenden. In der DDR setzten sich unterschiedliche Gruppen etwa für Frieden, Menschenrechte und Umweltschutz ein. Teile der evangelischen Kirche boten ihnen Räume und Möglichkeiten, Texte zu veröffentlichen. Bis in den Herbst 1989 hinein wollten die Bürgerrechtler hauptsächlich die DDR reformieren. Sie mussten dafür berufliche Nachteile, Überwachung und teilweise weitere staatliche Verfolgung hinnehmen.
In der Sowjetunion leitete der führende Politiker Michail Gorbatschow Reformen ein und ließ den befreundeten Staaten mehr Freiheit für ihre innere Entwicklung. Die SED-Führung lehnte diesen Reformkurs ab. Das verstärkte Unverständnis und Widerstand in der DDR. Im Mai 1989 protestierten Menschen gegen gefälschte Ergebnisse der örtlichen Wahlen. Zusätzlichen Druck erzeugte die Massenflucht über Ungarn. Seit dem 11. September 1989 erlaubte Ungarn DDR-Bürgern offiziell die Ausreise nach Österreich.
Im Herbst forderten immer mehr Menschen bei Montagsdemonstrationen Veränderungen. Die Massendemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig wurde zum Durchbruch für die friedliche Revolution. Damit ist der Umbruch durch friedliche Proteste gemeint. Am 9. November verkündete das SED-Führungsmitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz Reiseerleichterungen. Viele Menschen verstanden dies als sofortige Maueröffnung und strömten zu den Übergängen. Verunsicherte Grenztruppen gaben nach. Diese Ereignisse führten in der Nacht zur Öffnung der Mauer.
Die Maueröffnung beendete die DDR noch nicht als Staat. Bei den weiteren Demonstrationen gewann die Forderung nach deutscher Einheit an Bedeutung. Auf die freie Volkskammerwahl vom 18. März 1990 folgten Schritte zum Beitritt zur Bundesrepublik. Dazu gehörten Verträge zwischen den deutschen Staaten und mit den früheren Siegermächten. Am 3. Oktober 1990 hörte die DDR mit der Wiedervereinigung auf, als eigener Staat zu bestehen.
Merke: Mehrere Entwicklungen wirkten zusammen: veränderte Bedingungen in der Sowjetunion, Massenflucht, organisierter Widerspruch und friedliche Massenproteste. Die Maueröffnung und das Ende der DDR als Staat waren unterschiedliche Ereignisse.
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Alles auf einen Blick
DDR
Entstehung
Die DDR entstand 1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone, wenige Monate nach der Bundesrepublik.
Herrschaft
Die SED bestimmte die politischen Entscheidungen; andere Parteien mussten sich ihr unterordnen.
Alltag
Arbeitsplatzsicherheit und Kinderbetreuung standen neben Warenknappheit, Überwachung und eingeschränkten Freiheiten.
Wirtschaft
Staatliche Pläne lenkten Produktion und Verteilung. Erweiterte soziale Leistungen erhöhten die Verschuldung. Dazu kamen steigende Westimporte, die nicht durch entsprechende Exporte ausgeglichen wurden.
Umbruch
Massenflucht, Opposition und friedliche Proteste trugen 1989 zum Machtverlust der SED bei.
Staatliches Ende
Auf die Maueröffnung 1989 folgte die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die staatliche Wohnungsvergabe Schritt für Schritt beurteilen
- 1Aufgabe: Erkläre, wie Wohnungsversorgung und staatlicher Einfluss in der DDR zusammenhingen.
- 2Unterstützung benennen: Die SED setzte verstärkt auf Wohnungsbau. Es entstanden viele neue Wohnungen.
- 3Entscheidungswege untersuchen: Der Staat teilte Wohnungen zu. Dabei zählten unter anderem Kinderzahl, soziale Stellung sowie Mitgliedschaft und Position in der SED.
- 4Grenzen berücksichtigen: Trotz des Neubaus gab es auch in den 1980er Jahren lange Wartezeiten auf Neubauwohnungen.
- 5Sachurteil formulieren: Der Wohnungsbau unterstützte die Versorgung. Die staatliche Zuteilung machte den Zugang zu Wohnraum zugleich von staatlichen Kriterien abhängig, darunter auch die Stellung in der herrschenden Partei.
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Prüfe die Aussagen zu den Wahlen in der DDR In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt vorhandene Parteien mit einer freien Auswahl zwischen ihnen. Richtig: Die vorhandenen Parteien waren nicht gesondert wählbar.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die DDR organisierte Produktion und Warenverteilung auf der Grundlage von . Die Absperrung rings um West-Berlin begann im August . Seit dem 11. September 1989 erlaubte DDR-Bürgern offiziell die Ausreise nach Österreich.
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