Geschichte · Klasse 11–13 · aktualisiert
BRD und DDR im Abitur: Vergleich und Einheit
Du vergleichst die beiden deutschen Staaten, gewichtest Ursachen der Friedlichen Revolution und begründest Urteile über Teilung und Einheit.
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Kurz gesagt
Die Bundesrepublik Deutschland war eine liberale Demokratie mit Sozialer Marktwirtschaft. Die Deutsche Demokratische Republik war eine Diktatur mit Planwirtschaft. Am 3. Oktober 1990 trat sie der Bundesrepublik bei.
Politische Freiheit, wirtschaftliche Sicherheit und nationale Einheit sind unterschiedliche Maßstäbe für einen historischen Vergleich. Je nachdem, welchen Maßstab du verwendest, treten andere Erfahrungen hervor. Für ein überzeugendes Abitururteil musst du deine Kriterien nennen, Belege prüfen und unterschiedliche Folgen gegeneinander abwägen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Bundesrepublik Deutschland, abgekürzt BRD, besaß eine liberal-demokratische Ordnung. Ihr Grundgesetz legte eine demokratische, soziale und rechtsstaatliche Republik fest. In der Deutschen Demokratischen Republik, kurz DDR, herrschte dagegen die SED, die führende Staatspartei. Ihr Politbüro, das oberste Führungsgremium der Partei, bildete das tatsächliche Machtzentrum. Andere Parteien mussten sich der SED unterordnen. Die DDR war eine Diktatur.
Entscheidend ist die politische Funktion von Wahlen. In der Bundesrepublik konnten verschiedene Parteien mit eigenen Angeboten antreten und Stimmen gewinnen. Bei allen DDR-Wahlen vor 1990 gab es dagegen eine Einheitsliste: Kandidaten verschiedener Parteien und Organisationen standen gemeinsam auf einem Wahlzettel. Einzelne Parteien oder Personen konnten nicht ausgewählt werden. Die Wahlen sollten die Herrschenden bestätigen. Die meisten Wähler benutzten unter Beobachtung keine Wahlkabine; außerdem wurden Ergebnisse gefälscht. Bei den Kommunalwahlen, also den Wahlen zu örtlichen Vertretungen, im Mai 1989 protestierten Bürger gegen Ergebnisfälschungen. Erst 1990 änderten sich die Wahlbedingungen grundlegend.
Auch bei Grundrechten musst du Anspruch und Wirklichkeit trennen. Die Bundesrepublik beruhte auf einer freiheitlichen und rechtsstaatlichen Ordnung. Die erste DDR-Verfassung von 1949 enthielt unter anderem Meinungsfreiheit und das Prinzip unabhängiger Gerichte. Verfassungsrechte wurden in der DDR tatsächlich nicht oder nur stark eingeschränkt gewährt. Medien und Kunst unterlagen der Zensur, also staatlicher Inhaltskontrolle. Die Staatssicherheit, der Überwachungsapparat der DDR, kontrollierte die Bevölkerung. Politisch Andersdenkende wurden verfolgt. Eine Gewaltenteilung mit unabhängigen Gerichten bestand nicht.
Die Bundesrepublik hatte eine Soziale Marktwirtschaft, die DDR eine staatliche Planwirtschaft. Staatliche Vorgaben bestimmten dort Produktion, Preise und Angebot. Arbeitsplatzsicherheit und ein gegenüber der Bundesrepublik hoher Beschäftigungsgrad von Frauen standen einer deutlich geringeren gesamtwirtschaftlichen Produktivität gegenüber. Das bedeutet: Die DDR-Wirtschaft erzeugte insgesamt weniger effizient Güter und Leistungen. Zahlreiche Lebensmittel und gehobene Konsumgüter waren nicht ausreichend verfügbar. Der Vergleich darf aber unterschiedliche Ausgangsbedingungen nicht ausblenden: Die Sowjetunion, die östliche Besatzungsmacht, ließ im Osten Anlagen abbauen und Güter als Kriegsentschädigung abtransportieren. Auf westliche Wiederaufbauhilfen musste die DDR unter sowjetischem Druck verzichten.
Definition
Planwirtschaft
In der DDR organisierte der Staat Produktion und Verteilung durch mehrjährige Pläne. Auch Preise und Warenangebot beruhten auf staatlichen Vorgaben.
| Kriterium | Bundesrepublik | DDR unter SED-Herrschaft |
|---|---|---|
| Herrschaft | Liberale Demokratie und rechtsstaatliche Ordnung | Diktatur mit dem SED-Politbüro als Machtzentrum |
| Wahlen | Wettbewerb verschiedener Parteien | Vor 1990 Einheitslisten ohne Auswahl einzelner Parteien oder Personen |
| Wirtschaft | Soziale Marktwirtschaft | Planwirtschaft mit staatlichen Vorgaben für Produktion, Preise und Angebot |
| Grundrechte | Freiheitlich-demokratische und rechtsstaatliche Grundordnung | Verfassungsrechte tatsächlich nicht oder nur stark eingeschränkt gewährt |
Beispiel: Wahlfälschung und Protest im Mai 1989
- 1Bei den Kommunalwahlen im Mai 1989 wurden Ergebnisse gefälscht.
- 2Bürger protestierten dagegen. Die Unzufriedenheit mit der SED-Herrschaft wurde damit öffentlich sichtbar.
- 3Für die Einordnung unterscheidest du die Funktion der Wahlen von der Reaktion der Bürger: Die Wahlen sollten Herrschaft bestätigen; der Protest stellte die Ergebnisfälschungen infrage.
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Der Blockkonflikt war der politische Gegensatz zwischen den westlichen Mächten und der Sowjetunion mit den jeweils verbundenen Staaten. Die Bundesrepublik wurde in den Westen eingebunden. Die DDR blieb von der Sowjetunion abhängig. Versuche einer Verständigung über ein vereinigtes Deutschland scheiterten an unvereinbaren Bedingungen und gegenseitigem Misstrauen. Das erklärt den internationalen Rahmen der Teilung, aber noch nicht den konkreten Zeitpunkt des Mauerbaus.
Dafür war die Abwanderung entscheidend. Die SED setzte Zusammenschlüsse landwirtschaftlicher Betriebe mit mehr oder minder starkem Zwang durch. Dadurch stieg die Zahl der Flüchtlinge erneut stark an. Die massenhafte Abwanderung bedrohte den Bestand der DDR, zumal überdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen gingen. Mit Rückendeckung der sowjetischen Führung begannen bewaffnete DDR-Kräfte in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961, die Grenze rings um West-Berlin abzusperren. Daraus entstand die Berliner Mauer.
Die Mauer und die weiter ausgebauten Grenzsperren verhinderten Flucht mit Gewalt. DDR-Grenzsoldaten schossen gezielt auf Menschen, die fliehen wollten. Zum Sperrsystem gehörten auch Minen und Selbstschussanlagen. An der innerdeutschen Grenze wurden bei Fluchtversuchen mehrere hundert Flüchtlinge getötet. Die Mauer wurde zum Symbol der Teilung Deutschlands und Europas. Die Sicherung der SED-Herrschaft ging damit auf Kosten von Bewegungsfreiheit und Menschenleben.
Die Teilung bedeutete jedoch keinen dauerhaften Verzicht auf Annäherung. Bundeskanzler Willy Brandt suchte mit seiner neuen Ostpolitik eine Normalisierung der Beziehungen. 1970 traf er den DDR-Regierungschef Willi Stoph in Erfurt und anschließend in Kassel. Verträge sollten die Beziehungen der beiden Staaten normalisieren. Die Ostpolitik entspannte ihr Verhältnis; die staatliche Teilung bestand zunächst weiter. Daraus allein lässt sich nicht ableiten, dass diese Politik die Friedliche Revolution verursacht habe.
Merke: Ordne verschiedene Erklärungsebenen: Der Blockkonflikt bildete den internationalen Rahmen. Die bedrohliche Abwanderung erklärt den Handlungsdruck auf die DDR-Führung. Die sowjetische Führung stützte ihr Vorgehen beim Mauerbau.
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Die Friedliche Revolution bezeichnet den Umbruch, in dem eine demokratische Massenbewegung 1989 die SED-Herrschaft beseitigte. Ihre Ursachen lagen innerhalb und außerhalb der DDR. Im Inneren verweigerte die SED-Führung Reformen und hielt an Ausreisebeschränkungen fest. Das verstärkte Unverständnis und Widerstand bis in die eigenen Parteireihen. Protestgruppen waren teilweise unter kirchlichem Schutz entstanden. Gegen die gefälschten Kommunalwahlergebnisse vom Mai 1989 regte sich offener Protest.
Von außen veränderte Michail Gorbatschow, der sowjetische Parteichef, die Bedingungen. Seine Reformen ab 1985 waren ein wesentlicher Anstoß für den späteren Umbruch. Er ließ den verbündeten Regierungen mehr Freiheit für ihre innere Entwicklung und kündigte an, nicht mehr militärisch in verbündete Staaten einzugreifen. Damit verlor die SED-Führung einen bisher entscheidenden Rückhalt. Auch der Kampf der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarność um gewerkschaftliche Freiheiten gehörte zu den Veränderungen im östlichen Machtbereich.
Ungarn verband äußere Veränderungen mit innerem Druck. Es baute Grenzsicherungen zu Österreich ab und erlaubte DDR-Bürgern ab dem 11. September 1989 offiziell die Ausreise nach Österreich. Die Massenflucht verschärfte die Probleme der DDR-Führung. Gleichzeitig wuchsen die Proteste im Land. Die Massendemonstration in Leipzig am 9. Oktober 1989 wurde zum wegweisenden Durchbruch der Friedlichen Revolution.
Für eine Gewichtung unterscheidest du Funktionen: Die Reformverweigerung erklärt wachsenden inneren Widerstand. Gorbatschows Kurs veränderte den äußeren Handlungsspielraum. Flucht und Massendemonstrationen übten konkreten Druck aus. Wirtschaftliche Schwächen gehörten zur Lage der DDR; aus ihnen allein lässt sich der konkrete Verlauf nicht erklären. Entscheidend ist das Zusammenwirken, keine bloße Aufzählung.
Auch eine längerfristige Ursache ist nicht dasselbe wie ein unmittelbarer Auslöser. Am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski, ein Mitglied der SED-Führung, Reiseerleichterungen. Die Nachricht wurde als Maueröffnung verstanden. Menschen strömten zu den Übergängen, und verunsicherte Grenztruppen gaben nach. So erklären die Historiker Andreas Suter und Manfred Hettling das Ereignis im Zusammenhang mit längerfristigen Veränderungen. Die Pressekonferenz erklärt den unmittelbaren Ablauf der Maueröffnung, aber nicht allein den vorausgehenden Machtzerfall.
| Faktor | Einordnung | Bedeutung für die Erklärung |
|---|---|---|
| Reformverweigerung | Innere Ursache | Verstärkte Unverständnis und Widerstand |
| Gorbatschows Kurs | Äußere Bedingung | Veränderte den Rückhalt der SED und ermutigte Protest |
| Flucht und Demonstrationen | Konkreter Druck | Verschärften die Krise der Staatsführung |
| Schabowskis Mitteilung | Unmittelbarer Auslöser | Führte zum Ansturm auf die Berliner Grenzübergänge |
Merke: Gewichten heißt: Erkläre, welchen Beitrag ein Faktor zum Ergebnis leistete. Unterscheide längerfristige Bedingungen, wachsenden Handlungsdruck und den unmittelbaren Auslöser eines Ereignisses.
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Ein historisches Urteil braucht eine genaue Frage und offengelegte Kriterien. Ein Sachurteil untersucht etwa Handlungsspielräume, Wirksamkeit oder Folgen im damaligen Zusammenhang. Ein Werturteil beurteilt das Geschehen zusätzlich anhand ausdrücklich genannter Werte, etwa Freiheit oder sozialer Gerechtigkeit. Belege und Maßstäbe müssen zusammenpassen: Ein wirtschaftlicher Vorteil widerlegt keine Einschränkung politischer Rechte.
Trenne zunächst die Schritte zur Einheit. Die Maueröffnung am 9. November 1989 beendete noch nicht die Existenz der DDR. Bei den fortgesetzten Demonstrationen rückte nun die deutsche Einheit in den Vordergrund. Die Volkskammerwahl am 18. März 1990 stellte die Weichen für den Beitritt zur Bundesrepublik. Am 1. Juli 1990 trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft: Beide Staaten verbanden damit diese Bereiche. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag mit den beiden deutschen Staaten und den vier ehemaligen Siegermächten war eine außenpolitische Voraussetzung der Einheit. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei und hörte auf, als eigener Staat zu existieren.
Nach dem Kriterium politischer Freiheit bedeutete das Ende der SED-Diktatur einen grundlegenden Gewinn. Die bisherigen DDR-Bürger lebten nach der Vereinigung in der liberal-demokratischen Ordnung der Bundesrepublik. Nach dem Kriterium sozialer Sicherheit fällt die Bilanz differenzierter aus: Unmittelbar nach der Wende gingen viele Arbeitsplätze verloren. Sozialleistungen wie der Anspruch auf einen Kinderkrippenplatz wurden abgebaut. Der Wechsel zur Marktwirtschaft verlangte neue Regeln und Gewohnheiten. Einige ehemalige DDR-Bürger empfanden ihre Biografie als abgewertet. Solche Erfahrungen erklären Enttäuschungen, machen die vorherige Diktatur aber nicht zu einer Demokratie.
Auch Historiker setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Heinrich August Winkler bezeichnet das vereinigte Deutschland als „postklassischen“ Nationalstaat. Damit meint er einen souveränen Staat, der zugleich Souveränitätsrechte an die Europäische Union, den europäischen Zusammenschluss von Staaten, abgegeben hat. Seine Deutung verbindet nationale Einheit mit europäischer Einbindung. Sie bewertet damit eine andere Frage als die nach Arbeitsplatzverlusten.
Formuliere dein Ergebnis deshalb begrenzt und nachvollziehbar: Nenne die Frage, lege ein Kriterium fest, führe konkrete Belege an und berücksichtige einen Gegenbefund. Erst dann gewichtest du. Du kannst politische Freiheit besonders hoch bewerten und zugleich soziale Verluste als ernsthafte Belastung der Einheit anerkennen.
Definition
Urteilskriterium
Ein Urteilskriterium ist der Maßstab, mit dem du eine Entwicklung prüfst. Politische Freiheit, soziale Sicherheit und außenpolitische Handlungsspielräume können zu unterschiedlichen Teilurteilen führen.
Merke: Maueröffnung, Ende der SED-Herrschaft und staatliche Einheit sind miteinander verbunden, aber nicht dasselbe Ereignis. Prüfe bei jedem Urteil, welchen Vorgang und welche Folgen du bewertest.
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Alles auf einen Blick
BRD und DDR (Abitur)
Systemvergleich
Prüfe tatsächliche Herrschaft, Wahlmöglichkeiten, Wirtschaftsordnung und gewährte Grundrechte getrennt.
Mauerbau
Bedrohliche Abwanderung traf auf sowjetische Rückendeckung für die Grenzsperrung; die DDR setzte Fluchtverhinderung mit tödlicher Gewalt durch.
Friedliche Revolution
Innerer Widerstand und äußere Veränderungen wirkten zusammen; Schabowskis Mitteilung erklärt den unmittelbaren Ansturm auf die Mauer.
Einheit
Die Maueröffnung war noch nicht der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.
Urteil
Politische Freiheit, soziale Sicherheit und europäische Einbindung verlangen unterschiedliche Belege und eine begründete Gewichtung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Ostpolitik nach ihrem Beitrag zur Annäherung beurteilen
- 1Aufgabe klären: Beurteile, inwiefern die neue Ostpolitik die Beziehungen zwischen Bundesrepublik und DDR veränderte.
- 2Kriterium festlegen: Untersuche die Normalisierung der Beziehungen, also den Ausbau geregelter Kontakte und Vereinbarungen.
- 3Belege zuordnen: Bundeskanzler Willy Brandt traf DDR-Regierungschef Willi Stoph in Erfurt und Kassel. Verträge sollten die Beziehungen normalisieren.
- 4Grenze benennen: Die staatliche Teilung bestand zunächst weiter. Annäherung bedeutete noch keine staatliche Einheit.
- 5Sachurteil formulieren: Nach dem Kriterium der Normalisierung brachte die Ostpolitik Fortschritte. Aus dieser Wirkung allein lässt sich jedoch nicht ableiten, dass sie die Friedliche Revolution verursachte.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Weg in die staatliche Einheit In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt das Datum der Maueröffnung mit dem Ende der DDR. Richtig: Die DDR hörte am 3. Oktober 1990 auf, als eigener Staat zu existieren.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die bewaffnete Absperrung rings um West-Berlin begann in der Nacht vom 12. auf den 13. August . Die Massendemonstration vom 9. Oktober 1989, die zum wegweisenden Durchbruch der Friedlichen Revolution wurde, fand in statt. Das Wirtschaftssystem der DDR mit staatlichen Vorgaben für Produktion, Preise und Warenangebot war eine .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback