Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Vietnamkrieg: Ursachen, Verlauf und Folgen
Du lernst, wie der Vietnamkrieg entstand, welche Ziele die Beteiligten hatten und warum die USA trotz militärischer Stärke scheiterten.
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Kurz gesagt
Im Vietnamkrieg kämpften Nordvietnam und die Nationale Befreiungsfront gegen Südvietnam und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Der Konflikt verband den Streit um Vietnams Zukunft mit dem Kalten Krieg. Der US-Truppenabzug 1973 beendete die Kämpfe nicht; 1975 siegte Nordvietnam.
Kann eine Armee Angriffe abwehren und trotzdem ihr politisches Ziel verfehlen? Im Vietnamkrieg zeigte sich dieser Unterschied besonders deutlich. Um den Krieg zu verstehen, musst du die Ziele der Vietnamesen ebenso betrachten wie die Interessen auswärtiger Mächte.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Frankreich seine Kolonialherrschaft in Vietnam wiederherstellen, also erneut über das Land bestimmen. Die Viet Minh, eine vietnamesische Unabhängigkeitsbewegung, kämpften dagegen. Im Mai 1954 erlitt Frankreich bei Dien Bien Phu eine Niederlage. Sie führte zur Genfer Regelung.
Diese sah eine vorläufige militärische Teilung nahe dem 17. Breitengrad vor. Breitengrade dienen dazu, die Lage eines Ortes auf der Erde anzugeben. Die Trennlinie war keine vereinbarte dauerhafte Staatsgrenze. Für 1956 waren Wahlen in ganz Vietnam vorgesehen. Sie fanden nicht statt; eine friedliche Wiedervereinigung kam auf diesem Weg nicht zustande. 1954 ist deshalb ein wichtiger Einschnitt, aber kein eindeutig allgemeingültiges Anfangsdatum aller Kampfhandlungen.
Hinzu kam der Kalte Krieg: Der Konflikt in Vietnam wurde von gegensätzlichen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika, kurz USA, und der kommunistischen Mächte China und Sowjetunion überlagert. Die Sowjetunion war ein Staat, der den Norden unterstützte. Die USA halfen dem Süden. Ihre Regierung wollte eine kommunistische Übernahme Südvietnams verhindern. Nach ihrer Domino-Vorstellung könnte ein solcher Erfolg weitere kommunistische Erfolge in der Region nach sich ziehen. Das war eine Befürchtung der US-Regierung, keine feststehende Vorhersage.
Definition
Domino-Vorstellung
Die US-Regierung befürchtete, dass nach einem kommunistischen Erfolg in Südvietnam weitere Länder der Region folgen könnten.
Merke: Der Krieg hatte mehrere Hintergründe: den Kampf gegen Frankreichs Kolonialherrschaft, die ungelöste Teilung und die gegensätzlichen Interessen im Kalten Krieg.
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Innerhalb Vietnams ging es um politische Herrschaft, die Ordnung der Gesellschaft und die Wiedervereinigung. Nordvietnam und die im Süden kämpfende Nationale Befreiungsfront standen der südvietnamesischen Regierung gegenüber. Die Befreiungsfront wollte den Rückzug der US-Militärberater erzwingen und eine gemeinsame Regierung aller Gruppen Südvietnams bilden. Sie folgte zugleich Vorgaben aus Nordvietnam.
Die südvietnamesische Regierung unter Diem war eine Diktatur. Diem ließ Gegner verfolgen. Unter seiner Herrschaft wurden tausende Südvietnamesen schon wegen des Verdachts auf Gegnerschaft unbefristet verhaftet oder unter Hausarrest gestellt. Seine Regierung ließ Menschen foltern; vielfach wurden Beschuldigte zum Tod verurteilt und erschossen. Diem schaffte auch Wahlen in den Gemeinden ab. Der Konflikt betraf somit unmittelbar die Frage, wie Menschen in Vietnam regiert wurden.
Auf der internationalen Ebene unterstützten die USA Südvietnam und kämpften dort mit eigenen Truppen. China und die Sowjetunion unterstützten Nordvietnam. Bis 1969 half China vor allem mit Personal für Straßen, Schienenwege und Flugplätze. Es stellte auch Luftabwehrkräfte bereit und lieferte militärisches Material.
Die Bezeichnung Stellvertreterkrieg beschreibt diese internationale Ebene. Sie erklärt aber nicht den ganzen Krieg: Vietnamesische Akteure verfolgten eigene Ziele. Auch die Nationale Befreiungsfront verband ihre eigenen Forderungen mit der Zusammenarbeit mit Nordvietnam. Die Vietnamesen waren keine bloßen Werkzeuge auswärtiger Mächte.
Definition
Stellvertreterkrieg
Auswärtige Mächte unterstützen gegnerische Seiten eines Konflikts und verfolgen dabei eigene Interessen. Im Vietnamkrieg waren die USA außerdem unmittelbar mit Kampftruppen beteiligt.
Beispiel: Diems Verwendung amerikanischer Hilfen
- 1Diem erhielt umfangreiche Finanzhilfen aus den USA.
- 2Ein großer Teil diente dem Aufbau der südvietnamesischen Armee; nur minimale Anteile flossen in Sozial- und Wirtschaftspolitik.
- 3An dieser Entscheidung erkennst du: Auswärtige Hilfe und die Politik eines vietnamesischen Herrschers wirkten zusammen.
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Nach der Genfer Regelung von 1954 blieben die für 1956 vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen aus. 1964 erleichterte die Tonkin-Resolution, ein politischer Beschluss in den USA, die Ausweitung des amerikanischen Einsatzes. 1965 begannen systematische Bombardierungen Nordvietnams und der große Einsatz amerikanischer Bodenkampftruppen.
Anfang 1968 traf die Tet-Offensive zahlreiche Städte im Süden. Eine Offensive ist ein größerer militärischer Angriff. US-Truppen und südvietnamesische Truppen schlugen die Angriffe zurück. Trotzdem erschütterten sie das Vertrauen in einen nahen US-Sieg. Ab 1969 sollten unter US-Präsident Nixon südvietnamesische Streitkräfte mehr Kampfaufgaben übernehmen, während amerikanische Truppen abzogen. Diese Politik hieß Vietnamisierung.
Das Pariser Abkommen vom 27. Januar 1973 ermöglichte den US-Truppenabzug. Die Kämpfe in Vietnam gingen jedoch weiter; der Abzug bedeutete auch nicht das Ende sämtlicher US-Unterstützung. Am 30. April 1975 eroberten nordvietnamesische Truppen Saigon. Damit endete der Krieg militärisch. Die formelle Vereinigung zur Sozialistischen Republik Vietnam folgte am 2. Juli 1976.
Der Krieg zerstörte Lebensgrundlagen und vertrieb Zivilisten. US-Truppen bombardierten Gebiete in Nord- und Südvietnam. Die amerikanische Luftwaffe und die südvietnamesische Armee versprühten Pflanzenvernichtungsmittel wie Agent Orange. Solche Mittel und die Bombardierungen schädigten Menschen und Landschaften. US-Soldaten ermordeten Zivilisten; auch nordvietnamesische Kämpfer und Mitglieder der Befreiungsfront ermordeten oft Zivilisten, die sie als Helfer ihrer Gegner ansahen, sowie gegnerische Gefangene. Nach dem Krieg folgten Wiederaufbauprobleme, politische Unterdrückung und Flucht.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1954 | Die Genfer Regelung sieht eine vorläufige militärische Teilung vor. |
| 1956 | Die vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen finden nicht statt. |
| 1964 | Die Tonkin-Resolution erleichtert die Ausweitung des US-Einsatzes. |
| 1965 | Der große Einsatz amerikanischer Bodenkampftruppen beginnt. |
| Anfang 1968 | Die Tet-Offensive trifft zahlreiche Städte im Süden. |
| Ab 1969 | Die Vietnamisierung verlagert mehr Kampfaufgaben auf südvietnamesische Streitkräfte. |
| 1973 | Das Pariser Abkommen ermöglicht den US-Truppenabzug. |
| 1975 | Nordvietnamesische Truppen erobern Saigon. |
| 1976 | Vietnam wird formell zur Sozialistischen Republik Vietnam vereinigt. |
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Das politische Hauptziel der USA war, eine kommunistische Übernahme Südvietnams zu verhindern. Dafür sollten Bombardierungen und Bodeneinsätze die gegnerischen Kräfte schwächen und ihren Nachschub unterbrechen. Mit Nachschub sind etwa Waffen und Nahrung für die Kämpfer gemeint. Die USA wollten Nordvietnam dabei nicht erobern: Sie wollten keinen Atomkrieg mit China oder der Sowjetunion riskieren.
Doch Nordvietnam und die Nationale Befreiungsfront blieben kampffähig. Die Unterstützung aus China und der Sowjetunion setzte sich fort. Versuche, Südvietnam gegen weiteren Nachschub abzuschirmen, scheiterten unter anderem an der langen, schwer zugänglichen Grenze. Der Ho-Chi-Minh-Pfad, ein Netz von Nachschubwegen, wurde ständig wieder aufgebaut und erweitert.
Militärische Erfolge sicherten außerdem keine stabile politische Herrschaft im Süden. Das Office of the Historian, eine Einrichtung zur Geschichte der US-Außenpolitik, nennt instabile südvietnamesische Regierungen und die Unzufriedenheit der Landbevölkerung unter Diem. Bei der Tet-Offensive zeigte sich ein weiterer Unterschied: Die Angriffe wurden zurückgeschlagen, aber die Hoffnung auf einen nahen US-Sieg wurde erschüttert.
Verluste, Kriegsproteste und Zweifel an der Strategie begrenzten die Bereitschaft, den Krieg immer weiter auszuweiten. Zur Erklärung des Endes gehört auch, dass die US-Regierung nach dem Truppenabzug nicht erneut umfassend eingriff. Das Office of the Historian verweist dafür unter anderem auf Widerstand gegen einen Wiedereintritt in den Krieg und wirtschaftliche Grenzen. Weder das Gelände noch die Medien allein erklären deshalb das Scheitern: Militärische, politische und wirtschaftliche Bedingungen wirkten zusammen.
Merke: Ein militärischer Erfolg ist noch kein politischer Erfolg. Entscheidend ist auch, ob eine Regierung ihr Ziel dauerhaft erreicht.
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Alles auf einen Blick
Vietnamkrieg
Entstehung
Kolonialherrschaft, ungelöste Teilung und Interessen des Kalten Krieges prägten den Konflikt.
Zwei Ebenen
Vietnamesische Akteure verfolgten eigene Ziele; zugleich unterstützten auswärtige Mächte gegnerische Seiten.
Wendepunkt
Die Tet-Offensive Anfang 1968 wurde zurückgeschlagen, erschütterte aber das Vertrauen in einen nahen US-Sieg.
Kriegsende
Auf den US-Truppenabzug 1973 folgten das militärische Ende 1975 und die formelle Staatsvereinigung 1976.
US-Ziele
Militärische Stärke konnte weder den Gegner dauerhaft kampfunfähig machen noch das politische Ziel sichern.
Folgen
Gewalt, Vertreibung und zerstörte Lebensgrundlagen belasteten Zivilisten. Nach dem Krieg folgten Wiederaufbauprobleme, Unterdrückung und Flucht.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Tet-Offensive auf zwei Ebenen beurteilen
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Tet-Offensive Anfang 1968 für die USA trotz erfolgreicher Abwehr ein politischer Rückschlag war.
- 2Militärisches Ergebnis feststellen: US- und südvietnamesische Truppen schlugen die Angriffe auf zahlreiche Städte im Süden zurück.
- 3Politische Wirkung untersuchen: Die Angriffe erschütterten das Vertrauen in einen nahen US-Sieg.
- 4Zusammenführen: Die erfolgreiche Abwehr beseitigte den Vertrauensverlust nicht. Ein militärischer Erfolg und ein politischer Rückschlag konnten zusammen auftreten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Vietnamisierung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die falsche Aussage setzt den Beginn der Vietnamisierung mit dem Jahr des Pariser Abkommens gleich. Richtig: Diese Politik begann unter Nixon ab 1969.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die für ganz Vietnam vorgesehenen Wahlen sollten stattfinden, blieben aber aus. Der politische Beschluss, der die Ausweitung des US-Einsatzes erleichterte, war die . Die Eroberung Saigons durch nordvietnamesische Truppen erfolgte .
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