Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Deutsche Teilung: Ursachen, Mauer und Wiedervereinigung
Du lernst, warum zwei deutsche Staaten entstanden, wie sie sich unterschieden und wie Maueröffnung und Wiedervereinigung zusammenhängen.
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Kurz gesagt
Die Deutsche Teilung entstand nach 1945 aus Konflikten der Siegermächte und unterschiedlichen politischen Zielen. 1949 wurden Bundesrepublik und DDR gegründet. Die Mauer festigte die Teilung ab 1961; nach ihrer Öffnung 1989 folgte am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung.
Zwei deutsche Staaten, zwei politische Ordnungen und eine bewachte Grenze: Die Teilung prägte das Leben vieler Menschen. Sie entstand in mehreren Schritten. Auch ihr Ende war ein Prozess: Eine offene Mauer bedeutete noch keinen gemeinsamen Staat.
Deine Lernziele
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3 Abschnitte
Nach Deutschlands bedingungsloser Kapitulation 1945 teilten die vier Siegermächte das Land in Besatzungszonen. Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA), Großbritannien, Frankreich und die kommunistisch regierte Sowjetunion übten dort die Macht aus. Berlin wurde gemeinsam verwaltet und in vier Sektoren geteilt. Die Stadt gehörte nicht zur sowjetischen Besatzungszone, hatte aber einen sowjetischen Sektor.
Die Zusammenarbeit scheiterte an mehreren Konflikten. Beim Streit um Reparationen, also Leistungen zum Ausgleich von Kriegsschäden, verlangte die Sowjetunion 1946/1947 eine Beteiligung an Leistungen aus dem Ruhrgebiet. Ihre eigene Zone konnte ihren Bedarf nicht decken. Die USA und Großbritannien lehnten die Forderung ab. Die Sowjetunion machte ihre Zustimmung zur geplanten wirtschaftlichen Einheit Deutschlands von dieser Beteiligung abhängig. Zugleich verfolgten die Besatzungsmächte unterschiedliche Ziele: In den westlichen Zonen entstanden Grundlagen für parlamentarische Demokratie und Marktwirtschaft. Im Osten strebte die Sowjetunion eine kommunistische Gesellschaft an. Dort wurden die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zwangsvereinigt.
Im Kalten Krieg, dem Machtkonflikt zwischen dem Westen und dem sowjetisch geführten Osten, wuchs das Misstrauen. Der Westen befürchtete sowjetische Kontrolle über ein vereinigtes Deutschland. Die Sowjetunion fürchtete, bis zur Oder zurückgedrängt zu werden. Im Februar 1948 verhandelten die Westmächte in London über einen eigenen westdeutschen Staat. Die nicht eingeladene Sowjetunion verließ daraufhin im März den Alliierten Kontrollrat, das gemeinsame oberste Kontrollorgan. Damit endete die gemeinsame Kontrolle Deutschlands.
Weitere Schritte vertieften die Trennung: Auf die Währungsreform von 1948, die Neuordnung des Geldwesens, antwortete die Sowjetunion mit der Berlin-Blockade. Diese dauerte vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949. Am 23. Mai 1949 entstand im Westen die Bundesrepublik Deutschland (BRD), am 7. Oktober 1949 im Osten die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Die Konflikte um Leistungen, Gesellschaftsordnung und Macht erklären den Weg zur Teilung; die Staatsgründungen vollzogen sie.
Definition
Besatzungszone
Ein Gebiet, in dem nach dem Krieg eine Siegermacht die Regierungsgewalt ausübte.
Merke: Unterschiedliche Ziele und wachsendes Misstrauen erschwerten die Zusammenarbeit. Die Teilung entstand durch mehrere Konflikte und Entscheidungen.
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Die Bundesrepublik war eine parlamentarische Demokratie. Bei der ersten freien Bundestagswahl am 14. August 1949 konkurrierten verschiedene Parteien. Der Bundestag als gewähltes Parlament wählte den Bundeskanzler und kontrollierte die Regierung. Er konnte einen Kanzler durch die Wahl eines Nachfolgers ablösen. Wegen Berlins besonderem Status fanden in West-Berlin bis zur Wiedervereinigung keine Bundestagswahlen statt; das dortige Abgeordnetenhaus entsandte Vertreter.
Gewaltenteilung begrenzte die Macht: Parlament, Regierung und Gerichte hatten unterschiedliche Aufgaben. Das Grundgesetz, die Verfassung der Bundesrepublik, schützte einklagbare Grundrechte wie Meinungs- und Glaubensfreiheit. Das unabhängige Bundesverfassungsgericht prüfte seit seiner Gründung 1951 die Einhaltung des Grundgesetzes. Seine Entscheidungen banden staatliche Stellen.
Die DDR war dagegen unter der Herrschaft der SED eine Diktatur. Das Politbüro, die oberste Parteiführung, war das tatsächliche Machtzentrum. Andere Parteien mussten sich der SED unterordnen und waren nicht gesondert wählbar. Die ersten Volkskammerwahlen 1950 fanden mit einer Einheitsliste statt, also einer vorgegebenen gemeinsamen Liste. Die Volkskammer war das Parlament der DDR. Eine Gewaltenteilung mit unabhängigen Gerichten bestand nicht. Grundrechte standen zwar in der Verfassung, wurden aber tatsächlich nicht oder nur stark eingeschränkt gewährt. Die Staatssicherheit überwachte Menschen. Medien und Kunst unterlagen der Zensur, also staatlicher Kontrolle ihrer Inhalte. Politisch Andersdenkende wurden verfolgt. Diesen Zustand musst du vom demokratischen Übergang 1989/90 unterscheiden: Am 18. März 1990 fand eine freie Volkskammerwahl statt.
Auch die Wirtschaft folgte unterschiedlichen Regeln. In der Sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik gehörten Privateigentum, Wettbewerb und freie Preisbildung zum Konzept. Der Staat sollte Wettbewerb sichern und soziale Nachteile ausgleichen. In der Planwirtschaft der DDR bestimmte der Staat mit Fünfjahresplänen Produktion und Verteilung. Preise und Warenangebot folgten staatlichen Vorgaben. Die Verstaatlichung privater Betriebe erfolgte großteils unter Zwang. Arbeitsplatzsicherheit und ein im Vergleich zur Bundesrepublik hoher Beschäftigungsgrad von Frauen gehörten zu dieser Ordnung. Zugleich war die gesamtwirtschaftliche Produktivität deutlich geringer: Bei gleichem Arbeitseinsatz wurde insgesamt weniger erwirtschaftet. Zahlreiche Lebensmittel sowie gehobene Konsumgüter waren nicht ausreichend verfügbar.
| Bereich | Bundesrepublik | DDR unter SED-Herrschaft |
|---|---|---|
| Politische Macht | Gewählter Bundestag kontrollierte die Regierung. | Die SED-Führung bestimmte die Politik. |
| Grundrechte | Unmittelbar gültig und einklagbar. | Tatsächlich nicht oder nur stark eingeschränkt gewährt. |
| Wirtschaft | Soziale Marktwirtschaft mit Wettbewerb und staatlichem Ausgleich. | Planwirtschaft mit staatlichen Vorgaben für Produktion und Preise. |
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Wie entsteht ein Warenpreis?
- 1Du vergleichst zwei Beschreibungen: Ein Preis entsteht am Markt; ein anderer folgt einer staatlichen Vorgabe.
- 2Die freie Preisbildung passt zum Konzept der Sozialen Marktwirtschaft.
- 3Die staatliche Preisvorgabe passt zur Planwirtschaft der DDR.
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Die DDR begann 1952, die innerdeutsche Grenze mit Zäunen, Bewachung und Alarmvorrichtungen zu sichern. Eine fünf Kilometer breite Sperrzone durfte nur mit Sondergenehmigung betreten werden. Diese Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR ist von der Berliner Mauer zu unterscheiden.
Viele Menschen flohen aus der DDR. Oft waren es gut ausgebildete junge Leute; ihre Abwanderung bedrohte die Wirtschaftskraft und letztlich den Bestand des Staates. Der Hauptzweck des Mauerbaus war, die Flucht zu verhindern. Am 13. August 1961 riegelte die DDR die Grenze zwischen den Berliner Sektoren ab. Mauern, Zäune und Stacheldraht entstanden an diesem Tag und danach. Die Berliner Mauer trennte Ost- und West-Berlin und umschloss ganz West-Berlin. Sie festigte die Teilung, hatte aber nicht die beiden Staaten gegründet.
1989 wuchs der Widerstand gegen die SED-Herrschaft. Bürger protestierten gegen gefälschte Kommunalwahlergebnisse. Viele Menschen verließen die DDR über Ungarn; das verschärfte die Probleme der Staatsführung. Die Montagsdemonstrationen machten die Proteste sichtbar. Die Massendemonstration in Leipzig am 9. Oktober 1989 wurde zu einem wichtigen Durchbruch der Friedlichen Revolution: einer demokratischen Massenbewegung, die die SED-Herrschaft beseitigte.
Am 9. November 1989 gab der SED-Politiker Günter Schabowski Reiseerleichterungen bekannt. Viele Bürger verstanden dies als Öffnung der Mauer und strömten zu den Übergängen. Unter ihrem Druck öffneten sich die Grenzen. Die Bekanntgabe war der unmittelbare Auslöser; Protestbewegung und Machtverlust der SED bildeten den längeren Hintergrund. Die Maueröffnung war noch keine staatliche Wiedervereinigung.
Nach der freien Volkskammerwahl vom 18. März 1990 verfolgte die DDR-Regierung den Beitritt zur Bundesrepublik. Am 1. Juli 1990 trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft: Beide Staaten verbanden damit ihre Geld-, Wirtschafts- und Sozialordnung. Auch die Bewachung der Mauer und sämtliche Grenzkontrollen endeten an diesem Tag. Der Einigungsvertrag regelte den Beitritt. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen beiden deutschen Staaten und den vier früheren Siegermächten schuf die außenpolitische Voraussetzung. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei und hörte als eigener Staat auf zu bestehen.
| Datum | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 13. August 1961 | Abriegelung der Berliner Sektorengrenze | Beginn des Mauerbaus zur Verhinderung der Flucht |
| 9. Oktober 1989 | Massendemonstration in Leipzig | Wichtiger Durchbruch der Friedlichen Revolution |
| 9. November 1989 | Öffnung der Berliner Mauer | Die staatliche Teilung bestand noch. |
| 3. Oktober 1990 | Beitritt der DDR zur Bundesrepublik | Ende der DDR als eigener Staat |
Merke: Staatsgründungen, Mauerbau, Maueröffnung und Wiedervereinigung sind unterschiedliche Schritte. Eine offene Grenze macht aus zwei Staaten noch keinen.
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Alles auf einen Blick
Deutsche Teilung
Ursachen
Streit über Reparationen, unterschiedliche politische Ziele und wachsendes Misstrauen erschwerten die Zusammenarbeit der Siegermächte.
Politik
Die parlamentarische Demokratie der Bundesrepublik stand der SED-Diktatur gegenüber; 1989/90 begann der demokratische Übergang in der DDR.
Wirtschaft
Die Bundesrepublik setzte auf Soziale Marktwirtschaft, die DDR auf staatliche Wirtschaftsplanung.
Mauerbau
Die Abriegelung sollte die Flucht aus der DDR verhindern und festigte die Teilung.
Ende der Teilung
Die Friedliche Revolution beseitigte die SED-Herrschaft. Maueröffnung und staatliche Wiedervereinigung waren verschiedene Schritte.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Streit um Reparationen als Ursache erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie der Streit über Leistungen zum Ausgleich von Kriegsschäden die Zusammenarbeit belastete.
- 2Ausgangslage bestimmen: Die Sowjetunion konnte ihren Bedarf an Reparationen aus ihrer eigenen Zone nicht decken.
- 3Forderung nennen: Sie verlangte deshalb eine Beteiligung an Reparationen aus dem Ruhrgebiet. Die USA und Großbritannien lehnten dies ab.
- 4Zusammenhang erklären: Die Sowjetunion machte ihre Zustimmung zur wirtschaftlichen Einheit von dieser Beteiligung abhängig. Der Streit erschwerte damit eine gemeinsame Lösung für Deutschland.
- 5Grenze der Erklärung beachten: Dieser Konflikt war eine Ursache der Teilung. Unterschiedliche politische Ziele und wachsendes Misstrauen kamen hinzu.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur innerdeutschen Grenze In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt das Jahr der beginnenden Grenzsicherung mit dem Jahr des Berliner Mauerbaus. Richtig: Die DDR begann 1952, die innerdeutsche Grenze mit Zäunen, Bewachung und Alarmvorrichtungen zu sichern.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Bundesrepublik wurde am gegründet. Das tatsächliche Machtzentrum der DDR unter SED-Herrschaft war das . Der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik erfolgte am .
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