Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Blockbildung im Kalten Krieg einfach erklärt
Du lernst, warum Ost- und Westblock entstanden, wie sie sich festigten und welche Folgen ihre Gegnerschaft für Deutschland und andere Länder hatte.
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Kurz gesagt
Blockbildung bedeutet, dass sich Staaten zu gegnerischen Lagern zusammenschlossen: dem Westblock unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und dem Ostblock unter Führung der Sowjetunion. Gegensätzliche Ordnungssysteme, Sicherheitsinteressen und der Kampf um Einfluss verschärften die Trennung.
Wirtschaftshilfe, Militärbündnisse und Handelsverbote können Staaten miteinander verbinden oder voneinander trennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zwei gegnerische Lager. An Deutschland und Konflikten außerhalb Europas kannst du erkennen, wie stark diese Blockbildung das Leben der Menschen beeinflusste.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Nach 1945 wurde die Sowjetunion, eine kommunistisch geführte Großmacht, zu einer Supermacht: einem Staat mit besonders großem weltweitem Einfluss. Ihr gegenüber standen die USA, die Vereinigten Staaten von Amerika. Bei der Blockbildung entstanden zwei gegnerische Staatengruppen: der Westblock unter Führung der USA und der Ostblock unter Führung der Sowjetunion. Ihr Konflikt prägte den Kalten Krieg von 1947 bis 1989.
Eine wichtige Ursache waren gegensätzliche Vorstellungen von Politik und Wirtschaft. Kapitalismus und Kommunismus standen einander gegenüber. Die Sowjetunion setzte ihr kommunistisches System in den Staaten des Ostblocks und darüber hinaus durch. Sie stellte sich selbst als einzige Alternative zum Kapitalismus dar. Das war ihr eigener Anspruch.
Hinzu kamen Sicherheitsinteressen und der Kampf um Einfluss. Die Sowjetunion wollte einen vorgelagerten Sicherheitsbereich in Mittelost- und Osteuropa schaffen. Die USA reagierten mit einer Eindämmungspolitik: Sie wollten die Ausbreitung sowjetischen Einflusses begrenzen. Zugleich förderten sie in Westeuropa den Wiederaufbau mit privaten Unternehmen und Parlamenten. Sie strebten offene Märkte an. Politische und wirtschaftliche Interessen verbanden sich also.
Historiker gewichten die Verantwortung unterschiedlich. Der Historiker Herbert Feis sah die Hauptverantwortung im sowjetischen Streben nach Ausweitung des Einflusses. Der Historiker William Appleman Williams betonte dagegen die wirtschaftlichen Interessen und das Machtstreben der USA. Diese Deutungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte; sie sind keine unstrittige Feststellung einer einzigen Ursache.
Definition
Blockbildung
Staaten werden zu gegnerischen Lagern verbunden. Im Kalten Krieg festigten politische Zusammenarbeit, wirtschaftliche Bindungen und Militärbündnisse diese Lager.
Merke: Gegensätzliche Ordnungssysteme, Sicherheitsinteressen und der Kampf um Einfluss erklären die Blockbildung gemeinsam. Die Verantwortung dafür wird unterschiedlich beurteilt.
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Politische Mittel legten Ziele fest und banden Staaten an eine Seite. Mit der Truman-Doktrin von 1947 kündigte der amerikanische Präsident Truman Unterstützung für Völker an, die sich gegen bewaffnete Minderheiten oder Druck von außen wehrten. Die USA schlugen damit ausdrücklich einen Kurs gegen kommunistische und sowjetische Ausbreitung ein. Anlass war die Lage im Iran, in Griechenland und in der Türkei: Dort sollten keine kommunistischen Regierungen entstehen.
Wirtschaftliche Mittel betrafen Hilfe, Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der Marshallplan bot allen europäischen Staaten, auch der Sowjetunion, Unterstützung beim Wiederaufbau an. Die Sowjetunion brach die Verhandlungen ab. Sie hielt die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der USA für unvereinbar mit ihrer zentral gelenkten Wirtschaft. Die osteuropäischen Staaten unter sowjetischer Vorherrschaft mussten auf die amerikanische Hilfe verzichten und wurden wirtschaftlich eng an die Sowjetunion gebunden.
Auch Handelsbeschränkungen dienten der Abgrenzung. Die wichtigsten westlich orientierten Staaten verhängten ab 1950 ein Embargo gegen Ostblockstaaten. Dieses Ausfuhrverbot betraf Hochtechnologie, also besonders fortgeschrittene Technik, und Rüstungsgüter wie Waffen. Es war kein Verbot jedes Handels zwischen Ost und West.
Militärische Mittel waren Armeen, Waffen und Bündnisse. Das westliche Militärbündnis NATO entstand 1949. Die Bundesrepublik Deutschland war der westdeutsche Staat. Ihre Armee, die Bundeswehr, wurde 1955 aufgestellt und in die NATO eingebunden. Im selben Jahr gründeten die Sowjetunion und ihre abhängigen Verbündeten den Warschauer Pakt. Die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, war der ostdeutsche Staat. Ihre Armee, die Nationale Volksarmee, wurde 1956 aufgestellt.
Definition
Embargo
Ein Embargo verbietet oder beschränkt den Handel mit bestimmten Staaten. Das hier behandelte westliche Embargo betraf Hochtechnologie und Rüstungsgüter.
Beispiel: Wie Wiederaufbauhilfe die Trennung verstärken konnte
- 1Der Marshallplan bot auch der Sowjetunion Unterstützung beim Wiederaufbau an.
- 2Die Sowjetunion lehnte die Bedingungen ab und brach die Verhandlungen ab.
- 3Osteuropäische Staaten unter sowjetischer Vorherrschaft mussten ebenfalls auf die Hilfe verzichten.
- 4Diese Staaten wurden wirtschaftlich eng an die Sowjetunion gebunden. Wirtschaftshilfe und politische Bindung waren damit miteinander verknüpft.
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Eine Maßnahme sollte aus Sicht ihrer Urheber Sicherheit oder Einfluss sichern. Die Gegenseite konnte darin eine Bedrohung sehen und antworten. Dadurch konnte die erste Seite erneut Anlass zur Gegenwehr sehen. So verstärkten Maßnahmen und Gegenmaßnahmen die Trennung. Das bedeutet aber nicht, dass beide Seiten in jedem Fall gleich handelten oder gleich viel Verantwortung trugen.
Die Berlin-Blockade zeigt diesen Zusammenhang. Die Westalliierten waren die westlichen Besatzungsmächte in Deutschland. Nach gescheiterten Verhandlungen mit der Sowjetunion führten sie 1948 eine Währungsreform durch: Sie änderten das Geldsystem in ihren Besatzungszonen, also den von ihnen kontrollierten Gebieten Deutschlands. Auch Berlin war betroffen. Die Sowjetunion sah darin einen Bruch der Vereinbarung, Deutschland als politische und wirtschaftliche Einheit zu erhalten. Sie sperrte die Land- und Wasserwege durch ihr Besatzungsgebiet zu den Westsektoren Berlins. Das waren die von den Westmächten kontrollierten Stadtteile. So wollte sie sowjetische Kontrolle über diese Stadtteile oder andere politische Zugeständnisse erzwingen. Der Westen verhinderte dies mit der Luftbrücke, also der Versorgung aus der Luft. Die Blockade verstärkte im Westen die Furcht vor einer Ausbreitung sowjetischer Macht in Europa.
Auch Waffen konnten eine gefährliche Folge von Gegenmaßnahmen auslösen. Vor der Kubakrise von 1962 hatten die USA Mittelstreckenraketen in der Türkei aufgestellt. Darauf folgten sowjetische Atomraketen auf Kuba. Diese hätten die Vorwarnzeit bei einem Angriff auf die USA stark verkürzt. Der amerikanische Präsident Kennedy reagierte mit einer Seeblockade gegen sowjetische Schiffe auf dem Weg nach Kuba. Die Welt stand am Rand eines neuen Weltkrieges.
Die Entwicklung ließ sich jedoch unterbrechen. Geheime Verhandlungen führten zum sowjetischen Verzicht auf die Raketenstationierung. Dabei half die zunächst geheim gehaltene amerikanische Zusage, Raketen aus der Türkei abzuziehen. Nach der Kubakrise nutzten die Supermächte Gespräche zur Bewältigung von Krisen und vereinbarten Kontrollen der Rüstung. Das Wettrüsten und der Kampf um Einfluss gingen trotzdem weiter.
Definition
Wettrüsten
Gegner bauen ihre Bewaffnung im Wettbewerb miteinander aus. Im Kalten Krieg gehörten dazu auch Atomwaffen.
Merke: Prüfe bei einer Gegenmaßnahme: Auf welche Handlung antwortete sie? Welche Bedrohung sah die handelnde Seite? Welche nachweisbare Folge hatte ihre Antwort?
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In Deutschland wurde die Spaltung besonders deutlich. Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR entstanden 1949. Sie wurden in entgegengesetzte politische, wirtschaftliche und militärische Systeme eingebunden. Die Teilung griff tief in das Leben der Menschen ein. Die DDR-Führung begann am 13. August 1961 mit Grenzabsperrungen, aus denen die Berliner Mauer entstand. Damit sollte die Abwanderung von Fachkräften in den Westen gestoppt werden. Bis 1989 starben wegen des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze mehrere hundert Menschen bei Fluchtversuchen.
Trotz der gegensätzlichen Systeme blieb der innerdeutsche Handel über 40 Jahre hinweg eine stabile Verbindung. Er ermöglichte Kontakte und Zusammenarbeit und verbesserte das politische Klima. Die beiden Staaten waren also eng an ihre jeweiligen Blöcke gebunden, aber nicht in jeder Hinsicht voneinander abgeschnitten.
Außerhalb Europas verband sich der Kampf der Blöcke um Einfluss mit örtlichen Konflikten. Im Koreakrieg unterstützten vor allem die USA Südkorea und China Nordkorea. Dabei hatten die Herrscher beider koreanischer Staaten eigene Ziele: Beide wollten Korea notfalls gewaltsam unter ihrer Führung vereinigen. Nordkoreanische Truppen überschritten im Juni 1950 die Grenze. Der Krieg forderte nach Schätzungen vier bis fünf Millionen Opfer. Die Beteiligten vor Ort waren somit nicht bloß Empfänger fremder Befehle.
Auch nach dem Krisendialog im Anschluss an die Kubakrise blieb die Gewalt außerhalb Europas bestehen. Die USA kämpften im Vietnamkrieg mit eigenen Truppen, die Sowjetunion bei ihrem militärischen Eingreifen in Afghanistan. Jeweils unterstützte die andere Supermacht die Gegenseite mit Geld, Waffen, Transport- und Versorgungsleistungen sowie Informationen.
Für dein Urteil musst du deshalb unterscheiden: Die Supermächte vermieden einen offenen Krieg gegeneinander. Daraus folgte aber kein weltweiter Frieden. Für Deutschland bedeutete die Blockbildung eine verfestigte Teilung; in anderen Ländern verband sich die Rivalität mit verlustreichen Kriegen. Zugleich zeigen der innerdeutsche Handel und die Krisengespräche, dass Zusammenarbeit trotz der Gegnerschaft möglich blieb.
Definition
Stellvertreterkrieg
In einem regionalen Krieg unterstützen gegnerische Großmächte unterschiedliche Seiten. Sie können auch mit eigenen Truppen eingreifen. Die örtlichen Beteiligten können dabei eigene Ziele verfolgen.
Merke: Beurteile Folgen getrennt: Was bedeutete die Blockbildung für die Supermächte, für einzelne Staaten und für die Menschen dort? Ein vermiedener offener Krieg zwischen den Supermächten bedeutete keinen weltweiten Frieden.
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Alles auf einen Blick
Blockbildung
Ursachen
Gegensätzliche Ordnungssysteme, Sicherheitsinteressen und der Kampf um Einfluss trieben die Blockbildung an.
Mittel
Politische Unterstützung, Wirtschaftshilfe, Handelsbeschränkungen und Militärbündnisse festigten die Lager.
Wechselwirkung
Eine Maßnahme konnte als Bedrohung wahrgenommen werden und Gegenmaßnahmen auslösen.
Deutschland
Die beiden deutschen Staaten gehörten gegnerischen Systemen an; der innerdeutsche Handel ermöglichte dennoch Kontakte.
Weltweite Folgen
Ein vermiedener offener Krieg zwischen den Supermächten bedeutete keinen Frieden in den Ländern regionaler Kriege.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Berlin-Blockade als Folge von Maßnahmen und Gegenmaßnahmen erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie Währungsreform, Blockade und Luftbrücke den Gegensatz zwischen den Lagern sichtbar machten.
- 2Ausgangspunkt benennen: Nach gescheiterten Verhandlungen führten die Westalliierten eine Währungsreform durch, die auch Berlin betraf.
- 3Sicht der Gegenseite erklären: Die Sowjetunion sah darin einen Bruch der vereinbarten politischen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands.
- 4Gegenmaßnahme einordnen: Mit der Blockade wollte die Sowjetunion Kontrolle über die Westsektoren oder andere politische Zugeständnisse erzwingen. Der Westen verhinderte dies durch die Luftbrücke.
- 5Folge formulieren: Die Blockade verstärkte im Westen die Furcht vor einer Ausbreitung sowjetischer Macht. Damit verschärfte die Gegenmaßnahme den Gegensatz.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Bündnissen und Armeen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überträgt das Gründungsjahr des Warschauer Paktes auf die Armee der DDR. Richtig: Die Nationale Volksarmee wurde 1956 aufgestellt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Truman verkündete den ausdrücklich gegen kommunistische und sowjetische Ausbreitung gerichteten Kurs seiner Doktrin . Das von der Sowjetunion und ihren abhängigen Verbündeten gegründete Militärbündnis hieß . Die USA waren im mit eigenen Truppen beteiligt, während die Sowjetunion die Gegenseite unterstützte.
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