Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
NATO und Warschauer Pakt einfach erklärt
Du vergleichst NATO und Warschauer Pakt: ihre Entstehung, ihre Regeln, die Chancen und Gefahren atomarer Abschreckung und ihre Entwicklung bis 1991.
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Kurz gesagt
Die NATO entstand 1949, der Warschauer Pakt 1955. Beide Militärbündnisse versprachen gegenseitigen Beistand, unterschieden sich aber bei Macht und Entscheidungsspielräumen. Der Warschauer Pakt löste sich 1991 auf; die NATO bestand fort.
Kann die Drohung mit einem Angriff einen Krieg verhindern? Diese Frage prägte die Sicherheitspolitik im Ost-West-Konflikt. Du untersuchst, wie zwei Militärbündnisse Schutz versprachen und zugleich Gefahren mit sich brachten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschärften sich die Gegensätze zwischen der Sowjetunion, der führenden Macht des östlichen Lagers, und westlichen Staaten. Dieser Gegensatz heißt Ost-West-Konflikt. Westeuropäische Staaten sahen eine mögliche sowjetische Militärbedrohung und suchten Unterstützung bei den USA, den Vereinigten Staaten von Amerika.
1949 entstand die NATO, ein Militärbündnis nordamerikanischer und europäischer Staaten. Ihre eigene historische Erklärung nennt mehrere Ziele: Schutz vor einer Ausweitung sowjetischer Macht, Einbindung deutscher Militärmacht und Zusammenarbeit in Europa. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten etwa die USA, Kanada, Frankreich und Portugal. Portugal wurde damals diktatorisch regiert. Die NATO bestand also nicht zu jeder Zeit nur aus Demokratien.
1955 trat die Bundesrepublik Deutschland, der westdeutsche Staat, der NATO bei. Ihre Wiederbewaffnung, also der erneute Aufbau eigener Streitkräfte, und ihre Einbindung in den Westen lösten eine Gegenreaktion aus: Am 14. Mai 1955 entstand der Warschauer Pakt. Dazu gehörten die Sowjetunion, Polen, die DDR, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und zunächst Albanien. Die DDR, die Deutsche Demokratische Republik, war der ostdeutsche Staat. Ihre Beteiligung am militärischen Teil begann erst am 28. Januar 1956. Die beiden deutschen Staaten waren damit in gegnerische Militärbündnisse eingebunden.
Definition
Militärbündnis
Staaten vereinbaren, sich bei einer militärischen Bedrohung oder einem Angriff zu unterstützen. Welche Hilfe sie leisten, regelt der jeweilige Vertrag.
Beispiel: Die DDR: Mitgliedschaft und militärische Beteiligung unterscheiden
- 1Die DDR gehörte 1955 zu den Gründungsmitgliedern des Warschauer Pakts.
- 2Zunächst war sie vom militärischen Teil des Bündnisses ausgenommen.
- 3Diesem Teil trat sie am 28. Januar 1956 bei.
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Beide Bündnisse versprachen gegenseitigen Beistand bei einem Angriff. Ähnliche Vertragsregeln bedeuteten aber keine gleichen Machtverhältnisse.
In der NATO legt Artikel 5 fest, dass jedes Mitglied die Maßnahmen ergreift, die es für erforderlich hält. Dazu kann Waffengewalt gehören. Es folgt daraus keine identische automatische Kriegshandlung aller Mitglieder. Entscheidungen der NATO beruhen auf Konsens: Die Mitglieder müssen sich einigen. Die militärische Führung folgt den Weisungen der zivilen, also nichtmilitärischen Führung.
Im Warschauer Pakt beherrschte die Sowjetunion das gemeinsame Oberkommando, also die oberste militärische Führung. Fast alle Truppen des Bündnisses unterstanden diesem Kommando. Der Pakt diente auch dazu, sowjetische Kontrolle innerhalb der Mitgliedstaaten durchzusetzen. Als Ungarn 1956 seinen Austritt erklärte, schlug die Sowjetarmee den Volksaufstand mit Panzern nieder und beendete den Austrittskurs.
Ein anderes Verhältnis zwischen Mitgliedschaft und militärischer Einbindung zeigte Frankreich: Es verließ 1966 die gemeinsame NATO-Kommandostruktur, blieb jedoch Mitglied des Bündnisses. Die Beispiele zeigen unterschiedliche Entscheidungsspielräume. Sie beweisen nicht, dass jede Politik der NATO erfolgreich oder moralisch überlegen war.
| Vergleich | NATO | Warschauer Pakt |
|---|---|---|
| Vertrag | Verspricht gegenseitigen Beistand. | Verspricht gegenseitigen Beistand. |
| Führung | Entscheidungen beruhen auf Konsens. | Die Sowjetunion beherrschte das gemeinsame Oberkommando. |
| Spielräume | Frankreich blieb 1966 trotz Verlassens der Kommandostruktur Mitglied. | Die Sowjetarmee beendete 1956 Ungarns Austrittskurs gewaltsam. |
Merke: Vergleiche nicht nur die Versprechen eines Vertrags. Prüfe auch, wer entscheiden konnte und wie mit abweichenden Entscheidungen umgegangen wurde.
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Atomare Abschreckung soll einen Gegner von einem Angriff abhalten. Er soll einen Gegenschlag mit Atomwaffen erwarten, dessen Schäden für ihn untragbar wären. Die Drohung soll also verhindern, dass der Angriff überhaupt beginnt.
Darin liegt zugleich die Gefahr: Damit der Gegner die Drohung ernst nimmt, muss er den Einsatz der Waffen für möglich halten. Er kann aber Absichten falsch einschätzen. Ein Konflikt kann dadurch eskalieren, sich also immer weiter verschärfen. Das Sicherheitsversprechen beruht somit auf einer Drohung, die selbst gefährlich ist.
Die NATO setzte zunächst auf massive Vergeltung. Damit war ein sofortiger und umfassender Atomwaffeneinsatz auch als Antwort auf einen Angriff ohne Atomwaffen gemeint. 1967 übernahm sie die Strategie der abgestuften Reaktion. Unterschiedliche militärische Antworten sollten möglich sein, ohne in jedem Fall einen Atomschlag auszulösen. Dazu gehörte auch eine stärkere Rolle von Streitkräften ohne Atomwaffen. Neben Verteidigung setzte die NATO auf Entspannung, also den Abbau politischer Spannungen.
Dass kein Atomkrieg stattfand, beweist für sich allein nicht, dass Abschreckung ihn als einzige Ursache verhindert hat. Du musst zwischen einem beabsichtigten Schutz und einem nachgewiesenen Erfolg unterscheiden.
Definition
Atomare Abschreckung
Die Drohung mit einem untragbaren atomaren Gegenschlag soll einen Gegner davon abhalten, einen Angriff zu beginnen.
Merke: Abschreckung verspricht Schutz durch eine glaubhafte Drohung. Fehleinschätzungen und die Verschärfung eines Konflikts bleiben dabei Gefahren.
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Die politischen Umbrüche im Ostblock, der Gruppe von Staaten unter sowjetischer Führung, entzogen dem Warschauer Pakt seine Grundlage. Mitgliedstaaten drängten auf den Abzug sowjetischer Truppen und die Auflösung des Bündnisses. Die sowjetische Führung bevorzugte eine gleichzeitige Auflösung beider Bündnisse, gab aber schließlich nach.
Schon im November 1990 erklärten sich die Staaten beider Bündnisse gegenseitig zu Partnern statt zu Gegnern. Der Warschauer Pakt endete anschließend in zwei Schritten: Am 31. März 1991 wurden seine militärischen Strukturen aufgelöst. Am 1. Juli 1991 endete der Vertrag. Militärische Organisation und vertragliche Bindung endeten also nicht am selben Tag.
Die NATO blieb bestehen. In ihrem Konzept von 1991 verband sie Verteidigung, Dialog und Kooperation als Aufgaben angesichts veränderter Risiken. Dialog bedeutet hier politische Gespräche, Kooperation bedeutet Zusammenarbeit. Die NATO beschrieb damit ihre eigenen Ziele. Diese Selbstaussage allein beweist noch nicht, dass sie diese Ziele erfolgreich erreichte.
Die unterschiedliche Entwicklung lässt sich deshalb nicht allein mit dem Ende der Gegnerschaft erklären. Beim Warschauer Pakt brach die politische Grundlage weg, und Mitglieder verlangten seine Auflösung. Die NATO passte ihre Aufgaben an und bestand fort.
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| November 1990 | Die Staaten beider Bündnisse bezeichneten sich gegenseitig als Partner. |
| 31. März 1991 | Die militärischen Strukturen des Warschauer Pakts endeten. |
| 1. Juli 1991 | Der Vertrag des Warschauer Pakts endete. |
| 1991 | Die NATO verband Verteidigung, Dialog und Kooperation als Aufgaben. |
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Alles auf einen Blick
NATO und Warschauer Pakt
Entstehung
Die NATO entstand 1949; der Warschauer Pakt folgte 1955 als Reaktion auf Wiederbewaffnung und Westbindung der Bundesrepublik.
Beistand
Beide Verträge versprachen gegenseitige Hilfe. Daraus folgten keine gleichen Machtverhältnisse.
Entscheidungen
Die NATO beruhte auf Konsens; das gemeinsame Oberkommando des Warschauer Pakts wurde von der Sowjetunion beherrscht.
Abschreckung
Die Drohung mit untragbaren Gegenschlägen sollte schützen, barg aber Gefahren durch Fehleinschätzungen und sich verschärfende Konflikte.
Entwicklung
Der Warschauer Pakt endete 1991. Die NATO bestand mit angepassten Aufgaben fort.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die gemeinsame Erklärung von 1990 vorsichtig einordnen
- 1Ausgangspunkt: Im November 1990 bezeichneten sich die Staaten beider Bündnisse gegenseitig als Partner statt als Gegner.
- 2Aussage bestimmen: Die Erklärung zeigt eine veränderte politische Beziehung zwischen den beteiligten Staaten.
- 3Grenze prüfen: Eine Partnerschaftserklärung bedeutet noch nicht, dass die Bündnisse aufgelöst sind.
- 4Ergebnis formulieren: Die Staaten erklärten, einander nicht mehr als Gegner zu betrachten. Eine Auflösung ihrer Bündnisse lässt sich aus dieser Aussage nicht ableiten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Ende des Warschauer Pakts In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt das Ende der militärischen Strukturen mit dem Vertragsende. Richtig: Die militärischen Strukturen endeten am 31. März 1991.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Bündnis nordamerikanischer und europäischer Staaten, die NATO, entstand . Die DDR beteiligte sich erst ab Januar am militärischen Teil des Warschauer Pakts. Dessen Vertrag endete am .
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