Geschichte · Klasse 7–8 · aktualisiert
Verfassung einfach erklärt: Staat und Grundrechte
Du lernst, wie Verfassungen Macht ordnen, Grundrechte schützen und sich von Gesetzen unterscheiden. Du prüfst historische Beispiele auf Demokratie.
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Kurz gesagt
Eine Verfassung legt die grundlegende Ordnung eines Staates fest. Sie regelt Macht, Zuständigkeiten und wichtige Rechte. Deutschlands Verfassung heißt Grundgesetz; gewöhnliche Gesetze müssen mit ihr vereinbar sein.
Wer darf im Staat entscheiden, und welche Grenzen gelten dabei? Eine Verfassung beantwortet solche Fragen. Doch ein Verfassungstext allein zeigt noch nicht, wie demokratisch ein Staat tatsächlich ist.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Verfassung legt die grundlegende Ordnung eines Staates fest. Sie bestimmt, wer entscheiden darf, wie staatliche Macht verteilt wird und welche Grenzen diese Macht hat. Außerdem regelt sie wichtige Rechte der Menschen gegenüber dem Staat.
Eine demokratische Verfassung verbindet zwei Aufgaben: Sie organisiert den Staat und schützt die Freiheit des Einzelnen. Dafür sind Grundrechte wichtig. In Deutschland binden die Grundrechte die Einrichtungen, die Gesetze beschließen, staatliche Aufgaben ausführen und Recht sprechen.
Ein geschriebener Verfassungstext allein beweist noch keine Demokratie. Du musst auch prüfen, welche Regeln darin stehen und wie sie tatsächlich angewendet werden. Die Verfassung setzt grundlegende Regeln; sie trifft nicht die einzelnen Entscheidungen der Regierung.
Definition
Grundrechte
Grundrechte sind wichtige Rechte des Einzelnen gegenüber dem Staat. Sie schützen seine Freiheit und begrenzen staatliche Macht.
Merke: Eine demokratische Verfassung ordnet staatliche Macht und schützt Menschen vor ihrem Missbrauch.
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Das Grundgesetz ist Deutschlands Verfassung. Es legt die grundlegenden Regeln des Staates fest. Gewöhnliche Gesetze regeln dagegen einzelne Lebensbereiche. Sie müssen mit der verfassungsmäßigen Ordnung vereinbar sein: Ein gewöhnliches Gesetz darf ihr nicht widersprechen. Es kann auch keine geschützten Grundlagen des Grundgesetzes beseitigen.
Für Änderungen des Grundgesetzes gelten besonders hohe Hürden. Beteiligt sind zwei staatliche Einrichtungen: der Bundestag und der Bundesrat. Nötig sind zwei Drittel der Bundestagsmitglieder und zwei Drittel der Bundesratsstimmen. Dabei werden im Bundestag Mitglieder und im Bundesrat Stimmen gezählt.
Auch diese Mehrheiten dürfen bestimmte Grundlagen nicht beseitigen. Dazu gehören die Grundsätze der Artikel 1 und 20 sowie die Gliederung Deutschlands in Länder. Artikel sind nummerierte Abschnitte des Grundgesetzes. Geschützt sind damit grundlegende Prinzipien, nicht jeder einzelne Satz.
Über Streitfragen zur Bedeutung einer Verfassung entscheiden Verfassungsgerichte. Sie legen die Verfassung aus, erklären also, wie ihre Regeln zu verstehen sind. In Deutschland gibt es das Bundesverfassungsgericht und Verfassungsgerichte der Bundesländer. Verfassungsgerichte sind dabei keine Ersatzgesetzgeber: Ihre Aufgabe ist nicht, anstelle der zuständigen Einrichtungen Gesetze oder Verfassungsänderungen zu beschließen.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Zwei Regeln widersprechen sich
- 1In einem demokratischen Staat beschließen die zuständigen Einrichtungen ein gewöhnliches Gesetz.
- 2Bei der Prüfung zeigt sich: Dieses Gesetz widerspricht der Verfassung.
- 3Der Beschluss allein macht den Widerspruch nicht zulässig. Auch ein beschlossenes Gesetz muss zur Verfassung passen.
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Das Grundgesetz trat mit Ablauf des 23. Mai 1949 in Kraft. Es entstand im westlichen Teil Deutschlands. Zu seinen zentralen Entscheidungen gehören der Schutz der Menschenwürde und der Grundrechte. Menschenwürde bedeutet hier: Jeder Mensch besitzt einen Wert, den staatliche Macht achten muss.
Demokratie bedeutet, dass die Staatsgewalt vom Volk ausgeht. Deutschland ist zugleich eine Republik: Ein erblicher Monarch, also ein Herrscher, der sein Amt erbt, ist als Staatsoberhaupt ausgeschlossen. Das Wort Republik allein beweist aber noch keine Demokratie.
Deutschland ist ein Bundesstaat. Zuständigkeiten sind zwischen dem Bund, also dem Gesamtstaat, und den Ländern verteilt. Jedes Bundesland besitzt eine eigene Verfassung. Diese muss den republikanischen, demokratischen und sozialen rechtsstaatlichen Grundsätzen des Grundgesetzes entsprechen.
Zum Rechtsstaat gehört, dass staatliche Macht an Recht gebunden ist. Der Sozialstaat verlangt, dass der Staat soziale Verantwortung übernimmt. Diese Grundentscheidungen gehören zusammen: Sie beschreiben, wie Macht ausgeübt werden soll und welche Verantwortung der Staat für Menschen trägt.
| Grundentscheidung | Bedeutung |
|---|---|
| Menschenwürde und Grundrechte | Sie schützen den Einzelnen. |
| Demokratie | Staatsgewalt geht vom Volk aus. |
| Republik | Ein erblicher Monarch als Staatsoberhaupt ist ausgeschlossen. |
| Bundesstaat | Zuständigkeiten sind auf Bund und Länder verteilt. |
| Rechtsstaat | Staatliche Macht ist an Recht gebunden. |
| Sozialstaat | Der Staat trägt soziale Verantwortung. |
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Für dein Urteil brauchst du Kriterien, also Maßstäbe zum Prüfen. Frage: Wer darf politisch mitbestimmen? Wer kontrolliert die Regierung und die Gesetze? Welche Rechte schützen Menschen? Unterscheide dabei die rechtlichen Regeln von ihrer tatsächlichen Anwendung.
In der Ordnung von 1871 hatte der Reichstag, das gewählte Parlament, Rechte bei der Gesetzgebung und beim Staatshaushalt, also bei staatlichen Einnahmen und Ausgaben. Der Kaiser ernannte und entließ jedoch die Regierung. Sie brauchte nicht das Vertrauen des Reichstags. Gewählte Abgeordnete allein machten diese Ordnung deshalb noch nicht zu einer Demokratie, in der die Regierung vom Vertrauen des Parlaments abhängt. Kaiserliche Macht und begrenzte Mitbestimmung des Parlaments bestanden nebeneinander.
Die Verfassung von 1919 schuf für den deutschen Gesamtstaat eine Republik und enthielt Grundrechte. Frauen konnten nun wählen und gewählt werden. Die Regierung benötigte das Vertrauen des Reichstags, der sie kontrollierte. Damit gab es wichtige demokratische Regeln.
Zugleich hatte der Reichspräsident, das Staatsoberhaupt, weitreichende Befugnisse. Er konnte den Reichstag auflösen und Notverordnungen erlassen, also besondere staatliche Anordnungen für Notlagen. Ab 1930 verschob die Nutzung dieser Befugnisse die Macht zulasten des Parlaments. Das zeigt eine Veränderung der politischen Praxis. Es beweist nicht rückwirkend, dass die Verfassung von 1919 undemokratisch gewesen sei.
Merke: Begründe dein Urteil mit Mitbestimmung, Kontrolle und Rechten. Prüfe anschließend, wie die Regeln angewendet wurden.
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Alles auf einen Blick
Verfassung
Aufgaben
Eine demokratische Verfassung organisiert den Staat und schützt die Freiheit des Einzelnen.
Gesetze
Gewöhnliche Gesetze müssen mit der verfassungsmäßigen Ordnung vereinbar sein.
Änderungen
Das Grundgesetz verlangt hohe Mehrheiten und schützt bestimmte Grundlagen auch vor ihrer Beseitigung durch solche Mehrheiten.
Grundentscheidungen
Menschenwürde, Grundrechte, Demokratie, Republik, Bundesstaat, Rechtsstaat und Sozialstaat prägen das Grundgesetz.
Historisches Urteil
Prüfe Mitbestimmung, Kontrolle und Rechte. Unterscheide Regeln und tatsächliche Anwendung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: Eine Verfassungsänderung prüfen
- 1Ein Vorschlag soll die Gliederung Deutschlands in Länder beseitigen. Zwei Drittel der Bundestagsmitglieder und zwei Drittel der Bundesratsstimmen unterstützen ihn.
- 2Mehrheiten prüfen: Die verlangten Mehrheiten für eine Änderung des Grundgesetzes sind erreicht.
- 3Inhalt prüfen: Die Gliederung in Länder gehört zu den besonders geschützten Grundlagen.
- 4Urteil formulieren: Die Mehrheiten genügen hier nicht. Auch sie dürfen diese Grundlage nicht beseitigen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Macht des Reichspräsidenten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die letzte Aussage setzt die spätere Veränderung mit dem Verfassungsjahr gleich. Richtig: Ab 1930 verschob die Nutzung dieser Befugnisse die Macht zulasten des Parlaments.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
In der Ordnung von 1871 ernannte der die Regierung. Änderungen des Grundgesetzes benötigen im Bundesrat der Stimmen. Das Grundgesetz trat mit Ablauf des 23. Mai in Kraft.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback