Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Grundgesetz: Entstehung, Grundrechte und Schutz
Du lernst, warum das Grundgesetz entstand, wie sich Grundrechte und Staatsprinzipien unterscheiden und wie es Menschen und Demokratie schützt.
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Kurz gesagt
Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Es entstand 1949 zunächst als vorläufige Ordnung für Westdeutschland. Es schützt Grundrechte und legt fest, wie der demokratische Staat aufgebaut ist.
Auch der Staat muss sich an Regeln halten. Das Grundgesetz legt fest, welche Rechte Menschen gegenüber dem Staat haben und wie staatliche Macht begrenzt wird. Du untersuchst, warum diese Verfassung zunächst als Übergangslösung gedacht war.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
1948 wollten Frankreich, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Amerika die politische Ordnung in Westdeutschland neu gestalten. Als westliche Besatzungsmächte hielten sie Gebiete im Westen Deutschlands besetzt. Sie forderten einen demokratischen Staat mit Grundrechten und einem bundesstaatlichen Aufbau, also einer Gliederung in Länder.
Die westdeutschen Regierungschefs wollten die Teilung Deutschlands nicht dauerhaft festschreiben. Deutsche im sowjetisch besetzten Gebiet und im Saarland konnten an der neuen Ordnung nicht mitwirken. Deshalb sollte zunächst eine Übergangslösung entstehen. Der Name „Grundgesetz“ sollte diese Vorläufigkeit betonen.
Der Parlamentarische Rat, eine von den westdeutschen Länderparlamenten gewählte Versammlung, arbeitete von September 1948 bis Mai 1949 in Bonn am Grundgesetz. Er handelte im Auftrag der drei westlichen Besatzungsmächte. Die Länderparlamente nahmen das Grundgesetz mit Ausnahme des bayerischen an. Eine Volksabstimmung fand nicht statt.
Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet. Es trat mit Ablauf dieses Tages in Kraft; damit war die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Trotz seines vorläufigen Anspruchs war es von Anfang an eine Verfassung. Seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ist es die Verfassung des gesamten deutschen Volkes.
Definition
Verfassung
Eine Verfassung legt die grundlegende Ordnung eines Staates fest. Das Grundgesetz regelt den Staatsaufbau und sichert Rechte des Einzelnen.
Merke: „Vorläufig“ beschrieb den Anspruch einer Übergangslösung. Das Grundgesetz war trotzdem von Anfang an eine geltende Verfassung.
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Grundrechte schützen den Einzelnen gegenüber dem Staat. Manche gelten für jeden Menschen, andere speziell für deutsche Staatsbürger. Im Grundgesetz stehen sie vor allem in den Artikeln 1–19. Artikel heißen die nummerierten Abschnitte dieser Verfassung.
Die Menschenwürde steht in Artikel 1. Zu ihrem Schutz gehört ein unverletzlicher Kern des privaten Lebens. Artikel 3 enthält die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Für diese Gleichberechtigung setzte sich Elisabeth Selbert, ein Mitglied des Parlamentarischen Rates, gegen heftigen Widerstand erfolgreich ein.
Staatsprinzipien beantworten eine andere Frage: Wie ist der Staat grundsätzlich aufgebaut? Artikel 20 enthält die wichtigsten Prinzipien. Dazu gehören etwa Demokratie, Bundesstaat und Rechtsstaat. Es geht dabei um die staatliche Grundordnung, nicht um ein einzelnes persönliches Recht.
Am Bundesstaat lässt sich der Unterschied gut erkennen: Neben dem Bund bestehen Länder mit eigenen Verfassungen und eigenen Zuständigkeiten, etwa im Bildungswesen. Das beschreibt den Staatsaufbau. Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen beschreibt dagegen ein Grundrecht.
Definition
Staatsprinzipien
Staatsprinzipien sind grundlegende Regeln für den Aufbau und die Ordnung des Staates. Grundrechte sichern dagegen Rechte des Einzelnen gegenüber dem Staat.
Beispiel: Elisabeth Selberts Einsatz einordnen
- 1Elisabeth Selbert setzte im Parlamentarischen Rat die Gleichberechtigung von Männern und Frauen gegen heftigen Widerstand durch.
- 2Hier geht es um die Rechte von Menschen.
- 3Deshalb gehört die Gleichberechtigung zu den Grundrechten.
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Die Erfahrungen mit dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat gaben den Grundrechten besondere Bedeutung. Grundrechte gelten unmittelbar: Gesetzgeber, Regierung, Verwaltung und Gerichte sind an sie gebunden. Sie sind also mehr als politische Wünsche. Sie schützen Menschen in erster Linie gegen Eingriffe des Staates.
Das Grundgesetz steht in seinem Geltungsbereich über allen Gesetzen und anderen nationalen Rechtsregeln. Das Bundesverfassungsgericht ist ein unabhängiges Gericht, das über seine Einhaltung und Auslegung wacht. Ein betroffener Bürger kann seine Grundrechte mit einer Verfassungsbeschwerde einklagen. Das ist ein Verfahren, mit dem er eine Verletzung seiner Grundrechte geltend macht.
Auch Änderungen der Verfassung haben Grenzen. Dafür braucht es zwei Drittel der Mitglieder des Bundestages, des gewählten Parlaments des Bundes, und zwei Drittel der Stimmen des Bundesrats. Der Bundesrat ist also ein staatliches Organ, dessen Zustimmung für Verfassungsänderungen erforderlich ist. Die Ewigkeitsklausel in Artikel 79 Absatz 3 schützt zudem den Menschenwürdekern der Grundrechte und den Kern der Staatsprinzipien aus Artikel 20 vor Verfassungsänderungen. Einzelne Länder dürfen zusammengelegt werden; die Länder insgesamt abzuschaffen ist dagegen nicht erlaubt.
Weitere Regeln sollen die Demokratie sichern. Der Bundestag kann die Bundesregierung durch ein konstruktives Misstrauensvotum stürzen: Dafür muss er einen neuen Kanzler wählen. Die Abwahl ohne einen Nachfolger reicht also nicht. Das soll für mehr Stabilität sorgen. Parteien müssen im Inneren demokratisch organisiert sein. Verboten werden können sie nur durch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.
Merke: Grundrechte binden staatliche Macht. Das Bundesverfassungsgericht überwacht die Verfassung. Bestimmte Grundsätze sind selbst vor Verfassungsänderungen geschützt.
Definition
Ewigkeitsklausel
Diese Regel schützt den Menschenwürdekern der Grundrechte und den Kern der Staatsprinzipien vor Verfassungsänderungen. Sie macht nicht den gesamten Wortlaut des Grundgesetzes unveränderbar.
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Alles auf einen Blick
Grundgesetz
Entstehung
Das Grundgesetz sollte zunächst eine vorläufige Ordnung für Westdeutschland schaffen.
Verfassung
Trotz dieses vorläufigen Anspruchs war das Grundgesetz von Anfang an eine Verfassung.
Unterschied
Grundrechte schützen den Einzelnen; Staatsprinzipien bestimmen die staatliche Grundordnung.
Bindung
Gesetzgeber, Regierung, Verwaltung und Gerichte müssen die Grundrechte beachten.
Schutz
Das Bundesverfassungsgericht wacht über die Verfassung; die Ewigkeitsklausel schützt grundlegende Prinzipien vor Änderungen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: einen Regierungswechsel prüfen
- 1Eine Gruppe im Bundestag möchte die Bundesregierung durch ein Misstrauensvotum stürzen. Sie ist sich aber nicht einig, wer neuer Kanzler werden soll.
- 2Regel bestimmen: Ein konstruktives Misstrauensvotum verlangt die Wahl eines neuen Kanzlers.
- 3Auf den Fall anwenden: Die Ablehnung der bisherigen Regierung reicht deshalb nicht. Ein neuer Kanzler muss gewählt werden.
- 4Schutz erklären: Die Verbindung von Ablösung und Neuwahl soll für mehr Stabilität sorgen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum anfänglichen Status des Grundgesetzes In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt den vorläufigen Anspruch mit dem rechtlichen Status. Richtig: Das Grundgesetz war bereits von Anfang an eine Verfassung.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Von September 1948 bis Mai 1949 arbeitete der Parlamentarische Rat in am Grundgesetz. Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen steht in Artikel . Eine Verfassungsänderung benötigt im Bundesrat der Stimmen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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