Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Transformation Ostdeutschlands: Folgen und Deutungen
Du unterscheidest die Bereiche des Umbaus in Ostdeutschland, wägest Gewinne und Belastungen ab und prüfst unterschiedliche Bewertungen.
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Kurz gesagt
Die Transformation Ostdeutschlands war der Übergang von der Diktatur zur Demokratie, die staatliche Vereinigung und der wirtschaftliche Umbau. Neue Rechte und soziale Unterstützung standen Arbeitsplatzverlusten und Erfahrungen von Fremdbestimmung gegenüber.
Neue Freiheiten gewinnen und zugleich den Arbeitsplatz verlieren: Beides konnte beim Umbau Ostdeutschlands zusammenkommen. Deshalb reicht ein einzelnes Erfolgsurteil oder Misserfolgsurteil nicht aus. Du untersuchst, was sich veränderte und warum Menschen den Wandel unterschiedlich bewerten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die DDR war der ostdeutsche Staat vor der Vereinigung. Ihre Ordnung war eine Diktatur. Mit Transformation ist der grundlegende Umbau dieser Ordnung gemeint. Dabei kannst du drei eng verbundene Bereiche unterscheiden.
Politisch ging es um den Übergang zur Demokratie und zum Rechtsstaat. Staatlich ging es um die Vereinigung durch den Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990. Der staatliche Beitritt ist also von der Veränderung der politischen Ordnung zu unterscheiden.
Wirtschaftlich ging es um den Wechsel von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft und um neue Eigentumsverhältnisse. Die Frage, wem ein Betrieb gehörte, zählt damit zum wirtschaftlichen Umbau. Alle drei Veränderungen liefen eng verbunden ab. Die politische Einheit beweist jedoch noch keinen gleichmäßigen wirtschaftlichen Erfolg.
Definition
Transformation
Transformation bedeutet hier einen grundlegenden Umbau der politischen, staatlichen und wirtschaftlichen Ordnung.
| Bereich | Veränderung |
|---|---|
| Politisch | Von der Diktatur zu Demokratie und Rechtsstaat |
| Staatlich | Vereinigung durch den Beitritt zur Bundesrepublik |
| Wirtschaftlich | Von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft; neue Eigentumsverhältnisse |
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Der Autor Marcus Böick erklärt das hohe Tempo durch mehrere Entwicklungen: Nach der Grenzöffnung wanderten Menschen ab, der Druck zur Vereinigung nahm zu und das Wahlergebnis vom März 1990 unterstützte eine schnelle Einheit. Die Aussicht auf die D-Mark verstärkte diese Entwicklung. Der Zeitdruck verkleinerte den Spielraum für Entscheidungen. Er beweist aber nicht, dass es keinen anderen möglichen Weg gab.
Am 1. Juli 1990 trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft. Löhne und Gehälter wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt. Für Sparguthaben galt grundsätzlich 2:1 mit personenbezogenen Ausnahmen. Die D-Mark erleichterte den Kauf westlicher Waren. Betriebe mussten zugleich ihre Kosten in D-Mark erwirtschaften und sich rasch im offenen Wettbewerb behaupten.
Beim Institutionentransfer übernahm Ostdeutschland Regeln und Organisationen der Bundesrepublik. Nach den Autoren Grotz und Klausch erleichterte dies den Aufbau einer funktionsfähigen Verwaltung und rechtsstaatlicher Einrichtungen. Westliches Führungspersonal konnte jedoch Erfahrungen von Fremdbestimmung verstärken: Betroffene konnten den Eindruck gewinnen, dass andere über sie entschieden.
Die wirtschaftliche Anpassungskrise hatte mehrere Ursachen. Bereits vorhandene Schwächen der Betriebe, die Währungsumstellung, neue Konkurrenz und wegbrechende Absatzmärkte wirkten zusammen. Absatzmärkte sind Möglichkeiten, Waren an Käufer zu verkaufen. Böick betont zusätzlich das hohe Tempo der Privatisierung durch die Treuhandanstalt. Diese Organisation handelte im Auftrag der Politik und gestaltete den Umbau der Betriebe entscheidend mit. Privatisierung bedeutet, Betriebe in privates Eigentum zu überführen.
Definition
Institutionentransfer
Damit ist hier die Übernahme von Regeln und Organisationen der Bundesrepublik gemeint, etwa beim Aufbau der Verwaltung.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine neue Verwaltung
- 1Ein Mitarbeiter einer neu aufgebauten Verwaltung arbeitet mit übernommenen Regeln der Bundesrepublik.
- 2Das veranschaulicht den Institutionentransfer: Für die Arbeit werden bestehende Regeln übernommen.
- 3Die Übernahme solcher Regeln und die Frage, wer eine Führungsstelle erhält, sind unterschiedliche Seiten des Umbaus.
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Viele Ostdeutsche gewannen Reisefreiheit und erlebten einen steigenden Lebensstandard. Staatliche Geldleistungen unterstützten diese Entwicklung. Auch demokratische Rechte und stabil arbeitende Einrichtungen waren wichtige Gewinne. Dem standen Betriebsschließungen, Arbeitsplatzverluste und Unsicherheit gegenüber. Betriebsschließungen und Arbeitsplatzverluste lösten Proteste und Konflikte aus.
Finanzielle Hilfen, soziale Sicherung und Investitionen in die Infrastruktur federten Belastungen ab. Infrastruktur meint etwa Verkehrswege und andere Einrichtungen, die das tägliche Leben ermöglichen. Die Unterstützung beseitigte die Arbeitsplatzverluste aber nicht. Eine verbesserte Versorgung beweist deshalb nicht, dass die Beschäftigung gesichert war.
Mit Betrieben verschwanden auch Orte des sozialen Zusammenhalts. Arbeit war mit Freizeit, Freundschaften und Betreuung verbunden. Ein Arbeitsplatzverlust konnte deshalb weit mehr als das Einkommen betreffen. Erfahrungen waren jedoch unterschiedlich: Häufig erhielten jüngere Menschen neue Chancen zur Selbstentfaltung, während bei anderen negative Erfahrungen überwogen.
Auch Wirtschaftsbereiche entwickelten sich verschieden. In der ostdeutschen Landwirtschaft blieben die Großbetriebe trotz veränderter Rechtsformen überwiegend in ostdeutscher Hand. Gleichzeitig ging die Zahl der Beschäftigten stark zurück. Eigentum in ostdeutscher Hand bedeutete also nicht automatisch sichere Arbeitsplätze.
Für ein begründetes Urteil nennst du den Zeitraum, die betroffene Gruppe und deinen Maßstab. Ein Maßstab ist ein Kriterium, nach dem du etwas beurteilst, etwa Freiheit oder Beschäftigungssicherheit. Für die Zeit des Umbaus können demokratische Rechte als Gewinn zählen, während Beschäftigungssicherheit für Menschen mit Arbeitsplatzverlust schwer wiegende Belastungen sichtbar macht.
Merke: Gewonnene Rechte und verlorene Arbeitsplätze können zur selben Entwicklung gehören. Prüfe, für wen, in welchem Zeitraum und nach welchem Maßstab du urteilst.
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Marcus Böick stellt gegensätzliche Bewertungen gegenüber. Die Autorin Petra Köpping betont Enttäuschungen und kritisiert das schnelle Privatisieren zugunsten westlicher Interessen. Der Autor Norbert Pötzl hebt dagegen die schwierige wirtschaftliche Ausgangslage hervor und verteidigt den tiefgreifenden Umbau. Das sind zugeschriebene Bewertungen. Keine von ihnen beweist für sich eine einzige Ursache der Krise.
Um die Bewertungen zu prüfen, unterscheidest du zuerst ihre Schwerpunkte. Bei Köpping stehen Erfahrungen von Enttäuschung und die Frage im Vordergrund, wessen Interessen der Umbau diente. Bei Pötzl steht die wirtschaftliche Ausgangslage im Vordergrund. Du kannst daran unterschiedliche Maßstäbe anlegen: Wie viel eigene Gestaltungsmacht hatten Betroffene? Wie waren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu bewältigen?
Ein Maßstab ist ein Kriterium, nach dem du etwas beurteilst. Demokratische Rechte und stabile Einrichtungen machen wesentliche Gewinne sichtbar. Beschäftigungssicherheit und eigene Gestaltungsmacht zeigen erhebliche Belastungen. Die Wahl des Maßstabs beeinflusst deshalb das Urteil.
Für dein eigenes Urteil benennst du den Maßstab, prüfst passende Tatsachen und berücksichtigst Gegenargumente. Du musst keine der beiden Bewertungen vollständig übernehmen. Erkläre auch, auf welchen Zeitraum und welche Gruppe sich dein Urteil bezieht. Aus unterschiedlichen Erfahrungen darfst du keine pauschale Aussage über die heutigen Einstellungen aller Ostdeutschen machen.
| Bewertung | Schwerpunkt | Mögliche Prüffrage |
|---|---|---|
| Petra Köpping | Enttäuschungen und westliche Interessen | Wie viel eigene Gestaltungsmacht hatten Betroffene? |
| Norbert Pötzl | Schwierige wirtschaftliche Ausgangslage | Wie waren wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bewältigen? |
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Alles auf einen Blick
Transformation Ostdeutschland
Bereiche
Politischer Wandel, staatliche Vereinigung und wirtschaftlicher Umbau waren eng verbunden.
Tempo
Zeitdruck begrenzte den Entscheidungsspielraum, bewies aber keine Alternativlosigkeit.
Wirtschaftskrise
Betriebliche Schwächen, Währungsumstellung, neue Konkurrenz und wegbrechende Absatzmärkte wirkten zusammen.
Bilanz
Neue Rechte und Unterstützung standen Arbeitsplatzverlusten und Erfahrungen von Fremdbestimmung gegenüber.
Urteil
Zeitraum, betroffene Gruppe und Maßstab müssen erkennbar sein.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eigentum und Beschäftigung in der Landwirtschaft unterscheiden
- 1Aufgabe: Prüfe, ob ostdeutsches Eigentum in der Landwirtschaft sichere Arbeitsplätze bedeutete.
- 2Eigentum prüfen: Die landwirtschaftlichen Großbetriebe blieben trotz veränderter Rechtsformen überwiegend in ostdeutscher Hand.
- 3Beschäftigung prüfen: Zugleich ging die Zahl der Beschäftigten stark zurück.
- 4Urteil formulieren: Überwiegend ostdeutsches Eigentum und starke Beschäftigungsverluste kamen zusammen. Die Eigentumsverhältnisse allein belegen deshalb keine Beschäftigungssicherheit.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Währungsumstellung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überträgt den Kurs für Löhne auf Sparguthaben. Richtig: Für Sparguthaben galt grundsätzlich 2:1 mit personenbezogenen Ausnahmen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion trat am in Kraft. Beim Institutionentransfer übernahm Ostdeutschland Regeln und Organisationen der . Landwirtschaftliche Großbetriebe in Ostdeutschland blieben trotz veränderter Rechtsformen überwiegend in Hand.
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