Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Bundesrepublik Deutschland 1949–1990 erklärt
Du lernst, wie die Bundesrepublik entstand, worauf ihre Entwicklung beruhte und wie gesellschaftlicher Wandel und deutsche Einheit sie veränderten.
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Kurz gesagt
Die Bundesrepublik Deutschland entstand 1949 in den westlichen Besatzungszonen als demokratischer Staat. Grundgesetz, Westbindung und Soziale Marktwirtschaft prägten ihre Entwicklung. Mit der Einheit am 3. Oktober 1990 endete die deutsche Teilung.
Welche Rechte du hast, wie der Staat Menschen unterstützt und mit welchen Ländern er zusammenarbeitet, betrifft deinen Alltag. In der Bundesrepublik wurden diese Fragen nach dem Zweiten Weltkrieg neu geregelt. Du verfolgst ihren Weg von der Gründung über Reformen und Konflikte bis zur deutschen Einheit.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Nach der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945 stand Deutschland unter der Herrschaft der Besatzungsmächte. Frankreich, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Amerika, kurz USA, waren die drei westlichen Besatzungsmächte. Sie gaben 1948 den Anstoß zur Bildung eines westdeutschen Staates. Die westdeutschen Ministerpräsidenten wollten dagegen den vorläufigen Charakter betonen: Es sollte um eine Neuorganisation Deutschlands gehen.
Die unterschiedlichen neuen Währungen von 1948 trennten Deutschland in zwei Wirtschaftsräume. Die politische Teilung folgte 1949: Im Westen entstand die Bundesrepublik. Im Osten bestand die DDR, der ostdeutsche Staat von 1949 bis 1990.
Der Parlamentarische Rat war eine Versammlung, deren Mitglieder von den Landtagen gewählt wurden. Er erarbeitete ab September 1948 in Bonn das Grundgesetz, die Verfassung der Bundesrepublik. Die westlichen Militärgouverneure genehmigten es unter Vorbehalt ihrer Besatzungsrechte. Die Landtage entschieden über seine Annahme; eine direkte Volksabstimmung fand nicht statt. Der bayerische Landtag lehnte das Grundgesetz wegen aus seiner Sicht unzureichender Länderrechte ab. Bayern akzeptierte dennoch seine Gültigkeit auch für sich.
Das Grundgesetz wurde am 23. Mai 1949 verkündet und trat mit Ablauf dieses Tages, also mit Beginn des 24. Mai, in Kraft. Als Gründungstag gilt allgemein der 23. Mai. Bonn wurde zum vorläufigen Sitz von Parlament und Regierung bestimmt; Frankfurt am Main unterlag bei der Abstimmung. Am 14. August 1949 fand die erste Bundestagswahl statt. Damit begann der Aufbau der staatlichen Einrichtungen.
Definition
Grundgesetz
Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik. Es legt die grundlegende Ordnung des Staates fest.
Merke: Die Gründung verband den Anstoß der westlichen Besatzungsmächte mit der Ausarbeitung und Annahme des Grundgesetzes durch deutsche Versammlungen.
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Das Grundgesetz legte eine demokratische, soziale und rechtsstaatliche Republik fest. Rechtsstaatlich bedeutet: Staatliche Macht ist an Recht gebunden. Die Ordnung ist föderal: Der Gesamtstaat und die Länder teilen sich staatliche Aufgaben. Demokratie, Länderrechte und soziale Verantwortung gehörten damit zu den Grundlagen der Bundesrepublik.
Außenpolitisch setzte die Bundesrepublik auf Westbindung, also enge Zusammenarbeit mit westlichen Staaten. Im Mai 1955 trat sie der NATO bei, einem westlichen Militärbündnis. 1957 war sie Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, kurz EWG. Die Westbindung war umstritten: Kritiker befürchteten, dass sie die deutsche Teilung verfestigen würde. Am 5. Mai 1955 wurde das westliche Besatzungsstatut aufgehoben. Die Bundesrepublik wurde souverän, also staatlich selbstständig. Diese Selbstständigkeit blieb begrenzt: Die Besatzungsmächte behielten Rechte für Deutschland als Ganzes und Berlin.
Die Soziale Marktwirtschaft verbindet Wettbewerb mit sozialem Schutz. Unternehmen können privat besessen werden, Gewinne anstreben und am Markt miteinander konkurrieren. Preise bilden sich frei am Markt. Der Staat soll durch Regeln den Wettbewerb sichern und durch soziale Hilfen wirtschaftliche Not abfedern. Diese Hilfen ergänzen den Wettbewerb; sie ersetzen ihn nicht. Wie weit staatliche Eingriffe gehen sollen, bleibt umstritten.
Der wirtschaftliche Aufschwung der 1950er- und 1960er-Jahre heißt Wirtschaftswunder. Er brachte steigende Einkommen für breite Bevölkerungsschichten. 1962 war Vollbeschäftigung erreicht, also eine Lage, in der fast alle Arbeitssuchenden Arbeit fanden. Der Aufschwung war Teil eines weltweiten Nachkriegsbooms. Er lässt sich deshalb nicht allein mit deutscher Wirtschaftspolitik erklären.
Trotz des Aufschwungs blieb der Wohlstand sehr ungleich verteilt. Vor allem kinderreiche Familien, Arbeitslose und Rentner waren benachteiligt. Der Sozialstaat sollte solche Notlagen abmildern. Dazu gehörten etwa die Arbeitslosenhilfe von 1956 und die mit dem Bundessozialhilfegesetz 1961 eingeführte Sozialhilfe.
Definition
Sozialstaat
Ein Sozialstaat übernimmt Verantwortung für soziale Absicherung. Er unterstützt Menschen beispielsweise bei Arbeitslosigkeit oder wirtschaftlicher Not.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Wettbewerb und Schutz verbinden
- 1Zwei Unternehmen bieten ähnliche Waren an und werben mit ihren Preisen um Käufer.
- 2Der Staat setzt Regeln, die den Wettbewerb zwischen Unternehmen sichern sollen.
- 3Gerät jemand in wirtschaftliche Not und kann sich nicht selbst versorgen, soll das soziale Netz helfen.
- 4Das Beispiel verbindet Wettbewerb, staatliche Regeln und soziale Absicherung.
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Seit den 1960er-Jahren wurden gesellschaftliche Regeln und Autoritäten stärker hinterfragt. Besonders unter Studenten entstand Protest gegen den Vietnamkrieg, Probleme im Bildungswesen und das Schweigen über die NS-Vergangenheit, also die Vergangenheit des Nationalsozialismus. Auch die Notstandsgesetze waren umstritten. Sie regelten staatliche Befugnisse bei Katastrophen und Bedrohungen des Staates und ermöglichten Einschränkungen von Grundrechten. Es entstand eine außerparlamentarische Opposition: Menschen organisierten Protest außerhalb des Parlaments.
Zwischen 1969 und 1982 wurden zahlreiche Reformen umgesetzt. Das Ehe- und Familienrecht wurde stärker auf Gleichberechtigung ausgerichtet, die Scheidung vereinfacht. Das Volljährigkeitsalter sank von 21 auf 18 Jahre. Die staatlichen Bildungsausgaben wuchsen. Das 1971 eingeführte BAföG, eine staatliche Unterstützung für Ausbildung und Studium, sollte finanziell Schwachen helfen. Eine umfassende Bildungsreform scheiterte jedoch auch daran, dass Bildung in die Zuständigkeit der Länder fiel.
Die Wirtschaft veränderte sich ebenfalls. 1962 war Vollbeschäftigung erreicht. Seit 1965 gab es weniger Industriearbeiter, während Dienstleistungen an Bedeutung gewannen. Ab 1966 geriet die Bundesrepublik in eine Rezession, also einen wirtschaftlichen Abschwung, mit erhöhter Arbeitslosigkeit. Die Ölkrise von 1973 brachte starke Preissteigerungen bei Erdöl und leitete eine längere Wirtschaftskrise ein. Seit den 1970er-Jahren blieb ein dauerhafter Bestand an Arbeitslosigkeit bestehen.
Auch politische Gewalt prägte die Zeit. Mitglieder der linksterroristischen Gruppe RAF entführten 1977 den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und ermordeten ihn später. Terrorismus bezeichnet hier politische Gewalt, mit der Täter Menschen einschüchtern und den Staat unter Druck setzen wollen. Gegen Ende der 1970er-Jahre wurden im Zusammenhang mit dem RAF-Terrorismus staatliche Ermittlungsmaßnahmen verschärft.
In den 1970er- und 1980er-Jahren gewannen Friedens-, Umwelt- und Frauenbewegungen an Bedeutung. Aus der Umweltbewegung entstand die Partei Die Grünen. Sie zog 1983 erstmals in den Bundestag ein. Nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl 1986 wurde Kernenergie in Teilen der Bevölkerung besonders kritisch gesehen.
1982 wechselte die Regierung: Der Bundestag wählte Helmut Kohl zum Bundeskanzler und löste damit Bundeskanzler Helmut Schmidt ab. Gesellschaftlicher Wandel bedeutete somit nicht nur neue Einstellungen, sondern auch Reformen, Konflikte und Veränderungen der politischen Macht.
| Bereich | Veränderung |
|---|---|
| Recht und Alltag | Mehr Gleichberechtigung im Familienrecht; Volljährigkeit ab 18 statt 21 Jahren |
| Wirtschaft | Wachsende Bedeutung von Dienstleistungen und anhaltende Arbeitslosigkeit seit den 1970er-Jahren |
| Politische Beteiligung | Friedens-, Umwelt- und Frauenbewegungen machten neue Forderungen öffentlich. |
Merke: Mehr persönliche Freiheit und neue Beteiligungsmöglichkeiten gingen mit wirtschaftlichen Problemen und politischen Konflikten einher.
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Die Teilung von 1949 wurde durch den Mauerbau gefestigt. Am 13. August 1961 ließ die DDR-Regierung die Grenze zu den Westsektoren Berlins mit einer Mauer abriegeln. Sie wollte damit die Flucht aus der DDR in die Bundesrepublik stoppen.
Bundeskanzler Willy Brandt suchte mit seiner neuen Ostpolitik die Annäherung an die DDR und weitere östliche Staaten. Verträge sollten die Beziehungen normalisieren und Spannungen verringern. 1970 traf Brandt den DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph in Erfurt und anschließend in Kassel. 1973 wurden beide deutschen Staaten in die Vereinten Nationen aufgenommen, die internationale Organisation zur Zusammenarbeit von Staaten. Annäherung bedeutete zu dieser Zeit noch keine staatliche Einheit.
In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre verbesserten sich die Beziehungen zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion. Der sowjetische Staatsführer Michail Gorbatschow betrieb Reformen und erklärte, dass die Sowjetunion nicht mehr in andere Staaten eingreifen werde. Das ermutigte DDR-Bürger zu Protesten. Die DDR-Führung verweigerte vergleichbare Reformen. 1989 setzten Fluchtbewegungen und Massendemonstrationen sie unter Druck. Die Friedliche Revolution bezeichnet diese Bewegung für politische Veränderungen. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet.
Die Maueröffnung war noch nicht die staatliche Einheit. Anfang 1990 begannen darüber Gespräche zwischen den beiden deutschen Regierungen. Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion trat am 1. Juli 1990 in Kraft. Ihr Vertrag bestimmte die Soziale Marktwirtschaft als gemeinsame Wirtschaftsordnung.
Im September 1990 stimmten die vier ehemaligen Besatzungsmächte mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag dem vereinten Deutschland zu. Es erhielt die volle staatliche Souveränität. Am 3. Oktober 1990 erfolgte die Wiedervereinigung; die DDR hörte als eigener Staat auf zu bestehen. Frühere DDR-Bürger mussten sich in der demokratischen Ordnung und Marktwirtschaft der Bundesrepublik neu orientieren. Zur Einheit gehörten also Proteste und Veränderungen in der DDR ebenso wie Verhandlungen zwischen Staaten.
| Zeitpunkt | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 9. November 1989 | Öffnung der Berliner Mauer | Die Mauer wurde geöffnet; zwei deutsche Staaten bestanden weiter. |
| 1. Juli 1990 | Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion tritt in Kraft | Ein wichtiger Schritt zur gemeinsamen Wirtschaftsordnung |
| September 1990 | Zwei-plus-Vier-Vertrag | Zustimmung der vier Mächte und volle Souveränität für das vereinte Deutschland |
| 3. Oktober 1990 | Deutsche Einheit | Die DDR endet als eigener Staat. |
Merke: Unterscheide Annäherung zwischen zwei Staaten, die Öffnung der Mauer und die spätere staatliche Einheit.
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Alles auf einen Blick
Bundesrepublik Deutschland
Gründung
Westliche Besatzungsmächte gaben den Anstoß; deutsche Versammlungen erarbeiteten und verabschiedeten das Grundgesetz.
Staatsordnung
Demokratie, Rechtsstaat, soziale Verantwortung und Länderrechte bildeten die verfassungsrechtlichen Grundlagen.
Westbindung
Die Bundesrepublik arbeitete eng mit westlichen Staaten zusammen; Kritiker fürchteten eine Verfestigung der Teilung.
Wirtschaft und Gesellschaft
Wettbewerb und sozialer Schutz wirkten zusammen, doch der Aufschwung beseitigte soziale Unterschiede nicht.
Wandel
Reformen und neue Bewegungen veränderten die Gesellschaft; Wirtschaftskrisen und Terrorismus brachten Konflikte.
Einheit
Proteste in der DDR, internationale Veränderungen und Verhandlungen führten 1990 zur staatlichen Vereinigung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Westbindung als umstrittene Entscheidung erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Aufnahme der Bundesrepublik in die NATO nicht von allen begrüßt wurde.
- 2Maßnahme einordnen: Die Mitgliedschaft in einem westlichen Militärbündnis vertiefte die Westbindung.
- 3Kritik benennen: Gegner dieser Richtung befürchteten, dass sich die deutsche Teilung dadurch verfestigen würde.
- 4Aussage prüfen: Diese Befürchtung ist die Sicht der Kritiker. Sie beweist nicht, dass der Beitritt allein die Teilung verursachte.
- 5Ergebnis formulieren: Die Westbindung verband engere Zusammenarbeit mit westlichen Staaten mit einem Streit über die Zukunft der deutschen Einheit.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Umweltbewegung und Grünen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verschiebt den ersten Bundestagseinzug in die Zeit des Wirtschaftswunders. Richtig: Die Grünen zogen 1983 erstmals in den Bundestag ein.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei der Abstimmung über den vorläufigen Sitz von Parlament und Regierung im Mai 1949 setzte sich durch. Im Mai 1955 trat die Bundesrepublik der bei. Bei den Reformen zwischen 1969 und 1982 wurde das Volljährigkeitsalter auf Jahre festgelegt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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