Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
BRD und DDR im Vergleich: Unterschiede erklärt
Du vergleichst Entstehung, Politik, Wirtschaft und Alltag der beiden deutschen Staaten und ordnest die Schritte bis zur deutschen Einheit ein.
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Kurz gesagt
Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) war eine Demokratie mit sozialer Marktwirtschaft. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war bis 1989 eine Diktatur der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) mit Planwirtschaft. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei.
Eine Wahl treffen, eine Wohnung suchen oder eine Reise planen: Solche Entscheidungen hängen auch vom politischen System ab. Zwischen 1949 und 1990 bestanden zwei deutsche Staaten mit unterschiedlichen Ordnungen. Du vergleichst sie nach gleichen Kriterien und unterscheidest dabei politische Rechte von persönlichen Alltagserfahrungen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Nach Deutschlands Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945 bestimmten die Besatzungsmächte über das Land. Die westlichen Besatzungszonen standen unter der Herrschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritanniens und Frankreichs. Diese drei Mächte werden hier Westalliierte genannt. Die östliche Besatzungszone unterstand der Sowjetunion, einem kommunistisch regierten Staat.
Die Westalliierten und die Sowjetunion fanden keinen gemeinsamen politischen Weg für Deutschland. Im Dezember 1947 scheiterte eine Außenministerkonferenz in London. Danach berieten die Westalliierten mit weiteren Staaten über einen westdeutschen Staat. Auch wirtschaftlich verlief die Entwicklung getrennt: Im Juni 1948 wurde im Westen die D-Mark eingeführt. Wenige Tage später folgte in der sowjetischen Besatzungszone und Berlin die DM-Ost. Diese Währungsreformen trennten Deutschland in zwei Wirtschaftsräume.
Auf Veranlassung der Westalliierten entstand in den westlichen Besatzungszonen die Bundesrepublik. Eine Versammlung, der Parlamentarische Rat, arbeitete dafür das Grundgesetz aus. Es ist die Verfassung der Bundesrepublik. Als Gründungstag gilt allgemein der 23. Mai 1949; das Grundgesetz trat mit Ablauf dieses Tages in Kraft.
Am 7. Oktober 1949 entstand aus der sowjetischen Besatzungszone die DDR. Auf Betreiben der sowjetischen Militärregierung errichtete die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, kurz SED, dort eine Diktatur. Die beiden Staatsgründungen gehörten somit zur politischen und wirtschaftlichen Trennung zwischen den Besatzungsgebieten. Die Westalliierten veranlassten den westdeutschen Staat, die Sowjetunion unterstützte die SED-Herrschaft im Osten.
Definition
Besatzungszone
Eine Besatzungszone war ein Gebiet Deutschlands, in dem nach dem Krieg eine Besatzungsmacht die Herrschaft ausübte.
Merke: Unterscheide die längerfristige politische Trennung, die wirtschaftliche Spaltung 1948 und die Gründung zweier Staaten 1949.
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Ein fairer Vergleich stellt an beide Staaten dieselben Fragen: Wer übte Macht aus? Welche Wahlmöglichkeiten gab es? Wie wurde die Wirtschaft organisiert? Welche soziale Absicherung bestand?
Die Bundesrepublik war eine demokratische und rechtsstaatliche Republik. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 konkurrierten mehrere Parteien; elf Parteien zogen in den Bundestag, das gewählte Parlament, ein. In der DDR lag das tatsächliche Machtzentrum dagegen bei der SED-Führung. Weitere Parteien bestanden, mussten sich aber der SED unterordnen. Bei den DDR-Wahlen vor 1990 gab es eine Einheitsliste. Einzelne Parteien oder Personen konnten nicht ausgewählt werden. Mehrere Parteinamen bedeuteten hier also keinen freien Wettbewerb um die Macht.
Die Bundesrepublik hatte eine rechtsstaatliche Ordnung. In der DDR fehlte dagegen eine Gewaltenteilung, die sich auf unabhängige Gerichte stützte. Auch das Rechtssystem stand unter dem Führungsanspruch der SED. Staatliche Zensur kontrollierte Veröffentlichungen: Zeitungen, Rundfunk, Bücher und Kunst durften von der vorgegebenen politischen Linie nicht frei abweichen. Politisch Andersdenkende wurden unterdrückt.
In der Bundesrepublik bestand die soziale Marktwirtschaft. Zur wirtschaftlichen Entwicklung kamen staatliche Maßnahmen der sozialen Absicherung. Die DDR hatte eine Planwirtschaft: Staatliche Fünfjahrespläne bestimmten Produktion und Verteilung. Löhne und Preise legte in der Regel der Staat fest. Zur DDR-Wirtschaft gehörten Arbeitsplatzsicherheit und eine deutlich geringere Wirtschaftsleistung je eingesetzter Arbeit als in der damaligen Bundesrepublik. In der Bundesrepublik brachte der Aufschwung der 1950er- und 1960er-Jahre steigende Einkommen für breite Bevölkerungsschichten. Wohlstand blieb jedoch sehr ungleich verteilt. Ab den 1970er-Jahren blieb ein Teil der Arbeitslosigkeit dauerhaft bestehen.
| Kriterium | Bundesrepublik | DDR unter der SED |
|---|---|---|
| Politische Macht | Demokratische und rechtsstaatliche Ordnung | Diktatur mit der SED-Führung als Machtzentrum |
| Wahlen | Mehrere Parteien im Wettbewerb | Vor 1990 Einheitsliste ohne Auswahl einzelner Parteien oder Personen |
| Wirtschaft | Soziale Marktwirtschaft | Staatliche Planung von Produktion und Verteilung |
| Arbeit | Aufschwung, später dauerhaft bestehende Arbeitslosigkeit | Arbeitsplatzsicherheit bei geringerer Wirtschaftsleistung je eingesetzter Arbeit |
Merke: Vergleiche politische Rechte und soziale Absicherung getrennt. Arbeitsplatzsicherheit machte die SED-Diktatur nicht zu einer Demokratie.
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In der DDR überwachte das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi, die Gesellschaft und bekämpfte politische Gegner. Die Staatsführung beschränkte auch Reisen, um die Abwanderung vor allem qualifizierter Arbeitskräfte zu verhindern. Bis zur Wende 1989 verweigerte sie der Mehrheit freie Reisen sowohl in das westliche als auch in das sozialistische Ausland. Mit sozialistischem Ausland sind hier andere kommunistisch regierte Staaten gemeint. Auch Reisen dorthin brauchten eine Genehmigung. Die meisten Urlauber blieben innerhalb der DDR.
Die Grenzen wurden mit Sperranlagen und bewaffneten Kräften gesichert. DDR-Grenzsoldaten schossen gezielt auf Menschen, die fliehen wollten. An der innerdeutschen Grenze wurden durch das Sperrsystem mehrere hundert Flüchtlinge getötet. Diese Grenze trennte die beiden deutschen Staaten.
Die Wirtschaft wirkte bis in den Einkauf und die Wohnungssuche hinein. In der DDR waren lebensnotwendige Waren meist ausreichend vorhanden. Manche Waren, vor allem Importartikel, blieben jedoch knapp. Die Auswahl war wesentlich kleiner als in der damaligen Bundesrepublik. Der Staat hielt hauptsächlich Dinge des täglichen Bedarfs durch finanzielle Zuschüsse günstig. Wohnungen wurden staatlich zugeteilt. Dabei spielten unter anderem Kinderzahl, soziale Stellung sowie Mitgliedschaft und Position in der SED eine Rolle.
Kinderbetreuung förderte in der DDR die Berufstätigkeit von Frauen. Bis 1989 waren nahezu 92 Prozent der Frauen in das Erwerbsleben eingebunden. Damit war der Anteil berufstätiger Frauen deutlich höher als in der Bundesrepublik. Frauen blieben in Leitungspositionen allerdings deutlich unterrepräsentiert. In der Bundesrepublik sollte soziale Absicherung Benachteiligungen verringern. Die 1957 eingeführte dynamische Rente passte Renteneinkommen an die allgemeine Einkommensentwicklung an. Sie sollte Rentner am Aufschwung beteiligen und Altersarmut bekämpfen.
Persönliche Erfahrungen waren nicht bei allen Menschen gleich. Der Homepage-Text des DDR-Museums Berlin betont, dass Menschen auch unter der Diktatur Glück in Familie, Bildung und Arbeit erleben konnten. Solche Erfahrungen ändern nichts an der politischen Unterdrückung. Umgekehrt bedeutete der wachsende Wohlstand in der Bundesrepublik nicht, dass alle Menschen gleich gut lebten.
Beispiel: Wohnungssuche in der DDR
- 1Wohnungen wurden vom Staat zugeteilt.
- 2Unter anderem beeinflussten Kinderzahl und Stellung in der SED die Zuteilung.
- 3Vor allem unverheiratete Erwachsene ohne Kinder hatten Schwierigkeiten, eine eigene Wohnung zu erhalten.
Merke: Ein glückliches Familienleben beweist keine politische Freiheit. Prüfe Alltagserfahrungen und politische Rechte jeweils für sich.
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Nach den Staatsgründungen 1949 verfestigte sich die Teilung. Massenhaft verließen Menschen die DDR, darunter überdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen. Das bedrohte den Staat. Mit Unterstützung der sowjetischen Führung begannen bewaffnete DDR-Kräfte in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961, die Grenze rings um West-Berlin abzusperren. Daraus entstand die Berliner Mauer. Sie dämmte die Abwanderung drastisch ein.
Später bemühten sich die beiden Staaten um Verständigung. Im Grundlagenvertrag vom 21. Dezember 1972 erkannten sie ihre Existenz auf der Grundlage eines friedlichen Nebeneinanders gegenseitig an. Das war eine Regelung zwischen zwei weiter bestehenden Staaten. 1973 wurden beide Mitglieder der Vereinten Nationen, einer internationalen Organisation, die auch UNO genannt wird.
Die friedliche Revolution im Herbst 1989 beendete die SED-Diktatur. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Die Maueröffnung war noch nicht die staatliche Einheit. Am 18. März 1990 fand eine freie Volkskammerwahl statt; die Volkskammer war das Parlament der DDR. Die neue Regierung verfolgte den Beitritt zur Bundesrepublik.
Am 1. Juli 1990 trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft. Sie verband beide Staaten in diesen Bereichen. Der Einigungsvertrag regelte die Vereinigung. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag mit den früheren Siegermächten schuf eine außenpolitische Voraussetzung dafür. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei und hörte auf, als eigener Staat zu bestehen.
Die staatliche Einheit beseitigte nicht sofort die Unterschiede im Alltag. Ehemalige DDR-Bürger mussten sich in einer demokratischen Ordnung und einer Marktwirtschaft neu orientieren. Unmittelbar nach der Wende gingen viele Arbeitsplätze verloren. Sozialleistungen wie der Anspruch auf einen Kinderkrippenplatz wurden abgebaut. Bei zahlreichen Menschen wuchs die Enttäuschung über unerfüllte Hoffnungen. Politische Freiheit und soziale Verluste konnten also gleichzeitig zum neuen Leben gehören.
| Zeit | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| August 1961 | Beginn des Mauerbaus | Die Abwanderung aus der DDR wurde drastisch eingedämmt. |
| 21. Dezember 1972 | Grundlagenvertrag | Gegenseitige Anerkennung eines friedlichen Nebeneinanders |
| 9. November 1989 | Maueröffnung | Die Grenze in Berlin wurde geöffnet; zwei Staaten bestanden weiter. |
| 18. März 1990 | Freie Volkskammerwahl | Die neue DDR-Regierung verfolgte den Beitritt zur Bundesrepublik. |
| 1. Juli 1990 | Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion | Verbindung beider Staaten in diesen Bereichen |
| 3. Oktober 1990 | Deutsche Einheit | Die DDR trat der Bundesrepublik bei und endete als eigener Staat. |
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Alles auf einen Blick
BRD und DDR Vergleich
Entstehung
Getrennte politische Wege der Besatzungsmächte und die wirtschaftliche Spaltung gingen den Staatsgründungen 1949 voraus.
Politik
Die Bundesrepublik war eine Demokratie; in der DDR bestimmte bis 1989 die SED-Diktatur das politische Leben.
Wirtschaft
In der Bundesrepublik bestand die soziale Marktwirtschaft, in der DDR eine staatliche Planwirtschaft.
Alltag
In der DDR gab es Arbeitsplatzsicherheit und Kinderbetreuung, aber auch Überwachung und Reisebeschränkungen. Die Warenauswahl war geringer als in der damaligen Bundesrepublik.
Einheit
Auf die Maueröffnung 1989 folgte am 3. Oktober 1990 der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik.
Folgen
Die demokratische Ordnung brachte neue politische Freiheiten; zugleich verloren viele Menschen nach der Wende ihren Arbeitsplatz.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die dynamische Rente als soziale Absicherung erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die 1957 eingeführte dynamische Rente zur sozialen Absicherung in der Bundesrepublik gehörte.
- 2Ausgangslage bestimmen: Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs war Wohlstand sehr ungleich verteilt. Rentner gehörten zu den benachteiligten Gruppen.
- 3Maßnahme erklären: Die Renteneinkommen wurden an die allgemeine Einkommensentwicklung angepasst.
- 4Ziel nennen: Rentner sollten am Aufschwung teilhaben; zugleich sollte Altersarmut bekämpft werden.
- 5Ergebnis formulieren: Die Maßnahme zeigt, wie der Staat soziale Nachteile verringern wollte. Ihr Ziel beweist aber nicht, dass Altersarmut damit vollständig beseitigt war.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Parteien in der DDR In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Aussage verwechselt das Bestehen mehrerer Parteien mit einer freien Auswahl. Richtig: Einzelne Parteien konnten bei DDR-Wahlen vor 1990 nicht ausgewählt werden.
Lückentext
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Die DDR wurde am gegründet. Die Absperrung der Grenze rings um West-Berlin begann im August . Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion trat am in Kraft.
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