Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Stasi: Aufbau, Methoden und Folgen der Überwachung
Du lernst, wie die Stasi die SED-Herrschaft sicherte, Menschen überwachte und unter Druck setzte und warum gerettete Akten heute wichtig sind.
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Kurz gesagt
Die Stasi war das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, des ostdeutschen Staates. Sie sicherte durch Überwachung und Unterdrückung die Macht der SED, der herrschenden Partei. Bürger trugen 1989/90 zu ihrem Ende bei und retteten Akten zur Untersuchung ihrer Tätigkeit.
Wer erfährt, was du am Telefon sagst oder Freunden anvertraust? In der DDR, dem ostdeutschen Staat, sammelte die Stasi heimlich persönliche Informationen und ging gegen Menschen vor. Du untersuchst ihre Methoden, die Verantwortung der SED als herrschender Partei und die Folgen für die Freiheit.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi, wurde 1950 gegründet. Es sollte die Herrschaft der SED sichern. Die Stasi verband mehrere Aufgaben: Als politische Geheimpolizei verfolgte sie Gegner der Herrschaft. Sie führte Ermittlungen durch und arbeitete als Nachrichtendienst, sammelte also auch verdeckt Informationen.
Die DDR war eine Diktatur. Die Stasi gehörte zu ihren Machtmitteln. Formal war das Ministerium der Regierung unterstellt. Seine Handlungsanweisungen kamen jedoch von der SED-Führung. Deshalb lässt sich die Verantwortung für die Überwachung nicht auf die Stasi allein begrenzen.
Die Stasi wurde weder von einem frei gewählten Parlament noch von einer freien Presse kontrolliert. Anweisungen der herrschenden Partei waren etwas anderes als unabhängige Kontrolle: Die SED setzte den Apparat zur Sicherung ihrer eigenen Herrschaft ein.
Definition
Politische Geheimpolizei
Eine Polizei, die verdeckt gegen Menschen vorgeht, die als politische Gegner gelten. Die Stasi erfüllte diese Aufgabe im Dienst der SED-Herrschaft.
Merke: Die Stasi war ein Machtinstrument der SED. Die Parteiführung gab ihr Anweisungen; eine unabhängige öffentliche Kontrolle fehlte.
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Die Stasi war zentral und militärisch organisiert. Zu ihrem Aufbau gehörten eine Zentrale in Berlin sowie Dienststellen in Bezirken und Kreisen. Hauptamtliche arbeiteten beruflich für die Stasi. Inoffizielle Mitarbeiter, kurz IM, lieferten verdeckt Informationen aus ihrem Umfeld. Ihre Motive unterschieden sich. Nicht jeder DDR-Bürger war IM.
Hauptamtliche warben IM an, leiteten sie an und werteten ihre Berichte aus. Sie überwachten auch Post, Telefonate und Gespräche. Von IM sind Auskunftspersonen zu unterscheiden: Diese wussten nicht, dass sie der Stasi Informationen gaben. Stasi-Mitarbeiter täuschten bei Befragungen etwa vor, Gasableser zu sein. IM wussten dagegen in der Regel, mit wem sie zusammenarbeiteten.
Zur Repression, also zur Unterdrückung von Menschen, gehörten Verhaftungen, Verhöre und Haft. In den 1950er Jahren folterten Stasi-Mitarbeiter Gefangene körperlich. Später gewann verdeckte Zersetzung an Gewicht. Damit wollte die Stasi Menschen und oppositionelle Gruppen, also Gruppen gegen die herrschende Politik, isolieren und handlungsunfähig machen. Die Richtlinie 1/76 sah vor, ihren Ruf mit wahren und erfundenen Angaben zu schädigen und berufliche Misserfolge zu organisieren.
Die Methoden veränderten sich im Laufe der Zeit. Nicht jede Person erlebte dieselbe Überwachung. Menschen konnten etwa wegen eines Ausreiseantrags oder wegen eines von der erwarteten Lebensweise abweichenden Verhaltens ins Visier geraten.
Beispiel: Der Aufbau von der Zentrale bis zum Kreis
- 1Die Berliner Zentrale stand über den Bezirksverwaltungen.
- 2Die Bezirksverwaltungen leiteten die ihnen unterstellten Kreisdienststellen an.
- 3So verband der Aufbau zentrale Anweisungen mit Dienststellen vor Ort.
Definition
Zersetzung
Verdeckte Angriffe, mit denen die Stasi Menschen und oppositionelle Gruppen isolieren und handlungsunfähig machen wollte. Dazu gehörten Rufschädigung und organisierte berufliche Misserfolge.
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Um die Folgen zu beurteilen, kannst du nach Privatheit, freier Meinungsäußerung und gemeinsamen Aktivitäten fragen. Heimlich gesammelte persönliche Informationen griffen in die Privatheit ein: Die Stasi erfuhr Dinge, die Menschen ihr nicht freiwillig mitgeteilt hatten. Drohende Nachteile konnten Menschen davon abhalten, ihre Meinung offen zu sagen oder sich mit anderen zu treffen. Das bedeutet nicht, dass alle Menschen gleich reagierten.
Zersetzung griff auch Beziehungen und Handlungsmöglichkeiten an. Wenn die Stasi Misstrauen erzeugte, konnte sie Freundschaften und Gruppen zerstören. Rufschädigung und organisierte berufliche Misserfolge sollten Menschen isolieren und schwächen. Für Betroffene war häufig schwer zu erkennen, dass die Stasi hinter solchen Angriffen stand.
Die Kontrolle durch ein frei gewähltes Parlament und eine freie Presse fehlte. Ohne unabhängige öffentliche Kontrolle konnten Betroffene den Machtapparat nur schwer zur Verantwortung ziehen. Ein begründetes Urteil lautet deshalb: Die Verbindung aus heimlicher Überwachung, gezielten Angriffen und fehlender Kontrolle schränkte die Freiheit ein. Dieses Urteil erklärt mögliche Wirkungen der Methoden; es behauptet keine gleiche Erfahrung für jeden DDR-Bürger.
Merke: Begründe dein Urteil mit einer Methode und ihrer möglichen Wirkung. Unterscheide dabei das Ziel der Stasi von dem, was sie bei einzelnen Menschen tatsächlich erreichte.
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Ab Dezember 1989 besetzten Bürger Stasi-Dienststellen und verhinderten weitere Aktenvernichtung. Am 15. Januar 1990 wurde die Berliner Zentrale besetzt. Bürgerwachen und Bürgerkomitees wirkten an der erzwungenen Auflösung mit. Die Stasi endete 1989/90. Die Menschen waren also nicht nur Gegenstand der Überwachung: Bürger handelten selbst gegen den Apparat und retteten Unterlagen.
Nicht alle Akten blieben erhalten. Für die Auslandsaufklärung, also die Beschaffung geheimer Informationen im Ausland, wurde im Februar 1990 die Vernichtung fast aller Akten und Datenträger beschlossen. Gerettete Unterlagen ermöglichten später, Überwachung zu rekonstruieren, also ihre Abläufe nachzuvollziehen.
Das Stasi-Unterlagen-Gesetz trat am 29. Dezember 1991 in Kraft. Erste Bürger sahen am 2. Januar 1992 ihre Akten ein. Die Unterlagen dienen persönlicher Aufarbeitung, Forschung und politischer Bildung. Sie können auch bei der Rehabilitation helfen, also dabei, erlittenes Unrecht anerkennen und ungerechtfertigte Beschuldigungen ausräumen zu lassen. Beim Zugang müssen zugleich Persönlichkeitsrechte berücksichtigt werden: Persönliche Informationen dürfen nicht beliebig offengelegt werden.
Ein Stasi-Bericht zeigt den Blick des Überwachungsapparats. Eine Beschuldigung darin ist nicht schon deshalb wahr, weil sie in einer Akte steht. Auch ein einzelner Eintrag als IM beweist nicht in jedem Fall eine tatsächliche Mitarbeit. Für ein begründetes Urteil müssen Einträge kritisch geprüft und mit weiteren Unterlagen zusammen betrachtet werden.
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| Ab Dezember 1989 | Bürger besetzten Dienststellen und verhinderten weitere Aktenvernichtung. |
| 15. Januar 1990 | Die Berliner Zentrale wurde besetzt. |
| 29. Dezember 1991 | Das Stasi-Unterlagen-Gesetz trat in Kraft. |
| 2. Januar 1992 | Erste Bürger sahen ihre Akten ein. |
Merke: Gerettete Akten ermöglichen Aufarbeitung. Ihre Angaben müssen kritisch geprüft und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen geschützt werden.
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Alles auf einen Blick
Stasi
Funktion
Die Stasi sicherte die SED-Herrschaft und erhielt Anweisungen von der Parteiführung.
Mitarbeiter
Hauptamtliche arbeiteten beruflich für die Stasi; IM lieferten verdeckt Informationen aus ihrem Umfeld.
Methoden
Überwachung, Verhaftungen, Verhöre und Haft gehörten zur Unterdrückung; später gewann Zersetzung an Gewicht.
Freiheit
Heimliche Informationssammlung verletzte Privatheit. Drohende Nachteile konnten offene Meinungsäußerung und Zusammenkünfte hemmen.
Aufarbeitung
Bürger retteten Akten. Diese helfen, Überwachung nachzuvollziehen, müssen aber kritisch gelesen werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Rufschädigung als Angriff auf Freiheit beurteilen
- 1Aufgabe: Erkläre, wie Rufschädigung als Mittel der Zersetzung gemeinsame Aktivitäten beeinträchtigen konnte.
- 2Methode bestimmen: Die Stasi sah vor, den Ruf von Menschen mit wahren und erfundenen Angaben zu schädigen.
- 3Mögliche Wirkung erklären: Dadurch erzeugtes Misstrauen konnte Freundschaften und Gruppen zerstören.
- 4Urteil begründen: Wer anderen misstraute, konnte gemeinsame Aktivitäten schwerer fortsetzen. So konnte Zersetzung die Freiheit einschränken.
- 5Grenze nennen: Das war ein angestrebter und möglicher Effekt. Damit ist nicht bewiesen, dass jeder Angriff dieses Ziel erreichte.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Aktenrettung und Aktenzugang In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage setzt das Gesetz zu früh an. Richtig: Das Stasi-Unterlagen-Gesetz trat am 29. Dezember 1991 in Kraft.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Ministerium für Staatssicherheit wurde gegründet. Die Berliner Zentrale wurde am besetzt. Erste Bürger sahen am ihre Akten ein.
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