Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Staatsreligion: Bedeutung und Geschichte
Du lernst, was eine Staatsreligion kennzeichnet und wie sich die Stellung des Christentums im Römischen Reich schrittweise veränderte.
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Kurz gesagt
Eine Staatsreligion wird vom Staat als seine Religion anerkannt oder deutlich bevorzugt. Der Glaube der Mehrheit reicht dafür nicht aus. Im Römischen Reich wurde 380 eine bestimmte christliche Glaubensrichtung vorgeschrieben: ein entscheidender Schritt zur Staatsreligion.
Darfst du eine Religion ausüben, oder schreibt der Staat einen bestimmten Glauben vor? Das ist ein großer Unterschied. Du untersuchst dazu das Christentum im Römischen Reich, dem von römischen Kaisern regierten Reich. Dabei lernst du, Erlaubnis und staatliche Bevorzugung zu unterscheiden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Staatsreligion hat eine besondere offizielle Stellung. Der Staat erkennt sie als seine Religion an oder bevorzugt sie deutlich. Entscheidend sind also staatliche Regeln und Bindungen.
Die Zahl der Gläubigen allein sagt darüber nichts aus. Auch wenn die Mehrheit der Menschen dieselbe Religion hat, ist diese deshalb noch keine Staatsreligion. Mit der Stellung als Staatsreligion ist zumeist auch eine finanzielle Bevorzugung verbunden: Die betreffende Religionsgemeinschaft erhält besondere Unterstützung mit Geld.
Definition
Staatsreligion
Eine Religion, die der Staat als seine Religion anerkennt oder deutlich bevorzugt.
Merke: Frage nach den staatlichen Regeln, nicht nur nach der Zahl der Gläubigen.
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Staatliche Religionsbindung bedeutet: Der Staat ist mit einer Religion verbunden. Diese Verbindung kann unterschiedlich eng sein. Er kann einer Religion besondere Anerkennung geben. Auch Ämter und Aufgaben von Staat und Kirche können miteinander verbunden sein. Noch weiter geht eine Verbindung, bei der religiöse und politische Herrschaft weitgehend zusammengehören. Die Leitung der Religion und die Herrschaft im Staat sind dann eng miteinander verbunden.
Davon musst du die Trennung von Staat und Religion sowie die Zusammenarbeit mit Religionsgemeinschaften unterscheiden. Zusammenarbeit allein begründet noch keine Staatsreligion.
Eine Staatsreligion bedeutet auch nicht zwingend, dass Menschen andere Religionen nicht ausüben dürfen. Eine geringe Form staatlicher Bevorzugung kann mit uneingeschränkter persönlicher Religionsfreiheit verbunden sein. Das heißt: Der einzelne Mensch darf seinen Glauben frei wählen und ausüben. Ein Beispiel ist das Vereinigte Königreich, allerdings nur sein Landesteil England.
| Form | Was ist verbunden? |
|---|---|
| Besondere Anerkennung | Der Staat gibt einer Religion eine besondere Stellung. |
| Verbundene Ämter und Aufgaben | Der Aufbau von Staat und Kirche ist miteinander verbunden. |
| Gemeinsame Herrschaft | Religiöse und politische Herrschaft gehören weitgehend zusammen. |
Beispiel: Bevorzugung und persönliche Freiheit in England
- 1Im Vereinigten Königreich betrifft dieses Beispiel nur den Landesteil England.
- 2Der Staat bevorzugt dort eine Religion in geringem Umfang.
- 3Zugleich bleibt die persönliche Religionsfreiheit uneingeschränkt.
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Im Römischen Reich wurden Christen vor 311 wegen ihres Glaubens verfolgt. Der römische Kaiser Galerius erlaubte ihnen 311 wieder, Christen zu sein und sich zu versammeln. Diese Duldung bedeutete, dass die zuvor bekämpfte Religionsausübung wieder zugelassen wurde. Galerius erwartete zugleich Gebete für den Kaiser und das Gemeinwesen, also die politische Gemeinschaft.
313 vereinbarten die römischen Kaiser Konstantin und Licinius freie Religionsausübung für Christen und andere. Eigentum christlicher Gemeinden sollte zurückgegeben werden. Diese Erlaubnis ist nicht mit einem heutigen Recht gleichzusetzen, das Menschen vor Gericht durchsetzen können.
380 wurde unter dem römischen Kaiser Theodosius I. eine bestimmte christliche Glaubensrichtung staatlich vorgeschrieben. Andere christliche Richtungen wurden herabgesetzt und mit Strafen bedroht. Das war ein entscheidender Schritt zum Christentum als Staatsreligion. Es bedeutete nicht, dass bereits sämtliche späteren Verbote anderer religiöser Handlungen galten.
391/392 folgten weitreichende Verbote überlieferter religiöser Handlungen. Dazu gehörten Opfergaben, religiöse Handlungen in Tempeln und Opfergaben im eigenen Haus. Solche religiösen Handlungen nennt man auch Kultpraktiken. Ein Verbot beweist aber nicht, dass alle Menschen sofort ihre Religion wechselten. Die Jahreszahlen zeigen ausgewählte Schritte. Der Wandel verlief nicht überall gleichmäßig.
| Zeit | Schritt |
|---|---|
| vor 311 | Christen wurden verfolgt. |
| 311 | Galerius ließ das Christsein und christliche Versammlungen wieder zu. |
| 313 | Christen und andere erhielten freie Religionsausübung. |
| 380 | Eine bestimmte christliche Glaubensrichtung wurde staatlich vorgeschrieben. |
| 391/392 | Weitere Verbote betrafen Opfer, religiöse Handlungen in Tempeln und Opfergaben im Haus. |
Merke: Erlaubnis, staatliche Vorschrift und Verbote sind verschiedene Schritte. Eine Vorschrift zeigt noch nicht, wie alle Menschen tatsächlich lebten.
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313 durften Christen ihren Glauben frei ausüben. Diese Erlaubnis galt ausdrücklich auch für andere religiöse Entscheidungen. Christliche Gemeinden sollten außerdem ihr Eigentum zurückerhalten. Die Regelung machte den christlichen Glauben damit noch nicht zur verbindlichen Religion des Staates.
Vergleiche das mit 380: Nun wurde eine bestimmte christliche Glaubensrichtung staatlich vorgeschrieben. Andere christliche Richtungen wurden mit Strafen bedroht. Nicht jede Form des Christentums erhielt also dieselbe Stellung.
Bei diesen beiden Schritten liegt der entscheidende Unterschied zwischen Erlauben und Vorschreiben. Die Aussage „313 wurde das Christentum Staatsreligion“ verwechselt sie. Allgemein gilt aber weiterhin: Eine Staatsreligion kann auch mit persönlicher Religionsfreiheit verbunden sein.
Merke: 313 blieb die Entscheidung für andere Religionen ausdrücklich erlaubt. 380 wurde eine bestimmte christliche Glaubensrichtung staatlich vorgeschrieben.
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Alles auf einen Blick
Staatsreligion
Staatsreligion
Der Staat erkennt eine Religion als seine Religion an oder bevorzugt sie deutlich.
Formen
Besondere Anerkennung, verbundene Ämter und Aufgaben sowie weitgehend gemeinsame Herrschaft sind unterschiedlich enge Verbindungen.
Erlaubnis
Auf die Duldung von 311 folgte 313 freie Religionsausübung für Christen und andere.
Vorschrift
380 wurde eine bestimmte christliche Glaubensrichtung staatlich verbindlich.
Verbote
391/392 kamen weitreichende Verbote traditioneller religiöser Handlungen hinzu. Sie beweisen keinen sofortigen Glaubenswechsel aller Menschen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was zeigt die geplante Rückgabe von Gemeindeeigentum?
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Regelung zum christlichen Gemeindeeigentum von 313 noch keine Staatsreligion belegt.
- 2Feststellen: Christliche Gemeinden sollten ihr Eigentum zurückerhalten.
- 3Die weitere Regel prüfen: Freie Religionsausübung war für Christen und andere vorgesehen.
- 4Ergebnis: Die geplante Rückgabe machte den christlichen Glauben noch nicht staatlich verbindlich. Andere religiöse Entscheidungen blieben erlaubt.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Regelung von 380 In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3„Freigestellt“ würde bedeuten, dass man sich frei dafür oder dagegen entscheiden durfte. Richtig: Die Befolgung der betreffenden christlichen Glaubensrichtung wurde 380 vorgeschrieben.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Galerius erlaubte Christen im Jahr wieder, Christen zu sein und sich zu versammeln. Unter Theodosius I. wurde im Jahr eine bestimmte christliche Glaubensrichtung staatlich vorgeschrieben. Weitreichende Verbote auch häuslicher Opfergaben kamen hinzu.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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