Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Monotheismus: Bedeutung und Entstehung
Du lernst, was Monotheismus bedeutet, welche Formen unterschieden werden und warum Forscher seine Entstehung unterschiedlich erklären.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Monotheismus bedeutet Eingottglaube: Menschen erkennen einen allumfassenden Gott an. Seine Entstehung lässt sich nicht als einfache Stufenfolge erklären. Forscher unterscheiden verschiedene Formen und streiten über einzelne Entwicklungen.
Wer einen Gott verehrt, muss deshalb nicht glauben, dass es keine anderen Götter gibt. Dieser Unterschied hilft dir, Religionen genauer zu beschreiben. Du lernst außerdem, warum ein Fund und seine Erklärung nicht dasselbe sind.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Beim Monotheismus, dem Eingottglauben, erkennen Menschen einen allumfassenden Gott an. Damit ist ein Gott gemeint, dessen Bedeutung alles umfasst. Polytheismus bedeutet, dass Menschen viele Götter kennen und verehren. Dabei geht es um die Frage: Wie viele Götter gibt es nach ihrem Glauben?
Eine andere Frage lautet: Wen verehren Menschen? Monolatrie bedeutet, dass Menschen nur eine Gottheit verehren, aber die Existenz anderer Götter anerkennen. Sie glauben also, dass es diese anderen Götter gibt. Henotheismus bezeichnet die besondere Verehrung einer ausgewählten Gottheit für eine begrenzte Zeit. Andere Götter werden dabei nicht ausgeschlossen.
Die Wörter werden allerdings nicht überall gleich verwendet. Henotheismus kann auch allgemeiner bedeuten, dass ein Gott unter mehreren den Vorrang erhält. Für den Vergleich hier verwenden wir die engere Bedeutung mit zeitlicher Begrenzung. Monolatrie bezeichnet dagegen die Verehrung einer Gottheit ohne diese zeitliche Begrenzung.
Definition
Verehrung
Damit ist hier gemeint, dass Menschen einer Gottheit ihren Gottesdienst widmen. Das ist nicht dieselbe Frage wie die nach der Existenz anderer Götter.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: zwei Glaubensaussagen
- 1Eine Gruppe sagt: „Wir glauben an mehrere Götter und verehren mehrere.“ Das passt zum Polytheismus.
- 2Eine andere Gruppe sagt: „Andere Götter gibt es auch. Wir verehren aber nur unseren Gott, ohne zeitliche Begrenzung.“ Das passt zur Monolatrie.
Teste dich
Forscher verwenden mehrere Bezeichnungen. Exklusiver Monotheismus bedeutet: Ein Gott beansprucht alleinige Geltung gegenüber anderen Göttern. Das heißt, er soll als der allein maßgebliche Gott anerkannt werden. Inklusiver Monotheismus lässt dagegen die Existenz anderer Götter zu. Hier wird das Wort Monotheismus also weiter gefasst als bei einem Glauben, der andere Götter ausdrücklich bestreitet.
Eine weitere Unterscheidung fragt: Welche Menschen sollen diesen Gott anerkennen? Universaler Monotheismus bedeutet: Der Gott soll umfassend anerkannt werden, über eine einzelne Gruppe hinaus. Partikularer Monotheismus bezieht diese Forderung dagegen auf eine bestimmte Gruppe.
Die beiden Begriffspaare beantworten unterschiedliche Fragen. Das erste fragt nach dem Verhältnis zu anderen Göttern. Das zweite fragt danach, welche Menschen den Gott anerkennen sollen. Im gelebten Glauben sind die Grenzen nicht immer deutlich: Menschen können mehrere Götter anerkennen und dennoch nur einen verehren.
| Frage | Form | Bedeutung |
|---|---|---|
| Wie steht ein Gott zu anderen? | Exklusiv | Er soll als der allein maßgebliche Gott anerkannt werden. |
| Wie steht ein Gott zu anderen? | Inklusiv | Die Existenz anderer Götter wird zugelassen. |
| Welche Menschen sollen ihn anerkennen? | Universal | Die Forderung nach Anerkennung gilt umfassend, über eine einzelne Gruppe hinaus. |
| Welche Menschen sollen ihn anerkennen? | Partikular | Die Forderung nach Anerkennung bezieht sich auf eine bestimmte Gruppe. |
Merke: Frage getrennt: Werden andere Götter zugelassen? Und welche Menschen sollen den einen Gott anerkennen?
Teste dich
Eine verbreitete Erklärung betrachtet Henotheismus als Schritt zwischen Polytheismus und Monotheismus: Aus mehreren Göttern wird einer hervorgehoben. Schließlich wird den übrigen abgesprochen, Götter zu sein. Das ist eine Erklärung der Entwicklung, keine feststehende Reihenfolge für alle Religionen.
Friedrich Max Müller, ein Forscher, ordnete Henotheismus anders ein. Er beschäftigte sich dabei mit der Religion in Indien. Nach seiner Erklärung verehrt ein Mensch bei einem überwältigenden Erlebnis eine Gottheit als einzigen und höchsten Gott. Diese besondere Stellung bleibt aber nicht bestehen. Müller setzte Henotheismus deshalb vor den Polytheismus.
Auch einzelne historische Beispiele lassen sich unterschiedlich einordnen. Echnaton, ein Pharao, also ein Herrscher im Alten Ägypten, erhob den Gott Aton zum alleinigen Gott. Er bestritt jedoch die Existenz der bisherigen Götter nicht und ließ ihre Verehrung nur teilweise verbieten. Die meisten Forscher über das Alte Ägypten sehen darin eine Vorform des Monotheismus. Andere bewerten dies als zeitlich begrenzten Henotheismus.
Du musst deshalb zwischen einer vorgeschlagenen Reihenfolge und einem einzelnen historischen Fall unterscheiden. Schon die unterschiedliche Verwendung der Begriffe kann zu verschiedenen Einordnungen führen.
Merke: Eine mögliche Abfolge ist noch kein fester Weg für alle Religionen. Prüfe, welchen Fall und welche Bedeutung der Begriffe ein Forscher meint.
Teste dich
Eine historische Beobachtung stützt sich zum Beispiel auf einen Fund oder auf den Inhalt eines alten Textes. Eine Deutung erklärt, was diese Beobachtung bedeuten könnte. Eine These ist eine Behauptung, die mit Belegen geprüft werden muss.
Im Gebiet des alten Israel wurden Inschriften und Gegenstände gefunden, die auf die Verehrung anderer Götter vor 597 v. Chr. hindeuten. Die Abkürzung „v. Chr.“ bedeutet „vor Christus“ und bezeichnet hier Jahre vor dem Beginn unserer Zeitrechnung. Die Funde geben Hinweise auf die damalige Verehrung. Eine andere Art von Aussage ist die religiöse Erklärung eines Ereignisses: Den Untergang des damaligen Staates Juda deutete man als Strafe für die Verehrung anderer Götter. Historisch lässt sich diese Deutung beschreiben. Damit ist nicht bewiesen, dass eine göttliche Strafe vorlag.
Paul Radin, ein Forscher, kritisierte die Vorstellung einer festen Entwicklung: vom Glauben an eine beseelte Natur über viele Götter zum Eingottglauben. Mit beseelter Natur ist gemeint, dass die Natur als von Seelen erfüllt gilt.
Wilhelm Schmidt, ein Priester und Forscher, vertrat dagegen die Behauptung eines weltweit verbreiteten ursprünglichen Monotheismus. Das bedeutet: Am Anfang habe bereits Eingottglaube gestanden. Diese Behauptung lässt sich durch Beobachtungen kaum stützen. Nicht alle Religionen enthalten den Glauben an ein höchstes Wesen. Zwei unterschiedliche Behauptungen sind also nicht schon deshalb gleich gut belegt, weil beide vertreten werden.
Definition
Deutung
Eine Deutung erklärt, welche Bedeutung eine Beobachtung oder ein Ereignis haben könnte. Du prüfst, welche Belege dafür sprechen.
Merke: Frage bei einer Aussage: Was wurde gefunden oder beschrieben? Wer erklärt es wie? Und wie gut ist diese Erklärung belegt?
Teste dich
Alles auf einen Blick
Monotheismus
Grundbegriffe
Monotheismus bedeutet Eingottglaube; Polytheismus kennt und verehrt viele Götter.
Verehrung
Nur eine Gottheit zu verehren bedeutet noch nicht, andere Götter zu bestreiten.
Formen
Forscher fragen nach dem Verhältnis zu anderen Göttern und danach, welche Menschen den Gott anerkennen sollen.
Entstehung
Eine vorgeschlagene Stufenfolge gilt nicht schon für alle Religionen.
Prüfung
Beobachtungen, religiöse Deutungen und überprüfbare Behauptungen müssen auseinandergehalten werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Echnatons Aton-Verehrung vorsichtig einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, warum Forscher Echnatons Aton-Verehrung unterschiedlich einordnen.
- 2Beobachtung festhalten: Echnaton erhob Aton zum alleinigen Gott. Er bestritt aber die Existenz der bisherigen Götter nicht und ließ ihre Verehrung nur teilweise verbieten.
- 3Einordnungen vergleichen: Die meisten Forscher über das Alte Ägypten sehen eine Vorform des Monotheismus. Andere sprechen von zeitlich begrenztem Henotheismus.
- 4Ergebnis formulieren: Atons besondere Stellung und die weiterhin anerkannte Existenz anderer Götter erklären, weshalb unterschiedliche Einordnungen möglich sind.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Wilhelm Schmidts Erklärung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überschätzt die Belege für Schmidts Behauptung. Richtig: Diese Behauptung lässt sich durch Beobachtungen kaum stützen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der Glaube, der viele Götter kennt und verehrt, heißt . Die Verehrung einer Gottheit bei Anerkennung anderer Götter ohne zeitliche Begrenzung heißt hier . Die Form des Monotheismus, die die Existenz anderer Götter zulässt, heißt .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback