Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Kaiser: Ursprung, Macht und Wandel des Titels
Du erfährst, woher das Wort Kaiser kommt, wie sich das Kaisertum veränderte und warum ein hoher Titel noch keine große Macht bedeutete.
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Kurz gesagt
Kaiser ist ein Herrschertitel. Das deutsche Wort stammt vom Namen des römischen Politikers Caesar. Welche Macht ein Kaiser hatte, hing von seiner Zeit und seinem Reich ab.
Ein Kaiser trägt einen besonders hohen Titel. Doch konnte er deshalb alles bestimmen? Du verfolgst den Titel von Rom bis zum Deutschen Reich und vergleichst ihn mit Herrschertiteln außerhalb Europas.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das Wort Kaiser geht auf den Namen des römischen Politikers Gaius Iulius Caesar zurück. Caesar hatte die Alleinherrschaft über das Römische Reich erlangt. Als erster römischer Kaiser gilt aber gewöhnlich sein Großneffe Augustus, nicht Caesar selbst.
Augustus hatte nach Caesars Ermordung dessen Namen angenommen. Aus dem Namen Caesar wurde erst nach und nach ein Herrschertitel. Seit dem römischen Kaiser Claudius gehörte Caesar fest zu den Titeln der römischen Herrscher. Aus diesem Namen entstand auch das alte deutsche Wort „keisar“, aus dem unser Wort Kaiser wurde.
Andere Sprachen verwenden Wörter mit einer anderen Herkunft. Das lateinische Wort „Imperator“ bezeichnete einen militärischen Oberbefehlshaber. Von ihm stammen etwa das französische „empereur“ und über dieses das englische „emperor“ ab.
Definition
Herrschertitel
Ein Herrschertitel ist eine Bezeichnung für die Stellung eines Herrschers. Kaiser und König sind solche Titel.
Beispiel: Zwei Wörter mit verschiedenen Wurzeln
- 1Das deutsche Wort Kaiser führt zum Namen Caesar zurück.
- 2Das französische Wort „empereur“ führt zum militärischen Titel „Imperator“ zurück.
- 3Beide Wörter bezeichnen einen Kaiser, haben aber unterschiedliche Ursprünge.
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Augustus gilt gewöhnlich als erster römischer Kaiser. Später regierten meist ein Kaiser im Westen und ein anderer im Osten. Seit 395 blieb diese Aufteilung bestehen. Das westliche Kaisertum endete je nach Sichtweise 476 oder 480. Im Osten bestand es bis 1453 weiter. Dieses östliche Römische Reich nennt man auch Byzantinisches Reich.
Im Westen erhielt der Frankenkönig Karl der Große im Jahr 800 in Rom die Kaiserkrone. Das galt als Erneuerung des westlichen Kaisertums. Im Jahr 962 krönte der Papst, das Oberhaupt der katholischen Kirche, den König Otto I. zum Kaiser. Otto knüpfte damit an die römischen Kaiser und an Karl an. Zu dieser Tradition gehörte das Heilige Römische Reich, ein Reich mit römisch-deutschen Königen und Kaisern.
Ein deutscher König wurde im Mittelalter nicht schon durch seinen Königstitel zum Kaiser. Für die römische Kaiserkrone musste er nach Rom zur Krönung durch den Papst ziehen. Dafür brauchte er Geld und Macht. Etliche deutsche Könige erhielten die Kaiserkrone deshalb erst nach langer Zeit; manche erhielten sie gar nicht. Das Heilige Römische Reich endete 1806, als Kaiser Franz II. seine Krone niederlegte und das Reich für beendet erklärte.
Im neu geschaffenen Deutschen Reich trug ab 1871 der König von Preußen den Titel „Deutscher Kaiser“. Preußen war der weitaus größte Einzelstaat dieses Reiches. Wilhelm I. war dessen erster Kaiser. Die anderen Einzelstaaten behielten einen Teil ihrer eigenen Rechte. Das war also eine andere Ordnung als das frühere Heilige Römische Reich. Am 9. November 1918 verkündete der Regierungschef Max von Baden die Abdankung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. ohne dessen Zustimmung. Abdankung bedeutet, dass ein Herrscher sein Amt aufgibt.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 800 | Karl der Große erhält in Rom die Kaiserkrone. |
| 962 | Otto I. wird vom Papst zum Kaiser gekrönt. |
| 1453 | Das Kaisertum im Byzantinischen Reich endet. |
| 1806 | Franz II. erklärt das Heilige Römische Reich für beendet. |
| 1871 | Wilhelm I. wird Deutscher Kaiser. |
| 1918 | Max von Baden verkündet Wilhelms II. Abdankung ohne dessen Zustimmung. |
Merke: Der Kaisertitel wurde über viele Jahrhunderte verwendet. Die Reiche und die Regeln der Herrschaft veränderten sich dabei.
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Bei einem Herrscher musst du drei Dinge unterscheiden. Sein Titel sagt, wie seine Stellung heißt. Sein Herrschaftsanspruch sagt, welchen Rang oder welche Macht er für sich fordert. Seine tatsächliche Macht zeigt sich daran, was er durchsetzen kann.
Die westlichen Kaiser des Mittelalters wurden als Beschützer des christlichen Glaubens angesehen. Sie beanspruchten einen höheren Ehrenrang als die christlichen Könige im Westen Europas. Diesen Vorrang konnten sie aber nicht oder kaum durchsetzen. Ein hoher Anspruch bedeutete also noch nicht, dass andere Herrscher ihm auch folgten.
Auch der deutsche Kaiser Wilhelm II. konnte nicht alles allein entscheiden. Für geliehenes Geld zur Finanzierung des Krieges, sogenannte Kriegskredite, brauchte er die Zustimmung des Reichstags. Der Reichstag war die gewählte Volksvertretung. Dessen Recht, über staatliche Geldmittel mitzuentscheiden, begrenzte die Macht des Kaisers.
Besonders deutlich wird der Unterschied beim chinesischen Kaiser Puyi. Er dankte am 12. Februar 1912 ab. Danach durfte er seinen Kaisertitel behalten und weiter im Palast wohnen. Seine politische Macht verlor er jedoch.
| Begriff | Deine Prüffrage |
|---|---|
| Titel | Wie heißt die Stellung des Herrschers? |
| Herrschaftsanspruch | Welchen Rang oder welche Macht fordert er für sich? |
| Tatsächliche Macht | Was kann er wirklich durchsetzen? |
Merke: Ein Kaisertitel allein verrät nicht, wie viel ein Herrscher bestimmen konnte.
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Seit der frühen Neuzeit, also der Zeit nach dem Mittelalter, bezeichnete man in Europa auch Herrscher bedeutender Reiche außerhalb Europas als Kaiser. Ihre eigenen Titel hatten jedoch andere Ursprünge und Bedeutungen. Eine Übersetzung macht aus verschiedenen Herrschaftsformen noch keine gleiche Ordnung.
In China hieß der Herrschertitel „Di“ oder „Huangdi“. Er wird im Deutschen in der Regel mit Kaiser übersetzt. „Di“ bedeutet auch „höchstes Wesen“ und hatte eine starke religiöse Bedeutung. Militärisches Können spielte in China nur eine untergeordnete Rolle bei der Begründung, warum der Herrscher regieren durfte. Für das europäische Kaisertum war es dagegen besonders wichtig.
In China erklärte man die Herrschaft außerdem mit dem „Mandat des Himmels“. Damit war ein Auftrag des Himmels gemeint. Nach dieser Vorstellung sollte der Kaiser weise regieren und die Ordnung erhalten. Der Himmel konnte ihm diesen Auftrag auch entziehen. Missernten und Naturkatastrophen galten als Zeichen dafür. Das war eine religiöse Vorstellung, kein Beweis dafür, dass ein Herrscher tatsächlich einen himmlischen Auftrag hatte.
Der persische Titel „Schahanschah“ bedeutet etwa „König der Könige“. Die Herrscher des antiken Persiens nennt man üblicherweise Großkönige. Die Übersetzung Kaiser gilt für diese Herrscher als unpassend für ihre Zeit. Sie kann falsche Vorstellungen über die ursprüngliche Bedeutung ihres Titels wecken. Prüfe bei einem übersetzten Titel also auch seine ursprüngliche Bedeutung und die Zeit, in der er verwendet wurde.
Definition
Mandat des Himmels
Nach einer chinesischen Vorstellung erhielt der Kaiser vom Himmel den Auftrag zu guter Regierung. Dieser Auftrag konnte ihm wieder entzogen werden.
Merke: Das deutsche Wort Kaiser kann verschiedene fremde Titel übersetzen. Deshalb musst du ihre Bedeutung jeweils genauer betrachten.
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Alles auf einen Blick
Kaiser
Wortherkunft
Das deutsche Wort Kaiser stammt vom Namen Caesar.
Römischer Anfang
Gewöhnlich gilt Augustus als erster römischer Kaiser.
Wandel
Der Kaisertitel blieb über Jahrhunderte erhalten, während sich Reiche und Herrschaftsregeln änderten.
Macht
Titel, geforderter Rang und tatsächliche Möglichkeiten eines Herrschers sind verschiedene Dinge.
Übersetzung
Außereuropäische Herrschertitel bedeuteten nicht genau dasselbe wie Kaiser.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie begrenzte der Reichstag Wilhelms II. Macht?
- 1Aufgabe: Erkläre an den Kriegskrediten, warum Wilhelm II. nicht allein über alles entscheiden konnte.
- 2Titel feststellen: Wilhelm II. war Deutscher Kaiser.
- 3Entscheidung prüfen: Für die Kriegskredite, also geliehenes Geld zur Finanzierung des Krieges, brauchte er die Zustimmung des Reichstags.
- 4Ergebnis formulieren: Der Kaisertitel gab ihm nicht das Recht, diese Geldmittel allein zu bewilligen. Der Reichstag begrenzte hier seine Macht.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Puyi In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Aussage verwechselt den erhaltenen Titel mit politischer Macht. Richtig: Nach seiner Abdankung verlor Puyi seine politische Macht.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das deutsche Wort Kaiser geht auf den Namen zurück. Otto I. erhielt seine Kaiserkrone im Jahr . Der Titel „Huangdi“ wurde in verwendet.
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