Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Islam: Entstehung, Ausbreitung und Vielfalt
Du lernst, wie der Islam entstand, welche Glaubensgrundlagen wichtig sind und warum Eroberung und Glaubenswechsel nicht dasselbe bedeuten.
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Kurz gesagt
Der Islam entstand im frühen 7. Jahrhundert in Arabien. Muslime glauben an einen Gott und sehen Mohammed als seinen Gesandten. Der Islam verbreitete sich durch Predigten, Wanderungen, Eroberungen und Handelskontakte.
Wie verbreitet sich eine Religion über große Entfernungen? Beim Islam spielten Gespräche, Reisen, Handel und Kriege eine Rolle. Du unterscheidest dabei zwischen der Macht eines Herrschers und dem Glauben seiner Bevölkerung.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Der Islam entstand im frühen 7. Jahrhundert in Arabien. Sein Begründer Mohammed stammte aus Mekka. Muslime verstehen ihn als Propheten, also als Menschen, der Gottes Botschaft verkündet.
Nach der arabischen Überlieferung erhielt Mohammed am Berg Hira nahe Mekka durch den Engel Gabriel den Auftrag, Gottes Botschaft weiterzugeben. Eine Überlieferung ist ein weitergegebener Bericht. Die traditionellen Berichte erzählen, dass Mohammed zunächst etwa drei Jahre lang seiner Familie und wenigen Freunden von den Offenbarungen erzählte. Damit sind Botschaften gemeint, die nach seinem Glauben von Gott kamen. Nach diesen Berichten begann er ungefähr im Jahre 613 öffentlich zu predigen.
Im Sommer 622 wanderten Mohammed und seine Anhänger von Mekka nach Yathrib aus, dem heutigen Medina. Diese Auswanderung heißt Hidschra. Sie wurde später zum Beginn der islamischen Zeitrechnung bestimmt. In Medina begann Mohammed auch als politischer und militärischer Führer zu handeln: Er übernahm Aufgaben beim Regieren und beim Führen von Truppen.
Definition
Islam
Der Islam ist eine Religion mit dem Glauben an einen Gott. Seine Anhänger heißen Muslime.
Merke: Die Entstehung des Islams gehört in das frühe 7. Jahrhundert nach Arabien. Berichte über Mohammeds Berufung kennzeichnest du als Überlieferung.
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Muslime glauben an einen Gott, auf Arabisch Allah. Der Koran ist ihre heilige Schrift. Er gilt ihnen als Gottes Rede, die Mohammed offenbart wurde. Daneben sind für viele Muslime Hadithe wichtig: Berichte über Mohammed, dessen Handeln als Vorbild gilt. Nicht alle Gruppen bewerten diese Berichte gleich. Die Anhänger des Koranismus erkennen allein den Koran als Grundlage ihres Glaubens an.
Die fünf Säulen sind wichtige religiöse Pflichten. Die Lehre von diesen fünf Pflichten stützt sich auf einen Bericht über Mohammed, den sogenannten Gabriel-Hadith. Die erste Säule ist das Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist sein Gesandter. Die zweite ist das Pflichtgebet, das fünf Mal am Tag verrichtet werden soll. Es ist eine tägliche Pflicht und nicht auf den Fastenmonat beschränkt.
Die dritte Säule ist die verpflichtende Abgabe, die Zakāt. Sie gilt für psychisch gesunde, freie, erwachsene Muslime, die finanziell dazu in der Lage sind. Mit „frei“ ist hier gemeint, dass sie nicht als Sklaven leben. Die Abgabe unterstützt unter anderem Arme, Menschen mit Schulden und Reisende. Die vierte Säule ist das Fasten im islamischen Monat Ramadan. Dabei wird von Beginn der Morgendämmerung bis zum vollendeten Sonnenuntergang unter anderem nichts gegessen und getrunken.
Die fünfte Säule ist die Pilgerfahrt nach Mekka, also eine Reise aus religiösen Gründen. Sie soll mindestens einmal im Leben unternommen werden, wenn man dazu imstande ist. Zu den Voraussetzungen gehören unter anderem die Gesundheit und die finanziellen Möglichkeiten. Die Pilgerfahrt findet im islamischen Monat Dhū l-Hiddscha statt.
Im Islam gibt es verschiedene Glaubensrichtungen. Sunniten bilden heute mit etwa 85 Prozent die größte Gruppe. Sie betonen das Vorbild Mohammeds. Schiiten meinen, nach Mohammeds Tod hätte sein Cousin und Schwiegersohn Ali die Führung übernehmen müssen. Auch innerhalb dieser Richtungen gibt es Unterschiede.
| Säule | Worum geht es? |
|---|---|
| Glaubensbekenntnis | Den Glauben an einen Gott und Mohammed als seinen Gesandten bekennen. |
| Pflichtgebet | Fünf Mal am Tag beten. |
| Zakāt | Unter den genannten Voraussetzungen eine verpflichtende Abgabe leisten. |
| Fasten | Im Ramadan von Morgendämmerung bis vollendetem Sonnenuntergang auf Essen und Trinken verzichten. |
| Pilgerfahrt | Mindestens einmal im Leben nach Mekka pilgern, wenn man dazu imstande ist. |
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Bei der Ausbreitung des Islams musst du verschiedene Vorgänge unterscheiden. Religiöse Verkündigung bedeutet, eine Glaubensbotschaft weiterzugeben. Politische Herrschaft bedeutet, über Menschen und ein Gebiet zu regieren. Militärische Eroberung bedeutet, ein Gebiet durch den Einsatz von Truppen einzunehmen. Islamisierung nennt man den Vorgang, bei dem Menschen oder Bevölkerungsgruppen den Islam annehmen. Das konnte lange dauern.
Diese Vorgänge konnten zusammenhängen. Mohammed predigte zunächst in Mekka. In Medina wurde er auch politischer und militärischer Führer. Bis zu seinem Tod im Juni 632 unterwarfen sich fast alle Stämme der arabischen Halbinsel seiner Führung. Stämme waren größere Gemeinschaften von Menschen. In vielen Fällen nahmen sie dabei auch den Islam an.
Bei den frühen Eroberungen nach Mohammeds Tod wechselten die meisten Bewohner der eroberten Gebiete nicht direkt zum Islam. Sie blieben zunächst ihren früheren Religionen treu. Muslimische Herrschaft bedeutete also nicht, dass die Bevölkerung bereits muslimisch war. Der Glaubenswechsel der einheimischen Bevölkerung zog sich über Jahrhunderte hin.
Christen, Juden und Zoroastrier, die einer weiteren Religion angehörten, erhielten in diesen Gebieten als geschützte Gruppen Schutz für Leben und Eigentum. Sie durften ihren Glauben unter Einschränkungen weiter ausüben und mussten eine besondere Steuer zahlen. Sie waren Muslimen rechtlich nicht gleichgestellt, hatten also nicht dieselben Rechte. So durften sie keine neuen religiösen Gebäude errichten. Seit dem späten 7. Jahrhundert nahm in den eroberten Gebieten, die zuvor zum Römischen Reich gehört hatten, der Druck auf Christen zu. Nichtmuslime wurden von der Arbeit in der Verwaltung ausgeschlossen; kirchlicher Besitz wurde eingezogen. Glaubenswechsel geschahen somit nicht überall unter gleichen Bedingungen.
Merke: Prüfe getrennt: Wer regierte das Gebiet? Und welcher Religion gehörten seine Bewohner an?
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Am Anfang stand die Weitergabe von Mohammeds Botschaft im Kreis seiner Familie und Freunde. Einige Muslime verließen Mekka unter dem Druck ihrer Gegner und wanderten in das Aksumitische Reich aus. Das war ein Herrschaftsgebiet außerhalb Arabiens. So entstand dort eine erste muslimische Gemeinde, also eine Gemeinschaft von Gläubigen. Wanderungen konnten eine Religion an einen neuen Ort bringen.
Auch militärische Eroberungen erweiterten die muslimische Herrschaft. Bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts standen unter anderem Ägypten und große Teile des Irans unter muslimischer Herrschaft. Der Glaube der Bewohner änderte sich dadurch meist nicht sofort.
Daneben waren Handelskontakte wichtig. An den Küsten des Indischen Ozeans heirateten arabische Händler in örtliche Familien ein. Diese Familien nahmen im Laufe der Zeit den Islam an. Auf diesem Weg entstanden große muslimische Gemeinschaften in Südindien und Sri Lanka.
Muslimische Kaufleute verbreiteten den Islam auch durch Handel über die Sahara hinweg in Westafrika. Einige ließen sich südlich dieser Wüste nieder; andere machten Herrscher an deren Höfen mit dem Islam bekannt. In Südostasien verbreitete sich der Islam ebenfalls durch Seehandel. Zunächst fasste er dort in einigen Häfen an den Küsten Fuß.
Beispiel: Handelskontakte in Südindien und Sri Lanka
- 1Arabische Händler heirateten an den Küsten des Indischen Ozeans in örtliche Familien ein.
- 2Diese Familien nahmen im Laufe der Zeit den Islam an.
- 3So entstanden in Südindien und Sri Lanka große muslimische Gemeinschaften.
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Eine Überlieferung ist ein weitergegebener Bericht. Du kannst zum Beispiel sagen: Nach der arabischen Überlieferung erhielt Mohammed am Berg Hira einen Auftrag durch den Engel Gabriel. Damit kennzeichnest du, was über seine Berufung erzählt wird. Du stellst das religiöse Erlebnis nicht als unabhängig bewiesenen Vorgang dar.
Eine historische Feststellung beschreibt etwas, das sich durch die Prüfung von Belegen begründen lässt. Dazu gehört etwa die Auswanderung Mohammeds nach Medina im Sommer 622. Bei alten Berichten fragst du: Wer hat sie wann verfasst? Was konnte der Verfasser wissen? Was wollte er mitteilen? Ein später Bericht kann zuverlässige ältere Nachrichten enthalten. Ein früher Bericht ist nicht allein wegen seines Alters zuverlässig. Durch Vergleiche mit anderen Belegen lassen sich Fragen prüfen. Manche Fragen bleiben offen.
Eine Deutung erklärt, wie etwas zu verstehen ist. Dabei können Fachleute zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ein Beispiel ist das Wort Dschihad. Es bezeichnet allgemein das Bemühen auf dem Weg Gottes und kann auch bewaffneten Kampf meinen. Küng, der sich mit der Bedeutung des Wortes beschäftigt, versteht einzelne Stellen im Koran als gewaltsamen Kampf. Eine einfache Übersetzung des Wortes als „Heiliger Krieg“ lehnt er aber ab.
Johnson, der ebenfalls die Bedeutung untersucht, erklärt dagegen, dass der Koran für Krieg das Wort qital verwende. Die besondere Verbindung von Dschihad und Krieg sei erst nach der Niederschrift des Korans gegen Ende des 8. Jahrhunderts entstanden. Küng und Johnson erklären das Verhältnis von Dschihad und Krieg also unterschiedlich. Du nennst bei solchen Erklärungen den jeweiligen Verfasser und machst die Unterschiede sichtbar. Du machst daraus keine gemeinsame Aussage und behandelst eine Deutung nicht schon als Beweis für ein Ereignis.
Definition
Quellenprüfung
Du untersuchst, wer einen Bericht wann und mit welchem Anliegen verfasst hat. Du vergleichst ihn mit weiteren Belegen und prüfst, welche Aussagen sich begründen lassen.
Merke: Ein überlieferter Bericht ist nicht schon deshalb bewiesen, weil er alt ist. Eine umstrittene Erklärung gibst du mit dem Namen ihres Verfassers wieder.
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Alles auf einen Blick
Islam
Entstehung
Der Islam entstand im frühen 7. Jahrhundert in Arabien. Mohammeds Berufung wird in der arabischen Überlieferung erzählt.
Glaube
Muslime glauben an einen Gott. Die fünf Säulen beschreiben wichtige religiöse Pflichten.
Herrschaft
Bei den frühen muslimischen Eroberungen wechselten die meisten Bewohner der eroberten Gebiete nicht direkt zum Islam.
Ausbreitung
Predigten, Wanderungen, Eroberungen und Handelskontakte spielten unterschiedliche Rollen.
Vielfalt
Muslimische Gruppen unterscheiden sich in religiösen und politischen Lehren.
Prüfung
Unterscheide überlieferte Berichte, begründete historische Feststellungen und Deutungen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die erste Gemeinde außerhalb Arabiens erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie im Aksumitischen Reich eine erste muslimische Gemeinde außerhalb Arabiens entstand.
- 2Ausgangspunkt bestimmen: Einige Muslime standen in Mekka unter dem Druck ihrer Gegner.
- 3Handlung nennen: Sie verließen Mekka und wanderten in das Aksumitische Reich aus.
- 4Folge erklären: Mit ihnen gelangte ihr Glaube an einen neuen Ort. Dort entstand eine erste muslimische Gemeinde außerhalb Arabiens.
- 5Den Weg einordnen: Dieses Beispiel zeigt die Verbreitung durch Auswanderung.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den frühen Eroberungen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage setzt Eroberung und sofortigen Glaubenswechsel gleich. Richtig: Bei den frühen muslimischen Eroberungen wechselten die meisten Bewohner der eroberten Gebiete nicht direkt zum Islam.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Auswanderung Mohammeds nach Medina fand im Sommer statt. Das Fasten gehört zum islamischen Monat . Durch Handel über die Sahara hinweg verbreiteten muslimische Kaufleute den Islam in .
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