Zum Inhalt springen

Geschichte · Klasse 7–11 · aktualisiert

Religion und Staat: Geschichte und Wandel

Du lernst, wie Religion und Staat verbunden waren, warum sich ihr Verhältnis änderte und wie du Freiheit und staatlichen Einfluss beurteilst.

0 von 9 Aufgaben gelöst

Religion und Staat: Geschichte und Wandel

Kurz gesagt

Religion und Staat können eng verbunden, getrennt oder Partner bei einzelnen Aufgaben sein. In der Geschichte änderte sich dieses Verhältnis mehrfach. Eine Trennung allein sichert noch keine Religionsfreiheit.

Religionsunterricht und religiöse Zeichen in staatlichen Gebäuden betreffen auch heute das Verhältnis von Religion und Staat. Wer darf über Glaubensfragen entscheiden? Du untersuchst, wie frühere Gesellschaften damit umgingen und warum verschiedene Lösungen entstanden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Im europäischen Mittelalter waren christliche Kirche und politische Herrschaft eng verbunden. Doch Könige und Päpste stritten darüber, wer Bischöfe einsetzen durfte. Bischöfe sind hohe kirchliche Amtsträger. Das Wormser Konkordat, eine Vereinbarung von 1122, teilte die Zuständigkeiten: Der Papst verlieh das geistliche Amt mit Ring und Stab. Der König übertrug weltliche Herrschaftsrechte mit einem Zepter, einem Herrscherstab.

Die Reformation spaltete Anfang des 16. Jahrhunderts die westliche Kirche. Protestanten und Katholiken standen einander gegenüber. Im Heiligen Römischen Reich, einem Reich mit vielen einzelnen Herrschaftsgebieten, erlaubte der Augsburger Religionsfrieden 1555 jedem Fürsten, die Religion seines Gebietes festzulegen. Das war noch keine freie Glaubenswahl für jeden Bewohner.

Später rückte die Freiheit des Einzelnen stärker in den Mittelpunkt. Die Erklärung der Rechte von Virginia, einem Gebiet in Nordamerika, forderte 1776 freie Religionsausübung nach dem Gewissen. In Frankreich führte ein Gesetz 1905 eine weitgehende Trennung von Kirche und Staat ein. Ausgenommen blieben die Gebiete Moselle, Bas-Rhin und Haut-Rhin, die damals nicht zu Frankreich gehörten.

In Deutschland verbot die Weimarer Reichsverfassung 1919 Staatskirchen. Eine Verfassung legt die grundlegenden Regeln eines Staates fest. Zugleich ließ die Weimarer Reichsverfassung Zusammenarbeit zwischen Staat und Religionsgemeinschaften zu. Die Beispiele zeigen keinen überall gleichen Weg: Zuständigkeiten teilen, eine Religion staatlich festlegen und Glaubensfreiheit sichern sind unterschiedliche Veränderungen.

Definition

Religionsfreiheit

Religionsfreiheit schützt die freie Wahl und Ausübung des Glaubens nach dem eigenen Gewissen.

JahrVeränderung
1122Die Vereinbarung von Worms teilt geistliche Einsetzung und weltliche Herrschaftsrechte.
1555Im Heiligen Römischen Reich dürfen Fürsten die Religion ihres Gebietes festlegen.
1776Virginia fordert freie Religionsausübung nach dem Gewissen.
1905Frankreich trennt Kirche und Staat weitgehend; drei Gebiete bleiben ausgenommen.
1919Die Weimarer Reichsverfassung verbietet Staatskirchen in Deutschland.

Teste dich

LeichtWelche Reihenfolge stimmt vom früheren zum späteren Ereignis?

Alles auf einen Blick

Religion und Staat

  • Wandel

    Das Verhältnis von Religion und Staat änderte sich zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten unterschiedlich.

  • Formen

    Verschmelzung, Staatskirchentum, Trennung und Kooperation helfen dir, die Verbindung von Religion und Staat zu untersuchen.

  • Freiheit

    Staatliche Bevorzugung einer Kirche kann mit Religionsfreiheit verbunden sein; Trennung allein sichert diese Freiheit nicht.

  • Vielfalt

    Auf religiöse Gegensätze gab es unterschiedliche Antworten, vom Schutz verschiedener Glaubensrichtungen bis zu stärkerer staatlicher Kontrolle.

  • Urteil

    Unterscheide politische Ziele, ihre Begründungen und ihre Umsetzung. Benenne die Grenzen deiner Belege.

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Den Streit um Kreuze in bayerischen Dienstgebäuden beurteilen

  1. 1Frage klären: Welche unterschiedlichen Sichtweisen auf das Kreuz zeigen die staatliche Begründung und die kirchlichen Einwände?
  2. 2Staatliche Position nennen: Die bayerische Staatsregierung begründete die vorgeschriebenen Kreuze mit der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns.
  3. 3Kirchliche Kritik einbeziehen: Von kirchlicher Seite wurde befürchtet, dass das christliche Zeichen umgedeutet und für politische Zwecke benutzt werde.
  4. 4Urteil formulieren: Die genannten Positionen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Die staatliche Begründung betont die kulturelle Bedeutung; die kirchlichen Einwände richten sich gegen eine politische Nutzung des religiösen Zeichens.
  5. 5Grenze benennen: Aus diesen Positionen lässt sich nicht ableiten, wie alle Bewohner Bayerns über die Kreuze dachten.

Fehler finden

Prüfe die Aussagen zur Provisorischen Regierung in Russland In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.

Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Im Augsburger Religionsfrieden von durften die Fürsten im Heiligen Römischen Reich die Religion ihres Gebietes festlegen. Norwegens evangelisch-lutherische Kirche wechselte vom Status einer Staatskirche zu dem einer Volkskirche. Das von Roger Williams gegründete Rhode Island gewährte seit Glaubens- und Niederlassungsfreiheit unabhängig von der Glaubensrichtung.

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Religion und Staat

LeichtWas zeigt das Beispiel England über Staatskirchentum und Freiheit?
MittelWie reagierten reformierte Schweizer Kantone auf die Kirchenspaltung?
SchwerWelches Urteil berücksichtigt staatliche Interessen und Kappelers Einschätzung der russischen Staatskirche?

Weiterlesen in Geschichte