Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Polytheismus einfach erklärt
Du lernst, was Polytheismus bedeutet, wie Menschen verschiedene Götter verehren und warum das Zählen von Göttern nicht genügt.
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Kurz gesagt
Polytheismus ist eine Religionsform mit mehreren Göttern, die als Persönlichkeiten vorgestellt werden. Sie haben Beziehungen zueinander und bestimmte Aufgaben. Monotheismus bezeichnet dagegen Religionen mit nur einem Gott.
Warum wenden sich Menschen in verschiedenen Situationen an verschiedene Götter? Und bedeutet der Glaube an mehrere Götter, dass jemand alle verehrt? Du lernst, wie solche Religionen aufgebaut sind und weshalb ihre Einteilung manchmal schwierig ist.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Polytheismus bezeichnet eine Religionsform, in der mehrere Götter wirken. Die Gläubigen stellen sie sich als Persönlichkeiten vor: Sie haben typische Eigenschaften, verfolgen Ziele und handeln. Ihre Macht oder ihr Wissen übersteigen dabei das menschliche Maß.
Diese Götter stehen miteinander in Beziehung. Nach dem Glauben der Menschen wirken sie auch auf die Welt und das Leben der Menschen ein. Monotheismus bezeichnet dagegen Religionen mit nur einem Gott.
Dabei musst du Glauben und Verehren unterscheiden. Verehren bedeutet hier, sich etwa mit Gebeten oder religiösen Handlungen an einen Gott zu wenden. Wer an mehrere Götter glaubt, muss nicht alle verehren.
Definition
Polytheismus
Eine Religionsform mit mehreren Göttern, die als handelnde Persönlichkeiten vorgestellt werden und miteinander verbunden sind.
Definition
Monotheismus
Eine Religionsform mit nur einem Gott.
Merke: An mehrere Götter zu glauben bedeutet nicht, sich mit Gebeten und religiösen Handlungen an alle zu wenden.
Teste dich
Ein Pantheon ist eine geordnete Gruppe von Göttern. Die Götter haben bestimmte Aufgaben und folgen Regeln. Zur Ordnung können auch Familienbeziehungen oder Unterschiede in ihrer Macht gehören. Ein Pantheon ist deshalb mehr als eine Sammlung unverbundener Götterverehrungen.
Menschen konnten wählen, wen sie wann und wo anbeteten. Ihre jeweilige Lage konnte dabei eine Rolle spielen. Das zeigt die Erzählung von Atrachasis, einem Menschen, und Enki, einem Gott. Sie gehört zu einem langen religiösen Erzählwerk aus Mesopotamien, einer Region des Altertums. In dieser Erzählung tötet der Pestgott Namtar Menschen durch eine schwere Krankheit. Enki rät den Menschen, nur Namtar zu verehren und ihm Opfer zu bringen, also religiöse Gaben. Namtar hört daraufhin auf, Menschen zu töten.
Später lässt in derselben Erzählung der Regengott Adad keinen Regen fallen. Die ihm zugeordnete Korngöttin Nisaba lässt kein Korn wachsen. Nun rät Enki den Menschen, allein Adad und Nisaba zu verehren und ihnen Opfer zu bringen. Daraufhin regnet es wieder und Pflanzen wachsen. Das sind Ereignisse einer religiösen Erzählung, keine bestätigten Geschehnisse.
Die Wahl konnte auch als schwierig dargestellt werden. In einer anderen Erzählung muss sich die Gestalt Hippolytos zwischen den Göttinnen Artemis und Aphrodite entscheiden. Die Erzählung stellt es als Gefahr dar, eine Gottheit zu vernachlässigen.
Definition
Pantheon
Eine Gruppe von Göttern mit einer festen Ordnung, Beziehungen und zugeteilten Aufgaben.
Beispiel: Die wechselnde Verehrung in der Erzählung von Atrachasis
- 1Bei der tödlichen Krankheit rät Enki zur Verehrung Namtars.
- 2Als Regen und Korn ausbleiben, rät Enki zur Verehrung Adads und Nisabas.
- 3Die Menschen wenden sich je nach ihrer Lage an andere Götter.
Teste dich
Um eine Religion zu verstehen, untersuchen Forscher mehr als die Zahl ihrer Götter. Sie fragen auch: Wie hängen die Götter zusammen? Wen verehren die Menschen tatsächlich? Und welche Vorstellungen haben sie vom Göttlichen?
Ein Beispiel ist die Monolatrie. Dabei verehren Menschen nur eine Gottheit aus einer Götterwelt, zu der weitere Götter gehören. Eine andere Form heißt Henotheismus: Menschen glauben an mehrere Götter, erkennen aber für eine begrenzte Zeit oder in einer bestimmten Region einen höchsten Gott an. Die besondere Stellung eines Gottes bedeutet also nicht schon, dass der Glaube an andere Götter fehlt.
Auch Namen können beim Zählen täuschen. Durch den Austausch zwischen Kulturen konnte dieselbe Gottheit an zwei Orten unter unterschiedlichen Namen verehrt werden. Das war etwa bei Griechen, Etruskern und Römern der Fall, drei Völkern des Altertums. Unterschiedliche Namen müssen deshalb nicht unterschiedliche Gottheiten bedeuten.
In Religionen des Altertums mit mehreren Göttern konnte außerdem das Nachdenken über ein einziges, über allem stehendes göttliches Wesen Platz haben. Eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern meint, dass der Gegensatz zwischen Polytheismus und Monotheismus den Religionen des Altertums nicht gerecht wird. Die Begriffe helfen bei einer ersten Unterscheidung. Für ein genaueres Verständnis musst du jedoch auch Vorstellungen, Beziehungen und religiöse Handlungen betrachten.
Definition
Monolatrie
Die Verehrung nur einer Gottheit, obwohl weitere Götter zur Götterwelt gehören.
Definition
Henotheismus
Der Glaube an mehrere Götter, von denen einer zeitlich begrenzt oder in einer bestimmten Region als höchster Gott gilt.
Merke: Zähle nicht bloß Namen oder verehrte Götter. Frage auch nach dem Glauben und den Beziehungen der Götter zueinander.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Polytheismus
Polytheismus
Mehrere Götter werden als handelnde Persönlichkeiten vorgestellt.
Monotheismus
Die Religion kennt nur einen Gott.
Pantheon
Beziehungen, Aufgaben und Regeln ordnen die Götterwelt.
Verehrung
Menschen konnten je nach ihrer Lage verschiedene Götter anbeten.
Einteilung
Auch Beziehungen, religiöse Handlungen und Vorstellungen sind wichtig, nicht bloß die Zahl der Götter.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Entscheidung des Hippolytos erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, weshalb die Wahl zwischen Artemis und Aphrodite für die Erzählgestalt Hippolytos schwierig ist.
- 2Ausgangspunkt bestimmen: Hippolytos muss sich zwischen zwei Göttinnen entscheiden.
- 3Das Problem erkennen: Wer sich einer Göttin zuwendet, kann die andere vernachlässigen.
- 4Ergebnis formulieren: In der Erzählung gilt eine solche Vernachlässigung als Gefahr. Die Wahl einer Göttin macht die andere dort nicht bedeutungslos.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Götternamen und kulturellem Austausch In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Der Fehler ist das fehlende Wort „nicht“. Richtig: Unterschiedliche Namen müssen deshalb nicht unterschiedliche Gottheiten bedeuten.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Eine Religionsform mit mehreren persönlich vorgestellten Göttern heißt . In der Erzählung von Atrachasis sollen sich die Menschen während der tödlichen Krankheit an wenden. Wenn Menschen nur einen Gott aus einer Götterwelt mit weiteren Göttern verehren, nennt man das .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback