Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Christentum: Glaube, Entstehung und Geschichte
Du lernst, wie das Christentum entstand, was Christen glauben und wie Kirchen das Zusammenleben und die Politik beeinflussten.
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Kurz gesagt
Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum entstand und auf Jesus von Nazareth zurückgeht. Christen glauben an ihn als Sohn Gottes. Im Laufe der Geschichte entstanden unterschiedliche christliche Kirchen.
Warum gibt es verschiedene christliche Kirchen? Und wie hängen Glaube, Geschichte und Politik zusammen? Du lernst, zwischen Aussagen über vergangene Ereignisse und Aussagen des Glaubens zu unterscheiden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Die Wurzeln des Christentums liegen im Judentum. Es entstand zu Beginn des 1. Jahrhunderts in Palästina, einem damals von Rom beherrschten Gebiet. Jesus von Nazareth war ein jüdischer Wanderprediger: Er zog umher und sprach mit Menschen über seinen Glauben. Auch die ersten Christen waren Juden.
Jesu Anhänger glaubten, dass er von den Toten auferstanden sei. Sie sahen in ihm den Sohn Gottes und den erwarteten Messias, einen von Gott versprochenen Retter. Sie nannten ihn Jesus Christus. Andere Juden teilten diesen Glauben nicht. Der Streit über Jesus führte zu Spannungen und schließlich zur Trennung.
Eine Verbindung blieb in den heiligen Schriften erhalten. Die Bibel ist die wichtigste Sammlung heiliger Schriften der Christen. Ihr erster Teil heißt Altes Testament. Er entspricht inhaltlich bis auf Einzelheiten den jüdischen heiligen Schriften. Christen lesen diese Texte mit Blick auf Jesus. Die Namen Altes und Neues Testament drücken die christliche Vorstellung einer alten und einer neuen Verbindung zwischen Gott und den Menschen aus.
Definition
Christentum
Eine aus dem Judentum entstandene Religion. Im Mittelpunkt stehen Jesus Christus, sein Leben und seine Lehre.
Beispiel: Zwei Teile der christlichen Bibel
- 1Das Alte Testament entspricht inhaltlich bis auf Einzelheiten den jüdischen heiligen Schriften.
- 2Das Neue Testament enthält unter anderem Berichte über Jesus und die ersten christlichen Gemeinschaften.
- 3Beide Teile gehören zur christlichen Bibel.
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Eine historische Aussage beschreibt etwas, das in der Vergangenheit geschah. Dazu gehört: Jesus trat um 28–30 n. Chr. als jüdischer Wanderprediger auf und wurde in Jerusalem hingerichtet. Die Abkürzung n. Chr. bedeutet „nach Christus“ und gehört zu unserer Jahreszählung.
Eine Glaubensaussage beschreibt eine religiöse Überzeugung. Jesu Anhänger glaubten, dass er von den Toten auferstanden sei und Gottes Sohn sei. Die Mehrheit der Christen versteht seinen Tod am Kreuz als Erlösung: Nach diesem Glauben befreit Jesus Menschen von Schuld und versöhnt sie mit Gott.
Die weitaus meisten Christen glauben an einen Gott als Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Diese Vorstellung heißt Dreieinigkeit. Kleinere christliche Gruppen teilen diese Vorstellung nicht. Nach christlichem Glauben liebt Gott die Menschen bedingungslos. Die Liebe zum Mitmenschen heißt Nächstenliebe.
Achte beim Schreiben auf den Unterschied: Dass Menschen an Jesu Auferstehung glaubten, ist eine Aussage über ihren Glauben in der Vergangenheit. Dass Jesus auferstanden ist, ist selbst eine Glaubensaussage.
Merke: Du kannst einen Glauben historisch beschreiben, ohne ihn selbst zu teilen: „Jesu Anhänger glaubten an seine Auferstehung.“
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Aus Jesu Anhängern entstanden die ersten christlichen Gemeinden, also Gemeinschaften von Gläubigen. Paulus, ein früher Verkünder des christlichen Glaubens, half bei dessen rascher Ausbreitung im Römischen Reich. Nach und nach entstanden die Schriften des Neuen Testaments.
Im Römischen Reich wurden Christen zeitweilig geduldet und zeitweilig verfolgt. Die römischen Kaiser Konstantin und Licinius vereinbarten 313 die freie Wahl der Religion für alle Menschen. Diese Mailänder Vereinbarung machte das Christentum noch nicht zur Staatsreligion. Staatsreligion bedeutet, dass ein Staat eine Religion offiziell zu seiner Religion erklärt. Das geschah im Römischen Reich 380 unter Kaiser Theodosius I.
Auch innerhalb des Christentums gab es Veränderungen. Das Jahr 1054 gilt üblicherweise als Beginn der Trennung zwischen der westlichen, römisch-katholischen Kirche und der östlichen, orthodoxen Kirche. Diese Namen bezeichnen unterschiedliche christliche Kirchen.
Im 16. Jahrhundert führte die Reformation zu einer tiefen Spaltung der westlichen Kirche. Reformation bedeutet hier eine Bewegung zur Erneuerung der Kirche. Martin Luther, ein Lehrer für die Auslegung der Bibel, veröffentlichte 1517 seine 95 Thesen, also Aussagen. Aus der Reformation gingen mehrere neue Kirchen hervor, darunter die evangelischen Kirchen.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 313 | Konstantin und Licinius vereinbaren freie Religionswahl für alle. |
| 380 | Unter Theodosius I. wird das Christentum Staatsreligion im Römischen Reich. |
| 1054 | Dieses Jahr gilt üblicherweise als Beginn der Trennung von West- und Ostkirche. |
| 1517 | Martin Luther veröffentlicht seine 95 Thesen. |
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Christen waren sich nicht in allen Fragen einig. Sie stritten über Glaubenslehren und darüber, wer in der Kirche entscheiden durfte. Auch unterschiedliche Sprachen, politische Verhältnisse und Formen des Gottesdienstes spielten eine Rolle. Deshalb lässt sich die Entstehung verschiedener Kirchen nicht mit einem einzigen Grund erklären.
Westliche und östliche Christen entfernten sich über Jahrhunderte voneinander. In der westlichen Kirche entstanden Lehren, die nicht von gemeinsamen Versammlungen der Kirchenführer bestätigt worden waren. Dazu kamen Unterschiede in Sprache, Politik und Gottesdienst. 1054 schlossen der Papst, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, und der oberste Kirchenführer von Konstantinopel einander aus ihrer kirchlichen Gemeinschaft aus. Schon vorher hatte es unterschiedliche christliche Gruppen gegeben.
Bei der Reformation wollten Lehrer des christlichen Glaubens Zustände verändern, die sie in der katholischen Kirche für falsch hielten. Sie stritten auch darüber, was Kirche bedeutet und wie Menschen vor Gott von Schuld frei werden. Ein Teil blieb mit Rom verbunden. Andere lösten sich von Rom und bildeten neue Kirchen.
Für evangelische Kirchen ist die Bibel der entscheidende Maßstab des Glaubens. Die römisch-katholische Kirche stützt sich auf die Bibel und die kirchliche Überlieferung, also weitergegebene Lehren. Evangelische Kirchen erkennen frühe kirchliche Lehren an, soweit diese zu ihrem Verständnis der Bibel passen. Entscheidend ist für sie diese Übereinstimmung, nicht das kirchliche Amt des Verfassers. Im 20. Jahrhundert nahmen Gespräche und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kirchen zu.
Merke: Glaubensfragen, kirchliche Macht, Sprache und politische Verhältnisse konnten zur Entstehung verschiedener Kirchen beitragen.
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Christlicher Glaube konnte Menschen zur Hilfe für andere bewegen. Viele Christen setzen sich weltweit für Frieden und gegen Armut ein. Christliche Kirchen hatten aber auch politische Macht und waren an Gewalt beteiligt. Ein begründetes Urteil muss deshalb fragen: Wer handelte, was tat er und welche Folgen hatte das für andere?
In Russland überließ der Staat der orthodoxen Kirche lange Aufgaben in Familie, Hilfe für Bedürftige und Bildung. Die Kirche war zugleich dem Staat untergeordnet und stützte die Herrschaft des Zaren, des russischen Herrschers. Ihre Abhängigkeit von der staatlichen Macht schränkte ihre Möglichkeiten zum selbstständigen Handeln ein. Hilfe für Menschen und Unterstützung der Herrschaft konnten also zusammenkommen.
Auch Gewalt zwischen Christen gehörte zur Geschichte. Kreuzfahrer waren Teilnehmer religiös begründeter Kriegszüge. 1204 eroberten und plünderten christliche Kreuzfahrer aus der lateinischen Westkirche die christlich-orthodoxe Stadt Konstantinopel. Dort errichteten sie ein lateinisches Kaisertum. Es bestand bis 1261. Gemeinsamer christlicher Glaube verhinderte diesen Angriff nicht.
Nächstenliebe ist ein christliches Ziel. Du darfst daraus aber nicht schließen, dass jeder Christ diesem Ziel entsprechend handelte. Umgekehrt erklärt ein gewaltsamer Angriff nicht jedes christliche Handeln. Prüfe konkrete Taten und ihre Folgen, bevor du urteilst.
Definition
Begründetes Urteil
Du nennst einen Maßstab, prüfst passende Tatsachen und erklärst dein Ergebnis. Ein Maßstab kann etwa sein, ob Menschen Hilfe erhalten oder Gewalt erleiden.
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Alles auf einen Blick
Christentum
Ursprung
Das Christentum entstand aus dem Judentum. Jesus und seine ersten Anhänger waren Juden.
Glaube
Jesu Anhänger glaubten an seine Auferstehung und bekannten ihn als Sohn Gottes.
Zeitlicher Überblick
Auf die ersten Gemeinden folgten Ausbreitung, Veränderungen im Verhältnis zum Staat und mehrere Kirchenspaltungen.
Verschiedene Kirchen
Glaubensfragen, kirchliche Macht, Sprache und Politik trugen zu Trennungen bei.
Urteil
Hilfe für andere, politische Macht und Gewalt gehören zur Geschichte christlicher Kirchen. Prüfe konkrete Taten und Folgen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Rolle der orthodoxen Kirche in Russland beurteilen
- 1Aufgabe klären: Beurteile, ob die orthodoxe Kirche in Russland selbstständig handeln konnte.
- 2Eine Aufgabe feststellen: Der Staat überließ ihr lange Bildung und Hilfe für Bedürftige.
- 3Die Grenze feststellen: Gleichzeitig war die Kirche dem Staat untergeordnet und stützte die Herrschaft des Zaren.
- 4Urteil formulieren: Die Kirche hatte wichtige Aufgaben im Zusammenleben. Ihre Abhängigkeit vom Staat schränkte aber ihr selbstständiges Handeln ein.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Konstantinopel In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Das Wort „beschützten“ verwechselt gemeinsamen Glauben mit friedlichem Handeln. Richtig: 1204 eroberten und plünderten christliche Kreuzfahrer aus der lateinischen Westkirche Konstantinopel.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Jesus trat um n. Chr. als jüdischer Wanderprediger auf. Als Beginn der Trennung zwischen West- und Ostkirche gilt üblicherweise . Die Veröffentlichung von Luthers 95 Thesen erfolgte .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback