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Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert

Sozialdarwinismus: Ideologie erkennen und prüfen

Du lernst, Sozialdarwinismus von Evolution zu unterscheiden und zu prüfen, wie aus Naturbeschreibungen Forderungen über Menschen werden.

0 von 8 Aufgaben gelöst

Sozialdarwinismus: Ideologie erkennen und prüfen

Kurz gesagt

Sozialdarwinismus überträgt Vorstellungen von Konkurrenz und biologischer Auslese auf die Gesellschaft. Menschenabwertende Varianten erklären Ungleichheit zur natürlichen Ordnung. Biologische Evolution begründet aber keine Regeln dafür, wie Menschen einander behandeln sollen.

Bedeutet Erfolg im Wettbewerb, dass jemand mehr Rechte verdient? Um solche Aussagen zu prüfen, musst du eine Beschreibung von einer Forderung unterscheiden. Du lernst, diesen Unterschied zu erkennen und historische Rechtfertigungen von Unterdrückung zu untersuchen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

3 Abschnitte

Biologische Evolution bedeutet, dass sich Lebewesen über Generationen verändern. Ein Vorgang dabei ist die natürliche Selektion, also die natürliche Auslese: Lebewesen unterscheiden sich in vererbbaren Merkmalen und haben unterschiedlich viel Erfolg bei der Fortpflanzung. Vererbbare Merkmale sind Eigenschaften, die an Nachkommen weitergegeben werden können.

Biologische Fitness bezeichnet den Fortpflanzungserfolg in einer bestimmten Umwelt. Dabei geht es um den Erfolg bei der Weitergabe vererbbarer Merkmale an Nachkommen. Gemeint ist weder körperliche Stärke noch eine Bewertung, ob jemand gut oder schlecht handelt. Evolution hat auch nicht das Ziel, Lebewesen moralisch besser zu machen. Darwin veröffentlichte 1859 sein Werk über die Entstehung der Arten. Dieses Werk ist keine Handlungsanweisung zur Unterdrückung von Menschen.

Sozialdarwinismus ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Deutungen der Gesellschaft. Sie übertragen Vorstellungen von Konkurrenz und biologischer Auslese auf das Zusammenleben von Menschen. In menschenabwertenden Varianten wird soziale Ungleichheit als natürliche Ordnung ausgegeben. Der Erfolg der angeblich Stärkeren erscheint dann als gerechtfertigt. Eine solche politische Wertung gehört zu einer Ideologie, also zu Vorstellungen darüber, wie Gesellschaft geordnet sein soll. Sie folgt nicht notwendig aus der Biologie.

Solche Deutungen verbreiteten sich besonders in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Vorstellungen von einer gesellschaftlichen Entwicklung nach dem Muster der Natur gab es schon vor Darwin. Die Philosophin Manuela Lenzen versteht sein Werk deshalb als Beschleuniger einer bereits begonnenen Entwicklung. Sie nennt es nicht deren Ursprung. Die verschiedenen Strömungen hatten nicht alle dieselben politischen Ziele. Die nationalsozialistische Diktatur war keine zwangsläufige Folge von Darwins Werk.

Definition

Sozialdarwinismus

Sammelbegriff für gesellschaftliche Deutungen, die Vorstellungen von Konkurrenz und biologischer Auslese auf Menschen übertragen. Menschenabwertende Varianten geben soziale Ungleichheit als natürliche Ordnung aus.

Merke: Eine Erklärung biologischer Vorgänge entscheidet nicht darüber, welche Rechte Menschen haben sollen.

Teste dich

LeichtWelche Aussage beschreibt biologische Evolution?

Alles auf einen Blick

Sozialdarwinismus

  • Begriff

    Sozialdarwinismus umfasst unterschiedliche Übertragungen biologischer Vorstellungen auf die Gesellschaft.

  • Abgrenzung

    Biologische Evolution beschreibt Veränderungen und begründet keine Unterdrückung.

  • Fehlschluss

    Aus einer Naturbeschreibung folgt ohne zusätzliche Begründung keine moralische Forderung.

  • Verantwortung

    Nationalsozialistische Behörden und medizinische Täter rechtfertigten Eingriffe und Morde mit angeblichen erblichen Wertunterschieden.

  • Prüfung

    Wettbewerb allein reicht nicht aus; untersuche behauptete Wertunterschiede und die damit geforderte Behandlung von Menschen.

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Beispieltext, ausgedacht: Wie wird aus einer Beschreibung eine Ideologie?

  1. 1Die zu prüfende Aussage lautet: In der Natur gibt es Konkurrenz. Deshalb sollen Verlierer im Wettbewerb weniger Rechte haben. Der zweite Satz enthält eine unbegründete Forderung; eine Naturbeschreibung rechtfertigt keinen Entzug gleicher Rechte.
  2. 2Beobachtung bestimmen: Der erste Satz behauptet Konkurrenz in der Natur.
  3. 3Übertragung erkennen: Diese Beobachtung wird auf den Wettbewerb zwischen Menschen übertragen.
  4. 4Rangordnung und Forderung herausarbeiten: Aus einem schlechteren Wettbewerbsergebnis soll eine schlechtere rechtliche Stellung folgen.
  5. 5Urteil begründen: Der Sprung zur Forderung bleibt unbegründet. Biologische Vorgänge entscheiden nicht über Menschenwürde und gleiche Grundrechte.

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Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Darwin veröffentlichte sein Werk über die Entstehung der Arten . Gerda D., der nationalsozialistische Behörden später die Heirat verboten, arbeitete als . Artikel 1 des Grundgesetzes schützt die .

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Sozialdarwinismus

LeichtWie ordnet die Philosophin Manuela Lenzen Darwins Werk historisch ein?
MittelWie erklärte der Geograph Alfred Kirchhoff 1884 den Erfolg eines Volkes im internationalen Wettbewerb?
SchwerWie helfen Menschenwürde und Gleichheit vor dem Gesetz beim Prüfen einer Aussage über Wettbewerb?

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