Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Nationalsozialismus: Ideologie, Diktatur und Verbrechen
Du lernst, wie die Nationalsozialisten ihre Diktatur aufbauten und wie Ideologie, gesellschaftliche Kontrolle, Krieg und Völkermord zusammenhingen.
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Kurz gesagt
Der Nationalsozialismus verband Rassismus und Judenfeindschaft mit Diktatur und Eroberungszielen. Die Nationalsozialisten zerstörten die Demokratie schrittweise. Ihre Herrschaft führte durch konkrete Entscheidungen zu Verfolgung, Krieg und Völkermord.
Wie konnte eine Demokratie schrittweise zerstört werden? Beim Nationalsozialismus untersuchst du politische Entscheidungen, Gewalt und gesellschaftliche Unterstützung. Dabei unterscheidest du zwischen den Zielen der Herrscher und dem Verhalten einzelner Menschen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die nationalsozialistische Ideologie verband Rassismus, radikalen Antisemitismus, die Ablehnung demokratischer Kontrolle und das Ziel, andere Gebiete zu erobern. Antisemitismus bedeutet Judenfeindschaft. Die Abkürzung NS steht für nationalsozialistisch oder Nationalsozialismus.
Die Nationalsozialisten behaupteten, es gebe unterschiedliche Menschenrassen mit unterschiedlichem Wert. Diese angeblichen Rassen und ihre Rangordnung waren rassistische Falschbehauptungen und wissenschaftlich unbegründet.
Mit dem Propagandabegriff „Volksgemeinschaft“ versprach die NS-Herrschaft Zugehörigkeit für Menschen, die sie anerkannte. Zugleich schloss sie andere aus rassistischen oder politischen Gründen aus. Das Versprechen galt also nicht für alle.
Das nationalsozialistische „Führerprinzip“ verlangte Unterordnung unter die Führung. Demokratische Kontrolle sollte dadurch ersetzt werden. Die Vorstellungen von Ungleichheit, Ausgrenzung und Unterordnung gehörten zusammen.
Definition
Ideologie
Eine Ideologie verbindet Vorstellungen darüber, wie Gesellschaft und Herrschaft geordnet sein sollen.
Merke: „Volksgemeinschaft“ war ein ausgrenzendes Versprechen der Nationalsozialisten. Der Begriff beschreibt keine Gemeinschaft mit gleichen Rechten für alle.
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Reichspräsident Hindenburg, das Staatsoberhaupt, ernannte Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler, also zum Regierungschef. Einflussreiche konservative Kreise ermöglichten diese Machtübertragung. Hitler wurde nicht direkt zum Diktator gewählt. Mit der Ernennung war der Aufbau der Diktatur noch nicht abgeschlossen.
Die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 setzte Grundrechte außer Kraft. Am 23. März 1933 wurde das Ermächtigungsgesetz unter Terror und Ausschaltung von Gegnern verabschiedet. Es erlaubte der Regierung, Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen. Die anwesenden Abgeordneten der SPD, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, stimmten dagegen. Kommunistische Abgeordnete waren ausgeschlossen.
Die sogenannte Gleichschaltung beseitigte politische und gesellschaftliche Selbstständigkeit. Nach dem Verbot der SPD und der Selbstauflösung weiterer Parteien ließ das Gesetz vom 14. Juli 1933 nur die nationalsozialistische Partei NSDAP zu.
1934 starb Hindenburg. Danach vereinigte Hitler die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers. Die Ernennung 1933 und die Ämtervereinigung 1934 waren unterschiedliche Schritte. Solche Entscheidungen beseitigten Kontrolle und Gegenmacht. Dass Maßnahmen als Gesetze beschlossen wurden, machte sie unter diktatorischen Bedingungen nicht demokratisch.
| Zeitpunkt | Schritt |
|---|---|
| 30. Januar 1933 | Hindenburg ernannte Hitler zum Reichskanzler. |
| 28. Februar 1933 | Die Reichstagsbrandverordnung setzte Grundrechte außer Kraft. |
| 23. März 1933 | Das Ermächtigungsgesetz erlaubte Regierungsgesetze ohne Zustimmung des Parlaments. |
| 14. Juli 1933 | Ein Gesetz ließ nur die NSDAP als Partei zu. |
| 1934 | Hitler vereinigte nach Hindenburgs Tod die beiden höchsten Staatsämter. |
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Die NS-Herrschaft setzte Terror ein: Sie bedrohte, verhaftete und misshandelte Verfolgte und politische Gegner. Gesellschaftliche Kontrolle wirkte zusätzlich über Organisationen und öffentliche Erwartungen an das Verhalten der Menschen.
Anpassung und Zustimmung sind nicht dasselbe. Menschen konnten sich aus Angst anpassen, Vorteile suchen oder mitlaufen. Zustimmung bedeutete dagegen Unterstützung der NS-Herrschaft. Deshalb beweist die sichtbare Teilnahme an einer Veranstaltung allein keine innere Überzeugung.
Propaganda sollte Einstellungen und Verhalten im Sinne der Herrschenden beeinflussen. Gemeinschaftsversprechen und gezielt gestaltete Veranstaltungen konnten Zustimmung fördern. Diese Absicht beweist jedoch nicht, dass alle Teilnehmer überzeugt wurden. Propaganda und Terror wirkten zusammen, erklären aber nicht jede persönliche Entscheidung auf dieselbe Weise.
Beispiel: Redaktionelles Vergleichsbeispiel: Herrschaftsmittel unterscheiden
- 1Drohungen und Verhaftungen gegen politische Gegner gehören zum Terror.
- 2Öffentliche Erwartungen und Organisationen gehören zur gesellschaftlichen Kontrolle.
- 3Beide Mittel konnten zusammenwirken. Trotzdem musst du sie bei einer Erklärung unterscheiden.
Merke: Beobachtbares Verhalten verrät nicht von selbst das Motiv. Anpassung aus Angst ist etwas anderes als Unterstützung aus Überzeugung.
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Schon ab 1933 schloss die NS-Herrschaft jüdische Menschen durch Gesetze und Gewalt aus. Die Nürnberger Gesetze von 1935 und spätere ergänzende Verordnungen verschärften den Entzug von Rechten. Bei den Novemberpogromen 1938 richtete sich offene Gewalt im ganzen Reich gegen jüdische Menschen, Synagogen, Geschäfte und Wohnungen. Synagogen sind jüdische Gebetshäuser. Die NS-Führung billigte die Gewalt. Weder der Entzug von Rechten noch die Gewalt begannen erst 1935 oder 1938.
Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg in Europa. Durch die Besetzung weiterer Gebiete gerieten zusätzliche jüdische Menschen unter deutsche Herrschaft.
Im Juni 1941 überfiel Deutschland die Sowjetunion, einen damals bestehenden Staat. Danach steigerten deutsche Einheiten die Massenerschießungen bis zur Ermordung ganzer jüdischer Gemeinden. Ab Ende 1941 betrieben die Nationalsozialisten eigens eingerichtete Tötungszentren. 1942 weitete sich der systematisch organisierte Mord aus. Die Verbrechen dauerten bis 1945 an.
Der rassistische Eroberungskrieg vergrößerte den deutschen Herrschaftsraum und erleichterte Deportationen, also gewaltsame Verschleppungen, und Massenmord. Die Ideologie lieferte Ziele und Feindbilder. Staatliche Macht, Organisation und konkrete Entscheidungen ermöglichten ihre Umsetzung. Der Völkermord war keine zwangsläufige Folge einer Jahreszahl. Auch verlief die Verfolgung nicht an jedem Ort in denselben Schritten.
Neben den europäischen Juden ermordeten die Nationalsozialisten auch Sinti und Roma in einem Völkermord. Sie verfolgten und ermordeten außerdem unter anderem Menschen mit Behinderungen und politische Gegner. Weitere Gruppen wurden verfolgt. Gründe, Maßnahmen und Zeitverläufe unterschieden sich. Jüdische Menschen hatten Familien, Berufe, Überzeugungen und trafen eigene Entscheidungen. Ihre Geschichte umfasst mehr als die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.
Am 8. Mai 1945 endeten mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, der deutschen Streitkräfte, die NS-Herrschaft und der Zweite Weltkrieg in Europa. Kapitulation bedeutet hier, den militärischen Kampf aufzugeben. Dieses Datum bezeichnet nicht das weltweite Kriegsende.
Merke: Rassistische Ziele erklären nicht allein, wie Verbrechen umgesetzt wurden. Dazu musst du auch Herrschaftsmittel, Krieg, Organisation und Entscheidungen untersuchen.
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Alles auf einen Blick
Nationalsozialismus
Ideologie
Rassismus, Judenfeindschaft, Unterordnung und Eroberungsziele prägten den Nationalsozialismus.
Diktaturaufbau
Konkrete politische Schritte beseitigten Grundrechte, Selbstständigkeit und demokratische Kontrolle.
Gesellschaft
Terror, Kontrolle, Anpassung und Zustimmung sind miteinander verbunden, aber nicht gleichbedeutend.
Verbrechen
Der Eroberungskrieg erweiterte die Möglichkeiten für Verschleppungen und Massenmord.
Verantwortung
Die Verbrechen beruhten auf Entscheidungen und waren keine zwangsläufige Entwicklung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Krieg und erweiterte Verfolgungsmöglichkeiten erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Vergrößerung des deutschen Herrschaftsraums für die Verfolgung jüdischer Menschen wichtig war. Dies ist eine redaktionelle Auswertung, kein historischer Bericht.
- 2Ausgangspunkt bestimmen: Durch die Besetzung weiterer Gebiete gerieten zusätzliche jüdische Menschen unter deutsche Herrschaft.
- 3Zusammenhang erklären: Der vergrößerte Herrschaftsraum erleichterte den Nationalsozialisten gewaltsame Verschleppungen und Massenmord.
- 4Grenze benennen: Die räumliche Ausdehnung machte Verbrechen leichter durchführbar. Sie machte sie nicht zwangsläufig; konkrete Entscheidungen und Organisation blieben entscheidend.
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Prüfe die Aussagen zur Vereinigung der Staatsämter In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage zieht die spätere Ämtervereinigung in das Jahr der Ernennung vor. Richtig: Hitler vereinigte 1934 nach Hindenburgs Tod die Ämter von Reichspräsident und Reichskanzler.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Nürnberger Gesetze verschärften die Entrechtung. Am 23. März 1933 waren die Abgeordneten von der Abstimmung ausgeschlossen. Der deutsche Überfall auf begann am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg in Europa.
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