Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Rassismus im Imperialismus einfach erklärt
Du lernst, wie rassistische Behauptungen koloniale Herrschaft rechtfertigten und wie Gewalt, Widerstand und Nachwirkungen damit zusammenhängen.
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Kurz gesagt
Rassismus diente im Imperialismus dazu, die Herrschaft einer fremden Macht mit angeblicher Überlegenheit zu rechtfertigen. Diese Rangordnung war wissenschaftlich unbegründet. Koloniale Denkmuster wirken in Sprache, Sammlungen und Erinnerung nach.
Im europäischen Hochimperialismus nutzten Befürworter kolonialer Herrschaft falsche Behauptungen über ihre eigene Überlegenheit. Du untersuchst diese Rechtfertigungen und die ausgeblendeten Sichtweisen. Schaubild: Rassistische Ideologie diente zur Rechtfertigung kolonialer Herrschaft. Die Pfeile vereinfachen Zusammenhänge und zeigen keine zwangsläufige Entwicklung.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Imperialismus bedeutet, dass eine Macht ihren Einfluss über die eigenen Grenzen hinaus ausdehnt. Das kann durch unmittelbare Herrschaft geschehen, aber auch durch indirekten Einfluss.
Kolonialismus ist eine Form davon. Eine fremde Macht beherrscht ein Gebiet. Sie bestimmt dort wichtige Lebensbedingungen der Bevölkerung nach ihren eigenen Interessen. Die beherrschten Menschen werden als Kolonisierte bezeichnet.
Rassismus schreibt Gruppen von Menschen angeblich feste Eigenschaften zu und ordnet sie in eine Rangfolge. Diese erfundene Rangordnung dient dazu, Ungleichbehandlung zu rechtfertigen. Rassismus ist eine Ideologie und zeigt sich auch im gesellschaftlichen Handeln. Er ist kein anderes Wort für Kolonialismus.
Die Vorstellung biologisch abgegrenzter Menschenrassen hat keine wissenschaftliche Grundlage. Hautfarbe begründet keinen unterschiedlichen Wert von Menschen.
Definition
Ideologie
Ein System von Vorstellungen, mit dem Menschen die Welt erklären und politisches Handeln begründen.
Merke: Imperialismus bezeichnet Machtausdehnung, Kolonialismus Fremdherrschaft. Rassismus behauptet eine Rangordnung zwischen Menschengruppen und rechtfertigt Ungleichbehandlung.
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Legitimation bedeutet Rechtfertigung. Im europäischen Hochimperialismus behaupteten Befürworter der Ausdehnung kolonialer Herrschaft, sie seien anderen Menschen überlegen. Damit stellten sie ihre Herrschaft als berechtigt dar. Die behauptete Rangordnung war falsch.
Der französische Politiker Jules Ferry rechtfertigte im Juli 1885 Kolonialbesitz mit einer angeblichen Pflicht zur „Zivilisierung“. Damit meinte er eine vermeintliche Aufgabe, die Lebensweise anderer Menschen nach europäischen Vorstellungen zu verändern. Seine Behauptung wertete Europäer auf und machte daraus einen Vorwand für Fremdherrschaft.
Auch Wissenschaftler beteiligten sich an solchen Rechtfertigungen. Sie versuchten, durch Messungen von Körpern und Schädeln feste Menschengruppen und eine Rangordnung zu begründen. Die behauptete Rangordnung war bereits als Vorurteil vorgegeben. Die Messungen sollten sie stützen. Diese Pseudowissenschaft, also scheinbare Wissenschaft, ließ Vorurteile wie gesichertes Wissen aussehen. Die Messungen bewiesen keine unterschiedliche Wertigkeit von Menschen.
Politische und wirtschaftliche Herrschaftsinteressen verbanden sich mit rassistischen Rechtfertigungen. Rassismus erklärt deshalb nicht allein jede koloniale Entwicklung.
Definition
Legitimation
Legitimation bedeutet Rechtfertigung. Hier geht es darum, mit welchen Behauptungen koloniale Herrschaft als berechtigt dargestellt wurde.
Merke: Eine rassistische Behauptung kann Herrschaft rechtfertigen helfen, ohne wahr zu sein. Auch Messungen machten die behauptete Rangordnung nicht wissenschaftlich richtig. Das Schaubild ist ein vereinfachtes Erklärmodell und kein historischer Beleg. Seine Pfeile zeigen weder eine zwangsläufige Entwicklung noch eine einzige Ursache.
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Bei einer Aussage über koloniale Herrschaft kannst du vier Fragen stellen: Wer spricht? Welche Rangordnung behauptet der Sprecher? Wem soll sie Macht geben? Wessen Sichtweise fehlt?
Ferrys Argument lässt sich so zusammenfassen: Er erklärte Kolonialbesitz zur angeblichen Aufgabe der Europäer, die er selbst als überlegen darstellte. Das ist eine Zusammenfassung seiner Argumentation, kein wörtliches Zitat. Die behauptete Überlegenheit war falsch.
Das Muster besteht aus zwei Schritten: Zuerst wertet der Sprecher die eigene Gruppe auf. Dann leitet er daraus ein Recht auf Herrschaft über andere ab. Bei Ferry fehlen dabei die Sichtweisen und Kenntnisse der Menschen, über die entschieden werden soll. Ebenso fehlt ihre Selbstbestimmung, also ihr Recht, über das eigene Leben zu entscheiden.
Eine fehlende Sichtweise darfst du benennen. Du darfst aber keine Aussagen erfinden und sie den betroffenen Menschen zuschreiben. Ihre eigenen Entscheidungen und ihr Widerstand gehören ebenfalls zur Geschichte.
Merke: Prüfe den Weg von der behaupteten Überlegenheit zum beanspruchten Recht auf Herrschaft. Benenne anschließend, wessen Sichtweise und Selbstbestimmung ausgeblendet werden.
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Im Gebiet des heutigen Namibia zeigte sich der Zusammenhang von kolonialem Rassismus und Gewalt. Der deutsche General Lothar von Trotha verfolgte rassistische Kriegsziele. 1904 führte er einen Feldzug gegen die Ovaherero, der auf ihre Vernichtung zielte. Deutsche Truppen sperrten Überlebende in Lager und zwangen sie zur Arbeit. Durch diese Zwangsarbeit und die Haftbedingungen töteten sie viele Menschen. Diese Politik der Vernichtung wird als Völkermord eingeordnet. Verantwortlich waren bestimmte Personen im Militär und im Staat. Daraus folgt keine Schuld einer Bevölkerungsgruppe über alle Zeiten hinweg.
Die Kolonisierten trafen eigene Entscheidungen und leisteten Widerstand. Hendrik Witbooi war ein Anführer von Nama im Kampf gegen die deutsche Kolonialmacht. Nach zeitweiliger Zusammenarbeit kämpften Nama unter Witbooi ab Oktober 1904 gegen die Deutschen. Ihre Beziehungen zur Kolonialmacht veränderten sich. Sie waren nicht bloß Menschen, denen etwas geschah.
Koloniale rassistische Denkmuster verschwanden nicht mit dem Ende der formalen, also offiziell bestehenden Kolonialherrschaft. Bis heute können sprachliche Bilder Menschen auf angeblich feste Gruppenmerkmale reduzieren. Auch Vorstellungen über Kultur können zur Abwertung dienen. Nicht jede kulturelle Unterscheidung ist rassistisch. Entscheidend sind feste Zuschreibungen, eine Rangordnung und Ausgrenzung.
In Museen und wissenschaftlichen Sammlungen blieb der koloniale Blick lange wirksam. Gemeint ist eine Sichtweise, die Menschen aus den Kolonien durch die Vorstellungen der Kolonialherren betrachtete. Deshalb werden die Herkunft der Sammlungen und ihre Darstellung kritisch untersucht. Daraus folgt nicht, dass jede heutige Einrichtung unverändert kolonial handelt.
Öffentliche Erinnerung kann sich verändern. Der Bremer Elefant wurde 1932 als Kolonialdenkmal eingeweiht. In den 1990er Jahren wurde er durch Initiativen von Bürgergruppen zu einem antikolonialen Mahnmal umgedeutet: Er sollte nun vor kolonialem Unrecht warnen. Neue Tafeln erinnerten an Opfer kolonialer Gewalt und deutsche Verantwortung.
Beispiel: Sammlungen kritisch untersuchen
- 1In Museen und wissenschaftlichen Sammlungen blieb der koloniale Blick lange wirksam.
- 2Zur Aufarbeitung gehört die Frage, woher die Sammlungen stammen.
- 3Auch die Art, wie Menschen und ihre Lebensweisen dargestellt werden, wird kritisch untersucht.
Merke: Nachwirkungen können in Sprache, Sammlungen und Erinnerung liegen. Prüfe konkrete Zusammenhänge, statt heutigen Menschen oder Einrichtungen pauschal dieselbe Verantwortung zuzuschreiben.
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Alles auf einen Blick
Rassismus im Imperialismus
Begriffe
Imperialismus ist Machtausdehnung, Kolonialismus Fremdherrschaft und Rassismus eine Ideologie und Praxis der Ungleichbehandlung.
Rechtfertigung
Behauptete Überlegenheit wurde zum Vorwand für koloniale Herrschaft.
Scheinwissenschaft
Körper- und Schädelmessungen bewiesen keine unterschiedliche Wertigkeit von Menschen.
Analyse
Prüfe Selbstaufwertung, Herrschaftsanspruch und ausgeblendete Sichtweisen.
Gewalt und Widerstand
Trotha betrieb 1904 im heutigen Namibia Vernichtungspolitik gegen die Ovaherero. Nama unter Witbooi kämpften nach zeitweiliger Zusammenarbeit ab Oktober 1904 gegen die deutsche Kolonialmacht.
Nachwirkungen
Koloniale Denkmuster können in Sprache, Sammlungen und öffentlicher Erinnerung fortwirken. Menschen können diese Überlieferungen kritisch untersuchen und Erinnerung verändern.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ferrys Rechtfertigung Schritt für Schritt untersuchen
- 1Argument zusammenfassen: Der französische Politiker Jules Ferry erklärte Kolonialbesitz zur angeblichen Aufgabe der Europäer, die er als überlegen darstellte. Das ist eine Zusammenfassung, kein Zitat.
- 2Selbstaufwertung erkennen: Ferry behauptete eine europäische Überlegenheit. Diese Rangordnung war falsch.
- 3Herrschaftsanspruch erklären: Aus seiner behaupteten Überlegenheit leitete er eine Berechtigung zur Fremdherrschaft ab.
- 4Fehlende Perspektive benennen: Die Sichtweisen, Kenntnisse und Selbstbestimmung der Menschen, über die entschieden werden sollte, blieben ausgeblendet.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Bremer Elefanten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt das Jahr der Einweihung mit der späteren Umdeutung. Richtig: Durch Initiativen von Bürgergruppen wurde der Bremer Elefant in den 1990er Jahren zum antikolonialen Mahnmal umgedeutet.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Jules Ferry begründete im Juli Kolonialbesitz mit einer angeblichen Pflicht zur „Zivilisierung“. Der Bremer Elefant wurde als Kolonialdenkmal eingeweiht. Nach zeitweiliger Zusammenarbeit kämpften Nama unter Witbooi ab Oktober gegen die deutsche Kolonialmacht.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback