Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Rassismus: Bedeutung, Geschichte und Handeln
Du lernst, Rassismus zu erkennen, seine Wirkungsweisen und Geschichte zu unterscheiden und Betroffene sicher zu unterstützen.
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Kurz gesagt
Rassismus ordnet Menschen wegen zugeschriebener Herkunft, äußerer Merkmale oder angeblich unveränderlicher Kultur Gruppen zu und wertet sie ab. Dabei werden allen Gruppenmitgliedern gleiche Eigenschaften zugeschrieben. Er kann durch einzelne Menschen, Organisationsregeln und gesellschaftliche Verhältnisse wirken.
Wird jemand ungerecht behandelt, lohnt sich genaues Hinsehen: Welche Rolle spielen dabei Herkunft oder äußere Merkmale? Du lernst, woran du Rassismus erkennst und wie sich seine Formen verändert haben. Außerdem erfährst du, wie du helfen kannst, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Rassismus teilt Menschen anhand äußerer Merkmale, einer zugeschriebenen Herkunft oder einer angeblich unveränderlichen Kultur in Gruppen ein. Zugeschrieben bedeutet: Andere behaupten etwas über einen Menschen, ohne dass es dessen eigener Beschreibung entsprechen muss. Kultur meint hier etwa Lebensweisen und Vorstellungen.
Diesen Gruppen werden pauschal Eigenschaften zugeschrieben. Pauschal heißt: Die Behauptung soll für die ganze Gruppe gelten, ohne den einzelnen Menschen zu betrachten. Damit verbinden sich Abwertung und Ausgrenzung. Nicht jede Meinungsverschiedenheit oder Ungerechtigkeit ist deshalb rassistisch. Prüfe konkret: Welche Zuschreibung liegt vor? Wer wird dadurch abgewertet oder ausgeschlossen?
Die Jenaer Erklärung von 2019 ist eine wissenschaftliche Erklärung gegen die Einteilung der Menschheit in biologische „Rassen“. Für eine solche Einteilung gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Menschen unterscheiden sich, aber daraus folgt keine natürliche Rangordnung von Menschengruppen. Menschen haben rassistische Einteilungen geschaffen; deren Folgen sind trotzdem real.
Definition
Zuschreibung
Eine Zuschreibung ist eine Eigenschaft oder Zugehörigkeit, die andere einem Menschen zuordnen.
Merke: Prüfe Zuschreibung, Abwertung und Ausgrenzung. Eine beliebige Meinungsverschiedenheit reicht nicht aus, um Rassismus festzustellen.
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Individuell bedeutet: Es geht um abwertende Äußerungen oder Handlungen eines einzelnen Menschen. Institutionell bedeutet: Regeln und gewohnte Abläufe einer Organisation können Menschen benachteiligen. Eine Organisation ist zum Beispiel eine Einrichtung mit gemeinsamen Aufgaben und Regeln.
Strukturell bedeutet: Gesellschaftliche Verhältnisse wirken über mehrere Bereiche zusammen. Bei Rassismus können sich beispielsweise Nachteile beim Wohnen, in der Ausbildung und bei der Arbeit verbinden. Diese Ebenen können sich gegenseitig verstärken. Sie sind keine getrennten Schubladen.
Eine Benachteiligung setzt nicht immer eine offen erklärte rassistische Absicht voraus. Deshalb musst du neben Äußerungen auch Regeln und ihre Wirkungen prüfen. Ein einzelner Fall allein beweist noch nicht, wie Benachteiligungen in der gesamten Gesellschaft verteilt sind.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Bewerbungsregel
- 1Eine Organisation schließt Bewerber pauschal wegen ihrer zugeschriebenen Herkunft aus.
- 2Hier geht es um eine Regel der Organisation. Deshalb untersuchst du institutionelles Wirken.
- 3Dieser erfundene Fall zeigt eine Wirkungsweise. Er belegt nicht, wie häufig solche Regeln vorkommen.
Teste dich
Rassismus hat eine Geschichte. Seine Formen und Begründungen veränderten sich. Im 18. Jahrhundert wurden Einteilungen von Menschen mit der Rechtfertigung von Ungleichheit verbunden. Das bedeutet nicht, dass Rassismus genau in diesem Jahrhundert begann.
Im 19. Jahrhundert gewannen Vorstellungen von angeblichen Kämpfen zwischen „Rassen“ großen Einfluss. Die dabei behaupteten biologischen „Rassen“ sind keine wissenschaftlich begründete Einteilung der Menschheit.
Im Nationalsozialismus wurde rassistische Ausgrenzung bis zum Völkermord verschärft. Seine Anhänger, die Nationalsozialisten, ermordeten Menschen aufgrund rassistischer Einteilungen.
Nach 1945 verschwanden rassistische Muster nicht. Auch die Behauptung, kulturelle Unterschiede seien unveränderlich, konnte dazu dienen, Menschen abzuwerten. Du erkennst daran: Rassismus ist nicht auf Behauptungen über Biologie beschränkt.
Merke: Veränderte Begründungen bedeuten nicht, dass Rassismus verschwunden ist. Auch angeblich unveränderliche kulturelle Unterschiede können zur Abwertung dienen.
Teste dich
Verbinde genaues Hinsehen mit Unterstützung: Welche konkrete Zuschreibung liegt vor? Wer wird benachteiligt? Welche Hilfe ist sicher und erwünscht? Beachte die Wünsche der Betroffenen. Niemand muss persönliche Erfahrungen vor der Klasse erzählen. Zum Üben reichen erfundene Situationen.
Wenn die Bedingungen sicher sind, kannst du eine klare Grenze gegen die Abwertung setzen. Ziehe vertrauenswürdige Erwachsene oder Lehrkräfte hinzu. Unterstützung bedeutet nicht, dass du eine gefährliche Situation selbst lösen musst.
Bei bedrohlicher Gewalt hältst du Abstand, bittest andere gezielt um Hilfe und rufst die Polizei unter 110. Bring dich nicht selbst in Gefahr. Stelle dich einer gewalttätigen Gruppe nicht allein entgegen.
Merke: Hilf so, dass du dich nicht selbst gefährdest. Beachte die Wünsche der Betroffenen und hole Unterstützung.
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Alles auf einen Blick
Rassismus
Erkennen
Rassismus verbindet Gruppenzuschreibungen wegen zugeschriebener Herkunft, äußerer Merkmale oder angeblich unveränderlicher Kultur mit Abwertung und Ausgrenzung.
Unterschiede
Unterschiede zwischen Menschen begründen keine natürliche Rangordnung von Menschengruppen.
Wirkungsweisen
Einzelne Handlungen, Organisationsregeln und gesellschaftliche Verhältnisse können sich verstärken.
Geschichte
Rassismus verändert seine Formen; nach 1945 verschwanden rassistische Muster nicht.
Handeln
Beachte die Wünsche Betroffener, hole Unterstützung und gefährde dich nicht selbst.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: Unterstützung gemeinsam planen
- 1Ein Schüler möchte nach einer rassistischen Abwertung mit einer Lehrkraft sprechen, der er vertraut. Er bittet einen Mitschüler, ihn zu begleiten. Die Situation ist sicher.
- 2Wunsch erkennen: Der betroffene Schüler möchte Unterstützung beim Gespräch mit einer Lehrkraft.
- 3Sicherheit prüfen: Für das gemeinsame Gespräch besteht in diesem Beispiel keine bedrohliche Lage.
- 4Vorgehen begründen: Der Mitschüler begleitet ihn. Das beachtet seinen Wunsch und bezieht eine vertrauenswürdige erwachsene Person ein.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Untersuchung von Benachteiligung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht aus einem Einzelfall einen Beweis für die gesamte Gesellschaft. Richtig: Ein einzelner Fall allein beweist noch nicht, wie Benachteiligungen in der gesamten Gesellschaft verteilt sind.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Jenaer Erklärung von erläutert, warum die Einteilung der Menschheit in biologische „Rassen“ wissenschaftlich nicht begründet ist. Vorstellungen von angeblichen Kämpfen zwischen „Rassen“ gewannen im großen Einfluss. Wenn Nachteile beim Wohnen, in der Ausbildung und bei der Arbeit zusammenwirken, untersuchst du Wirken.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback