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Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert

Sinti und Roma im Nationalsozialismus erklärt

Du lernst, wie Behörden Sinti und Roma verfolgten, was Hulda Franz erlebte und warum die Zahl der Ermordeten nicht genau feststeht.

0 von 9 Aufgaben gelöst

Sinti und Roma im Nationalsozialismus erklärt

Kurz gesagt

Die Nationalsozialisten verschärften die Ausgrenzung der Sinti und Roma schrittweise bis zum Völkermord. Behörden und rassistische Forschung wirkten dabei zusammen. Die Verfolgung umfasste Entrechtung, Verschleppung und Massenmord.

Hulda Franz wuchs in einer Pflegefamilie als Hilda Stolte auf. Ihre Lebensgeschichte zeigt, wie rassistische Erfassung in das Leben eines Kindes eingriff. Du untersuchst die Entscheidungen der Verantwortlichen und lernst, Aussagen über einzelne Menschen und über Opferzahlen sorgfältig zu unterscheiden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Sinti und Roma sind Selbstbezeichnungen einer sozial und kulturell vielfältigen Minderheit. Sinti leben seit dem frühen 15. Jahrhundert in Mitteleuropa. Angehörige arbeiteten vor der nationalsozialistischen Zeit unter anderem als Musiker, Handwerker und Händler. Ihre Lebensweisen lassen sich nicht auf einen Beruf oder eine gemeinsame Art des Reisens reduzieren.

1933 griffen die Nationalsozialisten auf ältere polizeiliche Erfassungen und Ausgrenzungsregeln zurück. Sie verschärften diese in ihrer Diktatur. Behörden entzogen Menschen Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verweigerten ihnen Unterstützungsleistungen und zwangen sie in Lager. Die rassistischen Bestimmungen im Zusammenhang mit den Nürnberger Gesetzen wurden 1935 auch auf Sinti und Roma angewandt und entzogen ihnen gleiche Bürgerrechte. 1938 verschleppten die Nationalsozialisten zahlreiche Angehörige in Konzentrationslager. Dort mussten sie Zwangsarbeit leisten.

Auf Weisung Himmlers, eines Verantwortlichen für die Deportationen, wurden im Mai 1940 bis zu 2.800 Sinti und Roma aus dem Deutschen Reich ins besetzte Polen verschleppt. Seit Sommer 1941 ermordeten vor allem Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Süd- und Osteuropa zehntausende Roma. Diese Einheiten waren damit Täter des Völkermords.

Himmlers Erlass, also seine Anordnung, vom 16. Dezember 1942 bereitete die massenhaften Deportationen nach Auschwitz-Birkenau vor. Diese erfolgten 1943. Auschwitz-Birkenau war ein Konzentrations- und Vernichtungslager. Der Völkermord fand jedoch auch außerhalb dieses Lagers statt. Die zunehmende Gewalt beruhte auf Entscheidungen verschiedener Institutionen. Sie war kein automatisch ablaufender Prozess.

Definition

Radikalisierung

Hier bedeutet Radikalisierung, dass die Verantwortlichen ihre Verfolgungsmaßnahmen schrittweise verschärften: von Ausgrenzung und Entrechtung bis zum Massenmord.

Definition

Deportation

Eine Deportation ist eine erzwungene Verschleppung von Menschen an einen anderen Ort.

Beispiel: Wie Behörden den Lebensunterhalt angriffen

  1. 1Sinti und Roma arbeiteten unter anderem als Musiker, Handwerker und Händler.
  2. 2Behörden entzogen Erwerbsmöglichkeiten und verweigerten Unterstützungsleistungen.
  3. 3Die Ausgrenzung griff damit unmittelbar in die Möglichkeiten ein, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern.

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MittelWelche Erklärung erfasst die schrittweise Radikalisierung?

Alles auf einen Blick

Sinti und Roma im Nationalsozialismus

  • Vielfalt

    Sinti und Roma sind Selbstbezeichnungen. Die Lebensweisen der Minderheit lassen sich nicht auf ein einziges Berufs- oder Wanderbild reduzieren.

  • Radikalisierung

    Verantwortliche Institutionen verschärften ältere Ausgrenzung bis zum Völkermord.

  • Zusammenwirken

    Pseudowissenschaftliche Gutachten lieferten Behörden rassistische Kategorien für die Verfolgung.

  • Biografie

    Hulda Franz’ Leben zeigt die Verbindung von Erfassung, Polizeigewalt und Deportation sowie den Eingriffsversuch ihrer Pflegemutter.

  • Opferzahlen

    Fehlende Quellen, Forschungslücken und uneinheitliche Erfassung erschweren genaue Angaben. Mindestwerte und Schätzungen müssen als solche erkennbar bleiben.

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Den Eingriffsversuch von Hulda Franz’ Pflegemutter erklären

  1. 1Aufgabe: Erkläre, was der Versuch der Pflegemutter über ihre Handlungsmöglichkeiten zeigt.
  2. 2Ereignis benennen: Nach Hulda Franz’ Verhaftung versuchte die Pflegemutter bei der Polizei, ihre Freilassung zu erreichen.
  3. 3Handlung und Ergebnis trennen: Sie griff ein, konnte die Deportation aber nicht verhindern.
  4. 4Begründetes Ergebnis formulieren: Der Fall belegt einen konkreten Hilfsversuch und dessen Scheitern. Er zeigt nicht, dass Angehörige untätig blieben.
  5. 5Grenze beachten: Was die Pflegemutter dabei sagte oder Hulda Franz dachte, darfst du ohne Beleg nicht ergänzen.

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Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Die rassistischen Bestimmungen im Zusammenhang mit den Nürnberger Gesetzen wurden auch auf Sinti und Roma angewandt. Im Mai 1940 wurden auf Himmlers Weisung Sinti und Roma aus dem Reich ins besetzte deportiert. Hulda Franz wuchs unter dem Namen Hilda Stolte in einer Pflegefamilie in auf.

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Sinti und Roma im Nationalsozialismus

LeichtWelche zeitliche Zuordnung zu Auschwitz-Birkenau stimmt?
MittelWelche Rolle übernahm die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma bei der Aufarbeitung?
SchwerDu fasst einen genannten Mindestwert zusammen. Welche Vorgehensweise bewahrt seinen Aussagegehalt?

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