Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Revolution 1848/49: Ursachen, Verlauf und Folgen
Du lernst, warum die Revolution 1848/49 begann, wie das Frankfurter Parlament entstand und weshalb trotz der Niederlage wichtige Wirkungen blieben.
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Kurz gesagt
Die Revolution 1848/49 verband Forderungen nach Freiheit und deutscher Einheit mit Protest gegen soziale Not. Uneinigkeit und der Widerstand mächtiger Fürsten trugen zu ihrem Scheitern bei. Ihr Verfassungswerk wirkte dennoch weiter.
Was hilft ein beschlossenes Recht, wenn niemand es durchsetzen kann? Diese Frage wurde für die Revolution 1848/49 entscheidend. Du untersuchst die Hoffnungen der Beteiligten und unterscheidest ihre unmittelbare Niederlage von bleibenden Veränderungen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
In den deutschen Staaten wurden Forderungen nach politischen Freiheiten und nationaler Einigung unterdrückt. Die Pressefreiheit war stark eingeschränkt. Viele Menschen wollten Freiheitsrechte und einen gemeinsamen deutschen Staat.
Dazu kam soziale Not. Nach einer schweren Missernte 1846 wurden Lebensmittel knapp und teuer. In fast allen deutschen Staaten und Regionen kam es zu Hungersnöten. Fehlende Arbeit verschärfte die Krise von 1846/47. Wegen ihrer Not unterstützten viele Arbeiter, verarmte Handwerker und Landarbeiter zunehmend politische Veränderungen. Politische und soziale Ursachen verbanden sich also.
Die Beteiligten hatten jedoch unterschiedliche Ziele. Liberale wollten vor allem eine Verfassung und nationale Einheit. Eine Verfassung legt die grundlegenden Regeln eines Staates fest. Demokratische Kräfte wollten weitergehende Volkssouveränität: Die Staatsmacht sollte vom Volk ausgehen. Bäuerliche und arbeitende Gruppen forderten soziale Verbesserungen.
Definition
Zensur
Zensur bedeutet hier, dass staatliche Stellen Texte kontrollierten und ihre Veröffentlichung einschränkten oder verboten.
Beispiel: Wie die Not das Textilgewerbe traf
- 1In der Krise konnten Menschen weniger Geld für Industrieprodukte ausgeben, besonders für Stoffe und Kleidung.
- 2Das schadete dem noch stark handwerklichen Textilgewerbe.
- 3Dort arbeiteten noch viele Familien für sehr wenig Geld zu Hause.
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Die Februarrevolution in Paris gab den Anstoß zur Revolution in den deutschen Staaten. Sie war damit der auslösende Impuls; politische Unterdrückung und soziale Not bestanden bereits vorher. Im März 1848 zwangen Proteste und Kämpfe an Barrikaden, also Straßensperren, deutsche Monarchen zu Zugeständnissen. Monarchen waren Herrscher wie Könige und Fürsten. In manchen Ländern lenkten die Fürsten rasch ein. Oftmals blieb es jedoch bei Versprechungen.
In Berlin gab Friedrich Wilhelm IV., der König von Preußen, zunächst nach. Preußen war einer der mächtigsten deutschen Staaten. Am 18. März fielen vor dem Schloss zwei Schüsse aus Militärgewehren. Ob sie absichtlich abgegeben wurden, ist ungeklärt. Danach kämpften Aufständische und preußische Soldaten auf den Straßen gegeneinander. Die Kämpfe forderten mehrere Hundert Tote auf beiden Seiten und über Tausend Verletzte. Am 19. März ließ der König die Truppen aus Berlin abziehen.
Nach Wahlen trat am 18. Mai 1848 die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Dieses Parlament sollte deutsche Einheit schaffen und eine Verfassung ausarbeiten. Frauen waren von den Wahlen ausgeschlossen. Im Parlament saßen vornehmlich Männer des Bürgertums mit Besitz und Bildung. Bauern und Handwerker waren kaum vertreten, Arbeiter überhaupt nicht. Das Parlament bildete deshalb nicht alle beteiligten Gruppen ab.
Merke: Ursachen bestanden schon vor dem Ausbruch. Die Februarrevolution in Paris gab den Anstoß. Die Wahl des Frankfurter Parlaments war ein späterer Schritt.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| Februar 1848 | Die Revolution in Paris gibt den Anstoß. |
| März 1848 | Proteste und Barrikadenkämpfe erzwingen Zugeständnisse. |
| 18. Mai 1848 | Die Nationalversammlung tritt in Frankfurt zusammen. |
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Die Revolution scheiterte aus mehreren Gründen. Ihre Anhänger stritten über die Staatsform: Sollte es eine Republik ohne Monarchen geben oder einen Monarchen, dessen Macht durch eine Verfassung begrenzt war? Auch die Grenzen waren umstritten. Die kleindeutsche Lösung sah einen deutschen Staat ohne Österreich vor, die großdeutsche Lösung einen mit Österreich. Diese Konflikte erschwerten gemeinsames Handeln.
Zugleich fehlten dem Frankfurter Parlament eigene Machtmittel, um seine Beschlüsse durchzusetzen. Wie begrenzt Veränderungen sein konnten, zeigte Preußen: Trotz einer neuen Regierung blieben Verwaltung und Armee personell und in ihrem Aufbau nahezu unverändert. Die Fürsten verfügten weiterhin über wichtige Machtmittel.
Am 28. März 1849 beschloss die Nationalversammlung eine Verfassung für einen deutschen Staat ohne Österreich unter preußischer Führung. Friedrich Wilhelm IV. lehnte die angebotene Kaiserkrone ab. Wichtige Staaten wie Preußen und Österreich lehnten auch die Verfassung ab. Monarchische Regierungen ließen Aufstände für ihre Durchsetzung militärisch niederschlagen.
Gewichten heißt, die Bedeutung der Gründe begründet zu vergleichen. Für das unmittelbare Ende der Aufstände lässt sich die militärische Überlegenheit der Regierungen besonders stark gewichten. Zielkonflikte hatten schon vorher die gemeinsame Bewegung geschwächt. Das ist eine begründete Gewichtung, keine feststehende Rangliste.
Auch die Rolle der Bauern wird unterschiedlich beurteilt. Der Kulturwissenschaftler Wilhelm Heinrich Riehl, ein Zeitgenosse der Revolution, prägte die Vorstellung: Nach erfüllten Forderungen hätten sich Bauern zurückgezogen und die Revolution dadurch geschwächt. Neuere historische Forschungen schränken diese Erklärung ein. Sie zeigen eine stärkere Beteiligung der Landbevölkerung, auch von Bauern, als lange angenommen. Auch die Aufstände für die Verfassung wurden auf dem Land breit unterstützt.
Merke: Unterscheide zwischen Gründen, die die Bewegung vorher schwächten, und der militärischen Gewalt, die Aufstände unmittelbar beendete. Belege deine Gewichtung.
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Kurzfristig scheiterte der Versuch, durch das Parlament einen gemeinsamen deutschen Staat mit einer Verfassung zu schaffen. Nach der Niederlage verfolgten die Machthaber Anhänger der Revolution. Die Verfolgung veranlasste Zehntausende zur Flucht aus den deutschen Staaten. Sie fanden zunächst vor allem in Frankreich, England oder der Schweiz Schutz.
Trotzdem wurden nicht alle Veränderungen rückgängig gemacht. Öffentliche Strafverfahren verbesserten die Rechtssicherheit: Menschen konnten besser nachvollziehen, wie Gerichte entschieden. Diese Verbesserung blieb bestehen. Die Revolution förderte außerdem die Organisation der Arbeiterbewegung und der Frauenbewegung. Beide setzten sich für die Interessen ihrer Gruppen ein. Dabei geschaffene Organisationen überdauerten die anschließende Unterdrückung.
Langfristig blieb die Paulskirchenverfassung ein Bezugspunkt. Wesentliche Elemente, beispielsweise Grundrechte, wurden später in die Weimarer Verfassung und in das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. Grundrechte sind grundlegende Rechte der Menschen gegenüber dem Staat. Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland; die Weimarer Verfassung war eine frühere deutsche Verfassung.
Du musst deshalb Ziel, Durchsetzung und spätere Wirkung unterscheiden. Die Freiheitsrechte als Ziel bedeuteten noch nicht, dass sie damals tatsächlich gesichert waren. Ihr späterer Einfluss macht aus der unmittelbaren Niederlage keinen damaligen Sieg. Umgekehrt bedeutet diese Niederlage nicht, dass die Revolution wirkungslos blieb.
| Blick auf die Zeit | Ergebnis |
|---|---|
| Kurzfristig | Der vom Parlament angestrebte gemeinsame deutsche Staat scheiterte. |
| Bleibende Veränderung | Öffentliche Strafverfahren verbesserten die Rechtssicherheit. |
| Langfristig | Wesentliche Verfassungselemente wurden in spätere deutsche Verfassungen aufgenommen. |
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Alles auf einen Blick
Revolution 1848/49
Ursachen
Politische Unterdrückung verband sich mit Hunger, Teuerung und fehlender Arbeit.
Verlauf
Auf den Anstoß aus Paris und die Märzproteste folgten Wahlen und das Frankfurter Parlament.
Scheitern
Zielkonflikte, die Ablehnung wichtiger Fürsten und die militärische Überlegenheit der Regierungen wirkten zusammen.
Gewichtung
Für das unmittelbare Ende der Aufstände lässt sich die militärische Überlegenheit besonders stark gewichten.
Wirkung
Der angestrebte Staat scheiterte kurzfristig; wesentliche Verfassungselemente wirkten langfristig weiter.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was zeigt die unveränderte Armee in Preußen?
- 1Aufgabe: Erkläre, weshalb eine neue Regierung in Preußen noch keinen umfassenden Machtwechsel bedeutete.
- 2Befund: Trotz einer neuen Regierung blieben Verwaltung und Armee personell und in ihrem Aufbau nahezu unverändert.
- 3Unterscheidung: Ein Wechsel der Regierung war deshalb nicht dasselbe wie ein Umbau der staatlichen Machtmittel.
- 4Schluss: Dieser Befund hilft zu erklären, weshalb die Fürsten weiterhin über wichtige Machtmittel verfügten. Er erklärt für sich allein aber nicht das gesamte Scheitern der Revolution.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Ergebnissen der Revolution In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überträgt die politische Niederlage fälschlich auf eine bleibende Verbesserung. Richtig: Die Verbesserung der Rechtssicherheit durch öffentliche Strafverfahren blieb bestehen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die schwere Missernte, nach der in fast allen deutschen Staaten und Regionen Hungersnöte entstanden, lag im Jahr . Die gewählte Nationalversammlung trat im Mai 1848 in zusammen. Die im März 1849 beschlossene Verfassung sah einen deutschen Staat ohne vor.
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