Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Novemberrevolution 1918: Ursachen, Verlauf, Folgen
Du lernst, warum die Novemberrevolution begann, wie sie sich ausbreitete und welche Erfolge und Belastungen sie der neuen Demokratie brachte.
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Kurz gesagt
Die Novemberrevolution 1918 beendete die Kaiserherrschaft und führte zur Republik. Krieg, Hunger und Niederlage bereiteten sie vor; ein geplanter letzter Flottenkampf löste den Matrosenaufstand aus. Die neue Demokratie gewann Rechte, blieb aber von Konflikten belastet.
Ein Krieg ist verloren, doch Matrosen sollen noch einmal in eine große Seeschlacht ziehen. Einige Schiffsbesatzungen verweigern den Befehl. Du erfährst, wie daraus eine Bewegung wurde, die den Kaiser stürzte und um Deutschlands Zukunft stritt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Deutschland hatte mehr als vier Jahre Krieg geführt. Hunger, Kriegsmüdigkeit und soziale Spannungen belasteten die Menschen. Hinzu kam der Schock über die militärische Niederlage. Viele bisherige Führungskräfte wollten die politische Ordnung kaum verändern. Das Parlament, also die gewählte Volksvertretung, hatte lange nur begrenzten Einfluss gehabt. Diese Belastungen und Machtverhältnisse gehörten zu den tieferen Ursachen der Revolution.
Am 29. September 1918 verlangte die Oberste Heeresleitung, die höchste deutsche Militärführung, ein sofortiges Friedensangebot und eine parlamentarische Regierung. Eine solche Regierung braucht das Vertrauen des Parlaments. Sie sollte den Waffenstillstand, also die Einstellung der Kämpfe, verabschieden. Die Militärführung wollte damit eine Atempause gewinnen und den Zusammenbruch der Front im Westen verhindern. Mit den Oktoberreformen vom 28. Oktober benötigte die Regierung das Vertrauen des Parlaments statt des Kaisers. Der Kaiser blieb zunächst im Amt.
Die Reformen waren nicht der Auslöser der Revolution. Das Eingeständnis der Niederlage trieb die Unruhe an. Der unmittelbare Auslöser des Matrosenaufstands war der Plan der Marineführung, also der Führung der Seestreitkräfte, für einen letzten Flottenkampf. Eine Flotte ist eine Gruppe von Kriegsschiffen. Sie sollte Ende Oktober noch in eine letzte Schlacht gegen Großbritannien ziehen. Die Niederlage stand bereits fest, und die Regierung bemühte sich um Frieden. Einige Schiffsbesatzungen verweigerten deshalb den Befehl.
Definition
Ursache und unmittelbarer Auslöser
Ursachen erklären, warum sich ein Konflikt entwickelt. Ein unmittelbarer Auslöser ist das konkrete Ereignis, an dem der Konflikt ausbricht.
Merke: Krieg, Hunger, Niederlage und politische Spannungen bereiteten die Revolution vor. Der geplante letzte Flottenkampf löste die Befehlsverweigerung der Matrosen unmittelbar aus.
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Vor Wilhelmshaven verweigerten einige Schiffsbesatzungen Ende Oktober den Befehl. Die Marineführung gab den Schlachtplan auf. Verhaftungen von Matrosen führten zu Protesten für ihre Freilassung. In Kiel suchten Matrosen Unterstützung bei Arbeitern und deren Organisationen. Aus dem Streit um einen militärischen Befehl wurde ein gemeinsamer Protest gegen Krieg und Hunger.
Am 3. November 1918 demonstrierten mehrere tausend Matrosen und Arbeiter in Kiel. Auf Befehl des Offiziers Oskar Steinhäuser schossen Soldaten in die Menge. Sie töteten sieben Menschen und verletzten 29 schwer. Auch Demonstranten schossen; Steinhäuser und zwei weitere Offiziere wurden schwer verletzt. Danach entwickelte sich der Protest zu einem organisierten Aufstand. Soldaten und Arbeiter bildeten Räte, also Vertretungen ihrer Gruppen, und übernahmen die Kontrolle über Kiel.
Seit dem 4. November zogen Abordnungen der Matrosen, also entsandte Vertreter, in größere deutsche Städte und verbreiteten die Bewegung. Sie trafen auf eine kriegsmüde Bevölkerung. Arbeiter und Soldaten schlossen sich an. Die Räte entmachteten die Fürsten und die bisherigen militärischen Kommandos. Die zivilen Behörden, also Behörden außerhalb des Militärs wie Stadtverwaltungen und Gerichte, blieben bestehen. Innerhalb weniger Tage erfasste die Revolution das Reich.
Am 9. November erreichte sie Berlin. Max von Baden war Reichskanzler, also Chef der Regierung. Er gab ohne Zustimmung von Kaiser Wilhelm II. dessen Thronverzicht bekannt. Anschließend übergab er das Kanzleramt an Friedrich Ebert, einen führenden Politiker der Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutschlands, kurz MSPD. Deren Politiker Philipp Scheidemann rief die Republik aus, eine Staatsordnung ohne Monarchen, also ohne König oder Kaiser. Kurz darauf verkündete Karl Liebknecht, ein Führer der linken Spartakusgruppe, eine sozialistische Republik. Er versprach die Macht den Arbeiter- und Soldatenräten. Schon an diesem Tag wurden unterschiedliche Vorstellungen von der neuen Ordnung sichtbar.
Beispiel: Wie Verhaftungen den Protest in Kiel verbreiterten
- 1Matrosen verlangten die Freilassung ihrer verhafteten Kameraden.
- 2Sie suchten Unterstützung bei organisierten Arbeitern.
- 3Gemeinsam forderten Matrosen und Arbeiter die Freilassung, ein Ende des Krieges und eine bessere Lebensmittelversorgung.
Merke: Verhaftungen führten zu gemeinsamen Protesten. Abordnungen der Matrosen trugen die Bewegung in weitere Städte. Dort schlossen sich Arbeiter und Soldaten an.
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Nach dem Ende der Kaiserherrschaft war offen, wer die politische Macht ausüben sollte. Die MSPD-Führung wollte rasche Wahlen zu einer Nationalversammlung. Diese gewählte Versammlung sollte eine Verfassung ausarbeiten, also die Grundregeln des Staates. Ziel war eine parlamentarische Republik: Ein gewähltes Parlament sollte die politische Ordnung tragen.
Linke Gruppen wollten dagegen eine Rätedemokratie aufbauen. Dazu gehörten die linken Flügel der sozialdemokratischen Parteien und die Revolutionären Obleute, eine Gruppe von Arbeitervertretern. Gewählte Vertreter aus den Betrieben sollten Entscheidungen in der Wirtschaft mitbestimmen und die politische Macht kontrollieren. Der Unterschied betraf also sowohl den Staat als auch die Arbeitswelt.
Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, kurz USPD, war 1917 aus der Spaltung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, kurz SPD, hervorgegangen. Die verbliebene SPD nannte sich bis 1919 MSPD. Die USPD verlangte möglichst späte Wahlen zur Nationalversammlung. Vorher wollte sie Veränderungen im Interesse der Arbeiterschaft erreichen. Ihre Mitglieder hatten jedoch unterschiedliche Vorstellungen von der neuen Ordnung.
Du darfst die Räte nicht mit einer einheitlichen Partei verwechseln. Meist waren SPD-Mitglieder in die Räte gewählt worden. Diese betrachteten ihre Tätigkeit als Übergangslösung. Eine Mehrheit der Räte unterstützte ein parlamentarisches System. Am 19. Dezember 1918 lehnte die Mehrheit des Reichsrätekongresses, einer Versammlung von Rätevertretern, ein Rätesystem als Grundlage der neuen Verfassung ab. Sie unterstützte möglichst baldige Wahlen zur Nationalversammlung.
| Kräfte | Ziel |
|---|---|
| MSPD-Führung | Rasche Wahlen zur Nationalversammlung und eine parlamentarische Republik. |
| Linke Befürworter der Rätedemokratie | Gewählte Vertreter aus Betrieben sollten Wirtschaft und politische Macht kontrollieren. |
| USPD | Möglichst späte Wahlen, um vorher Veränderungen für die Arbeiterschaft zu erreichen. |
Merke: Wer in einem Arbeiter- oder Soldatenrat mitarbeitete, wollte deshalb nicht unbedingt eine Rätedemokratie. Eine Mehrheit der Räte unterstützte den parlamentarischen Weg.
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Die Revolution eröffnete den Weg zur ersten deutschen Republik. Der Rat der Volksbeauftragten, die Übergangsregierung, veröffentlichte am 12. November 1918 sein Programm. Er führte das allgemeine demokratische Wahlrecht ab 20 Jahren ein. Frauen ab 20 Jahren durften nun in ganz Deutschland wählen und selbst gewählt werden. Auch die Freiheit, sich zu versammeln und Meinungen in Zeitungen zu veröffentlichen, wurde gesichert. Der Achtstundentag begrenzte die tägliche Arbeitszeit. Am 19. Januar 1919 wurde die Nationalversammlung gewählt. Sie erarbeitete in Weimar die neue Verfassung und verabschiedete sie am 31. Juli 1919.
Gleichzeitig gab es schwere Konflikte. Ebert fürchtete einen Zusammenbruch der Versorgung und eine weitere Verschärfung der Revolution. Er wollte mit bisherigen Führungskräften zusammenarbeiten. Am 10. November 1918 versprach ihm General Wilhelm Groener die Unterstützung des Heeres. Dafür sagte Ebert zu, die militärische Rangordnung wiederherzustellen und gegen die Räte vorzugehen. Die erhoffte Treue der kaiserlichen Offiziere zur Republik blieb aus. Zugleich verlor die MSPD-Führung Vertrauen bei revolutionären Arbeitern und Soldaten.
Die Regierung setzte gegen Aufstände auch Freikorps ein. Das waren bewaffnete Verbände aus Offizieren und Soldaten, die die Monarchie, also die Herrschaft eines Königs oder Kaisers, unterstützten und die Republik ablehnten. Ihre brutale Gewalt entfremdete viele linke Demokraten der SPD. Freikorpsangehörige erschossen Karl Liebknecht am 15. Januar 1919. Die Führung des Militärs wurde nicht demokratisch umgestaltet. Auch die Überführung der Großindustrie in gemeinsames Eigentum blieb aus. Alte Eliten, also bisherige Führungskräfte in Staat, Justiz und Militär, behielten Einfluss. Zur Justiz gehören etwa die Gerichte. Diese Führungskräfte lehnten die Weimarer Ordnung überwiegend ab oder betrachteten sie skeptisch.
Eine weitere Belastung war die Dolchstoßlegende. Nationalisten behaupteten, das Heer sei im Feld unbesiegt gewesen und durch Streiks, Friedensinitiativen und politische Unruhen zur Aufgabe gezwungen worden. Diese Behauptung war eine Propagandalüge, also eine bewusst verbreitete politische Lüge. Die militärische Niederlage stand bereits vor Beginn der Revolution fest. Trotzdem machten Nationalisten die Revolution und ihre Träger für die Niederlage und den Friedensvertrag verantwortlich und bekämpften damit die Republik.
Wie viel hätte die neue Führung verändern können? Der Historiker Heinrich August Winkler betonte 1990, die Sozialdemokraten hätten stärker mit der alten Ordnung brechen können. Sie hätten mehr verändern und weniger bewahren sollen. Zehn Jahre später betonte er dagegen stärker die Grenzen ihrer Möglichkeiten: Der Versuch, ganze gesellschaftliche Gruppen auszutauschen, hätte nach seiner Einschätzung einen Bürgerkrieg ausgelöst, also einen Krieg innerhalb des Landes. Für dein Sachurteil kannst du demokratische Rechte als Erfolg und den fortbestehenden Einfluss republikfeindlicher Führungskräfte als Belastung abwägen. Wie weit weitere Veränderungen möglich gewesen wären, bleibt eine Frage der historischen Bewertung.
Definition
Sachurteil
Mit einem Sachurteil bewertest du einen historischen Vorgang anhand begründeter Maßstäbe und überprüfbarer Tatsachen. Hier kannst du fragen, wie viel demokratische Mitbestimmung erreicht wurde und was sie gefährdete.
Merke: Die Revolution brachte die Republik und neue demokratische Rechte. Gewalt, der Einfluss alter Führungskräfte und politische Lügen belasteten die neue Ordnung.
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Alles auf einen Blick
Novemberrevolution 1918
Ursachen
Krieg, Hunger, Niederlage und politische Spannungen bereiteten die Revolution vor.
Auslöser
Der geplante letzte Flottenkampf löste die Befehlsverweigerung einiger Schiffsbesatzungen unmittelbar aus.
Ausbreitung
Gemeinsame Proteste und reisende Matrosen verbanden die Aufstände in verschiedenen Städten.
Ziele
Parlamentarische und rätedemokratische Kräfte stritten um die neue Ordnung; eine Mehrheit der Räte unterstützte den parlamentarischen Weg.
Ergebnisse
Republik und demokratische Rechte waren Erfolge. Gewalt, alte Eliten und die Dolchstoßlegende belasteten die Demokratie.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Das neue Wahlrecht als demokratischen Erfolg beurteilen
- 1Aufgabe: Erkläre, warum das Wahlrecht im Programm vom 12. November 1918 ein demokratischer Erfolg war.
- 2Veränderung nennen: Das allgemeine demokratische Wahlrecht galt ab 20 Jahren. Frauen ab diesem Alter durften nun in ganz Deutschland wählen und gewählt werden.
- 3Maßstab bestimmen: Demokratische Mitbestimmung wächst, wenn mehr Menschen politische Vertreter wählen und selbst für ein Amt kandidieren dürfen.
- 4Urteil formulieren: Das neue Wahlrecht war ein demokratischer Erfolg, weil nun auch Frauen ab 20 Jahren an diesen politischen Entscheidungen teilnehmen konnten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Dolchstoßlegende In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt eine politische Lüge mit einer Tatsache. Richtig: Die Behauptung vom im Feld unbesiegten Heer war eine Propagandalüge.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Oberste Heeresleitung verlangte am 1918 ein sofortiges Friedensangebot. Am 9. November 1918 erreichte die Revolution . Das Programm der Übergangsregierung führte das allgemeine demokratische Wahlrecht ab Jahren ein.
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Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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