Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Deutscher Bund: Aufbau, Konflikte und Ende
Du lernst, wie der Deutsche Bund aufgebaut war, warum Einheit und Freiheit umkämpft waren und weshalb der Bund 1866 endete.
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Kurz gesagt
Der Deutsche Bund war von 1815 bis 1866 ein Zusammenschluss selbstständiger Staaten. Er sollte die gemeinsame Sicherheit gewährleisten. Forderungen nach Einheit und Freiheit sowie der Machtkampf zwischen Österreich und Preußen prägten seine Geschichte.
Gemeinsame Regeln haben und trotzdem selbstständig bleiben: Wie kann das funktionieren? Im Deutschen Bund arbeiteten Staaten zusammen, deren Herrscher unterschiedliche Interessen hatten. Du erfährst, warum diese Ordnung umstritten war und schließlich zerbrach.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
1815 schlossen sich selbstständige Staaten zum Deutschen Bund zusammen. Dazu gehörten Fürstentümer, also von Fürsten regierte Staaten, und freie Städte, die selbst Staaten waren. Auch die beiden großen Staaten Österreich und Preußen gehörten mit einem Teil ihrer Gebiete dazu. Der Bund bestand bis 1866.
Der Deutsche Bund war ein Staatenbund: Die Mitgliedstaaten blieben selbstständig und regelten gemeinsame Angelegenheiten durch Vereinbarungen. Der Bund besaß keine eigene Staatsgewalt. Damit ist die Befugnis eines Staates gemeint, verbindliche Regeln festzulegen und durchzusetzen. Seine Aufgabe war, die Sicherheit seiner Mitglieder nach innen und gegenüber Angriffen von außen zu gewährleisten.
Ein Bundesstaat ist dagegen selbst ein Staat mit eigener Staatsgewalt. Zugleich bestehen seine Mitgliedstaaten weiter. Der Deutsche Bund hatte bereits einzelne Züge einer solchen Ordnung: Sein gemeinsames Recht band die Mitgliedstaaten. Er war deshalb mehr als eine unverbindliche Absprache, aber noch kein Bundesstaat.
Definition
Staatsgewalt
Staatsgewalt bedeutet die Befugnis eines Staates, verbindliche Regeln festzulegen und durchzusetzen.
Merke: Gemeinsames Recht allein macht einen Staatenbund noch nicht zum Bundesstaat. Dem Deutschen Bund fehlte eine eigene Staatsgewalt.
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Das zentrale gemeinsame Organ war der Bundestag, auch Bundesversammlung genannt. Ein Organ ist hier eine Einrichtung, die Aufgaben für den Bund erfüllt. Im Bundestag berieten Gesandte, also Vertreter der Mitgliedstaaten. Österreich führte den Vorsitz und leitete damit die Beratungen. Der Bundestag war eine Versammlung von Staatenvertretern, keine gewählte Volksvertretung eines Bundesstaates.
Die Beratungen der Gesandten führten meist nur langsam zu Entscheidungen. Der Bund war meist nur entscheidungsfähig, wenn Österreich und Preußen zusammenarbeiteten. Ihr großer Einfluss beruhte im Kern auf ihrer politischen und militärischen Macht. Deshalb werden sie auch als Großmächte bezeichnet. Der österreichische Vorsitz allein erklärt ihren Einfluss nicht.
Zur gemeinsamen Sicherheit gehörten unterschiedliche Maßnahmen: Der Bund konnte einen Angriff von außen gemeinsam abwehren. Er konnte gegen die Regierung eines Mitgliedstaates vorgehen, wenn diese Bundesrecht verletzte. Er konnte aber auch einer Regierung helfen, die etwa durch einen Volksaufstand bedrängt wurde. Ausschüsse des Bundestags, also kleinere Arbeitsgruppen, behandelten außerdem Fragen zur Wirtschaft und zur Auswanderung.
| Situation | Aufgabe des Bundes |
|---|---|
| Ein fremder Feind greift Bundesgebiet an. | Den Angriff gemeinsam abwehren. |
| Eine Mitgliedsregierung verletzt Bundesrecht. | Gegen diese Regierung vorgehen. |
| Ein Volksaufstand bedrängt eine Regierung. | Diese Regierung unterstützen. |
Merke: Österreich hatte den Vorsitz. Für Entscheidungen kam es meist auf die Zusammenarbeit Österreichs und Preußens an.
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Der Bund sollte die alte politische Ordnung wiederherstellen. Diese Politik heißt Restauration. Die Macht der Fürsten sollte gesichert werden. Dagegen forderten nationale Bewegungen einen gemeinsamen deutschen Staat. Liberale verlangten Menschen- und Bürgerrechte sowie eine stärkere politische Beteiligung der Bürger.
Freiheit bedeutete für die Liberalen aber nicht gleiche politische Rechte für alle. Die unteren gesellschaftlichen Schichten, also ärmere Bevölkerungsgruppen, sollten etwa durch ein Wahlrecht ausgeschlossen werden, das vom Einkommen oder Vermögen abhing. Liberale wollten den Bund durch schrittweise Verhandlungen verändern. Bürgerliche Gegner der bestehenden Ordnung forderten besonders während der Revolution 1848/49 auch einen Bundesstaat mit demokratischer Grundordnung, in dem das Volk politisch mitbestimmen sollte.
Der österreichische Politiker Metternich stellte liberale Bewegungen und studentische Vereinigungen als Gefahr für die öffentliche Ordnung dar. Die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue durch den Studenten Karl Ludwig Sand 1819 bot ihm einen Anlass zum Vorgehen gegen Reformer. Das längerfristige Ziel war die Sicherung der bestehenden Ordnung. Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 dienten der Unterdrückung ihrer Gegner.
Burschenschaften, bestimmte studentische Vereinigungen, wurden verboten. Politisch verdächtige Professoren konnten entlassen werden. Eine strenge Zensur beseitigte die Pressefreiheit: Staatliche Kontrolle bestimmte, was veröffentlicht werden durfte. Beim Hambacher Fest 1832 traten dagegen Redner für nationale Einheit sowie Freiheit und Gleichberechtigung der Völker ein. Schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Menschen nahmen teil, darunter Deutsche, Polen und Franzosen.
Definition
Restauration
Restauration bezeichnet hier die Politik, die alte politische Ordnung und die Macht der Fürsten wiederherzustellen und zu sichern.
Beispiel: Einheit und Freiheit beim Hambacher Fest
- 1Beim Hambacher Fest 1832 forderten Redner einen gemeinsamen deutschen Staat.
- 2Sie traten auch für Freiheit und Gleichberechtigung der Völker ein.
- 3Beide Forderungen gingen über den Erhalt der bestehenden Fürstenordnung hinaus.
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Während der Revolution 1848/49 gerieten die Regierungen unter Druck. Die Einrichtungen des Bundes galten seinen Gegnern als Stützen der alten Ordnung und als Hindernis für einen Nationalstaat, also einen gemeinsamen deutschen Staat. Der Bundestag kam der Bewegung entgegen: Er hob unterdrückende Gesetze auf und leitete die Wahl einer Nationalversammlung ein. Diese Versammlung gewählter Vertreter sollte eine Verfassung für Deutschland ausarbeiten, also grundlegende Regeln für den Aufbau des Staates und die Rechte seiner Bürger. Zugleich bereitete der Bund auch militärische Gewalt gegen die Revolution vor.
Im Juli 1848 stellte der Bundestag seine Tätigkeit ein und übertrug seine Befugnisse auf eine vorläufige Nationalregierung. Revolutionäre sahen darin die Entstehung eines neuen deutschen Staates. Nach einer anderen damaligen Ansicht wurde der Deutsche Bund in diesen Staat umgewandelt. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnte die angebotene Kaiserrolle ab. Preußen und andere Staaten schlugen im Frühjahr 1849 die Revolution nieder. Damit scheiterte der liberale Nationalstaat.
1849 versuchte Preußen mit der Erfurter Union erneut, einen deutschen Nationalstaat zu schaffen. Österreich bekämpfte diesen Versuch. Preußen musste ihn 1850 aufgeben. 1851 wurde der Deutsche Bund in seiner alten Form wiederhergestellt. Die Veränderung von 1848 blieb damit vorübergehend.
Österreich und Preußen rangen weiter um Macht und Einfluss. 1863 schlug Österreich eine Reform vor, also eine Veränderung der bestehenden Ordnung. Sie hätte den Bund einem Bundesstaat ähnlicher gemacht. Preußen lehnte sie ab und verlangte unter anderem einen Wechsel beider Großmächte im Vorsitz. Die übrigen Staaten verfolgten den Plan daraufhin nicht weiter: Ohne Preußen fürchteten sie Österreichs Übermacht.
Nach ihrem gemeinsamen Krieg gegen den Staat Dänemark 1864 stritten Österreich und Preußen über die erhaltenen Gebiete. Preußen marschierte in das österreichisch verwaltete Gebiet Holstein ein. Daraufhin beschloss der Bundestag am 14. Juni 1866, das Bundesheer, also die Streitkräfte des Bundes, gegen Preußen zum Kampf bereitzustellen. Direkt danach begann der Deutsche Krieg. Der Machtkampf war die längerfristige Ursache; der Streit um die Gebiete verschärfte ihn. Nach Österreichs Niederlage endete der Krieg mit der Auflösung des Bundes 1866. Preußen und seine Verbündeten gründeten 1867 den Norddeutschen Bund als Bundesstaat.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1848 | Der Bundestag überträgt seine Befugnisse auf eine vorläufige Nationalregierung. |
| 1849 | Preußen und andere Staaten schlagen im Frühjahr die Revolution nieder. |
| 1851 | Der Deutsche Bund wird in seiner alten Form wiederhergestellt. |
| 1866 | Der Deutsche Krieg endet mit der Auflösung des Bundes. |
| 1867 | Preußen und seine Verbündeten gründen den Norddeutschen Bund als Bundesstaat. |
Merke: 1848 unterbrach der Bundestag seine Arbeit während der Revolution. Das endgültige Ende des Bundes folgte 1866 nach dem Krieg zwischen Österreich und Preußen.
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Alles auf einen Blick
Deutscher Bund
Staatenbund
Die Mitglieder blieben selbstständig. Gemeinsames Recht band sie, aber der Bund hatte keine eigene Staatsgewalt.
Bundestag
Staatenvertreter berieten unter österreichischem Vorsitz. Entscheidungen gelangen meist nur bei Zusammenarbeit Österreichs und Preußens.
Konflikt
Die Sicherung der Fürstenordnung traf auf Forderungen nach einem gemeinsamen Staat und politischen Freiheiten.
Revolution
1848 gingen die Befugnisse des Bundestags an eine vorläufige Nationalregierung. 1851 wurde die alte Bundesordnung wiederhergestellt.
Ende
Der Machtkampf Österreichs und Preußens führte 1866 zum Krieg und zur Auflösung des Bundes.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum scheiterte der Reformversuch von 1863?
- 1Aufgabe klären: Erkläre, warum Österreichs Vorschlag zur Veränderung des Bundes 1863 nicht umgesetzt wurde.
- 2Den Vorschlag einordnen: Die Reform hätte den Bund einem Bundesstaat ähnlicher gemacht.
- 3Den Streit benennen: Preußen lehnte den Vorschlag ab. Es verlangte unter anderem, dass Österreich und Preußen sich im Vorsitz abwechselten.
- 4Die anderen Staaten einbeziehen: Ohne Preußen fürchteten sie Österreichs Übermacht und verfolgten den Reformweg nicht weiter.
- 5Das Ergebnis erklären: Preußens Ablehnung und die Sorge der übrigen Staaten verhinderten gemeinsam die Fortsetzung dieses Reformversuchs.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Rückkehr der alten Bundesordnung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die letzte Aussage verwechselt das Jahr der Wiederherstellung mit dem Jahr der Auflösung. Richtig: 1851 wurde der Deutsche Bund in seiner alten Form wiederhergestellt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die selbstständigen Staaten schlossen sich zum Deutschen Bund zusammen. Nach dem Scheitern der Revolution wurde der Bund in seiner alten Form wiederhergestellt. Den Norddeutschen Bund als Bundesstaat gründeten Preußen und seine Verbündeten .
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