Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Deutsche Frage: Von 1806 zur Einheit 1990
Du lernst, wie sich die Deutsche Frage veränderte, welche Einigungsmodelle es gab und warum sie seit 1990 als gelöst gilt.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Die Deutsche Frage betraf die Einheit, die Grenzen und die staatliche Ordnung Deutschlands. Zunächst ging es um einen gemeinsamen deutschen Staat, nach 1945 um die Wiedervereinigung. Mit der Einheit 1990 gilt sie als gelöst.
Ein gemeinsamer Staat, mehrere Staaten oder zwei getrennte Teile: Deutschlands Ordnung änderte sich mehrfach. Dabei ging es auch darum, wer herrschen und welche Rechte die Bevölkerung haben sollte. Du verfolgst, warum die Deutsche Frage zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Antworten verlangte.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Deutsche Frage bezeichnet das Problem der deutschen Einheit zwischen 1806 und 1990. Dazu gehörten die Grenzen und die staatliche Ordnung Deutschlands. Sie war also keine einzelne Frage, die über diesen langen Zeitraum unverändert blieb.
1806 zerfiel das Heilige Römische Reich, der bisherige Verband zahlreicher Herrschaftsgebiete. Napoleon, der Herrscher Frankreichs, hatte dessen Auflösung durch seinen Druck herbeigeführt. Nun stellte sich die Frage nach einer neuen gemeinsamen Ordnung. Der 1815 gegründete Deutsche Bund blieb ein loser Zusammenschluss deutscher Fürstenhäuser. Bürger, die nationale Einheit und politische Freiheit forderten, wollten dagegen einen gemeinsamen Bundesstaat.
Nach der Reichsgründung 1871 galt die Deutsche Frage zunächst als erledigt. 1918/19 wurde Deutschland eine Republik, also ein Staat ohne König oder Kaiser an der Spitze. Der deutsche Einheitsstaat blieb dabei bestehen. Dennoch stellte sich die Deutsche Frage erneut: Sollte sich Österreich mit Deutschland vereinigen? Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs verhinderten diese Vereinigung durch vertragliche Verbote.
Nach Deutschlands Niederlage 1945 ging es um die Überwindung der Teilung. 1949 entstanden die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, im Osten. Die DDR bestand bis 1990. Die Bundesrepublik hielt am Ziel eines gemeinsamen Deutschlands fest. Die DDR betonte seit den 1960er-Jahren zunehmend die Vorstellung zweier deutscher Staaten. 1974 gab sie die Wiedervereinigung als Staatsziel auf. 1990 wurden beide Teile Deutschlands vereinigt.
Definition
Bundesstaat
Ein Bundesstaat ist ein gemeinsamer Staat, in dem einzelne Länder miteinander verbunden sind.
Beispiel: Warum der Deutsche Bund nicht alle zufriedenstellte
- 11815 entstand ein loser Bund deutscher Fürstenhäuser.
- 2Bürger, die nationale Einheit und politische Freiheit forderten, wollten einen gemeinsamen Bundesstaat.
- 3Für diese Bürger beantwortete der Deutsche Bund die Frage nach der Einheit deshalb noch nicht.
Teste dich
Im 19. Jahrhundert konkurrierten Österreich und Preußen, zwei mächtige Staaten im Deutschen Bund, um die Führung. Bei der Revolution 1848/49 wurde eine deutsche Nationalversammlung gewählt. Dieses Parlament sollte über einen gemeinsamen deutschen Staat beraten. Dabei standen zwei Modelle im Mittelpunkt.
Die großdeutsche Lösung sah einen deutschen Staat unter Einschluss und Führung Österreichs vor. Die kleindeutsche Lösung sah einen deutschen Staat ohne Österreich unter der Führung Preußens vor. Die Wörter „groß“ und „klein“ bezeichnen hier also unterschiedliche Pläne für die staatliche Einheit.
1866 besiegte Preußen Österreich im Deutschen Krieg. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst. Viele seiner übrigen Staaten schlossen sich im Norddeutschen Bund unter preußischer Führung zusammen. 1871 entstand das Deutsche Reich ohne Österreich. Damit wurde die kleindeutsche Lösung verwirklicht.
| Modell | Österreich | Führung |
|---|---|---|
| Großdeutsche Lösung | Sollte dazugehören | Österreich |
| Kleindeutsche Lösung | Sollte nicht dazugehören | Preußen |
Merke: Bei den beiden Einigungsmodellen gehören zwei Fragen zusammen: Sollte Österreich dazugehören, und welcher Staat sollte führen?
Teste dich
Otto von Bismarck, ein Politiker und später der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, trieb die Reichsgründung maßgeblich voran. Der Reichskanzler war der Leiter der Reichsregierung. Bismarck überzeugte die süddeutschen Staaten vom Beitritt. Am 18. Januar 1871 wurde das Kaiserreich im Schloss Versailles in Frankreich verkündet. Es entstand am Ende des Deutsch-Französischen Krieges. Wilhelm I. wurde Deutscher Kaiser. Diese Einheit war eine Monarchie, also ein Staat mit einem Monarchen, etwa einem König oder Kaiser, an der Spitze.
Nach der nationalsozialistischen Diktatur und der deutschen Niederlage 1945 teilten die Siegermächte Deutschland in Besatzungszonen auf. Das waren Gebiete unter ihrer Kontrolle. Für sie ging es dabei auch um Sicherheit vor einem neuen deutschen Angriff. 1949 entstanden zwei deutsche Staaten: die demokratische Bundesrepublik und die kommunistische Diktatur der DDR. Anders als 1871 bestand nun kein gemeinsamer deutscher Staat.
1989 beseitigte eine demokratische Massenbewegung das Herrschaftssystem der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, kurz SED, in der DDR. Die Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 wurde zum Symbol seines Zusammenbruchs. Die Maueröffnung war aber noch nicht die staatliche Vereinigung.
Am 3. Oktober 1990 traten die Länder der DDR der Bundesrepublik bei. Die DDR hörte auf, als eigener Staat zu bestehen. Deutschland war nun ein gemeinsamer demokratischer Staat. Anders als 1871 entstand bei dieser Einigung kein Kaiserreich. Der 3. Oktober ist wegen der Wiedervereinigung der deutsche Nationalfeiertag.
| Jahr | Ereignis | Staatliche Ordnung |
|---|---|---|
| 1871 | Gründung des Deutschen Reiches | Ein gemeinsamer Staat mit einem Kaiser |
| 1949 | Gründung der Bundesrepublik und der DDR | Zwei Staaten: Demokratie im Westen, Diktatur im Osten |
| 1990 | Wiedervereinigung | Ein gemeinsamer demokratischer Staat |
Teste dich
1990 wurde die Teilung Deutschlands überwunden. Der Auftrag zur Wiedervereinigung im Grundgesetz, der Verfassung der Bundesrepublik, war erfüllt. Für die Bundesregierung und die breite Öffentlichkeit war die Bildung eines deutschen Nationalstaats damit abgeschlossen. Ein Nationalstaat ist ein Staat, in dem sich die Bevölkerung als eine Nation versteht.
Zur Lösung gehörten auch Vereinbarungen mit anderen Staaten. Den Zwei-plus-Vier-Vertrag schlossen die beiden deutschen Staaten mit den vier Siegermächten. Er hatte den Charakter eines Friedensvertrags, auch wenn er rechtlich nicht als solcher gilt. Das vereinigte Deutschland war nun souverän: Es konnte als Staat selbst über seine Angelegenheiten entscheiden.
Deutschland erkannte die Endgültigkeit seiner Grenzen als Teil der europäischen Friedensordnung an. Der deutsch-polnische Grenzvertrag legte die Grenze an Oder und Neiße, zwei Flüssen, als unverletzlich fest. Mit seinem Inkrafttreten 1992 bestätigte Deutschland den Verzicht auf Gebietsansprüche auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete. Das geschah also nach der staatlichen Vereinigung von 1990.
Österreich war bereits 1945 wieder als unabhängiger Staat hergestellt worden. Seine Eingliederung war kein Teil der Wiedervereinigung von 1990. Zur Lösung der Deutschen Frage gehört außerdem Deutschlands gleichberechtigte Zusammenarbeit mit anderen Staaten: in den Vereinten Nationen, einer weltweiten Staatenorganisation, und der Europäischen Union, einem Zusammenschluss europäischer Staaten. Gelöst ist damit die Frage nach Einheit, Grenzen und staatlicher Ordnung Deutschlands.
Merke: Die Lösung umfasst mehr als die Vereinigung: ein gemeinsamer demokratischer Staat, anerkannte endgültige Grenzen und gleichberechtigte Zusammenarbeit mit anderen Staaten.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Deutsche Frage
Wandel
Die Deutsche Frage betraf je nach Zeit eine neue gemeinsame Ordnung, die Einbeziehung Österreichs oder die Überwindung der Teilung.
Modelle
Großdeutsch bedeutete mit Österreich unter dessen Führung; kleindeutsch bedeutete ohne Österreich unter preußischer Führung.
Reichsgründung
1871 entstand ein gemeinsamer deutscher Staat als Kaiserreich.
Teilung und Einheit
1949 entstanden zwei deutsche Staaten; am 3. Oktober 1990 wurden sie zu einem demokratischen Staat vereinigt.
Abschluss
Zur Lösung gehören die staatliche Einheit, endgültige Grenzen und gleichberechtigte Zusammenarbeit mit anderen Staaten.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum stellte sich die Deutsche Frage 1918/19 erneut?
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Deutsche Frage 1918/19 wieder offen war, obwohl ein deutscher Einheitsstaat bestand.
- 2Ausgangslage bestimmen: Deutschland wurde eine Republik. Der Einheitsstaat blieb bestehen.
- 3Neue Frage benennen: Es ging darum, ob Österreich sich mit Deutschland vereinigen sollte.
- 4Hindernis erklären: Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs verhinderten die Vereinigung durch vertragliche Verbote.
- 5Ergebnis formulieren: Die Deutsche Frage betraf hier die Grenzen des gemeinsamen Staates, nicht dessen Aufteilung in zwei deutsche Staaten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Zielen der beiden deutschen Staaten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die letzte Aussage verwechselt die beiden Staaten. Richtig: 1974 gab die DDR die Wiedervereinigung als Staatsziel auf.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Mit dem Zerfall des Heiligen Römischen Reiches begann die Deutsche Frage im engeren Sinne . Beim großdeutschen Einigungsmodell sollte führen. Die DDR hörte am 3. Oktober auf, als eigener Staat zu bestehen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback