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Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert

Reichsgründung 1871: Weg und Bedeutung

Du lernst, wie 1871 das Deutsche Reich entstand, warum Fürsten und Militär dabei führten und wie die Macht im neuen Staat verteilt war.

0 von 9 Aufgaben gelöst

Reichsgründung 1871: Weg und Bedeutung

Kurz gesagt

1871 entstand das Deutsche Reich unter preußischer Führung und ohne Österreich. Kriege und Verträge bereiteten die Einigung vor. Fürsten und Militär bestimmten die Gründung; der gewählte Reichstag erhielt Mitspracherechte, konnte aber den Kanzler nicht wählen oder absetzen.

Ein gemeinsamer Staat bedeutet noch nicht, dass alle Menschen gleich viel mitbestimmen können. Bei der Reichsgründung gingen nationale Einheit und politische Freiheit unterschiedliche Wege. Du untersuchst, wer die Einigung durchsetzte und welche Rechte die Menschen im neuen Reich hatten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

1848/49 wollten Revolutionäre die deutschen Einzelstaaten einigen und politische Freiheiten durchsetzen. Die gewählte Nationalversammlung in Frankfurt am Main sollte eine gemeinsame Verfassung ausarbeiten, also die Grundregeln des Staates. 1849 beschloss sie eine Einigung ohne Österreich mit dem König von Preußen als Kaiser. Preußen war ein deutscher Einzelstaat. Doch sein König Friedrich Wilhelm IV. lehnte die Kaiserwürde ab. Dem Parlament fehlte außerdem eine handlungsfähige Regierung, die seine Beschlüsse durchsetzen konnte. Die Revolution scheiterte.

Später führten drei Einigungskriege zur Einigung unter Preußens Führung. Im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 kämpften Preußen und Österreich gemeinsam gegen Dänemark. Es ging um Schleswig und Holstein, besonders um die Zugehörigkeit Schleswigs. Beide Gebiete waren Herzogtümer: Ihr Herrscher trug den Titel Herzog. Nach ihrem Sieg übernahmen Preußen und Österreich die Herzogtümer. Der Streit über deren Zukunft führte schließlich 1866 zum Krieg zwischen den beiden bisherigen Verbündeten.

Preußen gewann den Deutschen Krieg von 1866. Der Deutsche Bund, der bisherige Zusammenschluss deutscher Staaten, wurde aufgelöst. Noch 1866 entstand der Norddeutsche Bund zunächst als Militärbündnis ohne Österreich. Mit seiner Verfassung wurde er 1867 zu einem Staat. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 kämpften auch die süddeutschen Staaten an Preußens Seite. Die Siege im August und September 1870 verstärkten dort die Bereitschaft zum staatlichen Zusammenschluss.

Verträge vom November 1870 regelten den Beitritt der süddeutschen Staaten. Am 1. Januar 1871 trat die neue Verfassung in Kraft. Am 18. Januar wurde der preußische König Wilhelm I. im französischen Schloss Versailles feierlich zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Die Reichsgründung war also ein längerer Prozess. Die Feier am 18. Januar war nicht der Beginn der neuen Verfassung.

JahrEreignis
1848/49Die Revolution für Einheit und Freiheit scheitert.
1864Preußen und Österreich besiegen Dänemark.
1866Preußen besiegt Österreich im Deutschen Krieg.
1867Der Norddeutsche Bund wird mit einer Verfassung zum Staat.
1870/71Deutsche Staaten kämpfen gemeinsam gegen Frankreich.
1. Januar 1871Die neue Verfassung tritt in Kraft.
18. Januar 1871Wilhelm I. wird in Versailles feierlich zum Kaiser ausgerufen.

Merke: Unterscheide zeitliche Reihenfolge und Ursache: Der Streit um die Herzogtümer führte zum Krieg von 1866. Dass ein Ereignis früher geschah, macht es noch nicht zur Ursache eines späteren.

Teste dich

MittelWelche Veränderung folgte auf Preußens Sieg von 1866?

Alles auf einen Blick

Reichsgründung 1871

  • Einigungsweg

    Auf das Scheitern von 1848/49 folgten die Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71.

  • Preußische Führung

    Bismarck setzte sich für einen Nationalstaat ohne Österreich ein.

  • Gründung von oben

    Fürsten, Regierungen und Militär führten; die Nationalbewegung trug die Einigung mit.

  • Machtverteilung

    Der Kaiser bestimmte den Kanzler. Reichstag und Bundesrat mussten Reichsgesetzen zustimmen.

  • Grenzen der Mitbestimmung

    Das Männerwahlrecht ab 25 Jahren hatte weitere Einschränkungen; Frauen waren ausgeschlossen.

  • Bewertung

    Nationale Einheit und politische Mitwirkung waren Erfolge, doch starke Herrschermacht und fehlender nationaler Minderheitenschutz blieben.

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Wie führte der Konflikt von 1870 zum gemeinsamen Krieg?

  1. 1Aufgabe: Erkläre den Zusammenhang zwischen der Emser Depesche und dem Kriegseintritt der süddeutschen Staaten.
  2. 2Ausgangspunkt benennen: Frankreich verlangte nach dem Rückzug des spanischen Thronbewerbers einen Verzicht auch für die Zukunft. Wilhelm I. lehnte das ab.
  3. 3Bismarcks Handlung erklären: Er stellte Frankreichs Forderung und Wilhelms Ablehnung in der Emser Depesche bewusst schroff dar. Das löste auf beiden Seiten Empörung aus.
  4. 4Den nächsten Schritt zuordnen: Frankreich erklärte Preußen am 19. Juli 1870 den Krieg.
  5. 5Die Folge begründen: Weil nun der Verteidigungsfall eingetreten war, kämpften die süddeutschen Staaten aufgrund ihrer Bündnisse an Preußens Seite.

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Lückentext

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Die von der Frankfurter Nationalversammlung angebotene Kaiserwürde lehnte 1849 ab. Am 19. Juli 1870 erklärte Preußen den Krieg. Der Norddeutsche Bund wurde mit seiner Verfassung zu einem Staat.

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Reichsgründung 1871

LeichtWelche Staaten kämpften 1864 gemeinsam gegen Dänemark?
MittelWie passt die Unterstützung durch viele Bürger zur Gründung von oben?
SchwerEin Gesetzesvorschlag findet im Bundesrat Zustimmung, im Reichstag aber nicht. Was folgt daraus?

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