Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Reformation: Ursachen, Verlauf und Folgen
Du lernst, warum Luther die Kirche verändern wollte, wie gedruckte Texte seine Ideen verbreiteten und wie Glaube und Macht zur Kirchenspaltung beitrugen.
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Kurz gesagt
Die Reformation war eine Bewegung zur Erneuerung der Kirche im frühen 16. Jahrhundert. Aus dem Streit über Glauben und kirchliche Macht gingen neben der katholischen Kirche neue Kirchen hervor, die man protestantisch nennt.
Wie können aus Kritik an einer Kirche mehrere Kirchen entstehen? Bei der Reformation trafen Fragen über Gott auf Interessen mächtiger Herrscher. Gedruckte Texte machten den Streit einem größeren Kreis von Lesern bekannt.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Martin Luther war Priester und lehrte in Wittenberg über die Bibel, die heilige Schrift der Christen. Er wollte die katholische Kirche erneuern. Nach seiner Überzeugung nimmt Gott einen Menschen durch dessen Glauben an. Ein Mensch kann sich das nicht durch gute Taten verdienen.
Ein wichtiger Streitpunkt war der Ablass. Damit sollten Strafen für Sünden gemildert werden. Sünden sind nach christlichem Verständnis Verstöße gegen Gottes Gebote. Beim Ablasshandel war dafür neben Reue eine Geldzahlung vorgesehen. Nach damaligem Glauben drohten Menschen nach dem Tod zeitweise Strafen im sogenannten Fegefeuer. Ablassbriefe sollten diese Zeit verkürzen. Luther kritisierte, dass Menschen sich durch den Ablass zu sicher fühlten. Für ihn kam es darauf an, dass sie ihre Sünden wirklich bereuten.
Es gab schon länger Kritik am Lebensstil hoher Kirchenvertreter und an Geldzahlungen für kirchliche Leistungen. Ein konkreter Anlass der Reformation war der Petersablass von 1515. Papst Leo X., das Oberhaupt der katholischen Kirche, wollte damit den Bau des Petersdoms, einer Kirche in Rom, finanzieren. Du kannst also unterscheiden: Die länger bestehende Kritik war ein Hintergrund; dieser Ablass war ein konkreter Auslöser.
Auch die Verteilung politischer Macht half der Reformation. Das Heilige Römische Reich war ein Herrschaftsverband aus vielen einzelnen Gebieten. Der Kaiser konnte dort nicht allein bestimmen. Fürsten, die einzelne Gebiete regierten, wollten durch die Reformation oft unabhängiger von Kaiser und Papst werden.
Definition
Reformation
Das Wort bedeutet Erneuerung. Gemeint ist hier die Bewegung zur Erneuerung der Kirche im frühen 16. Jahrhundert, aus der mehrere getrennte Kirchen hervorgingen.
Merke: Die Kritik an kirchlichen Zuständen bestand schon länger. Der Petersablass von 1515 war ein konkreter Auslöser. Politische Machtinteressen halfen bei der Ausbreitung.
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Gedruckte Schriften brachten Luthers Gedanken zu einem größeren Kreis von Lesern. Er vergab selbst Aufträge an verschiedene Druckereien und prüfte die Qualität. Die Texte wurden an verschiedenen Orten gedruckt und verbreitet.
Wichtig war auch die Sprache. Lateinische Texte erreichten gelehrte Leser mit Lateinkenntnissen. Deutschsprachige Texte konnten auch Menschen lesen, die Deutsch, aber kein Latein beherrschten. Wer gar nicht lesen konnte, konnte auch einen deutschen Druck nicht selbst lesen. Viele Menschen konnten damals nicht lesen.
Luthers 95 Thesen waren kurze Aussagen zur Diskussion über den Ablass. Sie wurden entgegen seiner ursprünglichen Absicht ins Deutsche übersetzt und verbreiteten sich schnell. Nach 1517 erschienen auch Nachdrucke, die Luther nicht genehmigt hatte. Später wandte er sich selbst mit deutschen Texten an Leser außerhalb der gelehrten Kreise. Dabei nutzte er auch Flugschriften: kurze gedruckte Texte, mit denen Autoren ihre Ansichten verbreiteten. 1520 kamen im deutschsprachigen Raum etwa 500.000 seiner Schriften und Flugschriften auf den Markt. So konnten mehr Leser von seiner Kritik und seinen Vorschlägen erfahren.
Beispiel: Eine deutsche Schrift erreicht viele Leser
- 1Im März 1518 ließ Luther den deutschen Text „Sermon von dem Ablass und Gnade“ drucken. Darin erklärte er seine Ablasskritik.
- 2Bis 1520 erschienen davon 23 Ausgaben.
- 3Mit dieser Schrift erreichte Luther eine große Öffentlichkeit. Er erkannte, wie gut gedruckte Texte seine Anliegen verbreiten konnten.
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1517 veröffentlichte Luther seine 95 Thesen, also kurze Aussagen zur Diskussion über den Ablass. Er wollte die katholische Kirche erneuern, nicht von Anfang an eine getrennte Kirche schaffen. Ob er die Thesen tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist unklar. Die Veröffentlichung und der mögliche Anschlag sind nicht dasselbe.
Der Streit weitete sich aus. Luther stellte auch den Anspruch des Papstes auf die höchste Stellung in der Kirche infrage. 1520 verlangte der Papst, dass Luther seine Aussagen zurücknahm. Luther tat das nicht. 1521 schloss der Papst ihn aus der Kirche aus. Diesen Ausschluss nennt man Kirchenbann.
Im selben Jahr erschien Luther vor dem Reichstag in Worms. Ein Reichstag war eine Versammlung des Kaisers und der Vertreter mächtiger Gruppen und Städte im Reich. Luther wollte seine Aussagen nur zurücknehmen, wenn man sie mit der Bibel widerlegte. Der Kaiser entzog ihm daraufhin den rechtlichen Schutz. Luthers sächsischer Landesherr ließ ihn auf der Rückreise zur Wartburg bringen.
Aus der Erneuerungsbewegung entstanden verschiedene protestantische Kirchen neben der katholischen Kirche. Protestantisch nennt man die aus der Reformation hervorgegangenen Glaubensrichtungen, darunter Lutheraner, Reformierte und Täufer. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 brachte innerhalb des Heiligen Römischen Reichs einen vorläufigen Abschluss. Die katholische Kirche führte ebenfalls Reformen durch. Die Kirchenspaltung beendete die Konflikte jedoch nicht: Gegensätze zwischen katholischen und protestantischen Herrschern und Städten im Reich trugen 1618 zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges bei.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1517 | Luther veröffentlicht seine 95 Thesen. |
| 1520 | Der Papst fordert Luther auf, seine Aussagen zurückzunehmen. |
| 1521 | Der Papst schließt Luther aus der Kirche aus. |
| 1555 | Der Augsburger Religionsfrieden bringt im Reich einen vorläufigen Abschluss. |
Merke: Luthers anfängliches Ziel war die Erneuerung der katholischen Kirche. Die Entstehung getrennter Kirchen war ein Ergebnis des weiteren Streits.
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Religiöse Überzeugungen betreffen den Glauben: Was erwartet Gott von den Menschen? Politische Interessen betreffen zum Beispiel die Macht eines Herrschers. Beides konnte im selben Streit wichtig sein. Luther lehnte die Ablasspraxis aus religiösen Gründen ab: Er fürchtete, dass Menschen sich ohne echte Reue sicher fühlten.
Ein anderes Interesse hatte Friedrich III., der Herrscher von Kursachsen, einem Gebiet im Reich. Er ließ den Ablassverkäufer Johann Tetzel in seinem Gebiet nicht tätig werden. Friedrich besaß in Wittenberg selbst eine Sammlung verehrter heiliger Gegenstände. Besucher konnten dort an bestimmten Feiertagen ebenfalls Ablass erhalten. Er sah in Tetzels Ablasshandel eine wirtschaftliche Konkurrenz. Das Geld sollte im eigenen Herrschaftsgebiet bleiben und nicht in das rivalisierende Gebiet Brandenburg fließen. Sein Widerstand gegen diesen Ablasshandel hatte also einen anderen Grund als Luthers Kritik.
Fürsten unterstützten die Einführung der Reformation oft auch, um unabhängiger von Kaiser und Papst zu werden. Über ihre Einführung wurde in den einzelnen Gebieten entschieden. Kaiser Karl V. wollte eine Aufteilung des Reichs in unterschiedliche Glaubensrichtungen verhindern, konnte sich aber nicht durchsetzen. Außerdem war er mit Kriegen gegen Frankreich und das Osmanische Reich, ein weiteres mächtiges Reich, beschäftigt. Dafür brauchte er Geld und Truppen sowie die Zustimmung mächtiger Gruppen im Reich. Das schwächte seine Stellung.
Die Verbindung ist wichtig: Der Streit betraf den Glauben. Ob neue Kirchen in einem Gebiet bestehen konnten, hing aber auch von politischen Machtverhältnissen ab. Deshalb reicht es nicht, die Reformation nur als Glaubensstreit oder nur als Kampf um Macht zu erklären.
Merke: Frage bei einem Konflikt: Welche Glaubensüberzeugung vertritt jemand? Welche Vorteile für Macht oder Einnahmen sucht er? Ähnliches Handeln kann unterschiedliche Gründe haben.
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Alles auf einen Blick
Reformation
Religiöse Kritik
Luther hielt echte Reue für wichtig. Nach seiner Auffassung fühlten sich Menschen durch den Ablass zu sicher.
Auslöser
Der Petersablass von 1515 traf auf länger bestehende Kritik an kirchlichen Zuständen.
Verbreitung
Gedruckte Texte in deutscher Sprache erreichten einen größeren Kreis von Lesern.
Kirchenspaltung
Aus der Erneuerungsbewegung gingen verschiedene protestantische Kirchen hervor.
Machtinteressen
Fürsten wollten durch die Reformation oft unabhängiger von Kaiser und Papst werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Glaube und Herrschaft beim Reichstag in Worms unterscheiden
- 1Aufgabe: Erkläre am Auftreten Luthers in Worms 1521, wie ein Glaubensstreit und politische Herrschaft zusammentrafen.
- 2Die Überzeugung bestimmen: Luther wollte seine Aussagen nur zurücknehmen, wenn man sie mit der Bibel widerlegte. Für ihn war die Bibel der entscheidende Maßstab.
- 3Die politische Handlung bestimmen: Der Kaiser entzog Luther den rechtlichen Schutz. Damit betraf der Streit auch Luthers Stellung im Reich.
- 4Die Verbindung erklären: Luther hielt an seinen religiös begründeten Aussagen fest. Der Kaiser reagierte mit einer Maßnahme seiner Herrschaft. Der sächsische Landesherr ließ Luther auf die Wartburg bringen.
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Prüfe die Aussagen zu Luthers Anliegen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt das anfängliche Ziel mit dem späteren Ergebnis. Richtig: Luther wollte die katholische Kirche erneuern.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Luther veröffentlichte seine 95 Thesen im Jahr . Im deutschsprachigen Raum kamen 1520 etwa seiner Schriften und Flugschriften auf den Markt. Der Augsburger Religionsfrieden brachte im Heiligen Römischen Reich einen vorläufigen Abschluss der Reformation.
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