Geschichte · Klasse 5–10 · aktualisiert
Bildquelle analysieren: Anleitung in 4 Schritten
Du lernst, Bilder als Zeugnisse ihrer Zeit zu untersuchen: Herkunft klären, genau beschreiben, begründet deuten und Grenzen erkennen.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Eine Bildquelle untersuchst du mit Fragen zu ihrer Entstehung, ihrem Inhalt und ihrer Gestaltung. Daraus entwickelst du eine begründete Deutung. Zum Schluss prüfst du, was das Bild über die Vergangenheit verrät und was offenbleibt.
Ein Bild kann aussehen, als wärst du bei einem vergangenen Ereignis dabei. Doch vielleicht entstand es erst viel später. In vier Schritten lernst du, genau hinzusehen und die Entscheidungen des Bildmachers zu prüfen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Trenne zuerst zwei Fragen: Wann geschah das gezeigte Ereignis? Wann entstand das Bild? Ein später gemaltes Bild zeigt, wie ein Maler auf die Vergangenheit blickte. Es ist keine unmittelbare Aufnahme des früheren Geschehens.
Trotzdem kann eine nachträgliche Darstellung eine Bildquelle sein: Sie gibt Auskunft über die Vorstellungen und Absichten aus ihrer Entstehungszeit. Ob du sie als Quelle nutzen kannst, hängt also auch von deiner Frage ab. Das Bild allein beweist weder den genauen Ablauf aller gezeigten Handlungen noch die Anwesenheit des Malers beim Ereignis.
Der Maler Benjamin West schuf 1770 das Gemälde „Der Tod des General Wolfe“. Es zeigt den Tod des britischen Generals James Wolfe in einer Schlacht gegen französische Truppen bei Quebec im September 1759. Ein General führt Soldaten. West verstand sich auch als Historiker, also als jemand, der Geschichte untersucht. Er wollte bedeutende Ereignisse seiner Zeit im Bild festhalten. Sein Anspruch macht Entstehungszeit und Ereigniszeit aber nicht gleich.
Definition
Bildquelle
Ein Bild, das du als Zeugnis der Vergangenheit untersuchst. Es kann zum Beispiel zeigen, welche Vorstellungen Menschen zur Zeit seiner Entstehung ausdrücken wollten.
Merke: Ein späteres Bild über ein früheres Ereignis ist eine nachträgliche Darstellung. Zugleich kann es eine Quelle für die Zeit sein, in der es entstand.
Teste dich
Notiere zunächst deinen ersten Eindruck und offene Fragen. Kläre dann die Herkunft: Wer schuf das Bild, wann und wo entstand es? Gab es einen Auftraggeber, also jemanden, der das Bild anfertigen ließ? Für wen war es bestimmt? Titel und Bildunterschriften können Hinweise liefern. Bei einem Gemälde gehören auch Größe, Material und Ausstellungsort zur Untersuchung.
Beschreibe danach geordnet, was sichtbar ist. Nenne Personen, Gegenstände und Umgebung. Achte bei Personen auf Kleidung, Gesichtsausdruck, Handbewegungen und Körperhaltung. Trenne dabei Beobachtung und Erklärung: „Eine Person hebt den Arm“ beschreibt etwas Sichtbares. Was die Bewegung bedeutet, musst du erst prüfen.
Untersuche schließlich die Gestaltung: Was liegt in der Mitte, was am Rand? Wie groß erscheinen die Figuren im Verhältnis zueinander? Welche Farben und welche Beleuchtung fallen auf? Aus welchem Blickwinkel siehst du die Szene? Bei einer Fotografie prüfst du auch Entfernung und Bildausschnitt. Ein Symbol ist ein Zeichen, das für etwas anderes steht. Seine Bedeutung lässt sich nicht allein an seiner Form ablesen; dafür brauchst du Hintergrundwissen.
Definition
Gestaltung
Gestaltung bedeutet, wie ein Bild aufgebaut und gemacht ist. Dazu gehören etwa die Anordnung der Figuren, Farben und Licht.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: ein Plakat beschreiben
- 1In der Mitte steht eine große Figur mit erhobenem Arm. Am unteren Rand stehen kleinere Figuren.
- 2Über der großen Figur steht in roter Schrift „Helft!“.
- 3Die Beschreibung nennt Lage, Größe, Bewegung und Farbe. Warum die Figuren so angeordnet sind, bleibt zunächst eine Frage.
Teste dich
Eine Deutung erklärt, was ein Bild ausdrücken könnte. Verbinde dafür Beobachtungen mit Wissen über seine Entstehungszeit. Frage etwa: Welche Figur wird hervorgehoben? Welche Bedeutung hatten gezeigte Zeichen für die damaligen Betrachter? Welche Absicht könnte der Bildmacher verfolgt haben?
Die heutige Bedeutung einer Handbewegung oder eines Zeichens reicht als Begründung nicht aus. Eine Bewegung kann in einer Gesellschaft freundlich gemeint sein und in einer anderen beleidigend. Prüfe deshalb zusätzliche Informationen. Formuliere dann eine Gesamtaussage und überlege, ob auch andere Deutungen zu deinen Beobachtungen passen.
Ein Beispiel liefert der Maler Jan Matejko. Er malte 1891 ein Bild über die Verabschiedung einer Verfassung in Warschau am 3. Mai 1791. Eine Verfassung legt grundlegende Regeln für einen Staat fest. Anlass für das Gemälde war das hundertjährige Jubiläum, also die Erinnerung an das Ereignis hundert Jahre später. In der Bildmitte tragen begeisterte Abgeordnete, also politische Vertreter, den Leiter ihrer Versammlung auf den Schultern. Er schwenkt den Verfassungstext. Der König steht am linken Bildrand. Mitte, Haltung und Gegenstand stützen die Deutung, dass der Maler den Leiter der Versammlung besonders hervorhebt.
Merke: Begründe deine Deutung mit sichtbaren Einzelheiten und Wissen über die Entstehungszeit. Nenne auch offene Fragen und andere mögliche Deutungen.
Teste dich
Der Aussagewert eines Bildes ist das, was du mit seiner Hilfe über deine Frage herausfinden kannst. Frage nach seinem Zweck und den Menschen, die es erreichen sollte. Ein politisches Plakat wirbt zum Beispiel um Zustimmung. Es will Menschen beeinflussen und dient weniger als andere Bildquellen dazu, Geschehen festzuhalten. Es gibt aber Auskunft über die Absichten und Ansichten des Auftraggebers. Auch seine Größe zählt: Eine kleine Abbildung im Buch vermittelt die Wirkung eines großen Plakats nur eingeschränkt.
Prüfe bei einem Gemälde, ob gezeigte Einzelheiten mit gesichertem Wissen über das Ereignis übereinstimmen. Der Maler Anton von Werner malte mehrere Fassungen eines Bildes über die Ausrufung des deutschen Kaiserreichs 1871. Das Kaiserreich war der damalige deutsche Staat mit einem Kaiser. In seiner Fassung von 1885 erscheint auch der General Roon, obwohl dieser an der Ausrufung nicht teilgenommen hatte. Als diese Fassung 1885 entstand, war Roon bereits gestorben. Das Beispiel zeigt: Ein genau und lebensecht gemaltes Bild muss das Ereignis nicht genau wiedergeben.
Trenne außerdem die beabsichtigte Wirkung von der tatsächlichen Aufnahme durch damalige Betrachter. Was ein Bildmacher erreichen wollte, beweist noch nicht, wie Menschen reagierten. Dafür untersuchst du weitere Zeugnisse aus jener Zeit und die Verbreitung des Bildes.
Zum Schluss bewertest du das Bild aus heutiger Sicht. Nenne dabei deinen Maßstab, etwa die Genauigkeit der Darstellung. Eine heutige Bewertung beantwortet eine andere Frage als die Untersuchung damaliger Reaktionen. Halte fest, welche Aussagen belegt sind und was du mit dem Bild allein nicht herausfinden kannst.
| Frage | Was untersuchst du? |
|---|---|
| Was sollte das Bild bewirken? | Die Absicht des Bildmachers oder Auftraggebers. |
| Wie wurde es damals aufgenommen? | Zeugnisse über Reaktionen der damaligen Betrachter. |
| Wie bewertest du es heute? | Dein begründetes Urteil mit einem genannten Maßstab. |
Teste dich
Alles auf einen Blick
Bildquelle analysieren
Zeit
Unterscheide das dargestellte Ereignis von der Entstehung des Bildes.
Herkunft
Kläre Bildmacher, Entstehungsumstände, Auftraggeber und angesprochene Betrachter.
Beschreibung
Erfasse sichtbare Inhalte und ihre Gestaltung, bevor du ihre Bedeutung erklärst.
Deutung
Verbinde Beobachtungen mit Wissen über die Entstehungszeit und prüfe andere Möglichkeiten.
Bewertung
Unterscheide Aussagewert, Grenzen, damalige Reaktionen und dein heutiges Urteil.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie hebt Matejko eine Person hervor?
- 1Aufgabe klären: Untersuche, wie der Maler Jan Matejko den Leiter der Abgeordnetenversammlung im Bild über die Verfassung in Warschau hervorhebt.
- 2Beobachtung festhalten: Der Leiter befindet sich in der Mitte. Begeisterte Abgeordnete tragen ihn auf den Schultern, und er schwenkt den Verfassungstext.
- 3Mit einem weiteren Bildelement vergleichen: Der König steht dagegen am linken Bildrand.
- 4Wissen ergänzen: Das Bild entstand zum hundertjährigen Jubiläum der Verabschiedung der Verfassung.
- 5Deutung formulieren: Die Stellung in der Mitte und das Tragen auf den Schultern heben den Leiter besonders hervor. Damit ist die Gestaltung erklärt; der genaue Ablauf des früheren Ereignisses ist dadurch noch nicht bewiesen.
Fehler finden
Prüfe die Angaben zu Wests Gemälde In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die falsche Angabe setzt Ereigniszeit und Entstehungszeit gleich. Richtig: Benjamin West malte das Gemälde 1770. Der dargestellte Tod James Wolfes geschah 1759.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Benjamin West malte „Der Tod des General Wolfe“ im Jahr . Jan Matejkos Gemälde über die Verfassung in Warschau entstand zum hundertjährigen Jubiläum im Jahr . Die hier untersuchte Fassung von Anton von Werners Bild, die den nicht anwesenden General Roon zeigt, entstand .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback