Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Martin Luthers 95 Thesen: Inhalt und Wirkung
Du lernst, was Luther am Ablass kritisierte, warum seine 95 Thesen wirkten und weshalb der berühmte Thesenanschlag umstritten ist.
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Kurz gesagt
Martin Luthers 95 Thesen von 1517 kritisierten den Umgang mit Ablassbriefen. Luther wandte sich gegen die Vorstellung, mit Geld Gottes Vergebung sichern zu können. Ob er die Thesen an die Wittenberger Schlosskirche nagelte, ist nicht gesichert.
Kann ein gekaufter Brief einem Menschen die Sorge vor Gottes Strafe nehmen? Über solche Fragen stritten Luther und seine Gegner. Du lernst seine Gedanken kennen und prüfst, was wir über ihre Bekanntmachung wissen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Martin Luther veröffentlichte 1517 seine 95 Thesen. Thesen sind Aussagen, über die man diskutieren soll. Luther wollte die katholische Kirche verbessern. Ein wichtiger Streitpunkt war der Handel mit Ablassbriefen.
Eine Sünde ist nach christlichem Verständnis ein Verstoß gegen Gottes Willen. Nach kirchlicher Lehre konnten auch nach der Vergebung der Schuld noch zeitlich begrenzte Strafen bleiben. Ein Ablass sollte solche Strafen verringern oder aufheben. Viele Menschen fürchteten das Fegefeuer. So nannten sie einen vorgestellten Ort der Reinigung nach dem Tod. Ablassbriefe sollten die dortige Strafzeit verkürzen.
Beim Ablasshandel wurden solche Briefe gegen Geld angeboten. Luther kritisierte, dass Menschen sich dadurch ihrer Rettung durch Gott zu sicher fühlten. Für ihn kam es auf aufrichtige Reue an: Ein Mensch sollte sein falsches Handeln ernsthaft bedauern. Ein bezahlter Brief konnte diese Reue nach Luthers Auffassung nicht ersetzen.
Definition
Ablass
Ein Ablass sollte nach kirchlicher Lehre zeitlich begrenzte Strafen für Sünden verringern oder aufheben. Er war nicht mit der Vergebung der Schuld selbst gleichzusetzen.
Merke: Luther kritisierte die falsche Sicherheit durch Ablassbriefe. Für ihn war aufrichtige Reue entscheidend.
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Luther schrieb die 95 Thesen auf Latein. Er wollte zunächst ein Streitgespräch unter Gelehrten anregen, also unter Menschen, die sich gründlich mit einem Fach beschäftigten.
In These 1 erklärte Luther, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein solle. Buße bedeutet hier: das eigene falsche Handeln bereuen und das Leben neu an Gott ausrichten. Für Luther war das eine lebenslange Aufgabe, keine Sache, die mit einem Kauf erledigt war.
In den Thesen 35–40 betonte er: Wer wirklich bereut, kann auch ohne bezahlten Ablassbrief Vergebung erhalten. In den Thesen 41–44 stellte er die Hilfe für Arme und Hilfsbedürftige über den Kauf von Ablassbriefen. Er nannte solche Hilfe Nächstenliebe: Menschen kümmern sich um andere, die Unterstützung brauchen.
Die Gedanken hängen zusammen. Nach Luther konnte ein Brief die innere Reue nicht ersetzen. Zugleich kam es darauf an, wie ein Mensch mit anderen umging. Hilfe für einen Bedürftigen war für ihn wichtiger als der Kauf eines Ablassbriefs.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Ist mit einem Kauf alles erledigt?
- 1Ein Mann meint, nach dem Kauf eines Ablassbriefs müsse er sein Verhalten nicht mehr überdenken.
- 2Das widerspricht Luthers Gedanken aus These 1: Buße sollte das ganze Leben begleiten.
- 3Der Kauf konnte nach Luther die Aufgabe nicht ersetzen, eigenes Unrecht zu bereuen.
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Die Thesen blieben nicht im Kreis der Gelehrten. Sie wurden nachgedruckt und verbreitet. Druckereien halfen so, Luthers Kritik bekannt zu machen. Die lateinischen Thesen richteten sich zunächst an Gelehrte. Eine breitere Leserschaft erreichte Luther besonders mit einer deutschen Schrift von 1518: „Sermon von dem Ablass und Gnade“. Darin erklärte er seine Ablasskritik. Nach Schätzungen konnten damals die meisten Menschen im Heiligen Römischen Reich nicht lesen.
Druck allein erklärt die Wirkung nicht. Schon vor den Thesen gab es Unzufriedenheit mit der Kirche. Fürsten beklagten etwa Geldforderungen aus Rom. Auch der Lebensstil hoher Kirchenvertreter rief Kritik hervor. Luthers Gedanken trafen also auf bereits vorhandene Beschwerden. Seine eigene Sorge galt besonders dem falschen Vertrauen auf Ablassbriefe.
Du kannst drei Dinge unterscheiden: Der Ablassverkauf war der konkrete Anlass für Luthers Kritik. Die schon vorhandene Unzufriedenheit half, ihre Wirkung zu verstärken. Druck und deutsche Texte machten die Gedanken einem größeren Kreis von Lesern zugänglich.
Die Thesen wurden ein wichtiger Ausgangspunkt der Reformation. So heißt die Bewegung zur Erneuerung der Kirche, die schließlich zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Kirchen führte. Luther wollte zunächst die katholische Kirche verbessern. Die spätere Spaltung war nicht einfach sein ursprünglicher Plan.
| Was wirkte mit? | Welche Rolle spielte es? |
|---|---|
| Ablassverkauf | Er war der konkrete Anlass für Luthers Kritik. |
| Vorhandene Beschwerden | Luthers Gedanken trafen auf schon bestehende Unzufriedenheit. |
| Druck und deutsche Texte | Sie machten seine Gedanken einem größeren Kreis von Lesern zugänglich. |
Merke: Die Verbreitung eines Textes und die Zustimmung zu seinen Gedanken sind verschiedene Dinge. Druck und vorhandene Unzufriedenheit wirkten hier zusammen.
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Gesichert ist: Luther schickte seine Thesen am 31. Oktober 1517 mit einem Brief an Albrecht von Brandenburg, einen hohen Kirchenleiter. Er war Erzbischof von Mainz und Magdeburg. Luther verschickte die Thesen auch an Gelehrte, um ihre Meinung zu erfahren.
Berühmt ist eine andere Geschichte: Luther soll die Thesen am 31. Oktober 1517 eigenhändig an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben. Dieser Thesenanschlag ist historisch nicht gesichert. Das heißt weder, dass er sicher geschah, noch, dass er sicher ausblieb.
Philipp Melanchthon berichtete erst nach Luthers Tod vom Anschlag. Er kam erst 1518 nach Wittenberg und konnte deshalb kein Augenzeuge des behaupteten Ereignisses von 1517 sein. Ein Augenzeuge ist jemand, der ein Ereignis selbst gesehen hat. Historiker beurteilen die Hinweise unterschiedlich. Heinrich Bornkamm hielt einen Anschlag für passend zu den damaligen Bräuchen an der Universität. Erwin Iserloh zweifelte dagegen daran, dass er stattgefunden hatte.
Später wurde die Geschichte vom Anschlag wichtig für die Erinnerung der Protestanten. Das sind Christen der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen. Hundert Jahre später erinnerten sie mit einer Gedenkfeier an Luthers öffentliche Auftritte von 1517. Aber eine spätere Feier beweist nicht, wie die Thesen damals bekannt gemacht wurden.
Merke: Unterscheide den gesicherten Versand der Thesen vom umstrittenen Annageln an die Kirchentür. Auch eine berühmte Geschichte braucht Belege.
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Alles auf einen Blick
Martin Luthers 95 Thesen
Ablass
Nach kirchlicher Lehre ging es um zeitlich begrenzte Strafen für Sünden.
Kritik
Für Luther ersetzte ein gekaufter Brief keine aufrichtige Reue.
Hilfe
Luther stellte die Unterstützung Bedürftiger über den Kauf von Ablassbriefen.
Wirkung
Druck und deutsche Texte verbreiteten die Kritik; vorhandene Beschwerden verstärkten ihre Wirkung.
Belege
Der Versand der Thesen ist gesichert, der berühmte Thesenanschlag bleibt umstritten.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: Eine Entscheidung mit den Thesen erklären
- 1Ein Mann überlegt, ob er mit seinem Geld einem Bedürftigen hilft oder einen Ablassbrief kauft. Die Aufgabe lautet: Erkläre, welche Handlung Luther wichtiger fand.
- 2Passenden Gedanken suchen: In den Thesen 41–44 stellte Luther die Unterstützung von Armen und Hilfsbedürftigen über den Kauf von Ablassbriefen.
- 3Auf das Beispiel anwenden: Dem Bedürftigen zu helfen entspricht dieser Forderung nach Nächstenliebe.
- 4Antwort formulieren: Luther hätte die Hilfe für wichtiger gehalten. Ein Ablassbrief konnte nach seiner Auffassung außerdem die aufrichtige Reue nicht ersetzen.
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Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht aus einem umstrittenen Ereignis eine Gewissheit. Richtig: Der Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche ist historisch nicht gesichert.
Lückentext
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Luthers Veröffentlichung der 95 Thesen fällt in das Jahr . Für das zunächst beabsichtigte Streitgespräch unter Gelehrten schrieb er die Thesen auf . Mit seinem Brief vom 31. Oktober 1517 schickte er die Thesen an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, .
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