Geschichte · Klasse 7–8 · aktualisiert
Aufklärung: Ideen, Folgen und Grenzen verstehen
Du lernst, wie die Aufklärung Wissen und Herrschaft hinterfragte, Macht begrenzen wollte und warum gleiche Rechte nicht für alle Wirklichkeit wurden.
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Kurz gesagt
Die Aufklärung war eine europäische Geistesbewegung des 17. und besonders des 18. Jahrhunderts. Menschen sollten selbst denken und Wissen mit Vernunft und Erfahrung prüfen. Ihre Ideen stärkten Freiheit und Menschenrechte, wurden aber nur teilweise verwirklicht.
Musst du eine Behauptung glauben, weil ein mächtiger Mensch sie ausspricht? Aufklärer forderten, selbst nachzudenken und Gründe zu prüfen. Das stellte auch die Macht von Königen und die ungleichen Rechte verschiedener Gruppen infrage.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Aufklärung war eine europäische Geistesbewegung des 17. und besonders des 18. Jahrhunderts. Menschen diskutierten neue Vorstellungen über Wissen, Zusammenleben und Herrschaft. Vernunft, also begründetes Nachdenken und Prüfen, sollte dabei helfen. Beobachtungen, wissenschaftliche Untersuchungen und Erfahrungen sollten Wissen begründen.
Eine Aussage sollte nicht deshalb als wahr gelten, weil ein mächtiger Mensch sie vertrat oder viele sie lange glaubten. Aufklärer wandten sich gegen Aberglauben, Vorurteile und blindes Vertrauen in Autoritäten. Damit sind Menschen oder Einrichtungen gemeint, deren Aussagen besonderes Gewicht haben. Viele Aufklärer hofften, durch Wissenschaft und Erziehung das Zusammenleben schrittweise zu verbessern.
Der Philosoph Immanuel Kant forderte Menschen auf, ihren eigenen Verstand ohne fremde Anleitung zu gebrauchen. Dafür brauche es Entschlossenheit und Mut. Nach Kant konnten Bequemlichkeit und Angst Menschen davon abhalten. Auch Personen, die andere in Abhängigkeit hielten, erschwerten selbstständiges Denken. Kant meinte zudem: Eine Revolution könne eine Gewaltherrschaft beseitigen, verändere aber nicht von selbst die Denkweise der Menschen.
Wissen sollte mehr Menschen zugänglich werden. Die Encyclopédie war ein großes Nachschlagewerk, das das Wissen der Zeit sammeln und öffentlich zugänglich machen sollte. Ihre ersten Bände erschienen 1751. In Deutschland teilten Lesezirkel Bücher und Zeitschriften, weil Bücher relativ teuer und öffentliche Bibliotheken noch selten waren. Dort wurde auch über das Gelesene gesprochen.
Definition
Aufklärung
Eine Bewegung, die selbstständiges Denken, vernünftiges Prüfen und mehr Freiheit fördern wollte.
Beispiel: Wissen teilen in deutschen Lesezirkeln
- 1Interessierte schlossen sich zusammen und bezogen gemeinsam Bücher und Zeitschriften.
- 2Die Texte wurden reihum gelesen.
- 3In Lesekabinetten gab es auch Räume, in denen Leser über das Gelesene diskutieren konnten.
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Im Absolutismus sollte die staatliche Macht beim Monarchen, also beim König oder einem anderen Einzelherrscher, gebündelt sein. Christliche Monarchen begründeten ihre Herrschaft vor allem mit dem Gottesgnadentum: Sie behaupteten, ihre Macht komme von Gott. Aufklärer prüften solche Ansprüche kritisch. Die Berufung auf Gott genügte ihnen nicht als vernünftige Begründung von Herrschaft.
In einer Ständegesellschaft unterschieden sich gesellschaftliche Gruppen auch durch ihre Rechte. In Frankreich besaßen Klerus, also Geistliche, und Adel besondere Rechte. Solche Vorrechte heißen Privilegien. Die Forderung nach gleichen Rechten stellte diese Ungleichheit infrage. Die Vorrechte selbst waren also kein Beleg für gleiche Rechte. In patriotisch-gemeinnützigen Gesellschaften traten Standesunterschiede bei Entscheidungen in den Hintergrund. Das waren Vereinigungen, die sich für das Wohl ihres Landes einsetzten und praktisches Wissen verbreiteten. Bei ihren Entscheidungen sollte das bessere Argument zählen, nicht die gesellschaftliche Stellung.
Auch der Vorrang der Kirche wurde kritisiert. Toleranz bedeutet, andere Überzeugungen zu dulden, etwa einen anderen religiösen Glauben. Freiheit, Toleranz und Menschenrechte wurden zu Maßstäben, an denen Herrschaft gemessen werden konnte. Menschenrechte sind Rechte, die jedem Menschen zustehen und die der Staat achten muss.
Dennoch vertraten die Denker keine einheitliche politische Lehre. Das zeigt das Naturrecht: Damit sind Rechte gemeint, die aus der menschlichen Natur hergeleitet werden und über staatlich gesetzten Regeln stehen sollen. Je nach Vorstellung vom Menschen wurde Naturrecht sowohl zur Rechtfertigung absoluter Herrschaft als auch zur Begründung von Gleichheit und Widerstand genutzt. Aufklärerisches Denken führte daher nicht zu einem einzigen Staatsmodell.
Definition
Ständegesellschaft
Eine Gesellschaftsordnung, in der gesellschaftliche Gruppen unterschiedliche Rechte haben. In Frankreich besaßen Geistliche und Adel besondere Rechte.
Merke: Selbstständiges Prüfen betraf auch Herrschaft: Warum darf jemand regieren, und warum soll eine Gruppe mehr Rechte haben als eine andere?
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Bei absoluter Herrschaft soll die staatliche Macht beim Monarchen zusammenlaufen. Gewaltenteilung verfolgt ein anderes Ziel: Verschiedene staatliche Stellen sollen Macht ausüben und sich gegenseitig begrenzen. Mit Gewalt ist hier staatliche Macht gemeint.
Der französische Denker Montesquieu beschrieb diesen Grundsatz in seinem Werk „Vom Geist der Gesetze“ von 1748. Er unterschied drei Aufgaben: Die Legislative beschließt Gesetze. Die Exekutive führt Gesetze aus. Die Judikative spricht Recht, entscheidet also anhand von Gesetzen über Rechtsfälle. Diese Aufgaben sollen getrennt sein, damit eine Gewalt die anderen nicht beherrscht.
Besonders wichtig war Montesquieu eine unabhängige Rechtsprechung. Gerichte sollten an Gesetze gebunden sein, nicht an die Wünsche eines Herrschers. Für ihn beruhte politische Freiheit auf der Sicherheit durch allgemeine Gesetze. Gewaltenteilung sollte diese Sicherheit schützen, statt dem Monarchen weitere Macht zu geben.
Montesquieu befürwortete eine konstitutionelle Monarchie. Das ist eine Monarchie, in der eine Verfassung die Macht des Herrschers begrenzt. Gewaltenteilung bedeutete für ihn also nicht, dass es keinen König mehr geben durfte. Entscheidend war, wie dessen Macht begrenzt wurde.
| Gewalt | Aufgabe |
|---|---|
| Legislative | Gesetze beschließen |
| Exekutive | Gesetze ausführen |
| Judikative | Anhand von Gesetzen Recht sprechen |
Merke: Prüfe nicht nur, ob ein König regiert. Prüfe auch, ob seine Macht begrenzt ist und Gerichte unabhängig entscheiden können.
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Aufklärerische Ideen wirkten auf unterschiedliche Weise. Manche Herrscher griffen sie für Reformen auf, also für Veränderungen bestehender Regeln und Einrichtungen. Wo Herrscher dafür offen waren, gab es etwa Reformen im Schulwesen und im Recht. Solche Veränderungen innerhalb absoluter Herrschaft werden als aufgeklärter Absolutismus bezeichnet.
Ein Beispiel ist Friedrich II., der König von Preußen, einem damaligen Staat. Er trat für religiöse Toleranz ein und ordnete mildere Strafen an. Zugleich stärkte er in Preußen die besondere Stellung adliger Gutsbesitzer. Militärische und amtliche Führungsstellen wurden im Wesentlichen unter ihnen aufgeteilt. Reformen und fortbestehende Ungleichheit konnten also nebeneinander bestehen.
Die Amerikanische und die Französische Revolution verhalfen aufklärerischen Ideen zum politischen Durchbruch. Volkssouveränität bedeutet, dass Staatsgewalt vom Volk ausgeht und Herrschaft dessen Zustimmung braucht. Menschen- und Bürgerrechte sollten staatliche Macht begrenzen. Aufklärerische Ideen waren dabei wichtige politische Grundlagen, aber keine Erklärung für jede einzelne Entwicklung.
Die Umsetzung blieb begrenzt. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde die Verfassung um einen Katalog von Grundrechten und Freiheiten ergänzt. Versklavte Menschen blieben von diesen Rechten ausgeschlossen. Ansprüche von Sklavenhaltern auf Eigentum standen den Menschenrechten entgegen.
In Frankreich erhielten Frauen während der Revolution nicht die geforderte politische Gleichberechtigung. Die französische Verfechterin von Frauenrechten Olympe de Gouges veröffentlichte 1791 eine „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“. Ihre Forderungen wurden nicht aufgegriffen. In keiner der damaligen französischen Volksvertretungen gab es Frauen.
Für ein begründetes Urteil musst du daher Anspruch und Umsetzung vergleichen. Die Aufklärung lieferte Maßstäbe, um Macht und Ungleichheit zu kritisieren. Das war ein wichtiger politischer Wandel. Doch du musst jeweils prüfen, wer Rechte tatsächlich erhielt und wer ausgeschlossen blieb. Die Verkündung von Menschenrechten beweist noch nicht, dass alle Menschen sie ausüben konnten.
Definition
Volkssouveränität
Staatsgewalt geht vom Volk aus. Herrschaft braucht die Zustimmung des Volkes.
Merke: Vergleiche politische Forderungen mit ihrer Umsetzung: Welche Rechte wurden gestärkt, und für welche Menschen galten sie tatsächlich?
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Alles auf einen Blick
Aufklärung
Grundidee
Menschen sollten selbst denken und Wissen mit Vernunft, Beobachtung und Erfahrung prüfen.
Herrschaftskritik
Die Berufung auf Gott und besondere Rechte einzelner Gruppen wurden hinterfragt.
Machtbegrenzung
Gewaltenteilung trennt Gesetzgebung, Ausführung und Rechtsprechung.
Politische Folgen
Aufklärerische Ideen beeinflussten Reformen und verhalfen Menschenrechten und Volkssouveränität zum Durchbruch.
Grenzen
In den Vereinigten Staaten blieben versklavte Menschen von den neuen Grundrechten ausgeschlossen. In Frankreich erhielten Frauen während der Revolution keine politische Gleichberechtigung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Kants Aussage über Revolutionen erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum nach Kant eine Revolution allein noch keine Aufklärung der Menschen bewirkt.
- 2Politische Veränderung bestimmen: Eine Revolution kann nach Kant eine Gewaltherrschaft beseitigen.
- 3Veränderung des Denkens bestimmen: Aufklärung verlangt, den eigenen Verstand ohne fremde Anleitung zu gebrauchen.
- 4Zusammenhang erklären: Ein Herrschaftswechsel verändert nicht von selbst die Denkweise. Selbstständiges Denken verlangt weiterhin Entschlossenheit und Mut.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Friedrich II. in Preußen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Das Wort „schwächte“ verwechselt Reformen mit dem Abbau von Vorrechten. Richtig: In Preußen stärkte Friedrich II. die besondere Stellung adliger Gutsbesitzer.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die ersten Bände der Encyclopédie erschienen . In Montesquieus Gewaltenteilung liegt die Rechtsprechung bei der . Friedrich II. stärkte die besondere Stellung adliger Gutsbesitzer in .
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