Geschichte · Klasse 5–10 · aktualisiert
Quellenkritik: Quellen zuverlässig beurteilen
Du lernst, passende Fragen an Quellen zu stellen, ihre Entstehung und Aussagen zu prüfen und begründete Grenzen zu erkennen.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Quellenkritik bedeutet, Zeugnisse der Vergangenheit genau zu prüfen. Du untersuchst ihre Entstehung und ihren Inhalt. So kannst du begründen, was sie über deine Frage verraten und was offenbleibt.
Ein alter Brief kann viel erzählen. Doch was wusste sein Verfasser, und was wollte er dem Empfänger mitteilen? Mit Quellenkritik prüfst du solche Fragen, bevor du aus einem Zeugnis Aussagen über die Vergangenheit ableitest.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Historische Quellen sind Zeugnisse, aus denen du etwas über die Vergangenheit erfahren kannst. Dazu gehören Texte, Bilder und Gegenstände. Historiker sind Wissenschaftler, die die Vergangenheit erforschen. Eine heutige Erklärung über die Vergangenheit heißt dagegen Darstellung. Sie entsteht durch die Untersuchung von Quellen.
Am Anfang steht deine Leitfrage. Sie legt fest, was du herausfinden möchtest. Eine passende Frage nennt einen untersuchbaren Gegenstand und passt zu den verfügbaren Zeugnissen. Frage etwa bei einem Brief: Was wollte der Verfasser dem Empfänger über ein Ereignis mitteilen? Der Brief kann auch helfen, die Beziehung zwischen beiden zu untersuchen.
Welche Rolle ein Text spielt, hängt von deiner Frage ab. Du kannst eine heutige Geschichtsdarstellung lesen, um etwas über eine frühere Zeit zu lernen. Untersuchst du dagegen, wie ihr Verfasser Geschichte erklärt, wird diese Darstellung selbst zur Quelle. Entscheidend ist also nicht allein, wie alt ein Text ist.
Definition
Leitfrage
Die Leitfrage ist die Frage, auf die deine Untersuchung eine begründete Antwort geben soll.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: einen Brief untersuchen
- 1Ein Briefschreiber bittet seinen Bruder um Hilfe.
- 2Passende Frage: Welche Hilfe erbittet der Briefschreiber?
- 3Grenze: Die Bitte belegt noch nicht, dass der Bruder geholfen hat.
Teste dich
Zuerst hältst du fest, was du an einer Quelle feststellen kannst. Danach erklärst du, was diese Beobachtungen bedeuten könnten. Dabei helfen zwei Bereiche der Quellenkritik.
Die äußere Quellenkritik untersucht die Gestalt und Entstehung einer Quelle: Aus welchem Material besteht sie? Wie wurde sie hergestellt? Wo und wann entstand sie? Ist sie vollständig erhalten? Auch ihre Echtheit wird geprüft: Stammt sie tatsächlich von dem angegebenen Hersteller?
Die innere Quellenkritik untersucht die enthaltenen Informationen. Was wird ausgesagt? Passen die Aussagen zusammen? Konnte der Verfasser das Berichtete wissen? An wen richtete er sich? Du ordnest den Inhalt außerdem in die damaligen Ereignisse und Lebensverhältnisse ein.
Beide Bereiche hängen zusammen. Die Frage nach dem Verfasser hilft etwa dabei, die Echtheit und seine Kenntnisse zu prüfen. Bei einer alten Fotografie untersuchst du deshalb nicht nur, was zu sehen ist. Du fragst auch nach dem Fotografen, einem möglichen Auftrag und den Menschen, für die das Foto bestimmt war. Eine Aufnahme erklärt ihre Entstehung nicht von selbst.
| Bereich | Beispielfrage |
|---|---|
| Äußere Quellenkritik | Ist das Schriftstück vollständig erhalten? |
| Innere Quellenkritik | Widersprechen sich Aussagen im Text? |
Merke: Halte zuerst deine Beobachtungen fest. Begründe danach deine Erklärung mit dem Inhalt und den Umständen der Entstehung.
Teste dich
Ein Verfasser berichtet aus einem bestimmten Blickwinkel. Diesen Blickwinkel nennt man Perspektive. Seine Stellung und seine Lebensumstände können beeinflussen, was er wahrnimmt und wichtig findet. Prüfe deshalb, wer spricht und an wen sich der Text richtet.
Unterscheide Wissen und Absicht. Für das Wissen fragst du: War der Verfasser selbst dabei? Falls nicht: Von wem hatte er seine Informationen? Menschen, die ihm Informationen geben, nennt man Informanten. Wie viel Zeit lag zwischen Ereignis und Bericht? Ein Augenzeuge ist jemand, der ein Ereignis selbst gesehen hat. Aber auch ein Augenzeuge muss auf seine Zuverlässigkeit geprüft werden.
Für die Absicht fragst du: Was wollte der Verfasser bei seinen Lesern erreichen? Wollte er informieren oder sie zu etwas auffordern? Achte darauf, welche Einzelheiten er nennt oder auslässt und ob seine Sprache eher sachlich ist oder Gefühle wecken soll. Die beabsichtigte Wirkung beweist noch nicht, dass die Leser tatsächlich so reagierten.
Ein Tagebucheintrag vom Tag eines Ereignisses und später aufgeschriebene Lebenserinnerungen haben einen unterschiedlichen zeitlichen Abstand. Der frühere Text ist nicht allein deshalb zuverlässiger. Auch ein späterer Bericht kann auf guten, zeitnahen Informationen beruhen.
Definition
Absicht
Die Absicht ist das Ziel, das ein Verfasser mit seiner Mitteilung verfolgt.
Merke: Prüfe getrennt: Was konnte der Verfasser wissen? Was wollte er davon mitteilen?
Teste dich
Die Aussagekraft einer Quelle beschreibt, was sie zur Beantwortung deiner Leitfrage beitragen kann. Nenne dafür eine passende Aussage oder Beobachtung. Erkläre dann, welchen Schluss sie erlaubt und wo ihre Grenze liegt.
Eine Rechnung zwischen Kaufleuten kann zum Beispiel ein Geschäft belegen. Trotzdem könnte sie Fehler enthalten oder absichtlich falsch ausgestellt worden sein. Auch ein Gesetzestext braucht eine genaue Prüfung: Er sagt, wie Menschen handeln sollen. Ob sie sich tatsächlich daran hielten, ist damit noch nicht geklärt.
Eine nachgewiesene Fälschung ist ebenfalls nicht für jede Frage wertlos. Sie kann etwas über ihren Fälscher verraten. Als echtes Werk des angegebenen Herstellers darfst du sie dagegen nicht behandeln.
Vergleiche eine Quelle mit weiteren Zeugnissen und passenden Sachinformationen. Achte auf Gemeinsamkeiten, Unterschiede, fehlende Einzelheiten und Widersprüche. Prüfe auch, ob eine Behauptung überhaupt möglich ist. Nicht jede Frage lässt sich eindeutig beantworten. Manchmal fehlen wichtige Zeugnisse, weil sie nicht erhalten geblieben sind. Sage dann genau, was du begründen kannst und was offenbleibt.
Definition
Aussagekraft
Die Aussagekraft ist der Beitrag, den eine Quelle zur Beantwortung einer bestimmten Frage leisten kann.
Merke: Ein begründetes Urteil nennt einen Beleg, einen daraus erlaubten Schluss und eine Grenze.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Quellenkritik
Leitfrage
Bestimme zuerst, was du herausfinden möchtest.
Äußere Quellenkritik
Prüfe Gestalt, Entstehung, Erhaltung und Echtheit.
Innere Quellenkritik
Untersuche die enthaltenen Informationen und ihre Zuverlässigkeit.
Verfasser
Unterscheide seinen Blickwinkel, sein mögliches Wissen und seine Absicht.
Urteil
Begründe, was eine Quelle zeigt, und benenne offene Fragen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was lässt sich mit einem Gesetzestext belegen?
- 1Frage festlegen: Zeigt ein Gesetzestext, wie Menschen handeln sollten oder wie sie tatsächlich handelten?
- 2Inhalt einordnen: Ein Gesetzestext legt fest, was vorgeschrieben ist.
- 3Schluss begründen: Damit kannst du eine Aussage über die Vorschrift belegen.
- 4Grenze nennen: Ob Menschen die Vorschrift befolgten, musst du mit weiteren Zeugnissen untersuchen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Tagebuch und Lebenserinnerungen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht den zeitlichen Abstand zum ausreichenden Beweis. Richtig: Der frühere Text ist nicht allein deshalb zuverlässiger. Auch die Herkunft und Qualität seiner Informationen müssen geprüft werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ob ein Schriftstück vollständig erhalten ist, prüfst du bei der Quellenkritik. Welche Reaktion ein Verfasser bei seinen Lesern erreichen wollte, betrifft seine . Ein Gesetzestext belegt zunächst eine .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback