Geschichte · Klasse 11–13 · aktualisiert
Quellenanalyse Geschichte im Abitur: Aufbau
Du lernst, historische Textquellen vorzustellen, Inhalt und Sprache zu untersuchen, Zusammenhänge zu erklären und begründet zu urteilen.
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Kurz gesagt
Eine Quellenanalyse untersucht eine historische Quelle anhand einer Leitfrage. Du stellst den Text vor, analysierst Inhalt und Sprache und erklärst den historischen Zusammenhang. Abschließend prüfst du den Aussagewert und begründest dein Urteil.
Ein historischer Bericht ist noch keine gesicherte Erklärung der Vergangenheit. Du musst prüfen, wer ihn für wen verfasst hat und was sein Verfasser wissen und mitteilen konnte. Im Abitur verbindest du deshalb genaue Textarbeit mit historischem Wissen und einem begründeten Urteil.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Lies zuerst die Aufgabenstellung genau. Die Leitfrage bestimmt, was du untersuchst. Gibt die Aufgabe keine Leitfrage vor, entwickelst du selbst eine passende Frage.
Für die Vorstellung klärst du den Autor und seine Stellung: Welches Amt, welche Funktion und welche soziale Stellung hatte er? Nenne Entstehungszeit und Entstehungsort sowie Veröffentlichungszeit und Veröffentlichungsort. Unterscheide diese Angaben, denn Entstehung und Veröffentlichung sind getrennte Prüfpunkte. Bestimme außerdem Quellengattung, Thema und Adressaten. Adressaten sind die Personen oder Gruppen, an die sich ein Text richtet. Die Quellengattung bezeichnet die Art des Textes, etwa einen Bericht oder ein Gesetz.
Frage auch nach Interessen und Intention, also der Absicht des Autors. Eine vermutete Absicht musst du durch die weitere Analyse begründen. Formuliere aus den gesicherten Angaben eine knappe Einführung. Fehlende Angaben kennzeichnest du als offen, statt sie zu ergänzen.
Auch bei digitalen Fassungen gehört zur Prüfung, wer welche Fassung wann erstellt oder verändert hat. Eine Überarbeitung ist nicht mit der ursprünglichen Entstehung gleichzusetzen. Ebenso darfst du einen späteren Bearbeiter nicht ohne Prüfung als ursprünglichen Autor angeben.
Definition
Quellenkritik
Quellenkritik untersucht die Entstehungsbedingungen einer Quelle und prüft die Zuverlässigkeit ihrer Informationen.
Merke: Eine vollständige Vorstellung berücksichtigt alle wichtigen Prüfpunkte. Sie behauptet nicht, dass zu jedem Punkt eine gesicherte Angabe vorliegt.
Teste dich
Beginne mit dem Befund: Was steht im Text? Gib die wesentlichen Aussagen distanziert, unkommentiert und nach Sinnabschnitten geordnet wieder. Kennzeichne Behauptungen des Autors als solche. Seine Meinung wird durch deine Wiedergabe nicht zur gesicherten Tatsache.
Untersuche anschließend den gedanklichen Aufbau. Welche Behauptung stellt der Autor auf? Womit begründet er sie? Welche Schlussfolgerung zieht er? Erkläre zentrale Schlüsselbegriffe und prüfe, ob die einzelnen Argumente zusammenpassen. Eine Inhaltsangabe nennt Aussagen; eine Analyse erklärt zusätzlich deren Zusammenhang und Funktion.
Untersuche auch die Sprache: Informiert der Autor sachlich, spricht er Gefühle an oder fordert er zum Handeln auf? Prüfe, welche Wirkung er bei seinen Adressaten erreichen möchte. Eine beabsichtigte Wirkung ist noch kein Beleg dafür, dass Leser tatsächlich so reagiert haben.
Verbinde jede Deutung mit einer konkreten Textstelle. Benenne zunächst die sprachliche Beobachtung und erkläre dann ihre mögliche Funktion für die Argumentation. So bleibt nachvollziehbar, wie du von einem Befund zu einer Deutung gelangst.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: einen Handlungsaufruf untersuchen
- 1Der ausgedachte Satz lautet: „Unterstützt unseren Vorschlag!“
- 2Befund: Der Satz fordert seine Adressaten direkt zu einer Handlung auf.
- 3Deutung: Die Aufforderung soll Unterstützung gewinnen.
- 4Grenze: Der Satz belegt nicht, ob die Adressaten dem Aufruf folgten.
Merke: Erst beschreiben, dann deuten: Ein Textbeleg muss deine Erklärung tragen. Die bloße Benennung eines sprachlichen Mittels reicht dafür nicht.
Teste dich
Historischer Kontext meint die Ereignisse, Konflikte und Entwicklungen, zu denen ein Text gehört. Wähle daraus das Wissen aus, das eine konkrete Aussage verständlich macht. Eine Sammlung von Hintergrundwissen ohne Verbindung zum Text erklärt dessen Bedeutung noch nicht.
Gehe in drei Schritten vor: Benenne eine Aussage oder Auffälligkeit. Ergänze den dazu passenden historischen Zusammenhang. Erkläre dann, was dieser Zusammenhang für das Verständnis der Aussage verändert. Berücksichtige dabei die Entstehungsgeschichte und die Stellung des Autors.
Für eine offizielle Eingabe hoher chinesischer Beamter an den Hof von 1904 lassen sich zunächst Textart, Absender, Adressat und Jahr festhalten. Eine Eingabe ist hier ein schriftliches Anliegen an den Hof. Diese Angaben sind ein Ausgangspunkt, aber noch keine Erklärung einzelner Aussagen. Für eine genauere Einordnung brauchst du den Wortlaut und Wissen über die angesprochenen politischen Vorgänge. Ohne diese Ergänzungen bleibt offen, welche Forderungen die Beamten wie begründeten.
Zum Kontext gehört auch der Abstand zum berichteten Geschehen. Zeitliche und örtliche Nähe kann für gute Informationen sprechen, garantiert sie aber nicht. Ein späterer Bericht kann auf zuverlässigen zeitnahen Berichten beruhen, die inzwischen verloren sind. Prüfe deshalb, auf welcher Informationsgrundlage ein Autor schreibt.
| Arbeitsschritt | Leitfrage |
|---|---|
| Textbezug | Welche konkrete Aussage möchte ich erklären? |
| Kontext auswählen | Welches historische Wissen hilft bei dieser Aussage? |
| Verbindung erklären | Was wird durch diesen Zusammenhang verständlich? |
Teste dich
Der Aussagewert bezeichnet, was eine Quelle zur Beantwortung deiner Leitfrage beitragen kann und wo ihre Grenzen liegen. Er hängt von der Fragestellung ab. Prüfe dazu, was der Verfasser wissen konnte und mitteilen wollte. Vergleiche nach Möglichkeit andere relevante Zeugnisse und untersuche Widersprüche. Manche Fragen bleiben auch nach einer Prüfung offen.
Selbst eine nachgewiesene Fälschung kann Aussagewert besitzen: Sie kann Auskunft über den Fälscher geben. Eine nachgewiesene Fälschung ist deshalb nicht für jede historische Frage wertlos. Sie ist damit aber kein echtes Zeugnis des vorgetäuschten Urhebers. Echtheit und Aussagewert sind unterschiedliche Prüffragen.
Ein Sachurteil beurteilt den historischen Gegenstand unter Berücksichtigung seiner damaligen Zeit. Du prüfst etwa die Glaubwürdigkeit von Aussagen, innere Widersprüche und den politisch-ideologischen Standpunkt des Autors. Begründe dein Urteil durch Textbefunde und passendes historisches Wissen. Zeitliche Nähe allein garantiert keine zuverlässigen Informationen.
Ein Werturteil bewertet Aussagen im Hinblick auf die Leitfrage nach heutigen Wertmaßstäben. Nenne den Maßstab ausdrücklich und erkläre, wie du ihn anwendest. Ein heutiger Maßstab ersetzt weder die Untersuchung des Textes noch die Erklärung seiner historischen Bedingungen.
Halte die Fragen auseinander: Was lässt sich mit diesem Zeugnis erkennen? Wie ist der Gegenstand in seiner damaligen Zeit zu beurteilen? Wie bewertest du ihn nach heutigen Maßstäben? Die Antworten können zusammenhängen, benötigen aber jeweils eine eigene Begründung.
| Prüfpunkt | Begründung |
|---|---|
| Aussagewert | Beitrag und Grenzen des Zeugnisses für die Leitfrage |
| Sachurteil | Textbefunde und Bedingungen der damaligen Zeit |
| Werturteil | Offengelegte heutige Wertmaßstäbe |
Merke: Ein begründetes Urteil zeigt seinen Maßstab und seine Belege. Es benennt auch Grenzen des Wissens.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Quellenanalyse (Abitur)
Vorstellung
Kläre Autor, Entstehung, Veröffentlichung, Textart, Thema und Adressaten.
Analyse
Untersuche Aussagen, Argumentation und Sprache mit konkreten Textbelegen.
Kontext
Erkläre, wie ausgewähltes historisches Wissen eine Textaussage verständlich macht.
Aussagewert
Prüfe den Erkenntnisbeitrag und die Grenzen für deine Leitfrage.
Urteil
Unterscheide die Beurteilung unter damaligen Bedingungen von der Bewertung nach heutigen Maßstäben.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wittes Revolutionswarnung historisch einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, wie sich Wittes Revolutionswarnung mit dem historischen Zusammenhang verbinden lässt.
- 2Angaben sichern: Witte war der Absender eines inoffiziellen Berichts an Nikolaus II., den Adressaten. Weitere Angaben zu ihren Ämtern liegen für diese Aufgabe nicht vor.
- 3Textaussage benennen: Der Bericht enthält eine Warnung vor einer Revolution.
- 4Kontext auswählen: Der Bericht wird in die Krise von 1905 eingeordnet.
- 5Verbindung erklären: Die Revolutionswarnung wird als Aussage innerhalb dieser Krise verständlich.
- 6Grenze festhalten: Ohne den Wortlaut kannst du weder einzelne sprachliche Mittel noch die genaue Begründung der Warnung untersuchen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Umgang mit einer Fälschung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Aussage setzt fehlende Echtheit mit fehlendem Aussagewert gleich. Richtig: Eine nachgewiesene Fälschung ist nicht für jede historische Frage wertlos. Sie kann etwa Auskunft über den Fälscher geben.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Wittes Bericht an Nikolaus II. war . Die offizielle Eingabe hoher chinesischer Beamter an den Hof entstand . Wer Aussagen nach heutigen Wertmaßstäben bewertet, formuliert ein .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback