Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Potsdamer Abkommen: Beschlüsse, Ziele und Folgen
Du lernst, was die Siegermächte in Potsdam beschlossen, welche Fragen offenblieben und warum ihre Zusammenarbeit zunehmend scheiterte.
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Kurz gesagt
Das Potsdamer Abkommen enthält Beschlüsse der USA, der Sowjetunion und Großbritanniens von 1945 über das besetzte Deutschland. Es regelte politische Ziele, Reparationen und Verwaltungsfragen. Die endgültige polnische Westgrenze blieb einer Friedensregelung vorbehalten.
Nach dem Krieg mussten die Siegermächte entscheiden, wie Deutschland verwaltet und verändert werden sollte. In Potsdam vereinbarten sie gemeinsame Ziele, hatten aber unterschiedliche Interessen. Du untersuchst, was sie beschlossen und warum ein gemeinsamer Beschluss noch keine gemeinsame Politik bedeutete.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Potsdamer Konferenz fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof in Potsdam statt. Der Zweite Weltkrieg war in Europa beendet. Die Alliierten, also die gegen Deutschland verbündeten Siegermächte, hatten die Regierungsgewalt in Deutschland übernommen.
Drei Staaten verhandelten: die USA, also die Vereinigten Staaten von Amerika, mit Präsident Harry S. Truman; die Sowjetunion mit Regierungschef Josef Stalin; Großbritannien zunächst mit Premierminister Winston Churchill. Die Sowjetunion war einer der gegen Deutschland verbündeten Staaten. Ab dem 28. Juli vertrat Churchills Nachfolger Clement Attlee Großbritannien. Der Wechsel folgte auf die britische Wahl. Frankreich nahm nicht teil, gehörte aber zu den vier Besatzungsmächten in Deutschland.
Die Teilnehmer berieten über die Verwaltung des besetzten Deutschlands, seine politische Neuordnung, Grenzfragen und Reparationen. Auch der noch andauernde Krieg im Pazifik war Thema. Die Beschlüsse über Deutschland sollten unter anderem verhindern, dass von Deutschland erneut ein militärischer Angriff ausging. Als Potsdamer Abkommen bezeichnet man die festgehaltenen Vereinbarungen und Beschlüsse. Eine gekürzte Fassung wurde am 2. August 1945 veröffentlicht.
Definition
Reparationen
Reparationen sind Leistungen zum Ausgleich von Kriegsschäden. In Potsdam ging es darum, welche Leistungen Deutschland erbringen sollte.
Merke: Drei Staaten verhandelten in Potsdam. Deutschland wurde jedoch von vier Besatzungsmächten verwaltet: Frankreich gehörte ebenfalls dazu.
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Die politischen Grundsätze werden als die vier D bezeichnet. Sie sollten die Arbeit des Alliierten Kontrollrats leiten. In diesem gemeinsamen Gremium berieten die vier Besatzungsmächte über Deutschland.
Denazifizierung, auch Entnazifizierung genannt, sollte die Einflüsse des Nationalsozialismus aus Politik und Gesellschaft entfernen. Dazu gehörten gerichtliche Untersuchungen bestimmter Personengruppen nach Vorgaben des Kontrollrats. Demilitarisierung, auch Entmilitarisierung genannt, zielte auf den vollständigen Abbau der deutschen Armee und die Abschaffung der deutschen Rüstungsindustrie. Deutschland sollte keinen neuen militärischen Angriff beginnen können.
Demokratisierung sollte eine demokratische politische Ordnung vorbereiten. Demokratische Parteien und Gewerkschaften sollten erlaubt und gefördert werden. Gewerkschaften vertreten die Interessen von Arbeitnehmern. Rede-, Presse- und Religionsfreiheit wurden unter Berücksichtigung der militärischen Sicherheit gewährt. Auch die Schulen sollten die Entwicklung demokratischer Ideen unterstützen.
Dezentralisierung bedeutete, politische Aufgaben und Entscheidungen auf Regionen, Städte und Gemeinden zu übertragen. In der Wirtschaft sollte übermäßige Macht großer Unternehmen und Unternehmenszusammenschlüsse abgebaut werden. Diese Grundsätze waren Ziele und Arbeitsaufträge. Sie beweisen noch nicht, dass die Besatzungsmächte sie überall gleich umsetzten.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Aufgabe für die Gemeinde
- 1Eine politische Aufgabe soll künftig von einer Gemeinde statt von einer zentralen Stelle entschieden werden.
- 2Das passt zur Dezentralisierung: Die Entscheidung wird auf eine örtliche Ebene übertragen.
Merke: Die vier D betreffen unterschiedliche Aufgaben: nationalsozialistische Einflüsse entfernen, militärische Angriffsmöglichkeiten beseitigen, Demokratie vorbereiten und Macht verteilen.
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Potsdam unterschied zwischen Verwaltung und endgültiger Grenzfestlegung. Die im Abkommen bezeichneten früheren deutschen Gebiete kamen unter polnische Verwaltung. Sie wurden nicht als Teil der sowjetischen Besatzungszone behandelt. Die endgültige Festlegung der polnischen Westgrenze blieb einer Friedensregelung vorbehalten. Daraus folgt nicht, dass es vor 1990 keine wirksamen Grenzabkommen gab.
Auch Vertreibungen waren Thema: Deutsche Bevölkerungsteile wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Das Abkommen sah die Überführung deutscher Bevölkerungsteile aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn vor und verlangte eine geordnete und menschliche Durchführung. Die Tschechoslowakei war ein Staat, aus dessen Gebiet ebenso wie aus Polen und Ungarn deutsche Bevölkerungsteile ausgewiesen wurden. Die polnische und die tschechoslowakische Regierung sowie der Alliierte Kontrollrat in Ungarn wurden aufgefordert, weitere Ausweisungen zunächst einzustellen, bis die Aufnahme im Westen geklärt war. Flucht und Vertreibung hatten bereits vor dem Abkommen begonnen. Nach heutigen Schätzungen starben dabei von 1944 bis 1947 etwa 600.000 Deutsche und Deutschstämmige, also Menschen deutscher Herkunft. Die Forderung nach menschlicher Durchführung ist kein Beleg dafür, dass die Betroffenen tatsächlich geschützt wurden.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde am 12. September 1990 unterzeichnet. Die zwei deutschen Staaten waren die Bundesrepublik Deutschland und die DDR, die Deutsche Demokratische Republik. Die vier weiteren Vertragspartner waren Frankreich, die Sowjetunion, Großbritannien und die USA. Der Vertrag bestimmte das Gebiet des vereinten Deutschlands aus Bundesrepublik, DDR und ganz Berlin, erklärte seine Außengrenzen für endgültig und schloss deutsche Gebietsansprüche aus. Er verlangte außerdem eine verbindliche Bestätigung der bestehenden deutsch-polnischen Grenze durch Deutschland und Polen.
Der deutsch-polnische Grenzvertrag wurde am 14. November 1990 vom bereits vereinten Deutschland und Polen unterzeichnet. Er bestätigte die bestehende gemeinsame Grenze anhand früherer Grenzvereinbarungen. Beide Staaten erklärten sie für unverletzlich und verzichteten gegenseitig auf Gebietsansprüche. Polen war an diesem Vertrag beteiligt, aber nicht am Zwei-plus-Vier-Vertrag.
Unterzeichnung und Inkrafttreten sind verschiedene Schritte. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag trat am 15. März 1991 in Kraft. Er beendete die Rechte und Verantwortlichkeiten der vier Mächte für Berlin und Deutschland als Ganzes; Deutschland erhielt volle innere und äußere Souveränität, also staatliche Entscheidungsfreiheit. Bereits ab der Vereinigung am 3. Oktober 1990 war die Wirksamkeit dieser Rechte bis zum Inkrafttreten ausgesetzt. Der deutsch-polnische Grenzvertrag trat am 16. Januar 1992 in Kraft.
Definition
Inkrafttreten
Mit dem Inkrafttreten wird ein Vertrag rechtlich wirksam. Bei den hier behandelten Verträgen geschah das erst nach der Unterzeichnung.
Merke: 1945 blieb die endgültige polnische Westgrenze einer Friedensregelung vorbehalten. Die Vertragsabschlüsse von 1990 und das jeweilige Inkrafttreten 1991 und 1992 müssen getrennt betrachtet werden.
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Als Kalten Krieg bezeichnet man hier den wachsenden Gegensatz zwischen den Westmächten und der Sowjetunion. Potsdam zeigt einen Übergang: Die Siegermächte vereinbarten noch gemeinsame Ziele, doch ihre Interessen gingen deutlich auseinander. Der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse deutet die Ergebnisse als Kompromisse, deren gemeinsame Formulierungen grundlegende Gegensätze verdeckten.
Das zeigte sich bei den Reparationen. Briten und Amerikaner wollten Deutschland nur mäßige Leistungen auferlegen, damit es als Partner im Welthandel erhalten blieb. Die Sowjetunion verlangte umfangreiche Leistungen wegen der verheerenden Zerstörungen, die die deutsche Wehrmacht auf ihrem Gebiet angerichtet hatte. Der Kompromiss sah vor, dass jede Besatzungsmacht Reparationen aus ihrer eigenen Zone entnahm. Die Sowjetunion sollte zusätzlich Leistungen aus den westlichen Zonen erhalten, sofern diese nicht der Friedenswirtschaft dienten, also der Wirtschaft für zivile Zwecke. Eine Gesamtsumme wurde nicht festgelegt.
Auch die politische Zusammenarbeit hatte Grenzen. Im Kontrollrat mussten Entscheidungen einstimmig fallen. Zugleich hatten die Besatzungsmächte politische Handlungsfreiheit in ihren Zonen. So konnten sie dort eigene Wege gehen, ohne dass der Kontrollrat sie daran hindern konnte. Frankreich widersprach der Einrichtung gemeinsamer deutscher Zentralinstanzen, also übergreifender Einrichtungen. Das trug ebenfalls zur getrennten Entwicklung bei.
Im Mai 1946 stoppte der amerikanische General Lucius D. Clay Reparationslieferungen an die Sowjetunion. Er begründete dies damit, dass vereinbarte Tauschlieferungen aus deren Zone ausgeblieben seien. Großbritannien und die USA legten ihre Zonen zum 1. Januar 1947 zur Bizone zusammen, also zu einem gemeinsamen Gebiet aus zwei Besatzungszonen. Diese Schritte entfernten sich von der vereinbarten einheitlichen Behandlung Deutschlands. Potsdam beschloss die spätere deutsche Teilung nicht. Die Gegensätze und das anschließende Handeln der Besatzungsmächte trugen jedoch dazu bei.
Merke: Potsdam verband Zusammenarbeit mit tiefen Gegensätzen. Für den Übergang zum Kalten Krieg sprechen die unterschiedlichen Interessen und die zunehmend getrennte Politik in den Besatzungszonen.
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Alles auf einen Blick
Potsdamer Abkommen
Konferenz
Drei Siegermächte berieten in Potsdam über das weitere Vorgehen nach dem Krieg in Europa.
Politische Ziele
Die vier D sollten nationalsozialistische Einflüsse beseitigen, militärische Angriffe Deutschlands verhindern, Demokratie vorbereiten und Macht verteilen.
Grenzfrage
Polnische Verwaltung bedeutete 1945 noch keine endgültige Festlegung der polnischen Westgrenze.
Spätere Verträge
Die Abschlüsse von 1990 sind vom Inkrafttreten 1991 beziehungsweise 1992 zu unterscheiden.
Zusammenarbeit
Gegensätze bei Reparationen und eigenständige Politik in den Zonen trugen zur deutschen Teilung bei.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Schritte beim Zwei-plus-Vier-Vertrag unterscheiden
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Unterzeichnung und das Ende der Viermächterechte zeitlich genauer unterschieden werden müssen.
- 2Vertragsabschluss bestimmen: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde am 12. September 1990 unterzeichnet.
- 3Zwischenschritt beachten: Ab der Vereinigung am 3. Oktober 1990 war die Wirksamkeit der Viermächterechte bis zum Inkrafttreten ausgesetzt.
- 4Rechtlichen Abschluss nennen: Am 15. März 1991 trat der Vertrag in Kraft. Artikel 7 beendete die Rechte und Verantwortlichkeiten der vier Mächte bezüglich Berlins und Deutschlands als Ganzem.
- 5Ergebnis formulieren: Unterzeichnung, vorläufige Aussetzung der Wirksamkeit und förmliches Inkrafttreten waren verschiedene Schritte.
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Fehler in Zeile 3Die dritte Aussage verwechselt das Datum der Unterzeichnung mit dem Inkrafttreten. Richtig: Der deutsch-polnische Grenzvertrag trat am 16. Januar 1992 in Kraft.
Lückentext
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Ab dem 28. Juli vertrat Großbritannien auf der Potsdamer Konferenz. Die vollständige Abschaffung der deutschen Rüstungsindustrie gehörte zur . Der Zwei-plus-Vier-Vertrag trat am 15. März in Kraft.
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