Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Papst: Amt, Wahl, Macht und Unfehlbarkeit
Du lernst die Aufgaben des Papstes kennen, verfolgst den Wandel seiner Macht und erfährst, wie Papstwahl und Unfehlbarkeit geregelt sind.
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Kurz gesagt
Der Papst ist der Bischof von Rom und das Oberhaupt der katholischen Kirche. Er regiert auch den Staat Vatikanstadt. Nach katholischer Lehre gelten nur eng bestimmte Entscheidungen über Glauben und richtiges Handeln als unfehlbar.
Kann ein Kirchenoberhaupt zugleich einen Staat regieren? Beim Papst kommen beide Aufgaben zusammen. Doch seine Macht hat sich verändert, und auch für seine Wahl und seine Lehraussagen gelten bestimmte Regeln.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Der Papst ist der Bischof von Rom. Ein Bischof leitet die Kirche in einem bestimmten Gebiet, einem Bistum. Zugleich ist der Papst das Oberhaupt der katholischen Kirche. Nach deren Kirchenrecht, also ihren kirchlichen Regeln, steht er auch an der Spitze der Gemeinschaft ihrer Bischöfe. Dieser Anspruch auf Leitung gehört zum katholischen Verständnis seines Amtes. Nicht alle christlichen Kirchen erkennen ihn an.
Zu seinen Aufgaben gehören die Glaubenslehre und die Leitung der katholischen Kirche. Dabei hilft ihm die Römische Kurie, die Verwaltung der Kirche. Die einzelnen Bischöfe haben in ihren Bistümern eigene Leitungsrechte. Sie sind dort nicht bloß Vertreter des Papstes, unterstehen aber seiner höchsten kirchlichen Leitung.
Außerdem regiert der Papst die Vatikanstadt, einen unabhängigen Staat. Kirchliche Leitung und Staatsgebiet sind dabei zu unterscheiden: Der Heilige Stuhl ist die kirchliche Leitungsstelle. Die Vatikanstadt ist ein Staat mit einem Gebiet.
Definition
Kirchenrecht
Das Kirchenrecht enthält die Regeln, nach denen eine Kirche ihre Aufgaben und ihre Leitung ordnet.
Merke: Der Papst hat mehrere Rollen: Bischof von Rom, Oberhaupt der katholischen Kirche und Herrscher der Vatikanstadt.
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Das Papsttum entwickelte sich aus dem Bischofsamt in Rom. Gegen Ende der Antike, einer alten Geschichtsepoche, waren die Kaiser dort weniger anwesend und unterstützten die Stadt weniger. Der Bischof von Rom gewann an Bedeutung. Katholiken begründen den päpstlichen Leitungsanspruch mit Bibelstellen über Petrus, eine Person aus der Bibel. Seine Verehrung stützte den Anspruch auf eine weiterreichende geistliche Führung. Geistlich meint hier: auf Glaube und Kirche bezogen. Die päpstliche Herrschaft war also nicht von Anfang an fertig ausgebildet.
Nach der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde die päpstliche Leitung stärker ausgebaut. Behörden mit besonderen Aufgaben und kirchliche Gerichte wurden ausgebaut. Mehr Bitten und Rechtsfälle wurden nach Rom gebracht und stärkten diese Entwicklung. Sie betraf den westlichen, lateinisch geprägten Teil der Kirche und den päpstlichen Führungsanspruch. Sie bedeutete keine Unterordnung aller Christen.
Ein Anspruch auf Führung in Glaubensfragen sicherte keine politische Überlegenheit. König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. stritten darüber, wer hohe Kirchenämter besetzen durfte. Bischöfe waren auch wichtige Stützen der königlichen Macht. Gregor schloss Heinrich aus der kirchlichen Gemeinschaft aus. Danach setzten Fürsten den König unter Druck. Später setzte sich Heinrich jedoch mit Soldaten in Rom durch; Gregor musste fliehen. Der Streit um die Besetzung hoher Kirchenämter endete 1122 mit einer Einigung durch gegenseitiges Nachgeben. Die Konkurrenz zwischen königlicher und päpstlicher Macht blieb.
Päpste regierten außerdem den Kirchenstaat, ein Gebiet in Mittelitalien. Papst Julius II. führte sogar Truppen, um päpstliche Gebiete zu sichern. Das war politische Herrschaft über Land und Menschen. 1870 wurde der Kirchenstaat aufgelöst. Der Heilige Stuhl bestand weiter und blieb im Recht zwischen Staaten anerkannt. 1929 entstand durch die Lateranverträge der kleine unabhängige Staat Vatikanstadt. Er sollte die Unabhängigkeit der kirchlichen Leitung sichern. Der frühere ausgedehnte Kirchenstaat wurde damit nicht wiederhergestellt.
| Jahr | Veränderung |
|---|---|
| 1870 | Der Kirchenstaat wurde aufgelöst; der Heilige Stuhl bestand weiter. |
| 1929 | Die kleine Vatikanstadt entstand als unabhängiger Staat. |
Merke: Ein Anspruch auf Führung in Glaubensfragen bedeutete nicht, dass ein Papst sich auch politisch durchsetzen konnte.
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Wenn das Papstamt unbesetzt ist, heißt diese Zeit Sedisvakanz. Das kann nach dem Tod eines Papstes oder nach einem wirksamen Rücktritt geschehen. Ein Rücktritt muss freiwillig erfolgen und nach den kirchlichen Regeln erklärt werden. Niemand muss ihn annehmen, damit er gilt.
Während der Sedisvakanz übernimmt die Gemeinschaft der Kardinäle begrenzte Leitungsaufgaben. Kardinäle sind hohe kirchliche Amtsträger. Sie dürfen laufende und unaufschiebbare Angelegenheiten regeln, aber keine Aufgaben an sich ziehen, die dem Papst vorbehalten sind. Auch päpstliche Gesetze dürfen sie nicht verändern. Ihre Hauptaufgabe ist die Vorbereitung der Wahl.
Die wahlberechtigten Kardinäle wählen den neuen Papst im Konklave. Das ist eine abgeschirmte Wahlversammlung. Die Altersgrenze für die Wahlteilnahme liegt bei 80 Jahren: Kardinäle, die vor Beginn der Sedisvakanz bereits 80 Jahre alt wurden, nehmen nicht an der Wahl teil. Für die Wahl sind mindestens zwei Drittel der Stimmen der anwesenden und abstimmenden Wähler nötig. Eine knappe Mehrheit von etwas mehr als der Hälfte genügt deshalb nicht.
Zum Papst kann grundsätzlich jeder männliche Katholik gewählt werden. Ist der Gewählte bereits Bischof, erhält er mit der Annahme der rechtmäßigen Wahl die vollen päpstlichen Leitungsrechte. Ist er noch kein Bischof, muss er sofort zum Bischof geweiht, also in dieses kirchliche Amt aufgenommen werden.
Definition
Sedisvakanz
So heißt die Zeit, in der das Papstamt unbesetzt ist.
Beispiel: Ein Papst verzichtet auf sein Amt
- 1Papst Benedikt XVI. trat 2013 freiwillig zurück.
- 2Ein Papstamt kann also auch durch Rücktritt frei werden.
- 3Bis ein Nachfolger bestimmt ist, besteht Sedisvakanz.
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Unfehlbarkeit ist eine katholische Glaubenslehre. Sie bedeutet nicht, dass ein Papst bei jeder Frage recht hat oder sich persönlich fehlerlos verhält. Andere christliche Kirchen erkennen diesen Anspruch nicht an.
Nach katholischer Lehre müssen mehrere Bedingungen zusammenkommen: Der Papst spricht als höchster Lehrer aller Gläubigen. Er entscheidet eine Frage des Glaubens oder der Sittenlehre endgültig. Sittenlehre meint die kirchliche Lehre darüber, wie Menschen richtig handeln sollen. Außerdem muss klar erkennbar sein, dass er eine solche unfehlbare Entscheidung trifft.
Eine politische Aussage oder eine Aussage über Naturwissenschaften fällt nicht unter diesen Anspruch. Auch ein päpstliches Schreiben über Glaubensfragen ist nicht schon deshalb unfehlbar, weil der Papst es verfasst hat. Kirchliche Verbindlichkeit und Unfehlbarkeit sind zu unterscheiden: Eine Aussage kann für Katholiken maßgeblich sein, ohne eine unfehlbare Entscheidung zu sein.
Merke: Prüfe Thema, Rolle und Art der Entscheidung. Der Name des Papstes unter einem Text genügt nicht als Beleg für Unfehlbarkeit.
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Alles auf einen Blick
Papst
Amt
Der Papst ist Bischof von Rom, Oberhaupt der katholischen Kirche und Herrscher der Vatikanstadt.
Entwicklung
Das Papsttum entstand aus dem römischen Bischofsamt; sein Führungsanspruch wurde nicht von allen Christen anerkannt.
Macht
Führung in Glaubensfragen sicherte keine politische Überlegenheit. Der frühere Kirchenstaat und die heutige Vatikanstadt sind zu unterscheiden.
Wahl
Wahlberechtigte Kardinäle wählen im Konklave, einer abgeschirmten Wahlversammlung. Ist das Papstamt unbesetzt, sind ihre Leitungsrechte begrenzt.
Unfehlbarkeit
Nach katholischer Lehre entscheidet der Papst als höchster Lehrer aller Gläubigen endgültig über Glauben oder die kirchliche Lehre vom richtigen Handeln. Die besondere unfehlbare Entscheidung muss klar erkennbar sein.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Einsatz von Truppen durch Julius II. einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, welche Art von Macht Papst Julius II. ausübte, als er Truppen zur Sicherung päpstlicher Gebiete führte.
- 2Handlung bestimmen: Der Papst führte Truppen. Es ging um die Sicherung von Land.
- 3Aufgabe zuordnen: Das gehört zur politischen Herrschaft über ein Gebiet.
- 4Ergebnis formulieren: Julius II. handelte hier als Herrscher über päpstliche Gebiete. Dieser Truppeneinsatz war keine Entscheidung über die Glaubenslehre.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Kirchenstaat und Vatikanstadt In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Aussage verwechselt das Jahr der Auflösung mit dem Jahr der Staatsgründung. Richtig: Der kleine Staat Vatikanstadt entstand 1929.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Als örtlicher Bischof leitet der Papst die Kirche in . Der kleine Staat Vatikanstadt entstand durch die Lateranverträge . Die festgelegte Altersgrenze für die Teilnahme von Kardinälen an der Papstwahl beträgt Jahre; wer dieses Alter vor Beginn der Sedisvakanz erreicht hat, nimmt nicht teil.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback